Sport ist gesund!
Vom Turnschuhheld
Teil I.
Michael war beleidigt, denn seine Arbeitskollegin Nadja hatte
sich über seine Figur lustig gemacht. Sie hatte so einen Spruch
losgelassen wie: "...bei dir werden die Knochen von der Haut
zusammengehalten, was?". Das hatte gesessen. Klar er machte
sich nichts aus Sport, aber Nadja hatte ihm immer ganz gut
gefallen und es traf ihn, daß er ausgerechnet von ihr so eine
Bemerkung kassieren mußte.
Jetzt trug er den ganzen Tag schon zur Schau, wie sehr er
eingeschnappt war. Nicht daß Nadja ihn bemitleidet hätte, aber
auch vor den anderen Kollegen mußte sie wohl offensichtlich
etwas Reue zeigen, denn vor Feierabend lauerte sie ihm am Büroausgang
auf und machte ein betretenes Gesicht.
"Nimmst du's mir sehr übel?" fragte sie ihn verlegen.
Er brummte etwas unverständliches um seine Verärgerung noch
besser zur Geltung zu bringen und meinte dann seufzend: "Nein,
nein. Ist schon in Ordnung."
"So überzeugend klingt das aber nicht," meinte sie.
"Du, es tut mir wirklich leid - ehrlich!"
Diese Entschuldigung empfand er als hinreichend und sagte lächelnd:
"Ist schon okay. Eigentlich hast Du ja recht. Ich mache
keinerlei Sport. Es macht mir halt keinen Spaß und ich kann mich
einfach nicht überwinden."
Nadja fing an zu grinsen und sagte: "Man muß nur in den
richtigen Sportclub gehen, dann kommt die Motivation aus der
Gruppe. Ich spreche aus Erfahrung." Sie sah auf ihre Uhr,
konstatierte, wie eilig sie es hätte und bevor er sich
verabschieden konnte, war sie auch schon zur Tür hinausgewischt.
Trotzdem ließ ihm die Bemerkung keine Ruhe. War er wirklich so
unfit, daß man es schon von der Ferne sehen konnte? Vielleicht wäre
es an der Zeit, mal etwas dagegen zu tun, bevor er sich nicht
mehr die Schuhe zubinden können würde.
Eine Woche später - er hatte die ganze Zeit überlegt, ob er
nicht doch etwas für seine Gesundheit tun könnte, hatte sich
aber nicht aufraffen können - fiel ihm Nadjas Behauptung wieder
ein, als er ihr einen Stoß Arbeit auf den Schreibtisch pflanzte.
Er stellte sich dumm und fragte beiläufig: "Du bleibst wohl
von alleine fit, oder was?", wobei er auf ihre sportliche
Figur anspielte, die noch von ihrem Outfit unterstützt wurde.
Sie trug immer enge Hosen, enge Sweatshirts und sehr oft
Turnschuhe. Das wurde zwar insgeheim von einigen Kollegen und
Vorgesetzten mißbilligt, aber als Projektleiterin konnte sie
sich dieses Auftreten anscheinend erlauben.
"Nein," antwortete sie trocken. "Habe ich das
behauptet?"
"Äh, nein," er überlegte, was er eigentlich wollte.
"Ich dachte," sagte er und versuchte witzig zu wirken,
"...weil du immer in Turnschuhen herumläufst machst du den
ganzen Tag völlig automatisch Sport."
Ihr Gesicht nahm einen geschmerzten Ausdruck an. "Ha ha ha!
Der Witz ist so alt, da rasselt die Bartwickelmaschine im Keller."
Sie machte eine Pause, blickte von ihrem Bildschirm auf und
meinte: "Nein im Ernst, ich trage Turnschuhe aus Gründen
der Bequemlichkeit. Sollen die dummen Büromiezen doch in Stöckelschuhen
rumlaufen und sich einen Hexenschuß holen. Außerdem hättet ihr
Papiertiger und Schlipsträger doch sonst nichts, worüber ihr
euch hinter meinem Rücken auslassen könntet." Dabei warf
sie ihm einen gereizten Blick zu, daß es ihn fröstelte.
Er versuchte zu beschwichtigen: "Nein ehrlich, mir ist das
Formelle völlig egal. Ich hab' echt kein Problem damit, wenn Du
in Turnschuhen in die Arbeit kommst." Und, um das Lächerliche
an seinem Witz zu beweisen: "Ich dachte eben, wenn du deine
Joggingschuhe anhast stärkst du deine Oberschenkel und in deinen
Basketballschuhen verbessert sich deine Aktenordnerwurfkraft.
Jeden Tag einen anderen Sport, zur Abwechslung, hihi."
"Jaja, schon gut" - sie hielt einen Augenblick inne und
er sah an ihrem Blick, daß sie angestrengt überlegte. Sie kniff
die Augen zusammen und sah ihn intensiv an. "Du merkst dir
also, welche Schuhe ich so anziehe?" Sie streckte ihre Füße
unter dem Bürotisch hervor und setzte nach: "Ist an denen
irgendwas komisch oder so? Bin ich wo reingetreten, oder was?",
fragte sie bohrend.
Er war völlig verwirrt. Zum Einen weil er nicht wußte, was er
jetzt sagen sollte, zum Anderen, weil sein Scherz so eine merkwürdige
Reaktion ausgelöst hatte. "Nein, war nur ein Spaß. Mit
deinen Schuhen ist alles normal - natürlich. Tut mir leid,
schlechter Scherz." Er sah auf ihre Turnschuhe und überlegte,
was er sonst noch hätte sagen können.
Ihr: "Ist noch was?" riß ihn aus seinen Gedanken. Er
stotterte: "Nein, nein! - Ich habe auch noch zu tun",
drehte sich um und machte sich auf den Weg zu seinem Schreibtisch.
Kaum saß er, stand Nadja vor ihm. Er fragte: "Willst Du mir
jetzt den Kopf waschen?"
"Nein, das mach mal lieber selber. Du wolltest doch mal mit
dem Sporteln anfangen, oder? Ich hätte da vielleicht was für
Dich." Er blickte nur blöde drein. "Ich bin Trainerin
in einem Sportclub," fuhr sie fort. "Nach Feierabend
und an manchen Wochenenden finden verschiedene Trainingsstunden
statt".
Jetzt hatte er seine Sprache wiedergefunden. "Und was soll
da besonderes dran sein? In ein Fitnesstudio kann ich genauso
gehen. Solche Clubs gibt's wie Sand am Meer, und nach einem Monat
vergeht mir die Lust."
Sie verdrehte die Augen und seufzte. "Wir achten sehr auf
die Motivation aller Teilnehmer. Wir haben Trainingsmethoden, um
alle bei der Stange zu halten. Es ist ein Club, kein Studio!"
Er blickte abschätzig drein. "Es war nur ein Angebot. Wenn
ich dir in der Arbeit schon genug auf die Nerven gehe, mußt du
mich natürlich nicht auch noch nach Feierabend ertragen, ich
verstehe das."
Er sah die Felle davonschwimmen, die ihm gerade erst auf dem Präsentierteller
geliefert worden waren und antwortete schnell: "Nein, es
interessiert mich! Und ich habe nichts gegen dich; und du bist
sicher eine gute Trainerin!"
"Überleg's dir," kam von ihr, und ihm war als wartete
sie auf etwas. "Was für Trainingsmethoden? Wo? Wann? Was
kostet's?" probierte er.
"Die Methoden siehst du dann schon; sind ein paar Tricks
dabei, die kann ich schlecht verraten. Am Besten kommst du nach
Feierabend mit."
"Wann? An welchem Tag?"
"Na heute!"
Ihm blieb die Luft weg. "Aber..." stammelte er.
"...ich hab' doch gar keine passenden Klamotten und Schuhe
dabei!"
"Hast du überhaupt welche?" war ihr Reaktion.
"Äh nein," gestand er.
"Dann mußt du ja sowieso welche kaufen. Dann gehen wir eben
vorher in's Sportgeschäft." Der Tonfall duldete keinen
Widerspruch. Er hatte sich in ihrer Argumentation verfangen und
ihm fiel nichts mehr ein. Zur Bekräftigung sagte sie noch einmal:
"Ich dachte du wolltest, oder etwa nicht?"
"Aber natürlich!" kam mit gespielter Sicherheit zurück...
Da hatte er sich was eingebrockt! Aber egal, andernfalls hätte
er vielleicht nie etwas für seine Gesundheit getan. Er stand
also um 17 Uhr vor der Tür und wartete auf Nadja.
Sie kam fünf Minuten später und meinte: "Ich habe noch bei
meinen Kolleginnen anrufen müssen, daß wir einen
Schnupperkandidaten haben heute."
Im Sportgeschäft ließ er alles über sich ergehen. Er war wie
sie der Ansicht, daß es besser wäre, wenn Entscheidungen von
derjenigen getroffen würden, die sich damit auskannte. Während
dessen setzte sie ihm Unterschiede zwischen Basketball- und
Fitnessschuhen sowie die Vorzüge von Trailschuhen gegenüber
Joggingschuhen auseinander. Sie verordnete ihm zwei Trainingsanzüge
zum Wechseln und ein Paar Aerobicschuhe. Die würden einiges
aushalten und seien im Studio ganz gut zu gebrauchen. Der Club würde
zwar, wenn besseres Wetter anstehe auch mal was im Freien
unternehmen, aber solange er nicht wisse, ob er dabeibleibe solle
er sich noch kein zweites Paar Schuhe kaufen.
Nach dem Einkauf fühlte er sich eigentlich schon genug gerädert,
aber er traute sich nicht einen Rückzieher zu machen. Der Club
war äußerlich ein normales Fitnesstudio mit Werbeschildern vor
der Tür und an der Straße. Auf seinen fragenden Blick hin
teilte sie ihm mit, daß es sich tatsächlich um ein Fitnesstudio
handelte. Aber nach den normalen Öffnungszeiten sei das Studio für
den Club reserviert. Das würde auch der Kostenersparnis dienen.
Er verkniff sich alle weiteren Fragen. Eine Kollegin wartete
schon auf sie mit einem Klemmbrett in der Hand. "Du mußt
einen Vertrag über die Probemitgliedschaft unterschreiben!"
erklärte Nadja. Er griff das Klemmbrett und las den Vertragstext.
Die Gebühren waren harmlos.
"Warum soll ich Stillschweigen über die Trainingstechniken
bewahren?"
"Weil diese unser Kapital und Erfolgsrezept sind!"
Er unterschrieb, daß er an 5 Probetrainings teilnehmen würde
und auch dafür bezahlen würde. Nadja packte Michael am Arm und
schob ihn in die Umkleide. Als er wieder herauskam, war Nadja
nicht zu sehen. Dafür kam eine junge Frau lächlend auf ihn zu.
"Du bist Michael?" und ohne die Antwort abzuwarten.
"Komm, wir fangen an!"
Er folgte ihr in einen Aerobicraum, wo schon 6 andere Männer
warteten. Sie stellte sich vor die anderen hin und stellte ihn
vor. "Keine Angst, die anderen sind auch noch nicht so lang
dabei, wir werden dir schon nicht davon laufen. Ach übrigens,
ich bin Ines". Die anderen begrüßten ihn, stellten sich
vor, aber er konnte sich die Namen nicht merken. Ines sagte:
"Schau einfach was wir machen und mach mit, es ist ganz
einfach."
Nach ein paar Dehnübungen, die recht schmerzhaft für ihn waren
startete Ines ein Aerobicprogramm. Zu hektischer Musik wurde kräftig
gearbeitet. Nicht lange und Michael lief der Schweiß in Strömen
herunter. Ein lautes "Nicht einschlafen, Michael!!!"
zeigte ihm, daß seine Ermüdungserscheinungen schon für die
Trainerin sichtbar geworden waren. Er strengte sich an, aber die
Puste war ihm schon lange ausgegangen. Seine Beine und Arme
schmerzten und er verfluchte sich innerlich für seinen Entschluß.
Ines unterbrach das Programm.
"Michael, du mußt schon bei der Sache sein, sonst kommen
wir hier nicht weiter. Du bringst die anderen aus dem Takt."
Er keuchte und die Trainerin stand kopfschüttelnd vor ihm. Er
sah keuchend auf ihre Schuhe. Schwarze Aerobicschuhe von Reebok.
Sie hatten eine dicke, leicht gewölbte Sohle und eine
hochgezogene Stoßkante vorne. "Ich glaube, wir gönnen dir
eine Pause. Geh in den Nebenraum, setz' dich hin und trink einen
Schluck Wasser aus dem Spender," wobei sie auf die Tür
deutete. Ihm wäre gar keine Alternative eingefallen so erschöpft
war er. "Wenn du wieder fit bist, kommst du einfach wieder
rein."
"Das glaub' ich kaum," murmelte er...
Im Nebenraum saßen zwei Mädchen und unterhielten sich. Als er
den Raum betrat unterbrachen sie ihr Gespräch und die eine
meinte "Was, schon so schnell?!? Nadja hat zwar gesagt:
untrainiert, aber du scheint ja ein schwerer Fall zu sein. - Ich
bin Christine," stellte sich die eine vor, "und das ist
Judith."
Er schätzte ihr Alter auf 18 oder 19. Judith hielt ihm einen
Becher Wasser hin, den er in einem Zug austrank. "So
schlimm? Leg dich erstmal zum Verschnaufen hin."Judith
deutete auf eine Turnmatte vor Michael.
Er befolgte den Vorschlag mit Freude und fiel fast auf die Matte.
Er lag auf dem Bauch und streckte beide Arme weit von sich. Ihm
fielen die Augen zu. Doch er hatte gerade zehn Sekunden
verschnaufen können, da fühlte er etwas auf seinem Rücken. Er
wollte sich umdrehen, aber plötzlich lastete ein grosses Gewicht
auf seinem Rücken und er mußte keuchen. Er wollte mit der Hand
nach hinten greifen um herauszubekommen was da auf ihm lastete,
aber etwas senkte sich schnell auf sein rechtes Handgelenk und
hinderte ihn daran. Er drehte seinen Kopf nach rechts und sah, daß
Judiths rechter Turnschuh sich auf seine Hand gesenkt hatte. Im
Gegensatz zu Ines hatte sie blaue Crosstrainingschuhe von Nike an
und das scharfe griffige Profil schnitt sich schmerzhaft in seine
Haut. Michael versuchte mit seinem linken Arm an seinen Rücken
zu kommen und ertastete einen weiteren Fuß in einem Turnschuh,
der mitten auf ihm stand. Christine kicherte, als sie noch etwas
Gewicht auf ihn verlagerte. Sein ausgestreckter rechter Arm
hinderte ihn daran sich umzudrehen oder mit dem anderen nach dem
Fuß auf seinem Rücken zu greifen.
Er keuchte. "Was soll das?" quetschte er hervor.
Christine gackerte. "Wir müssen dich doch davon überzeugen,
anständig mitzumachen. Und mit deiner Motivation ist es noch so
weit her!" sagte Judith mit zuckersüßer Stimme.
"Wir wollen nur dein Bestes," ließ sich Christine
vernehmen.
"Wir geben dir jetzt nur ein paar Argumente für eine
ordentliche Anstrengung." Christine drehte ihren Turnschuh
ein weing auf seinem Rücken hin und her.
Panisch fuchtelte er mit seinem freien Arm herum und wollte sie
zu fassen kriegen. "Nicht aufregen. Du tust dir nur weh!"
rief Judith. Aber Michael wollte sich nicht beruhigen. Er drehte
seinen Kopf nach links und sah Christines zweiten Fuß. Er bekam
einen Zipfel ihrer Trainingshose zu fassen und wollte daran
zerren. Sie hob jedoch den Fuß und riß sich los. Dabei
verlagerte sie natürlich ihr ganzes Gewicht auf seinen Rücken.
Er wurde rot im Gesicht aber hörte nicht auf herumzufuchteln.
Christine hob ihren linken Fuß und versuchte, seinen freien Arm
unter ihrer Sohle festzuhalten, verfehlte ihn aber. Sie mußte
sich nun vor seinem Arm in Acht nehmen. Da sie nur auf einem Bein
stand, konnte sie ihr Gleichgewicht nur mühsam halten. Sie
wollte ihm nicht völlig die Luft rauben, mußte aber seinen Arm
unter Kontrolle bringen. Sie trat mehrmals schwungvoll nach
seinem Arm. Sie traf ihn einmal mit der Spitze am Ellenbogen, was
er aber kaum spürte und einmal mit der Sohle am Handgelenk.
Seine Hand geriet dabei unter ihren Schuh und weil sie weit
ausgeholt hatte, rieb das Profil mit dem Schwung ihres Beins hart
über sein Handgelenk. Sie trug Runningschuhe von Adidas mit
einem groben Profil. Er schrie auf und sah auf seine Hand. Blut
sickerte aus mehreren Schürfwunden. Christine nutzte den
Schreckmoment aus und stellte sich mit ihrem linken Schuh auf
sein blutendes Handgelenk. Dafür war der Druck von seinem Rücken
genommen. Er schnappte nach Luft.
"Ich sage doch, du tust dir nur weh!" ließ sich Judith
vernehmen. Michael stieß ein paar Flüche aus. "Du solltest
etwas kooperativer sein. Dann ist es auch leichter für uns, dich
zu motivieren." Judith setzte ihren linken Fuß auf seine
Schulter wodurch er vollständig fixiert war. Instinktiv wußte
er, daß jede Bewegung äußerst schmerzhaft sein würde. Seine
Wut verwandelte sich in Verzweiflung. "Anstrengung tut weh,
das wissen wir alle. Aber wir wollen dir zeigen, daß Rumschwächeln
genauso weh tun kann. Merkst du was?"
Er ächzte: "Laßt mich raus, ich will gehen!"
Christine tönte: "Darüber können wir nach der
Trainingsstunde diskutieren. Wir wollen nur, daß du den Rest der
Stunde fleißig mitmachst. Dann hast du's überstanden."
Judith sagte: "Ich höre?!?"
Michael jammerte: "Laßt mich raus!"
"Falsche Antwort!" Christine nahm ihren rechten Fuß
von seinem Rücken und stellte die Ferse vor seinem Gesicht auf
den Boden. Die Spitze zeigte nach oben, so daß er direkt auf ihr
Profil sah. Dann senkte sie ihren Schuh und das Profil grub sich
unangenehm in seine Backe ein. Er roch den Gummi der Schuhsohle
und ein wenig von ihrem Fußschweiß. "Wie du vielleicht
gemerkt hast, kann mangelnde Kooperation unangenehm sein. Also,
laß' dir doch helfen."
Der Turnschuh drückte immer fester auf sein Gesicht. Michael
wollte seinen Kopf wegdrehen. Dabei rutschte Christines Schuh an
ihm ab und die scharfkantige Schuhspitze schrammte über seinen
Mund. Dabei riß er sich die Lippe ein. Christine hatte nachgefaßt
und das Gesicht war wieder unter der Sohle eingeklemmt. Sein Kopf
war jetzt zurückgebogen und konnte sich nicht mehr umdrehen.
Judith meinte: "Jetzt mach es uns doch nicht so schwer. Du könntest
schon längst wieder bei den anderen sein! Du brauchst nur deine
Kooperation zeigen."
"Was wollt ihr von mir?"
"Nur daß du weiter etwas für deine Gesundheit tust, mehr
nicht."
"Ist ja gut, ich mach schon wieder mit", stöhnte er.
"Wunderbar, warum nicht gleich so. Du bist ein guter Junge,"
lobte ihn Judith.
Christine hob ihren Fuß von seinem Gesicht. "Oh, du hast
dich verletzt! Ich bringe dir gleich ein Taschentuch." Sie
stieg von seinem Handgelenk. Sowohl auf seinem Gesicht als auch
auf seiner Hand hatte sich Blut verteilt und gab die Form des
Profils wieder um die es herumgeflossen war.
"Sie ist nicht immer so grob," meinte Judith, die nun
auch von Michael heruntergestiegen war.
Er rappelte sich auf. Vor ihm standen die zwei Mädchen und
feixten. Da kochte in ihm die Wut auf und er wollte sich wider
alle guten Sitten auf Christine stürzen. Bis er ihren Judogriff
bemerkt hatte lag er schon auf dem Rücken und fand einen
Turnschuh auf seiner Brust wieder.
"Ich dachte du hättest verstanden. Haben wir uns vielleicht
geirrt?"
"Nein, äh, tut mir leid."
Christine nahm ihren Runningschuh von seiner Brust. Er hinterließ
ein paar Blutreste, die daran klebten. Sie halfen ihm auf und drückten
ihm einen Waschlappen und Taschentücher in die Hand. Sie
bedeuteten ihm, daß er sich am Waschbecken abputzen sollte.
"Du siehst ja aus wie ein Zombie," kicherte Judith,
"aber so geht's allen beim ersten Mal..."
Befehlsgemäß wusch er sich und die zwei Mädchen tupften seine
eingerissene Lippe ab. "Halb so schlimm," sagte
Christine. "Jetzt kannst du wieder rausgehen. Keine Angst,
die werden dich nicht auslachen. Sie wissen alle ganz genau wie
das hier läuft."
Judith setzte nach: "Und tu uns einen Gefallen, mach keine
Szene oder sowas. Wir wollen dir nicht wieder weh tun. Außerdem
ist der Hausmeister schon weg; die Türen sind also abgesperrt".
Dabei zwinkerte sie ihm zu.
Wie ein geschlagener Hund verließ er den Nebenraum. Ines begrüßte
ihn. "Ah, hallo Michael! Du schaust aber mitgenommen aus.
Haben wir dich vorhin etwas überfordert? Ich glaube für unseren
Neuen verlangsamen wir das Programm heute ein bißchen. Wir
wollen ja nicht, daß er uns abspringt. Außerdem haben eh nur
noch 10 Minuten."
Michael stand völlig groggy auf seinem Platz und versuchte die
Übungen mitzumachen. Es wollte ihm kaum gelingen und er rechnete
jeden Augenblick mit einer Ermahnung. Die blieb aber aus. Die
zehn Minuten kamen ihm wie eine Ewigkeit vor.
Plötzlich rief Ines: "So Feierabend für heute. Michael du
warst hervorragend. Sehr gut für's erste Mal - als völlig
Untrainierter. Ich werde dies' Nadja berichten! Die freut sich
bestimmt."
Michael sagte nichts und ließ sich zur Tür hinausdirigieren. Da
stand Nadja mit einem erwartungsvollen Gesicht und wartete auf
ihn.
Teil II.
"Was geht hier ab?" zischte er Nadja ins Ohr, als er
zur Tür hinaustrat. Nadja machte ein verlegenes Gesicht. "Deine
Kolleginnen sind total verrückt! Ich hab' mich hier total übel
behandeln lassen müssen."
"Findest Du? War es denn nicht motivierend?"
"Ihr spinnt hier doch alle völlig! Von mir aus macht was
ihr wollt, aber ohne mich!" Trotz seines Zustands gelang es
Michael, einigermaßen wütend auszusehen.
Nadja griff nach seiner Hand, aber er schüttelte die ihre
trotzig ab. "Jetzt komm' bitte erste mal ins Büro, es gibt
einiges zu erklären," beschwichtigte sie.
"Da gibt's nichts zu erklären! Ich gehe jetzt und setze
keinen Fuß mehr in dieses Irrenhaus!"
Sie sah ihm direkt in die Augen und sagte äußerst bestimmt:
"Du kommst jetzt bitte mit. Das ist für alle Beteiligten
das Beste." Er war über den scharfen Tonfall so überrascht,
daß ihm kein ganzer Satz mehr gelang. Nadja packte Michael an
der Hand und schleifte ihn hinter sich den Gang hinunter. Am Ende
angekommen schob sie ihn durch eine kleine Tür in ein stickiges
Büro. Die Fenster waren durch Lamellen verdunkelt und ein
klappernder Ventilator vermischte die heiße, unter der Decke
stehende Luft mit der verbrauchten Luft am Boden.
In diesem Kabuff warteten schon einige Personen, mit denen er
bereits Bekanntschaft gemacht hatte. Als er eintrat, kamen sofort
Christine und Judith auf ihn zu und streckten ihm die Hand
entgegen. "Wir möchten uns bei dir für die grobe
Behandlung entschuldigen. Es ist zwar unser Job, aber wir wollen
eigentlich niemanden verletzen." Er starrte sie entgeistert
an, gab aber trotzdem zuerst Christine und dann Judith die Hand.
Nadja sprach ihn von der Seite an: "Du möchtest jetzt
sicher wissen, was wir hier eigentlich treiben."
"Das ist mir ziemlich wurscht. Meiner Ansicht nach spinnt
ihr völlig!"
"Das siehst Du falsch. Wir versuchen bloß besonders hartnäckige
Fälle der Unfitness zu einer gesunden Lebensweise zu bewegen.
Und dafür haben wir uns halt ein paar spezielle Methoden
ausgedacht. Du hast erst den Anfang erlebt..."
"Auf den Rest kann ich gern verzichten! Ich steige hier aus."
Jetzt ließ sich Ines' Stimme vernehmen: "Das glaube ich
kaum," meinte sie lachend, "wir sorgen schon dafür, daß
du Deine Probestunden bis zum Ende überstehst. Oder findest du,
deine Kollegen sollen unbedingt sehen, wie du von zwei
Jugendlichen zerlegt worden bist?"
Erst jetzt sah Michael den Bildschirm in der Ecke auf dem er sich
selbst sehen konnte, wie er unter den Turnschuhen von Judith und
Christine um Luft rang. Er war sprachlos. "Das ist
Erpressung!" keuchte er.
"Hilfestellung trifft's eher," kommentierte Nadja.
"Du würdest ja sofort aufgeben, und wir wollen ja alle nur
dein Erfolgserlebnis. Aber wenn Deine Übungsstunden vorbei sind,
wirst Du wahrscheinlich freiwillig dabeibleiben."
Michael japste: "Macht was ihr wollt, aber ich würde jetzt
gerne gehen..."
"Niemand hindert dich. Du solltest nur nicht den nächsten
Termin vergessen! Aber ich werde dich in der Arbeit noch mal dran
erinnern."
Ohne ein weiteres Wort zu sagen, drehte er sich um und verließ
den Raum. Er rannte den Gang hinunter und wechselte so schnell er
konnte seine Kleider. Niemand folgte ihm. Er verließ das Gebäude
- allein. Als er Zuhause angekommen war, kam ihm alles wie ein böser
Traum vor, nur die Schmerzen die seinen ganzen Körper zu
durchziehen schienen, erinnerten ihn an die Tatsachen.
Die nächsten Tage sprach er kein Wort mit Nadja. Seinen Kollegen
erzählte er von einem Sturz mit dem Fahrrad, wenn die ihn auf
sein zugerichtetes Gesicht ansprachen. Auch Nadja schien ihn
nicht in Konversationen verwickeln zu wollen. Sie erinnerte ihn
auch entgegen ihrer Versicherung nicht an den nächsten Termin.
Das war auch nicht notwendig, denn Michael ging die ganze
Angelegenheit keine Minute aus dem Kopf.
Dann war es wieder soweit. Das Training sollte in einer halben
Stunde anfangen. Michael hatte schon Stunden vorher eine riesige
Wut im Bauch. Er wollte erst mal sehen, ob sich die Mädels
wirklich trauen würden, das Video zu veröffentlichen. Er könnte
behaupten, daß er überfallen worden wäre. Und außerdem, wenn
sie das täten, würden sie ja ihr Druckmittel gegenüber ihm
verlieren. Er beendete seine Überlegungen mit dem Beschluß,
nicht zum Training zu gehen, sondern den Abend vor der Glotze zu
verbringen. Er hatte bereits ein Bier getrunken und sein Zorn war
fast verflogen, als es an der Tür läutete. Michael erschrak. Er
stand auf, legte die Türkette ein und öffnete die Tür einen
Spalt um "wer da" zu fragen.
Doch war es auch schon zu spät! Die Backen eines
Bolzenschneiders schoben sich blitzschnell durch den Türspalt
und die Türkette baumelte in zwei Teilen herab. Die Tür wurde
aufgedrückt und Christine und Judith quetschten sich durch den
Spalt. Sie stürzten sich sofort auf ihn. Er wollte sich wehren,
sah aber daß hinter den zwei ihm bekannten Mädchen noch zwei
weitere standen und nicht den Eindruck machten, als wären sie
zum Canastaspielen gekommen. Er ließ sich widerstandslos zurück
in sein Wohnzimmer schieben. Sie drückten ihn auf einen Stuhl
und bevor er sich versah, hatten sie ihn mit Klebeband daran
festgebunden. Er wollte zuerst lautstark fluchen, aber dann
brachte er nur noch ein kleinlautes "Was wollt ihr von mir?"
heraus.
Christine baute sich vor ihm auf und sagte kichernd: "Wir
haben dich heute vermißt, und jetzt sind wir übereingekommen,
daß wir mal sehen sollten, wie es dir so geht und ob du
vielleicht von irgendwem festgehalten wirst, so daß du nicht
kommen kannst."
"Sehr witzig!" versuchte er zu kontern.
Christine ignorierte das. "Ich wollte Dir nur die zwei
anderen Damen vorstellen, bevor wir anfangen." Sie stellt
ihren rechten Fuß zwischen seine beiden Oberschenkel auf die
Stuhlkante. Sie trug wieder die Turnschuhe von Adidas, mit denen
sie sein Gesicht und seine Hand so grob behandelt hatte. "Das
ist Carmen..." Sie deutete auf eins von den Mädchen, das zu
zwei roten Joggingschuhen von New Balance Straßenklamotten trug.
Die andere trug einen seidenglänzenden schwarzen Jogginganzug
von Adidas und trug silbern/weiße Nike Airmax BW. Sie machte
einen etwas stämmigeren Eindruck, und hatte kurze zu einem
Wuschelkopf frisierte blonde Haare. Sie wurde ihm als Marion
vorgestellt. "Nachdem du jetzt alle kennst, können wir ja
anfangen," meinte Christine und gab dem Stuhl mit ihrem
Turnschuh, der immer noch zwischen seinen Beinen stand einen Stoß,
so daß dieser nach hinten kippte. Michael schrie auf, aber der
Stuhl wurde von Marion aufgefangen und die ließ ihn jetzt
langsam auf den Boden.
Er lag jetzt völlig bewegungsunfähig auf dem Boden. Wie auf ein
Zeichen traten jetzt Judith und Christine neben ihn hin und
hielten ihm je einen Fuß vor das Gesicht. Judith meinte: "Die
kennst du ja schon, oder? Jetzt zeigen wir Dir erste mal die
anderen Mädels aus der Nähe, ich wollte Dir zwar heute auch ein
anderes Paar aus meiner Sammlung vorstellen, aber die waren alle
aus verschiedenen Gründen so schmutzig. Und ich will ja nicht,
daß Du einen schlechten Eindruck von ihnen bekommst." Sie
setzten ihre Füße wieder auf den Boden und gingen einen Schritt
zur Seite.
Carmen trat heran und ließ ihren rechten Turnschuh ein paar
Zentimeter über seinem Gesicht schweben. "Das ist ein guter
Freund von mir. Ich nenne ihn Mike. Du solltest ihn begrüßen..."
Michael kam das alles lächerlich vor. "Hallo Mike,"
sagte er mit einem ironischen Tonfall.
"Du solltest netter zu ihm sein, ist schließlich mein
Turnschuh, oder? Und seine Freunde sind auch meine Freunde."
Jetzt stellte sie den rechten Sneaker auf den Boden und hob den
linken Fuß, um ihn über seine Nase zu halten. "Und das ist
Johnny. Sag Hallo zu Johnny!"
Michael wurde trotzig: "Ich begrüße doch keine Turnschuhe!"
"Johnny mag es nicht, wenn man ihn ignoriert." Die
Sohle senkte sich schnell und setzte auf seinem Gesicht auf. Die
Fußspitze drückte seine Nase ein wenig nach oben und das Profil
berührte seine Lippen. Er roch eine Mischung aus Gummi, Gras und
Erde. "Mike und Johnny sind gerne draußen unterwegs. Sie
sind zwei recht schmutzige Kerlchen, sie müssen sich immer im
Dreck wälzen."
Marion war inzwischen dazugetreten und rieb einen ihrer Nike
Airmax an seiner Wange. Sie sagte: "Ich schätze, Du wirst
mich in Zukunft eher an meinen Sneakern erkennen, als an meinem
Gesicht oder so etwas. Besser gesagt, ich hoffe, daß du mich an
meinen Sportschuhen erkennst, ich liebe sie nämlich sehr und
finde, du solltest das auch tun."
"Das reicht Mädels," ließ sich Judith vernehmen,
"wir haben ihn das letzte Mal schon so zugerichtet; diesmal
sollten wir etwas vorsichtiger mit ihm umgehen." Marion und
Carmen kippten nun den Stuhl, auf den Michael gefesselt war auf
die Seite. Er lag jetzt quasi auch auf der Seite und sah aus der
Perspektive eines Kaninchens die vier Mädels um sich herum.
Christine, die immer die Rolle einer Anführerin zu spielen
schien, ließ sich nun in einen Sessel neben ihm fallen und
blickte ihn kritisch an. "Wie können wir dich nur davon überzeugen,
in Zukunft nicht mehr zu schwänzen? Mir fällt da im Moment echt
nichts ein. Wäre ja schade, wenn wir dir wieder wehtun müßten..."
Sie deutete auf die Obstschale, die auf dem Glastisch vor ihr
stand und fragte: "Darf ich?" Er preßte die Lippen
zusammen. Wie selbstverständlich nahm Christine einen Apfel
heraus und biß hinein. Während dessen machte Judith sich im
zweiten Sessel bequem und legte ihre Füße auf den Tisch. An den
Sohlen ihrer Crosstrainer klebte ziemlich viel Dreck.
Christine verkündete gerade, daß ihr der Apfel nicht schmecke.
"Willst Du?" fragte sie und hielt Judith den zweimal
angebissenen Apfel hin. Die schüttelte den Kopf. Ohne ein
weiteres Wort warf Christine den Apfel auf den Boden, so daß er
unter dem Tisch durchrollte und einen halben Meter vor Michaels
Gesicht liegen blieb. "Du darfst ihn haben," sagte sie
zu Carmen.
Carmen ging um den Tisch herum und sagte zu Michael: "Ich
mag auch keine Äpfel. Aber Joe mag welche, er ist ein echter
Obstfan." Sie setzte ihren linken Turnschuh auf den Apfel.
"Joe ist ziemlich hungrig, schau, wie gierig er hineinbeißt!"
Michael sah, wie sich die Noppen von Carmens New Balance in das
Fruchtfleisch des Apfels gruben. Unter Knacken und Knirschen
wurde der Apfel flacher, bekam Risse und wurde, wo er die Sohle
des angreifenden Turnschuhs berührte, zu Mus. Saft lief heraus
und begann auf dem Teppichboden einen sichtbaren Fleck zu bilden.
Michael beschwerte sich lautstark darüber. "Ach wolltest Du
auch was von dem Apfel? Ich sag' Joe, daß er Dir was übriglassen
soll!" Aber in diesem Moment senkte sich der rote Sneaker
mit einem lauten "Kruntsch!" auf den Boden und der
Apfel wurde vollkommen zermatscht. Carmen hatte ihr ganzes
Gewicht auf den Turnschuh verlagert und ihr Opfer vernichtet.
"Aber Joe, hattest du nicht gehört, daß Michael etwas
abhaben wollte? Jetzt schau dir das an! Ob Michael das noch mag?"
Sie drehte ihren Fuß noch ein paarmal hin und her, was zu
schmatzenden Geräuschen führte. Dann hob sie den Turnschuh
dessen Sohle über und über mit Apfelmus beschmiert war und
setzte die Ferse eine Handbreit vor Michaels Gesicht auf den
Boden, so daß die Sohle vorne hochragte und er direkt in das
Profil sah, an dem noch Stücke der Schale in Fetzen
herunterhingen. "Es tut mir leid, aber Joe ist sehr
ungezogen und hat Dir nur wenig übriggelassen, aber er bringt es
dir wenigstens. Das ist nicht selbstverständlich, so wie du ihn
vorher behandelt hast." Die anderen lachten schallend.
Michael wußte nicht, was er sagen sollte. "Na was ist? Ich
dachte du wolltest etwas von dem Apfel? Keinen Hunger? Das ist
aber schade! Aber Joe ist eh noch nicht satt. Und Mike und die
anderen sind auch recht scharf auf was zu essen. Stimmt's?"
Sie blickte zu Marion und erwartete anscheinend eine Bestätigung.
Die tippte sich an die Stirn und beugte sich zu Michael herunter:
"Die spinnt ein bißchen. Ich gebe doch meinen Turnschuhen
keine Namen, oder rede am Ende mit ihnen. Die würden nämlich eh
nicht auf mich hören." Dann stand sie wieder auf und
verschwand zielstrebig in der Küche. Die anderen grinsten ein
wenig zu bescheuert wie er fand. Nach einer Minute des Schweigens
kam Marion wieder aus der Küche zurück. Sie hatte die Hände
hinter dem Rücken verschränkt. "Aber mit einer Sache hat
Carmen recht." Und Michael merkte, daß sie kurz davor war,
lauthals loszulachen. "Meine zwei Begleiter unter mir haben
tatsächlich noch ordentlich Hunger! Allerdings mögen sie kein
Obst." Und damit legte sie auf den Boden, was sie in
Michaels Küche erbeutet hatte. In einer Reihe lagen nun ziemlich
dicht vor seinem Gesicht zwei Tomaten, drei Eier, ein Becher
Fruchtjoghurt und eine Packung Bratwürste.
Michael wurde bang. "Das könnt Ihr nicht machen! Ich krieg'
das hier nie wieder sauber!" ächzte er.
Judith lächelte süßsauer: "Du bist heute nicht zum
Training gekommen. Damit hast Du uns ein wenig herausgefordert.
Und jetzt kommen wir halt zu Dir und zeigen Dir ein wenig, was
unsere Turnies so alles drauf haben. Gewissermaßen essen sie
heute 'auswärts'!"
"Okay, okay ich gebe auf! Ich mache alles was ihr sagt! Ich
bin ganz bestimmt bei den anderen Terminen da!!!"
"Schön, das hatten wir gehofft. Ich denke in Zukunft können
wir uns auf dich verlassen, nicht wahr?" fragt Judith mit
einem schneidenden Unterton. Michael beeilte sich, seine Absicht
zu bekräftigen. "So, das ging ja schneller, als ich dachte!"
sagte Judith lachend zu ihren Begleiterinnen. "Und jetzt mal
ran an den Speck!" Mit diesen Worten schob sie die
Lebensmittel auf dem Boden ein wenig auseinander und winkte die
anderen herbei.
Michael erschrak. "Ich dachte ihr würdet mich jetzt
losbinden und gehen?"
Marion antwortete: "Das ist eine Frage der Konsequenz. Du
scheinst keine zu besitzen. Und wir versuchen's Dir die ganze
Zeit beizubringen. Paß' einfach auf, was wir von Dir verlangen.
Dann brauchst Du unsere 'Konsequenzen' nicht zu tragen." Sie
mußte lachen, weil sie ihr Wortspiel wohl ungeheuer komisch fand
und drehte sich von ihm weg. Michael merkte, daß er wohl auf das
nun folgende keinen großen Einfluß mehr nehmen können würde.
Marion schob mit der Spitze ihres linken Airmax eine Tomate vor
sein Gesicht und setzte dann ihre Sohle in Höhe der Zehenballen
auf die Frucht. Sie begann, die Tomate hin und herzurollen. Die
Profilsohle hinterließ dabei leichte Eindrücke, die Michael gut
sehen konnte. Er schluckte. "Methode A, B oder C?"
Marions Stimme war plötzlich direkt an seinem Ohr, denn sie
hatte sich zu ihm heruntergebeugt. Zuckersüß flüsterte sie:
"Na sag schon!"
"C! - Ihr macht ja eh, was ihr wollt!"
Marion richtete sich wieder auf, hob den linken Fuß und stampfte
dann mit voller Wucht auf die Tomate! Michael konnte sehen, wie
sich das Airkissen unter Marions Ferse zusammendrückte, zu spät
allerdings für die Tomate, denn die hatte sich in
Sekundenbruchteilen in einen roten Matsch verwandelt und spritzte
quer durch das ganze Zimmer. Ein Teil traf auch Michaels Gesicht,
was ihn unwillkürlich aufschreien ließ.
Marion beugte sich wieder herunter: "Du hättest ja fragen können,
was die Methoden genau sind, hihi! Ich empfehle Dir für die
zweite Tomate jedenfalls eine andere, zum Beispiel B. - Ach ich
mach's einfach, ja?," säuselte sie ihm ins Ohr. Michael war
wie gelähmt. Marion setzte die nächste Tomate an den Platz der
vernichteten und stellte sich vor ihm auf. Er sah jetzt das Opfer
vor sich und links und rechts daneben die - zumindest aus seiner
Perspektive - gewaltigen Nikes. Er sah die großen Spitzen, über
die sich die schwarze Sohle nach oben wölbte, die zur Seite hin
den Eindruck erweckte, immer breiter zu werden. Die Sohle, die
mit ihrem gerippten Profil seinen Blick nach unten, unter den
Schuh führte, wo sie in den geheimnisvollen Eigenschatten
eintauchte.
Marion hob die Fußspitzen leicht an und schob die Füße
zusammen, so daß die Tomate eingeklemmt wurde. Die Sohlen
machten ein reibendes Geräusch auf dem Teppich. Michael war
gebannt. Die Schuhe machten Eindruck. Marion hob nun wieder die
Spitze des rechten Sneakers, so daß er nur noch auf der Ferse
stand und setzte die seitliche Kante des Schuhs von schräg oben
auf die Tomate. Michael konnte jetzt bis zur Hacke sehen, wo sich
die Sohle unter Marions Gewicht bog und in den Teppich eindrückte.
Marion senkte nun wieder ihren Schuh, aber diesmal senkrecht abwärts.
Die Tomate wäre wohl seitlich weggerutscht, aber sie wurde vom
anderen Sneaker daran gehindert. Die Sohle kerbte die
Tomatenschale immer mehr ein, bis diese einriß. Der Sneaker
rutschte nach unten und schob die dünne Schale mit sich.
"Ooops, das ging aber schnell!" ließ sich Marion
vernehmen. Sie hob ihren Sneaker wieder und setzte ihn wieder auf
die Tomate. Die Sohle grub sich diesmal in das nackte Fleisch der
Tomate und schnitt ein Stück der Tomate ab. Und wieder hob sich
der Turnschuh über die arme Tomate. Die Sohlenkante kam nun auf
etwa der Mitte des Opfers zu liegen und quetschte dieses zusammen.
Die Tomate bekam mehrere Risse, platzte und etwa die Hälfte
wurde von Marions Airmax zusammengeschoben und unter eben diesem
begraben. Saft quoll darunter hervor und schwemmte kleine grüne
Kerne mit sich. Marion wiederholte das immer wieder bis auch der
letzte Rest der Tomate unter ihren Sneakern zerquetscht worden
war. Jedesmal wenn sie ihren Turnschuh hob, konnte er die Stücke
an den Stollen des Profils sehen und beobachten, wie der Saft an
der Sohle entlang Richtung Ferse lief. Zum Schluß rieb sie mit
dem Turnschuh noch ein paar mal auf dem Teppich hin und her und
es blieb nichts als ein roter schleimiger Fleck von der Tomate,
als sie zur Seite trat. "Judith, willst Du mal?" fragte
sie.
"Aber klar!" kam es zurück." "Wenn Du die
Eier nimmst, können wir Ratespielchen machen. Eins ist roh, die
anderen gekocht. Ich habe sie geschüttelt..."
"Ach noe... das könnt Ihr machen, mich macht das hier an..."
und damit griff sie nach dem Fruchtjoghurt. Der Joghurt landete
vor ihm, direkt neben dem Tomatenfleck. "Sag Tschüs zu
deinem Joghurt..." Mit diesen Worten setzte sie ihren
Crosstrainer auf den Becher. Michael sah den Sneaker von der
Seite, sah die Zacken des mächtigen Profils, die ihm wie Zähne
vorkamen. 'Jetzt denke ich schon wirklich, daß die Turnschuhe
mein Abendessen verspeisen...' dachte er sich.
Weiter kam er nicht, denn Judith fing an ihr Gewicht auf den
Joghurt zu verlagern. Der Becher knickte an einer Stelle mit
einem Knacken ein und fing an sich unten auszubeulen. Judith
kippte ihren Sneaker mehrmals hin und her, aber der Becher blieb
ganz. Erst als sie fast ihr ganzes Gewicht darauf verlagerte, riß
der Becher so ein, daß der Joghurt wie Milch in Zeitlupe in
einem dicken Strahl herausschoß, von unten über die blaue Sohle
des Crosstrainers schwappte und an deren Rand heruntertroff.
"Na das war doch eine Show!" meinte Christine zu Judith.
Judith nahm ihren eingecremten Schuh von dem zerstörten Becher
und gab diesem einen kleinen Kick, so daß er einen Meter weit über
den Boden eierte und weiter Joghurt verspritzte.
"Ich bin dran!" jubelte Carmen. Sie sprang über
Michael hinweg und drehte den querliegenden Stuhl an den er immer
noch gefesselt war ein wenig herum, so daß Stefan ein sauberes
Stück Teppich vor sich hatte.
"Aber nimm du die Eier, du bist die Spezialistin dafür,"
kommentierte Marion.
"Okay, aber ich mache ein Spielchen mit Michael!
Einverstanden?" Niemand widersprach. "Also Michael,
Marion behauptet, zwei wären gekocht, oder wie?"
"Stimmt Carmen. Aber er hat vergessen, sie zu markieren,
soll man nicht machen im Kühlschrank."
"Also Michael, du setzt auf ein Ei. Ich meine du tippst,
welches Ei das rohe ist. Wenn's stimmt, mach ich das Rohe nicht
kaputt, das gibt ja sonst eine Sauerei, was? Also welches hättest
du denn gerne?" Damit hielt sie ihm die Eier vor die Nase.
"Links," sagte Michael, dem inzwischen jeglicher Mut
zum Widerspruch abhanden gekommen war.
Carmen legte es beiseite und drapierte eines der anderen vor
Michaels Nase. Sie machte schon Anstalten, daraufzutreten, als
Judith rief: "Führ' bitte den Trick vor!" Carmen sah
sie fragend an. "Na, den Ei-Trick..." und zu Michael:
"Sie wird dir zeigen, wie zärtlich Turnschuhe sein können."
Carmen meinte: "Wenn ihr wollt," und setzte sich vor
Michael auf den Boden, winkelte die Beine an und setzte ihm ihre
neuen, knallroten New Balance direkt vor die Nase. Dazwischen
legte sie das Ei. Nachdem sie es sich einigermaßen bequem
gemacht hatte setzte sie ihren rechten Sneaker auf das Ei und
rollte es damit hin und her. Dabei verstärkte sie den Druck
immer mehr und mehr. Da machte es knacks und eine der
Profilnoppen brach in die Schale ein. Sie lockerte sofort ihren
Druck und fing an zuerst mit einem, dann mit dem anderen Sneaker
das Ei herumzurollen. Dabei brachen die Noppen immer wieder ganz
leicht in die Schale ein, die immer mehr Risse bekam, bis schließlich
nur noch ein dünnes Häutchen die Schalenstücke zusammenhielt.
Carmen klemmte nun das Ei zwischen beiden Sneakern ein und
versuchte mit der scharfen Kante des linken, die Schale
herunterzuziehen. Sie rutschte zweimal ab, bis es ihr gelang, das
Häutchen zu zerreißen. Dann schob sie vorsichtig die Schale
herunter und hatte es tatsächlich geschafft, das Ei ohne
Verletzung zu schälen. Michael war längst klar, daß es eins
von den gekochten war. Carmen fing an mit dem Ei zu spielen,
rollte es mit der Sohle hin und her, rieb es fast zärtlich
zwischen beiden Sohlen und ließ es unter sanften Tritten
zwischen ihren Sneax hin und herrollen. Michael konnte sehen, wie
sich jedesmal die Noppen der Sneaker hineindrückten, aber keinen
Schaden hinterließen.
Mittlerweile hatte das leicht feuchte Ei den Schmutz von den
Turnschuhsohlen und die Fussel des Teppichs aufgenommen und war
ziemlich grau geworden. Auch ein paar braunrote Flecken waren
sichtbar und Michael fragte sich, worauf Carmen vorher wohl
herumgetrampelt war. Carmen lachte: "Jetzt schau dir das Ei
an, das ist gar nicht mehr so jungfräulich, wie vorher. Ziemlich
versaut - hat wohl dreckige Phantasien. So etwas dulde ich nicht.
Ich werde es von seinen Qualen erlösen..." Sie setzte ihren
linken Sneaker mit der Hacke vor dem Ei auf und begann über das
Ei abzurollen. Dieses wurde langsam flachgedrückt sowie Carmen
den Druck verstärkte. Es war schon ziemlich platt aber noch ohne
Risse, da stand Carmen auf und deutete auf das Ei. "Schau
mal, da steht 'New Balance' drauf. Wußte gar nicht, daß die
auch Eier herstellen." Der Schriftzug der Sohle hatte sich
in das Eiweiß gedrückt. Sofort stellte sie ihren Fuß wieder
auf das Ei und zerdrückte es langsam. Das Eiweiß riß und das
bereits zerbröselte Eigelb wurde herausgedrückt. Dann
verschwand alles unter dem schwarzen Gummi der Turnschuhe. Carmen
hob den Sneaker, einzelne Stücke der Beute fielen herab, das
meiste klebte jedoch fest am Sneaker und sah entfernt aus wie ein
Spiegelei. Sie machte einen Schritt zur Seite hob den Fuß und
kratzte die Reste an der Kante des Glastisches ab.
Sie drehte sich wieder um und hielt Michael einen Sneaker vor die
Nase. "Meine Turnies sind doch echt sexy, oder? - Beim
zweiten machen wir es etwas sportlicher..." gackerte sie und
stellte das Ei wieder vor Michaels Gesicht. Ohne Vorwarnung holte
sie plötzlich aus und kickte mit der Schuhspitze gegen das Ei.
Das Ei, diesmal das rohe, zerplatzte und der Inhalt spritzte
gegen den Sneaker. Die Schale klatschte leer gegen eine
Schrankwand. "Bäh, das war ja das rohe!" keifte
Carmen, während die anderen lachten was das Zeug hielt. "Meinen
neuen Sneaker sind ganz versaut und du bist schuld! Wieso tippst
du falsch," fuhr sie Michael an. Und damit klatschte sie ihm
den Sneaker ins Gesicht, dessen Spitze mit Ei überzogen war. Mit
groben und kräftigen Bewegungen rieb der Turnschuh an seinem
Gesicht entlang und verteilte den Schleim. "Na los, mach
sauber!" knurrte sie zwischen zusammengebissenen Zähnen.
Sie preßte den Sneaker auf seinen Mund und mit ruppigen
Bewegungen zwang sie ihn in zwischen seine Zähne. Er schmeckte
Ei, ein wenig Blut von seinen Lippen und das bittere Aroma der
Gummisohle. Sie zog den Sneaker wieder zurück und rieb den
restlichen Schleim an sein Sofa. Kommentarlos legte sie das
dritte Ei auf den Boden und latschte einmal darüber, wie wenn
sie gerade zum Einkaufen ginge. Daß das Ei jetzt an ihrem
Sneaker klebte störte sie nicht.
Christine war dran. "Ich mach's kurz, du hast schon recht
gelitten, was?" Sie öffnete die Bratwurstpackung und nahm
ein Würstchen heraus. "Stell dir vor, das wärst du..."
sagte sie, während sie sich vor ihn hinsetzte wie vorher Carmen.
Sie kippte allerdings ihre Knie zur Seite und rutschte ihre Füße
zusammen. Ihre Sohlen lagen jetzt aufeinander. Sie beugte sich
mit der Wurst nach vorne, zog die Sneaker wieder ein bißchen
auseinander, so daß die Sohlen sich gegenüberlagen. Dann legte
sie die Wurst der Länge nach zwischen die beiden Profile und
schob sie wieder zusammen. Die Wurst wurde nun durch die beiden
Sneaker daran gehindert herunterzufallen. Christine drückte die
Fersen gegeneinander und die Wurst wurde von hinten her
zerquetscht. Dabei schob sich der Rest immer weiter nach vorne, während
an den Absätzen die Wurstmasse zwischen den Profilen hervorquoll.
Um das Opfer weiter zu zermatschen zog Christine die Fersen
wieder auseinander und rollte die Sneaker gegeneinander ab, bis
sie sich nur noch an den Spitzen berührten. Die schmatzenden Geräusche,
die dabei entstanden ließen Michael einen Schauer über den Rücken
laufen. Christines Worte hatten gewirkt. Er kam sich tatsächlich
klein wie das Würstchen vor und hatte beinahe das Gefühl als nächstes
unter Christines Adidas zu Wurstmasse verarbeitet zu werden.
Das Wurstzipfelchen fiel mit einem leichten Plopp auf den Boden.
"Ooops!" sagte Christine und zog unter einem kurzen
Schmatzen ihre Sneaker auseinander. Sie streckte ihr rechtes Bein
etwas und hielt ihm die Sohle hin, deren Profil vollkommen mit
Wurstmasse gefüllt war. "Lustig, was?" Sie öffnete
ihre Schnürsenkel und zog die Schuhe aus. "Ich zieh sie
draußen wieder an, wir haben schon genug Schweinerei gemacht,"
sie stand auf und machte sich auf den Weg zur Tür, die anderen
folgten ihr.
"He was ist mit mir?" jammerte Michael. Wie wenn sie
darauf gewartet hätte gab Christine Carmen einen Wink. Die
drehte sich um, zog ein Teppichmesser aus der Tasche und kniete
sich hinter Michael. Er fühlte und hörte, wie sie das Klebeband
durchschnitt. Als erstes kamen seine Hände frei und er streckte
sich so gut es ging, denn alle seine Muskeln waren schon ziemlich
verkrampft. Carmen ging um ihn herum und schnitt seine Füße
frei.
Plötzlich fing sie an zu kichern: "Hey Mädels, schaut mal
was mit unserem Freund los ist!" Sie hob den rechten Fuß
und stupste den Turnschuh zweimal leicht an die unzweideutige
Beule in Michaels Hose. Michael schoß es wie ein elektrischer
Schlag durch den ganzen Körper. Erst jetzt bemerkte er seine
starke Erregung, sein Gesicht wurde ziegelrot.
"Tja, Wette verloren..." meinte Marion mitleidig zu
Christine, die ein beleidigtes Gesicht schnitt. "Wir haben's
eilig, damit kann sich Nadja befassen..." sagte sie kurz
angebunden, und zu Michel nur: "Wir sehen uns, mach's gut."
Die anderen drängten gackernd zur Wohnungstür. Als Michael sich
aufrichtete fiel die Tür ins Schloß.
Fortsetzung folgt...
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