Stille Wasser sind tief
Von Lady
A.
Der Morgen ging gerade orangerot über den Hügeln auf, als
Christa mit ihrem kleinen Wagen in die Stadt fuhr. Ihr gingen
tausend Gedanken durch den Kopf, so das sie den jungen Mann neben
der Fahrbahn nicht rechtzeitig bemerkte. Im letzten Augenblick riß
sie das Steuer herum, die Reifen quietschten, der Wagen
schlingerte bedrohlich, und sie hatte das Gefühl, als würde
jeden Moment ihr Herz aussetzen.
Der junge Mann hatte einen Sprung in Richtung Straßengraben
getan und saß nun völlig verstört im Gras, wischte sich
kopfschüttelnd über die Augen und schien nicht fassen zu können,
was ihm gerade widerfahren war.
Christa schaltete die Zündung aus und stieg mit zitternden
Beinen aus dem Auto. Fast vorsichtig ging sie auf den jungen Mann
zu und fragte ihn: "Ist bei Ihnen alles in Ordnung? Sind Sie
verletzt?" Dann versagte ihre Stimme. Er blickte zu ihr auf,
schüttelte nur den Kopf und sagte kein Wort. Dann senkte sich
sein Blick wieder und blieb an ihren Pumps hängen, starrte sie
lange und unbeweglich an, und Christa traute sich nicht, auch nur
einen Schritt zu machen.
"Soll ich einen Krankenwagen rufen?" Nervös nestelte
sie in ihrer Tasche, um das Handy zu suchen. Aber der junge Mann
schüttelte wieder nur den Kopf und bewegte seine rechte Hand
langsam auf ihre Füße zu, wie in Zeitlupe mutete sie die
Bewegung seiner Hände an. Langsam legte er seine rechte Hand um
ihren rechten Fuß und streichelte mit der linken ihren Spann.
Bedächtig erforschte er jeden Zentimeter ihres schlanken Fußes,
strich sanft mit dem Zeigefinger die Konturen nach und beugte
sich schließlich mit einer zärtlichen Bewegung zu ihr hinab.
Seine Lippen berührten ihre Nylonstrümpfe, liebkosten ihren Knöchel,
und dann spürte sie die Wärme seiner Zunge durch die Strümpfe
auf ihrer Haut.
Ihr wurde ein wenig mulmig dabei und konnte sich darauf keinen
Reim machen, aber schließlich befanden sie sich an der
Bundesstraße an einem Straßengraben, eine nicht alltägliche
Situation. Sie räusperte sich dezent: "Kann ich etwas für
Sie tun?" Wieder erhielt sie nur ein Kopfschütteln, dann
einen Augenaufschlag. Die langen dunklen Wimpern verschleierten
schwarze Pupillen, aber der Glanz in seinen Augen war
unverkennbar. Seine linke Hand deutete auf seinen Mund, und er
machte dazu einen verneinende Kopfbewegung. Sie erschrak: 'Oh je,
auch noch behindert, du liebe Zeit, was habe ich da nur
angerichtet?!' - "Kann ich Sie irgendwo hinbringen?"
fragte Christa ein wenig unbeholfen und trat einen Schritt zurück,
damit er nicht wieder an ihre Füße greifen konnte.
Der junge Mann nickte und zeigte in Richtung Stadt. "Okay,
steigen Sie ein, ich glaube, wir haben uns beide einen Kaffee
verdient," erwiderte sie auf seine Geste und ging langsam
zum Auto. Der junge Mann rappelte sich auf, klopfte den Staub und
den feuchten Schmutz von seinem Mantel und kam ihr nach. Als sie
den Motor anließ, betrachtete sie verstohlen sein Gesicht. Häßlich
war er nicht, er hatte einen Drei-Tage-Bart an einem recht
markigen Kinn, wundervolle Augen und eine hohe Stirn. Sein Äußeres
war gepflegt und ließ nicht zwangsweise auf einen typischen
Behinderten schließen, schoß ihr durch den Kopf, als sie
vorsichtig in die City einfuhr.
Noch immer hatte er keinen Ton gesagt, und Christa war sich nicht
sicher, wie sie sich nun verhalten sollte. 'Am besten, ich frage
ihn,' dachte sie, und schon hatte sie die Frage ausgesprochen...
Er antwortete nicht, sondern kramte ein wenig umständlich in
seiner Manteltasche, holte Papier und Kugelschreiber heraus und
schrieb etwas auf den Zettel. Sie laß: 'Stimmband-OP gehabt, muß
mich noch sehr schonen, bin Sänger.' Überrascht blickte sie ihm
in die Augen. Hatte sie ihr Gefühl doch nicht getäuscht.
Irgendwie war sie auch erleichtert und gab schon wieder etwas
kecker Gas, als sie auf den Parkplatz des kleinen gemütlichen
Cafés fuhren, das sie sich überlegt hatte.
Sie bestellte zwei große Kaffee und ein paar belegte Semmeln, lächelte
ihn an und fragte: "Ist es schlimm gewesen vorhin?" Er
lächelte - auch mit den Augen - und nickte mit dem Kopf. Dann
griff er zum Kugelschreiber: 'Hatte furchtbare Angst, bin doch
gestern erst aus Hospital gekommen. Bist mir jetzt was schuldig.'
"Wie kann ich den Schrecken wieder gutmachen?" fragte
Christa etwas erstaunt, "ich heiße übrigens Christa".
Er stand auf, ergriff respektvoll ihre Hand und hauchte einen
formvollendeten Handkuß auf den Handrücken. Dann setzte er sich
wieder und schrieb: 'Habe die Ehre, Markus aus Wien.'
Christa mußte lachen, da fuhr sie einen Menschen an, der erstens
Sänger war und zweitens noch aus Wien kam, und das in dieser
kleinen Stadt, die nie etwas zu bieten hatte. Sie aßen die
Semmeln, tranken ihren Kaffee aus und Christa fragte: "Hast
du Lust, mit mir einkaufen zu gehen?" Innerlich schüttelte
sie den Kopf, so eine dumme Frage. Zu ihrem Erstaunen aber nickte
er freudig und schrieb: 'Gerne, vor allem neue Schuhe für dich.'
Sie verstand die Welt nicht mehr, stimmte aber zu, und gemächlich
schlenderten sie zum nächsten Schuhgeschäft.
Sie standen vor der Auslage und entdeckten verschiedene Paare,
nickten sich zu und gingen hinein. Christa äußerte der Verkäuferin
gegenüber ihre Wünsche, und nun probierte sie mehrere Paare an.
Markus war ihr bei der Anprobe mehr als behilflich. Liebevoll
steckte er ihre Füße in die schwarzen Pumps, streichelte sanft
ihre Beine, kniete sich auf den Boden, um sie von allen Seiten zu
betrachten, half ihr wieder hinaus und dann in die nächsten
hinein. Christa genoß diese Aufmerksamkeit, und die Verkäuferin
murmelte ihr zu: "Ihr Freund ist aber äußerst charmant."
Christa strahlte sie an und meinte: "Ja, so sind die Wiener,
Gentlemen," dann überzog Schamesröte ihr Gesicht, als
Markus sie anblickte, ihr zuzwinkerte und plötzlich ihren
rechten Fuß küßte. Er nahm zwei Paare der Pumps in die Hand,
reichte diese der Verkäuferin und nickte ihr zu. "...aber,"
stotterte Christa, doch Markus legte einen Zeigefinger auf seinen
Mund und einen Arm auf ihre Schulter, dann ging er zur Kasse,
zahlte und holte die völlig perplexe Christa von ihrem Stuhl.
Schnell schrieb er auf seinen Block: 'Zu Dir', nahm ihre Hand in
die seine und ging zielstrebig auf ihr Auto zu.
Christa beschloß erst einmal zu schweigen, zumal es schwierig
war, mit einem Sprachlosen zu diskutieren. Sie fuhr in ihre
kleine Wohnung, schloß auf und bat ihn hinein, brachte ihn ins
Wohnzimmer und setzte sich selbst erst einmal auf einen Sessel.
Markus öffnete die Tüte, holte die neuen Pumps heraus, zog ihr
die alten Schuhe von den Füßen und steckte ihr die neuen an.
Das eine Paar war ein dunkelblauer geschlossener Ziegenlederschuh
mit hohen Absätzen, das andere Paar war ein paar hübsche
schwarze Sandaletten, die ihre lackierten Fußnägel zur Geltung
brachten und am Spann mit einem feinen dünnen Riemchen
abschlossen.
Markus zog seinen Mantel aus, setzte sich vor Christa auf den Fußboden
und begann mit Hingabe ihre schlanken Beine zu streicheln. Er war
unglaublich zärtlich zu ihren Füßen, und nachdem er eine ganze
Weile einfach nur lieb zu ihnen war, begann sich Christa
sichtlich zu entspannen, lehnte sich zurück und hätte wohlig
wie eine Katze schnurren können, als so angenehm empfand sie
seine Liebkosungen. Er zog ihr nun einen Schuh vom Fuß,
streichelte diesen wiederum an allen Seiten, massierte am Ballen,
die Ferse, unter der Sohle, den Spann, begann ihre Nylons zu küssen,
an ihrem großen Zeh zu lecken, aber alles sehr liebevoll, sanft
und behutsam.
Christa war mittlerweile völlig entspann und genoß in vollen Zügen
diese unbekannte Sanftheit, die immer leidenschaftlicher wurde.
Seine Hand wurde fordernder, wanderter an ihrem Bein nach oben,
rollte sachte und vorsichtig den Strumpf nach unten und zog ihn
langsam von ihrem Fuß. Seine Zunge schlängelte sich in ihre
Zehenzwischenräume, leckte jeden Zeh einzeln ab, spielte an
jeder noch trockenen Stelle ihres Fußes. Sie ließ ihn gewähren,
ihr machte dieses Spiel nicht nur Spaß, sondern sie konnte seine
Hingabe an ihren Fuß genießen.
Als er sie ansah und diese bemerkte, zog er auch den anderen
Strumpf von ihrem Bein, genoß auch hier jeden Zentimeter ihrer
Haut und legte sich flach auf den Rücken. Ihre Füße stellte er
auf seine Brust, streichelte sie und bedeutete ihr, sich zu
erheben. Hilflos schaute sich Christa um. 'Gute Güte, wenn ich
nun das Gleichgewicht verliere' dachte sie bei sich, doch dann
zog sie sich leicht an der Sessellehne hoch und stand schwankend
auf seinem Brustkorb. Was für ein Gefühl! Sie genoß es
regelrecht, über ihm zu stehen, auf seine Hingabe hinab zu
blicken und seine warmen Hände an ihren Füßen zu spüren.
Sie bewegte sich leicht auf seiner Brust und sah, wie seine Augen
leuchteten. Also entschloß sie sich, eine Art Tanz zu wagen.
Zuerst bewegte sie nur ihren Oberkörper, dann aber verlagerte
sie ihr Gewicht, stellte ihre Füße in verschiedene Richtungen,
wurde immer sicherer und schließlich tanzte sie tatsächlich
nach der Musik aus dem Radio. Selbstvergessen bewegten sich ihre
Sohlen auf seinem Körper, mal stärker, mal schwächer, ihr
Tritt wurde fester, fordernder, dann wieder sanft im Rhythmus des
Liedes.
Seine geschlossenen Augen und der stoßweise Atem verrieten ihr
seine Wonne, und als das Lied immer schneller wurde, der Refrain
sich wiederholte und es immer stärker auf das Ende zuging, da
tanzte sie sich regelrecht in seinen Körper hinein, begann
leicht zu springen und ließ den Takt stampfend aus ihren Beinen.
Das Lied war zu Ende, und sie sank neben ihn, streichelte sein bärtiges
Kinn, seine Augen, seinen Mund, beugte sich zu ihm hinab und flüsterte:
"Stille Wasser sind manchmal sehr tief, nicht wahr?!"
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