Die Schulzeit - oft gehaßt, aber im Rückblick
Von Sousbottes
Kurz noch mal was aus dem Gedächtnis gegraben: In der 9.
Klasse haben die Lehrer in der Pause manchmal schlammpig
gearbeitet, so daß die Klassenräume nicht immer verschlossen
waren. Das haben wir natürlich auch öfter ausgenutzt, um wieder
in den Klassenraum zu kommen.
Wir waren damals zu fünft und uns erwischte der Sportlehrer.
Riesiges Tamtam bei den anderen, nur ich hatte Glück gehabt. Ich
war ziemlich schnell unter das Lehrerpult gekrochen und er hatte
mich nicht gesehen. So warf er die Anderen raus und schloß den
Raum anschließend ab. Ja Klasse, dachte ich bei mir, und jetzt?
Da fiehl mein Blick auf Anna's Turnschuhe. Sie war ein hübsches
Mädchen, aber mit Verlaub gesagt, eine arrogante Zicke und ihre
Turnschuhe waren besonders dreckig. Auch wenn ich damals nie
zugegeben hätte, daß mich arrogante Frauen anziehen, war das
schon der Fall. So habe ich in der verbleibenden Pausenzeit es
genossen, ihre Turnschuhe sauber zu machen. Mein erstes
Leckerlebnis, sozusagen.
Ab der 11. Klasse konnte ich nie die Bio- und Chemiekurse
abwarten, die in den Hörsälen stattfanden. In beiden
Unterrichtsstunden saß Susanna hinter mir. Sie liebte es bequem
zu sitzen. Aus diesem Grund schob sie fast immer ihre Schuhe
durch den Spalt von Lehne und Sitzfläche. Ein paar mal hat sie
mich dabei auch leicht getreten, wenn ich zu sehr an der Lehne
war. Das hat sie aber nie gestört. Da ich dies ja auch im Grunde
immer toll fand, habe auch ich immer so getan, als wenn ich
nichts gespürt habe und bin sogleich weiter nach vorne
gerutscht, damit sie mehr Platz für ihre Füße hatte.
Oft habe ich dann heimlich meine Hände unter die Sohlenspitzen
gelegt und darauf gewartet und gehofft, daß sie ihre Füße mal
mehr belastet, was durchaus vorkam.
Diese, für mich, himmlische Situation nahm nach einem Jahr ihr jähes
Ende, als unsere Biolehrerin mich an die Tafel beorderte und
Susanna wohl gerade nicht aufgepaßt hatte. Beide Füße waren
auf meinem Sitz und als ich nun aufstand, raste der Sitz mit
einem Affenzahn und einem lauten Knall gegen die Lehne. Danach
hat sie ihre Füße nicht mehr auf dem Sitz abgestellt. Hatte ich
einen Haß damals auf unsere Biolehrerin.
Nur drüber gesprochen haben wir nie. War uns beiden damals wohl
zu peinlich. Schade eigentlich.
Deutlicher wurde es dann auf der Jahrgangsabschlußfahrt nach Südfrankreich.
Zwei Kurse umfaßte die Gruppe und der Bus war alles andere als
geräumig. Nun, beengte Platzverhältnisse schaffen durchaus Raum
für besondere Maßnahmen. Da ich schon damals ein Nachtmensch
war, machte es mir nichts aus, länger wach zu bleiben. Krista
konnte irgendwie nicht schlafen. Sie trug an dem Tag/Nacht ihre
Sendra Westernstiefel. Schon oft hatte ich mir gewünscht, diese
mal anfassen zu dürfen, aber es hatte sich nie eine "unferfängliche"
Gelegenheit dazu ergeben. Aber eben, daß Glück ist mit denen,
die warten können. Wir unterhielten uns, und sie stellte fest,
daß sie nicht schlafen könnte, wenn sie nicht die Beine
ausstrecken würde. Das war die Chance! Als Hocker habe ich mich
damals noch nicht getraut, aber ich schlug ihr vor, daß ich
meinen Arm anwinkeln könne und sie ihre Stiefel drauflegen könnte.
Sie nahm an und ich war wieder mal im Himmel. Nach einer halben
Stunde, sie war bereits eingeschlafen wurde mir allerdings der
Arm was schwer und ich stellte, damit sie nicht aufwachte ihre
Beine wieder vorsichtig auf dem Boden ab. Am nächsten Morgen
erntete ich ein breites Grinsen von ihr.
Dabei ist es dann auch erst mal eine Zeitlang geblieben. Etwa ein
halbes Jahr später gab sie mir in der Pause mal rein "zufällig"
einen Pferdekuß. Da ich nicht protestierte hat sie dies dann während
der restlichen Schulzeit noch öfter wiederholt.
Als ich von einem Auslandaufenthalt einige Zeit später in einer
Bank traf, haben wir gemeinsam über die damalige Zeit gesprochen
und ich hätte mich in den Bauch beißen können. Denn, nachdem
ich ihr gestanden hatte, daß ich das sehr gemocht habe,
antwortete sie mir, daß ich nur was hätte sagen müssen, denn
ihr hat es auch gefallen. Schon blöd, wenn man zu schüchtern
ist.
Die zwei schönsten Erlebnisse hatte ich allerdings in der
Theatergruppe während der Schulzeit. Wir spielten ein Stück von
Peter Weiß, welches um Marat und de Sade ging und, welches in
einem Irrenhaus spielt. Nachdem etliche Sonderproben notwendig
gewesen waren, damit wir die Scheu vor dem "Irrsein"
ablegten, lag ich mal auf dem Boden und Claudine saß auf einer
Bank hinter mir und, schwupps, hatte ich ihre Schuhe auf dem Kopf.
Zuerst war es ja auch wunderschön, nur mit der Zeit taten die
Absätze doch ganz gut auf der Kopfhaut weh. Nachdem ich auch da
nicht protestiert habe, fragte sie einfach nach einer viertel
Stunde: "Na? Gefällts?". Ich konnte nur einfach "Ja!"
sagen, denn, wir spielten ja schließlich alles Irre.
Ein paar Wochen später wurde szenenweise geprobt, wir beide saßen
in einer Pause auf dem Schulhof und wußten nicht so recht, was
wir anstellen sollten. Sie saß wie üblich auf einer der Bänke
und ich auf dem Boden zu ihr hingewandt. Plötzlich wiederholte
sie die oben geschilderte Szene nochmal. Auch da habe ich wohl
nur glücklich aus der Wäsche geschaut, denn es animierte sie
dazu mir ihren Zigarettenrauch voll ins Gesicht zu blasen. Als
dann von mir ein: "Ätsch, hab gerade ausgeatmet." kam,
nahm sie das zum Anlaß beim nächsten mal genauer darauf zu
achten, wann ich einatme. Ich kam damals ganz schön ins Husten.
Einen Monat später haben wir uns dann zufällig in einer Disco
getroffen. Sie hatte tolle Klamotten an, hatte eben nur das
typische Problem, keine Taschen daran, um etwas aufzubewahren.
Sie hat mich erst gar nicht gefragt, sondern deute mir einfach
ihren Schlüssel und die Zigaretten über und meinte: "Paß'
drauf auf." Schwupps war sie auf der Tanzfläche und ich
lief rot an. Die damalige Krönung kam einige Stunden später.
Ich hatte mich mit meiner Clique etwas zurückgezogen, an einen
etwas ruhigeren Ort in der Disco und sie hatte mich ein wenig
gesucht, weil sie rauchen wollte. "Du kannst doch nicht
einfach verschwinden! Entschuldige Dich!"
Au weia, daran hatte ich ja gar nicht mehr gedacht. "Liebe
Claudine, es tut mir leid." "Nix da, Du wirst Dich
schon hinknieen müssen, wenn ich das akzeptieren soll!"
Unter Gekichere der Clique hab ich dies dann auch mit hochrotem
Kopf getan und erntete ein "Brav, die Schuhe brauchst Du mir
aber jetzt nicht zu küssen."
Dieses Spiel hat sie dann noch einige Zeit mit mir getrieben.
Leider ist sie dann in eine andere Stadt gezogen und wir haben
uns aus den Augen verloren.
Na, jetzt ist der Text doch wieder länger geworden, aber was
einem nicht wieder alles einfällt, wenn ein anderer im Chat (pinnwand)
aus seiner Schulzeit erzählt. War schon ne' tolle Zeit...
Dank dir Pinnwand, daß Du bei mir die eigenen Erinnerungen noch
mal wachgerüttelt hast.
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