Nachhilfe in Mathe
Von berot
Mathe war noch nie mein Ding und in der zehnten drohte mein
Gesamtdurchschnitt wegen dem doofen "Mathe"
abzurutschen. Meiner lieben Mutti war das nicht egal und kümmerte
sich um eine Nachhilfe. Fräulein Namevergessen, eine
Lehrerstudentin, kam alsbald einmal wöchentlich zu mir und ließ
mich ätzende Aufgaben lösen. Sie war ziemlich hübsch und hatte
immer flache weiße Sandalen an.
Mir kam bei der dritten "Sitzung" die Idee, etwas von
ihr zertreten zu lassen. Ich stellte einen meiner Zinnsoldaten
unter ihren Stuhl und hoffte, daß sie wie immer den Stuhl etwas
zurückzog um sich dann zu setzen. Über die Lehne hängte ich
eine Jacke, damit sie den Zinnsoldaten beim Hereinkommen nicht
sehen konnte.
Es klappte auch hervorragend - sie trat den Zinnmann mit ihrem
Absatz völlig platt. Sie hat es aber gemerkt, stand noch mal auf
und betrachtete ihr Werk. "Oh, das tut mir aber leid,"
säuselte sie und wandte sich gleich den Aufgaben zu. Ich konnte
mich gar nicht richtig konzentrieren und als sie gegangen war
griff ich mir sofort den Zinni und bewunderte dessen seltsame
neue Form.
Eine Woche später wiederholte ich das, aber diesmal mit einem
Tausendfüßler, einem Regenwurm und einer winzig kleinen Häuschenschnecke.
Als es klingelte und sie im Flur war legte ich schnell die
Tierchen unter den Tisch auf das Linoleum, wo sie immer ihre Füße
stehen hatte. Ich war wahnsinnig aufgeregt und mir pochte die
Pumpe!
Sie kam herein und setzte sich hin. Ein leises Knistern verriet
mir, daß jetzt schon etwas dran glauben mußte. Ich beugte mich
nach rechts und tat so, als suche ich was in der Schultasche. Natürlich
guckte ich nur unter den Tisch um zu sehen was sie da gerade
zertreten hatte. Es war nix zu sehen. Nur die kleine Schnecke und
der Wurm krochen knapp neben ihrer Sandale entlang.
Im Verlauf der Stunde hörte ich dauernd so ein kratzendes Geräusch.
Ich suchte wieder was in der Schultasche und sah auch den Wurm
nicht mehr. Sie bewegte ihren rechten Fuß vor und zurück, als
wolle sie etwas zerreiben. Ob das der Regenwurm war?
Die Studentin schaute auch einmal unter den Tisch, und muß wohl
etwas bemerkt haben. Mir stieg die Hitze in den Kopf und ich hätte
mich am liebsten verkrochen - peinlich! Sie sah mich aber nur lächelnd
an, zwinkerte mit einem Auge und rieb weiter mit ihrm Fuß auf
dem Fußboden herum. Als ich meine Aufgaben gelöst hatte - ja,
das konnte ich mittlerweile ganz gut - flüsterte sie mir ins Ohr:
"Hast du die Viecher dahin gelegt, damit ich sie zertreten
soll?"
Nun war ich völlig perplex. "Welche Viecher - ach die - ja...."
Ich nickte dann nur noch und mir war das furchtbar peinlich. Sie
stand auf und hob ihren rechten Fuß hoch um mir die Reste zu
zeigen. "Das war glaube ich mal dein Regenwurm." Mir
blieb bei dem Anblick die Luft weg und ich bekam keinen Ton raus.
Sie hatte tatsächlich den Regenwurm unter ihren Schuhen
zerrieben. Das Kratzgeräusch war der Sand, der noch im Wurm war.
Ich beruhigte mich langsam wieder, kniete mich hin und sah unter
den Tisch. Da lag auch der total plattgetretene Tausendfüßler.
Nur das Schneckchen hatte sich aus dem Staub gemacht. Ich nahm es
und legte es auf den Teppich vor die Füße von Fräulein
Namevergessen. Ich sah an ihr hoch und sie ließ ihren Fuß über
der Schnecke schweben.
"Soll ich?" Ich nickte und sie senkte ganz langsam -
wie in Zeitlupe - ihren Fuß auf die Schnecke, die mit einem
knisternden Geräusch in den Teppich gepreßt wurde. Sie drehte
ihre Fußspitze und verrieb somit das Schleimtier im Teppich. Sie
zog dann noch den Fuß nach hinten - von der Schnecke war kaum
was übriggeblieben. Sie lächelte mich an und sagte nur: "Aber
psst!" wobei sie den Zeigefinger an den Mund hielt.
Sie kam noch zweimal, dann waren Semesterferien und ich hatte Prüfung.
Sie hat bei den zwei Sitzungen noch zwei Neonfische aus meinem
Aquarium und einen alten Füller zertreten. Offensichtlich machte
es ihr Spaß so etwas zu tun. Leider habe ich nicht einmal ihren
Namen behalten, zu gern hätte ich noch einmal Kontakt zu ihr
aufgenommen...
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