FussVideo - Text 514: Es war im September letzten Jahres

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Es war im September letzten Jahres
Von XKonrad

Es war im September letzten Jahres, als ich sie zum ersten mal sah. Ich stand an der Garderobe eines noblen Hamburger Restaurants. Der Page nahm gerade meinen Mantel entgegen und gab der Dame neben mir einen kleinen roten Zettel mit einer Nummer. Sie mußte kaum eine Minute vor mir angekommen sein. Ihr Blick traf mich völlig unvorbereitet und ließ mich erstarren. Diese tiefen braunen Augen hatten mich mit einer unglaublichen, fast überirdische Macht ergriffen. Es war, als wäre ich zu einer lebenden Wachsfigur geworden, nicht in der Lage mich zu bewegen oder zu sprechen. Und sie, diese atemberaubend schöne Unbekannte, hatte ein unsichtbares glühendes Eisen in der Hand, das sich in meinen Unterleib bohrte und meine wächsernen Innereien zum schmelzen brachte. "Hallo," der sanfte, gleichwohl feste Klang ihrer Stimme war vertraut und gefährlich zugleich. Vertraut, wie aus einer anderen Zeit, vielleicht vor meinem jetzigen Leben. Gefährlich wie der Gesang der Lorelei oder der Nymphen der Odyssee, die auch den erfahrensten Seemann ins sichere Verderben führen.
Eigentlich hielt ich mich immer für einen eher materialistisch denkenden Menschen und habe nicht viel übrig für solche romantisch esoterischen Verklärtheiten. Aber was ich in diesem Moment spürte, war anders als alles was ich je zuvor erlebt hatte. Ich erschrak. Eine bisher unbekannte innere Stimme sprach zu mir: 'Ja! Du weißt wer sie ist. Du kennst Sie. Sie ist dein Schicksal. Du bist gekommen dich ihr bedingungslos zu unterwerfen!" Meine äußere Stimme war noch immer gelähmt. Ich erschrak über meine eigenen Gedanken. 'So was Albernes!" protestierte eine andere innere Stimme. "Ich bin selbständig und mein eigener Herr! Ich werde mich niemandem unterwerfen!!! Keinem Chef, keinem Staat, keinem Gott und schon gar nicht einer Frau!" Für einen kurzen Moment hatte ich mein Selbstbewußtsein wiedergefunden.
Ein Lächeln spielte um ihre Mundwinkel. Ein wissendes, überlegenes Lächeln. Sie sah mir direkt in die Augen. Es entstand ein peinlicher Moment der Stille. Zum Glück fiel mir mein Handy ein. Ich rief den Jungen mit meinem Mantel noch einmal zurück. Als hätte sie meinen inneren Dialog laut und deutlich gehört, sagte sie: "Ich habe dich erwartet. Jetzt, da Du nach all den Jahren der Verwirrung an deinem Ziel angekommen bist, willst Du deiner Göttin nicht zum Dank die Füße küssen?" Das Handy das ich in diesem Moment aus meiner Manteltasche gefummelt hatte, rutschte mir vor Schreck aus der Hand und fiel auf den weichen, dunkelroten Teppich. Ich starrte sie mit offenem Mund an. Hatte sie das gesagt? Ich hatte zwar nicht gesehen wie ihre Lippen diese Worte sprachen, weil ich zuvor krampfhaft versucht hatte mich mit meiner Manteltasche abzulenken, aber wer sollte es sonst gewesen sein? Obwohl aus dem Foyer Stimmengewirr herüberdrang, war im Garderobenbereich niemand in hörbarer Entfernung.
Mein Schädel fing an zu pochen, meine Ohren brannten. Ich wußte, ich war in diesem Moment feuerrot angelaufen. Ich war vollkommen verwirrt, geradezu paranoid. Hatte mir etwa jemand im Flieger LSD in den Orangensaft getan? Ich konnte einfach nicht glauben, was ich da gehört hatte und stammelte ein tonloses: "Wie bitte?"
Ihr Lächeln wurde zu einem Grinsen, meine Verwirrung schien sie zu amüsieren: "Ich habe sie gefragt, ob sie auch zu Max' Geburtstagsfeier gekommen sind..."
"Äh..." aber mein Sprechapparat funktionierte immer noch nicht.
"Wollen Sie es nicht aufheben? Es könnte leicht jemand drauftreten, falls sie beabsichtigen es längere Zeit dort liegen zu lassen." Ich blickte zu Boden, wo mein Handy genau vor ihren hohen spitzen Schuhen lag. Sie sahen sehr elegant und wertvoll aus, waren zweifarbig, braunbeige und aus einem Leder gefertigt, das an Schlangenleder erinnert. Ein zartes Riemchen ging um den schlanken Knöchel und eines über den Spann. Ihre wohlgeformten Beine waren in dunkelbraune seidig glänzende Nylonstrümpfe gehüllt. Sie trug ein enganliegendes, cremefarbenes Kostüm, dessen Rock eine Handbreit über dem Knie endete.
Ich schluckte. Seit meiner Kindheit hatte ich immer von einen solchen Moment geträumt, ihn herbeigesehnt und ihn zugleich gefürchtet und gehofft, er würde nie eintreffen. Ich fühlte mich wie damals, als ich ein kleiner Junge war, in Todesangst auf der Plattform des Zehnmeterturms stand und mir die Trillerpfeife des Bademeisters und die hämischen Angsthase-Rufe der Mitschüler in den Ohren dröhnen. "Doch... ja natürlich..." sagte ich und sah kurz hinüber zu dem Pagen, aus Angst er könne dies alles beobachtet und angehört haben.
Tatsächlich sah er mich erwartungsvoll an, aber ich merkte, das es ihm nur um den Mantel ging, also gab ich ihm denselben. Er ging damit gemächlich zu einem der weiter entfernteren Garderobenständer. Gut, ein Zeuge weniger. 'Ruhig Junge...', sagte ich mir, 'du mußt dich doch nur bücken und das Ding aufheben. Is' doch 'n Witz! Was ist denn los mit Dir!? Was machst du dir ins Hemd? Es wird nichts passieren was Du nicht willst...'
"Nun...?" Sie sah mich immer noch an. Ihr Blick hatte nun etwas strenges, etwas forderndes. Sie senkte das Kinn ein wenig und fixierte mich. Ihre samtigen, vollen Lippen öffnete sich leicht und in ihren Nasenflügeln zeigte sich ein leichtes Beben. Sie hatte mein zentrales Rechenzentrum voll unter Kontrolle und das unsichtbare glühende Eisen machte sich nun in meinen Beinen bemerkbar. Hilflos spürte ich wie meine Knie immer weicher wurden. Obwohl ich gelenkig genug bin ohne Anstrengung Dinge mit gestreckten Beinen aufzuheben, sank ich, ohne es zu wollen, bis meine Knie den Boden erreichten und mit dem Gesäß auf den Fersen saß. Ich sah zu ihr hinauf. Eine bisher unbekannte Erregung stieg in mir auf. 'Diese Frau ist von wahrhaft göttlicher Schönheit', sagte die selbe Stimme die mir zuvor ankündigte, dies sei die Frau, der ich mich zu unterwerfen hätte.
Ich beugte mich, wiederum ohne es zu wollen nach vorne, so weit als ginge es nicht darum mein Handy aufzuheben, sondern als wäre ich halbblind und müßte zwischen ihren Schuhen meine verlorene Kontaktlinse suchen. Das Handy lag genau in der Mitte zwischen ihren beiden Füßen, die jetzt nicht mehr als jeweils 15 cm von mir entfernt waren. Ich konnte die Wärme ihrer Haut spüren und den feinen Geruch des kaum getragenen Leders. Als meine Nase schon fast das Display meines Handys berührte sah ich wie sich die Spitze des linken Schuhs anhob und auf dem Absatz in meine Richtung drehte. In diesem Moment bemerkte ich die mächtige Erektion in meiner Hose. Es kribbelte wie kleine Stromschläge in meinen Hoden.
Hier stand sie vor mir, die schönste und erhabenste Frau die je auf dieser Erde wandelte und erlaubte mir ihre Schuhspitze zu küssen. Langsam näherten sich meine zitternden Lippen diesem seit frühester Kindheit ersehnten Objekt der Begierde. Die starke innere Stimme, die mich noch vor einer Minute daran erinnerte, das ich ein starker, mächtiger und selbstbewußter Mann sei, brachte nur noch ein kläglich flehendes: 'Nein, tu's nicht!' hervor. Zu spät! Meine heißen Lippen berührten das Leder. In diesem Moment hob und drehte sie den Fuß weiter, so daß der vordere Teil der Spitze meine Oberlippe gegen die Zähne drückte und in meinen Mund eindrang, bis ich die Unterseite ihre Sohle auf meiner Zunge spüren konnte - nebst eines leichten Blutgeschmacks, der wohl von meiner leicht verletzten Oberlippe stammte.
In diesem Augenblick begann mein ganzer Körper unkontrolliert zu vibrieren, etwas schoß mir wie eine Leuchtrakete in den Kopf prallte an meiner Schädeldecke ab, und explodierte in meinem Unterleib. Das war der gewaltigste Orgasmus meines Lebens.
"Oh", sagte sie, scheinbar erschrocken. "Habe ich sie etwa berührt?" Ich sah wie in Trance nach oben. Hinter ihr stand mein Freund Max, zu dem sie sich halb umgedreht hat.
"Nein - nein, nichts passiert..." stammelte ich.
"Hey Mann", sagte er, "was machst Du denn da unten?" Da er sich ihr von hinten genähert hatte, bestand Hoffnung das er das eben geschehene nicht beobachten konnte. Zudem war alles rasend schnell gegangen.
Ich wunderte mich über meine eigene Schlagfertigkeit: "Tja, mein Handy... Ich hab mich danach gebückt und dann ist mir schwindelig geworden. Hab' letzte Nacht kaum geschlafen und nix gegessen."
Er sah mich prüfend an: "Siehst 'n bißchen zerschossen aus, Alter. Wird Zeit, das ich euch an eure Plätze bringe - damit Du was in'nen Magen kriegst." Er klopfte mir auf die Schulter. Ich war erleichtert, er hatte nichts bemerkt. "Ach, hab ich dir Sarah eigentlich schon vorgestellt?" Ich schüttelte den Kopf. "Konrad, das ist Sarah. Sarah, das ist Konrad."
Wir gaben uns die Hand. Sie war in diesem Augenblick wie ausgewechselt. Ein liebes Mädchen geradezu. Ihre Augen fixierten mich nicht mehr, sondern wanderten beinahe schüchtern umher. Von der bedrohlich mächtigen Frau, die mich vor wenigen Sekunden noch in die Knie gezwungen hatte, war nichts mehr zu spüren. "Hallo."
"Freut Mich."
"Ebenso."
Max führte uns zu unseren Tischen. Ich wußte nicht, wie ich in diesem Zustand intelligente Konversation führen sollte. Ich war total durcheinander. Was hatte das alles zu bedeuten? War sie in Wirklichkeit nur das liebe Mädchen, das schließlich zwei Tische weiter an ihrem zugewiesenen Platz setzte? Hatte ich mir ihre Worte nur eingebildet? Hatte sie ihren Fuß nur bewegt, weil sie sich zu meinem Freund umgedreht hatte? Waren die starke Frau und ihre Absicht vielleicht nur ein Wunschtraum? Halluzinationen aus Übernächtigung und jahrzehntelanger Unterdrückung meiner geheimsten Begierden geboren?
Es stimmte, das ich nicht geschlafen hatte. Am Tag zuvor nach der Vorstandssitzung war ich spät nach Hause gekommen und habe nicht gleich einschlafen können. Auch das konnte ich mir nicht erklären. Ich habe sonst einen sehr gesunden Schlaf, dem auch diese Sitzungen, die inzwischen Routine geworden waren, nichts anhaben konnten. Trotz durchwachter Nacht hatte ich mich entschlossen den ersten Flieger zu nehmen um pünktlich zu diesem Brunch in Hamburg zu sein. War es also der Schlafentzug, der diese Halluzination ausgelöst hatte? Oder konnte ich nicht schlafen weil ich eine unbewußte Ahnung hatte?
Max wußte nicht und wird nie erfahren, wie dankbar ich ihm für seine Rettung in der Garderobe war. Insgeheim spürte ich aber, das es schon jetzt zu spät zur Flucht und das diese Rettung bestenfalls ein Aufschub des Unvermeidlichen war. Die Feier hatte ja gerade erst begonnen...

 

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