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FussVideo - Text 168: Geschichte

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Geschichte
Von Rusty

Renate machte es sich auf der schwarzen Velourcouch bequem. Sie lehnte sich zurück, das Rotweinglas in der Hand. Ich war dagegen überaus nervös, die Handinnenflächen wurden feucht, der Rücken ebenfalls. Ich saß im Sessel, auch aus schwarzem Velour. Aber nicht entspannt, sondern vielmehr verkrampft, nach vorne gebeugt, die Ellenbogen auf den Knien abgestützt.
"Du brauchst dir keine Sorgen zu machen," sagte Renate mit gelassener Stimme. "Nichts was du oder ich hier sagen, wird jemals nach draußen dringen. Ich habe da viel Erfahrung drin."
Ich hob meinen Kopf etwas an und sah in ihr Gesicht. Renate konnte ihr Alter nicht verleugnen. Sie hatte den gleichen Geburtsjahrgang wie meine Mutter, sie gingen sogar in die gleiche Schulklasse. Renate war für mich und meine Schwester eine Ruftante. Also eine Frau, die ständig in unserem Haus verkehrte, die aber nicht blutsmäßig zur Familie gehört. Als kleiner Junge wird man dazu erzogen, die fremden Erwachsenen mit Onkel oder Tante anzusprechen und sie hören es auch meistens gerne. Jetzt, über zwanzig Jahre später, hatte sich das natürlich geändert.
"Worin hast du Erfahrung?" fragte ich nach.
"Im führen eines Doppellebens," erwiderte sie und lächelte dabei überlegen. "Ich führte zusammen mit Richard ein Doppelleben, von dem niemand von euch jemals etwas geahnt hat. Ist das nicht Beweis genug?"
Doppelleben!? Davon wußte wirklich niemand in unserer Familie etwas. Ich bekam jedenfalls nichts davon erzählt und ich mußte mir beim Abendbrot sehr viel anhören, was meine Eltern über die Familie von Renate Brokowski sich zu sagen hatten. Nicht immer nur positive Dinge. Aber das ist wie gesagt lange her und fällt unter die gleiche Schweigepflicht, wie das vermeintliche Doppelleben der Brokowskis. Aber neugierig war ich dennoch.
"Habt ihr etwa Banken überfallen, als eine Art moderne Bonnie und Clyde?" hakte ich nach und wollte dabei witzig wirken.
"Nein," sagte sie und ließ sich mit dem Rest der Antwort einige Sekunden Zeit. Genug Zeit um den Fragesteller aufgrund seiner Vorwitzigkeit zu beschämen. "Richard und ich hatten ein ausschweifendes Sexualleben."
Ob ich das unbedingt wissen wollte? Niemand möchte wissen, ob seine Eltern jemals Sex hatten, augenblicklich haben oder in Zukunft haben werden. Schon der Gedanke daran ist wenig erbaulich. Das gleiche gilt für das Liebesleben von Menschen, die man einmal als Tante Renate und Onkel Richard kennen und auch ein bißchen lieben gelernt hat. Nein, nach detaillierter Schilderung von Orgien in den Siebzigern stand mir nicht der Sinn. Das hatte mit meiner derzeitigen Situation nur wenig zu tun.
Renate bemerkte, das ich wieder in Schweigen verfallen war. Deshalb wartete sie nicht auf weitere ermutigende Nachfragen von mir, sondern begann von sich aus zu erzählen: "Richard war ein Masochist." Die Sprechpause ließ nicht genügend Raum auf den Satz zu reagieren. "Ich fand es eines Tages heraus."
"Und?"
"Ich wollte mich natürlich sofort von dem Kerl scheiden lassen," lachte Renate, "Er schlug es sogar vor. Was mich natürlich noch mehr verletzte."
"Bei uns zu Hause merkte keiner was davon."
"Eine gewisse Zeit lang, kann man Entwicklungen unter der Decke halten," klärte die erfahrene Frau mich auf. "Aber es geht natürlich nicht ewig. Also führten Richard und ich eine Aussprache. Mich interessierte vor allem, wie tief dieses Verhalten in ihm verankert war. Ich schlug eine Therapie vor, die wahrscheinlich billiger als eine Scheidung gewesen wäre."
"Und er nahm an?"
"Nein. Er sagte, das würde nicht funktionieren. Man kann so etwas nicht einfach loswerden." Ich nickte, konnte ich doch Richard gut verstehen. Mir ging es schließlich ähnlich und deshalb saß ich auch so verkrampft im Sessel. Langsam begann ich einige Dinge zusammen zu reimen. Aber Renates Ausführungen lenkten mich wieder ab. "Also begann ich mich für das zu interessieren, was Richard wollte."
"Hast du Bücher darüber gelesen?"
"Zunächst nicht. Natürlich hatte ich eine Vorstellung davon, was eine Domina war. Man liest und hört ja einiges darüber. Aber je mehr Richard mir darüber erzählte, um so mehr verwirrte mich alles."
"Wolltest du es einmal ausprobieren?"
"Nein. Ich glaubte, nicht so veranlagt zu sein."
"Glaubtest?"
"Seit wann weißt du, das du auf so etwas stehst?"
Ich erhob den Oberkörper und wies die Frage zurück: "Ich bin kein Masochist!"
"Nein? Wirklich nicht?"
"Nein," kam die Antwort deutlich leiser zurück. "Zumindest glaube ich das. Ich mag keine Dominas und keine Studios. Nein, das ist nicht das, was ich suche."
"Was suchst du denn?" fragte Renate fast schon flüsternd und neigte sich in meine Richtung.
Jetzt ging mir die Sache fast schon zu weit. Ich hatte bisher noch mit niemandem über dieses Spektrum meines sexuell motivierten Verlangens gesprochen. Nicht in dieser Form. Und so verfiel ich wieder in Schweigen. Renate sprach für etwa dreißig Sekunden auch kein Wort, dann fuhr sie mit ihrer Geschichte fort.
"Richard war ein Masochist, er liebte den Schmerz." Für einen kurzen Moment wollte ich etwas darauf erwidern, ließ es aber bleiben. "Er hatte sich von diesen Dominas quälen lassen, mit auspeitschen und anderen Sachen und dafür sehr viel Geld bezahlt..."
Da fiel mir ein, wie zu Hause beim Abendbrot immer neidisch auf die finanzielle Situation der Brokowskis geblickt wurde. Richard Brokowski war Bauleiter und verdiente nicht schlecht. Er fuhr Mercedes und mit seiner Frau zweimal im Jahr in Urlaub. Mein Vater, Büroangestellter bei der Krankenkasse, mußte von weniger Gehalt eine Frau und zwei kleine Kinder ernähren. Meine Mutter verdiente ein wenig hinzu, aber es reichte weder für einen Mercedes noch für einen Urlaub im Jahr.
Renate stellte das nun leere Rotweinglas zurück, schenkte aber nicht nach. Vermutlich wollte sie einen klaren Kopf behalten. Es ging weiter in ihrer Lebensgeschichte. "Ich stand also vor der Alternative, mich von diesem Mann scheiden zu lassen oder es zu akzeptieren, das er zu diesen Lederladys geht um sich dort für eine Menge Kohle zu holen, was er von mir nicht bekommen kann."
Ich konnte mir vorstellen, wie verletzend das für Renate gewesen sein mußte. Aber vielleicht war es bei meinen Eltern ja ähnlich. Was wußte ich denn schon von ihrem Sexualleben. Es hatte viele Jahre gedauert, ehe ich begriffen hatte, das geschmacklose Fruchtgummi, das ich als kleiner Junge in der Schublade vom Nachtschrank meines Vaters gefunden hatte und eifrig darauf herum kaute, war ein Kondom gewesen. Ob er es gemerkt hatte, nachdem ich es wieder zurück legte?
Sie nahm wieder die entspannte Haltung ein, schlug die Beine übereinander und glättete eine Falte in der dunklen Stoffhose mit der flachen Hand. "Ich entschied mich für den dritten Weg. Ich wurde Richards Domina." Ihre Stimme klang plötzlich sehr selbstbewußt, ja fast schon triumphierend. Auf ihren Lippen zeichnete sich ein sanftes Lächeln ab. Renate hatte sich und die Lage völlig unter Kontrolle. Ich versuchte inzwischen die Erkenntnisse wieder in eine Reihe zu bringen und eine Verbindung zu mir herzustellen. Wieder wurden meine Gedankenversuche von ihren Ausführungen unterbrochen.
"Schritt für Schritt tauchte ich in diese Welt ein." Nun war meine Neugier geweckt und ließ sich auch nicht mehr zähmen. Auf der einen Seite gab es die Zurückhaltung, aus der gemeinsamen Vergangenheit begründet, die ich vermutlich bei einer völlig fremden Person nicht in gleicher Weise verspürt hätte. Andererseits aber begannen mich Renates Ausführungen zu faszinieren. Ich weigerte mich zwar noch, mir die Szenen bildlich vorzustellen. Doch ich war kurz davor, detaillierte Fragen zu stellen. Renate legte den Kopf in den Nacken und schloß die Augen. Meine brennende Neugier wuchs mit jeder Sekunde, wurde aber jäh enttäuscht.
"Hier geht es aber ja nicht um mich, sondern um dich!"
'Äh, Tante Renate,' war ich fast geneigt zu sagen, 'erzähl mir doch mehr von dir und Onkel Richard!' Aber ich wußte, das mir dies nicht zustand. Ich saß schließlich nicht hier, um mich an Schilderungen aus ihrem Intimleben aufzugeilen, sondern um mit ihr über mein ''Problem" zu reden, was ich aber gar nicht so richtig wollte. Also schwieg ich wieder und hielt mich am Rotweinglas fest.
"Du mußt schon selber etwas tun," befand Renate richtigerweise. "Ich kann dir nicht helfen, wenn du nichts sagst."
"Wie willst du mir schon helfen und wobei?" erwiderte ich leicht trotzig.
Doch Renate blieb ruhig und ließ sich nicht provozieren: "Dabei herauszufinden, was du eigentlich möchtest. Ich habe das Gefühl, du weißt nicht, was du wirklich willst."
"Und du weißt es!?"
Jetzt reichte es ihr! "Hör mal zu!", fauchte sie mich plötzlich an und ließ mich zusammenzucken. "Wenn du hier nur in dich hineingrübeln willst, dann kannst du das auch vor der Tür machen! Entweder du kommst jetzt zur Sache oder du gehst!"
Ich hatte nun den Eindruck gewonnen, das Tante Renate durchaus das Potential zu Herrin Renate besaß. Es schüchterte mich jedenfalls gewaltig ein und kleinlaut, noch mehr in den Sessel gesunken, antwortete ich: "Ich kann darüber nicht reden."
"Willst du vielleicht lieber schreiben?" spottete sie und zündete sich eine Zigarette an.
"Du verstehst das nicht," sagte ich und sah sie an.
Renate lächelte wieder. "Du bist wirklich ein harter Fall," erklärte sie, faßte über den Wohnzimmertisch und berührte mit den Fingerspitzen meine Hand. "Ich verspreche dir, wenn du dich ausgesprochen hast, wirst du dich viel besser fühlen. Befreit und entspannt." Renate lehnte sich wieder zurück. "Komm her," sagte sie, so wie man eine Katze anlockt. "Komm her, hier neben mich." Ich widersetzte mich keine Sekunde. "Stell dein Glas auf den Tisch und komm her."
Langsam erhob ich mich aus dem Sessel und ging seitlich um den Tisch, ein schwarzer Tisch mit dunklen Keramikfliesen. Ich wollte mich gerade wie ein schüchterner Pennäler neben seiner Angebeteten auf die Couch setzen, als Renate leicht mit dem Kopf schüttelte. "Nicht dort. Knie dich dort hin, direkt neben mich." Ihre Stimme hatte etwas unglaublich betörendes an sich. Etwas, das keinen Widerstand duldete. Ich sank direkt neben ihren übereinandergeschlagenen Beinen auf den Laminatboden.
Der Anblick hatte nichts erotisches. Er entsprach überhaupt nicht meinen Wunschbildern. Eine schwarze Stoffhose, schwarze Strümpfe und, fast schon von Stilblindheit zeugend, schlichte, flache, weiße Ballerinaschuhe, deren einzige Zierde eine funktionslose Schleife war. Aber in diesem Moment, in dieser Atmosphäre ließ es meinen Gaumen austrocknen.
"Ich weiß, dir gefällt das jetzt," flüsterte sie nahezu. "Du wolltest schon immer vor einer Frau knien und sie aus dieser Position anbeten. Und nun küß den Fuß. Das willst du doch, oder?"
Und ob ich das wollte. Ich hatte zwar schon vorher zwei-, dreimal bei Prostituierten das ''Vergnügen" gehabt, aber nie auch nur annähernd das empfunden, was mir die Phantasie vorgaukelte. Doch diesmal war alles so, wie ich es mir immer schon gewünscht hatte.
"Küß ihn," sagte Renate nur leise und ich beugte mich nach vorne, öffnete leicht die Lippen und berührte damit das warme Leder ihres Schuhs. Es durchzuckte mich und der Duft von Waschmittel und Seife drang in meine Nasenlöcher. Ich inhalierte tief und schloß die Augen. Möge dieser Moment nie zu Ende gehen. Aber es kam noch besser.
"Öffne deinen Mund," befahl sie sanft, "und nimm den Fuß hinein." Ich mußte nichts weiter tun, als Ober- und Unterkiefer zu spreizen. Renate schob ihre Schuhspitze zwischen den Lippen hindurch. Sofort begann ich mit der Zunge das Objekt der Begierde zu erkunden. Die runde Spitze, das narbige Leder, die zerkratzte Laufsohle.
Renate genoß die Anbetung, die ein junger Mann ihren ausgetretenen, alten Schuhen zukommen ließ. Sie zog tief an der Zigarette und stieß den inhalierten Rauch in kurzen, heftigen Wolken aus. Sie zog den Fuß wieder zurück und tippte mit der Spitze gegen meine Stirn. "Was möchtest du? Sag es mir," forderte sie mich auf und ich sah in ein paar große, freundliche, braune Augen.
Aber ich brachte meine Wünsche nicht über die Lippen. Die Formulierung der Worte schnürte meine Kehle zu. Der Puls begann zu rasen, der Schweiß zu strömen. Ich versuchte nach ihrem Fuß zu greifen, doch Renate unterband es mit einem kurzen, scharf ausgesprochenem: "Nein!!!" Als sei ich schon perfekt dressiert, sanken die Hände auf den Boden und der Kopf senkte sich schamvoll dazu.
Mit der Schuhspitze hob sie das Kinn wieder an und ließ mich in ihr Gesicht schauen. "Wenn du es nicht aussprichst, wirst du dich nie befreien," erklärte sie. "Du mußt Mut haben."
Ich riß mich förmlich zusammen und schaffte es nur mit gesenktem Blick, die Worte halbwegs zu stammeln: "Ich möchte unter deinen Füßen liegen." Sofort lief ich rot an und schwitzte noch mehr. Ich hielt die Situation fast nicht mehr aus. Innerlich hatte ich schon die Flucht ergriffen. Raus aus diesem Zimmer, raus aus diesem Haus, raus aus dieser Stadt, raus aus dieser Welt! Doch der Körper war träge. Er gehorchte nicht mehr dem Geist.
Renate nahm den Fuß weg und wie leblos sackte der Kopf wieder nach vorne. "Du möchtest also, das ich dich trete?" fragte Renate leise und drückte dabei die Zigarette im Aschenbecher aus. Ich nickte nur. "Hältst du das auch aus?"
Ich zuckte nur mit den Schultern. Es wäre nicht das erste Mal, das eine Frau auf mir stehen würde. Die Prostituierten hatten dies schon vorexerziert, ohne mich davon zu begeistern. Aber hier war die Stimmung anders. Es herrschte ein Klima der Intimität, ein Klima des Vertrauens. Nichts war vorhersehbar, nichts abgesprochen. Alles entwickelte sich spontan und das war spannend.
Renate rückte auf die Vorderkante der Couch und stellte die Füße parallel auf den Boden. Mein Blick war fest darauf geheftet. Ich fühlte mich abhängig und doch zugleich frei. "Leg dich dort vor den Fernseher, das Gesicht nach unten," befahl sie in ruhiger, unaufgeregter Tonlage. Ich nickte stumm und kroch an den angegebenen Ort. Das Fernsehgerät war in eine nußbaumfurnierte Schrankwand eingebaut. Ich legte mich bäuchlings direkt davor, die Arme angelegt, den Kopf seitlich in Richtung der Couchgarnitur gewendet. Renate schenkte sich ein wenig von dem Rotwein aus Burgund ein und nahm einen kleinen Schluck. Gerade soviel um die Geschmacksnerven zu benetzen. Dann stand sie auf, streifte ihre Bluse und die Hose glatt und kam mit langsamen Schritten auf die Schrankwand zu. Sie schlich geradezu und ihre Sohlen hinterließen kaum ein Geräusch auf dem Holzboden. Schnell war sie aus meinem Blickfeld verschwunden. Ich konnte nur noch ihre Stimme hören und den Schatten sehen, den ihr Körper im Licht der Deckenstrahler warf.
Sie stellte einen Fuß auf meinen Hintern und lehnte einen Arm gegen die Schrankwand. "Rutsch etwas von der Wand weg, damit ich mehr Platz habe," ordnete sie an. Ich glitt über den Holzboden bis ich mit dem Becken gegen ihren zweiten Fuß stieß. Meine Anspannung und Erregung war kaum noch zu überbieten. Nicht einmal beim ersten sexuellen Erlebnis mit einem Mädchen hatte ich vergleichbar gefiebert.
"Ich möchte dir nicht weh tun - noch nicht," bei ihren letzten Worten erschauerte ich. "Wenn du Schmerzen hast, dann sag es mir. Du sollst hier keinesfalls den Helden spielen. Ich bin ohnehin stärker als du. Hast du das verstanden?"
"Ja," erwiderte ich leise und erwartete jeden Augenblick ihr Gewicht auf meinem Rücken.
"Du bist gut gebaut," befand Renate. "Du dürftest keine Schwierigkeiten haben mich zu tragen." Gegenüber Richard müßte ich ihr aber wie ein Hänfling vorgekommen sein. Der Bauleiter hatte eine kräftige Maurerstatur, in die ich zweimal hineingepaßt hätte. Aber vielleicht hatte ihm das Trampeln auch keinen Spaß gemacht. Vielleicht mochte er es wirklich nur von seiner Frau ausgepeitscht zu werden.
Weitere Gedanken in dieser Richtung waren aber nicht mehr möglich. Zügig trat Renate mit beiden Beinen auf meinen Hintern und von dort wanderte sie ohne große Pause in Richtung der Schultern. Ihr Gewicht war erträglich, wenn auch ungewohnt. Die flachen Schuhe verteilten das Gewicht gleichmäßig, sofern das überhaupt möglich war. Bei jedem Schritt lastete natürlich mehr Gewicht auf nur einem Fuß. Mit einer Hand tastete sich Renate an der Schrankwand entlang. Ein lebendiger Körper, noch dazu wenn er sich hebt und senkt, mit rutschigem Stoff und beweglicher Haut versehen ist, läßt sich nicht mit einem toten Bärenfell gleichsetzen.
Mit Bedacht setzte Renate ihre Schritte. Im Lendenbereich ist die Belastung am Höchsten, im Schulterbereich am Niedrigsten. Ich fühlte mich sicher und konnte zum Erstenmal genießen, was ich bisher nur in der Phantasie lustvoll erlebte und in der Praxis sich als unbefriedigend präsentierte.
"Du bist ein guter Junge," lobte sie von oben herab. "Man sieht, das es für dich nicht vollkommen neu ist." Sie schaukelte ein wenig, was ich im ersten Moment, weil völlig unerwartet, eher als unangenehm empfand. Da jedoch mein Stolz sehr ausgeprägt ist und sich der Satz aus der Kindheit "Indianer kennen keinen Schmerz" tief bei mir verwurzelt ist, nahm ich alle meine Kräfte zusammen und unterdrückte jede Äußerung von körperlicher Belastung.
Renate stieg wieder herunter und stellte sich vor meinen Kopf. Ein befreiendes Gefühl, als ihr Gewicht meinen Rücken verließ. Die Muskeln konnten sich wieder entspannen und ich hatte wieder die Möglichkeit tief durchzuatmen, wovon ich auch gleich ausgiebig Gebrauch machte. Auch wenn die letzten Minuten ein zwiespältiges Gefühl bei mir hinterließen, war ich doch glücklich und zufrieden. Ich hätte Renate vor Freude und Dankbarkeit um den Hals fallen können. Der erste Schritt war getan.
"Leg deinen Kopf auf die Seite," sagte sie ruhig. Ich gehorchte und dachte, nun dürfte ich ihre Füße wieder küssen. Aber statt dessen stellte sie einen Fuß auf den Kopf, er bedeckte vollkommen das Ohr, und ehe ich es mich versah stand sie auf einem Bein mit dem gesamten Körpergewicht auf meinem Schädel. Der Druck war nicht so stark, wie ich vermutet hätte. Aber Angst verspürte ich keine.
Ich hatte im Biologieunterricht aufgepaßt und wußte, das menschliche Skelett hält enorme Belastungen aus und ich hatte im Physikunterricht aufgepaßt und wußte, das Gewicht nichts anderes als Masse mal Beschleunigung ist. Und solange Renate keinen Anlauf nahm und eine beidfüßige Punktlandung auf der entsprechenden Stelle plante, war das Risiko mehr als gering. Eine Treppe eilig herunter zu hasten erschien mir gefährlicher. Dennoch war der Druck schon heftig und als Renate auch noch anfing zu wippen, war es nicht mehr zu unterdrücken. Mit einem Gefühl der Entlastung gab ich einige keuchende Geräusche von mir. Auch die Muskeln im Nackenbereich wurden angespannt, was eher die Lage verschärfte.
"Tut das weh?" fragte sie, nachdem sie mit beiden Beinen wieder auf dem Laminatboden stand. Sie war außerhalb meines Blickfeldes. Ich war mir nicht sicher, welche Antwort ich geben sollte. Denn weh, im Sinne von Schmerzen, tat es nicht. Es war mehr so, als wenn man einen Kasten Cola in den dritten Stock trägt. Belastend, aber nicht schmerzvoll. "Ich habe dich etwas gefragt," sagte sie und es klang schon leicht genervt.
"Nein, Renate," antwortete ich. "Nur ungewohnt."
"Dann ist es ja gut." Prompt stand sie wieder auf meinem Kopf. Diesmal mit beiden Beinen. Doch das war eine weniger gute Idee. Nun mußte sie den einen Fuß weiter nach außen schieben, in Richtung Wangenknochen, und deshalb drückte die scharfe Kante ihrer Schuhsohle mittig in die Ohrmuschel und das tat nun weh. "Aaahh!", entfuhr es mir, was Renate aber nicht beeindruckte. Das Ohr wurde richtig heiß und ehe ich zum zweiten Schrei ansetzen könnte, schritt sie schon weiter. Das Ohr pochte.
Auf der Oberschenkelmuskulatur tat es dann zum ersten Mal wirklich weh. Ich zog die Luft scharf zwischen den Zähnen ein und ballte die Fäuste, als sie mit ihrem Gewicht die Muskeln malträtierte. Aber zum Glück war es nur ein kurzes Leiden. Renate stellte sich auf die Seite. "Dreh dich um," befahl sie. Etwas umständlich rollte ich auf den Rücken. Der nachlassende Schmerz in den Oberschenkeln war eine Wohltat, an das Ohr dachte ich schon nicht mehr. Nun zeigte sich, das es mehr als eine Schnappsidee von mir war. Unter dem Reißverschluß der Jeans zeichnete sich eine Beule ab. Ich würde lügen, wenn ich sage, es wäre mir nicht peinlich. Vor einer Frau, die man schon als kleiner Junge gekannt hat, eine Erektion zu kriegen, gehört nicht zu meinen lustvollen Phantasien.
Aber Renate ging erfrischend unbekümmert damit um. Ohne lange Vorreden stellte sie ihren Fuß auf diese Stelle und übte sanften Druck aus. Sie lächelte verständnisvoll, als hätte sie genau das Ergebnis erwartet. Doch damit war die Vorstellung noch nicht beendet. Sie holte ihr Rotweinglas vom Tisch, während ich weiter vor dem Schrank lag. "Möchtest du auch einen Schluck?" fragte sie und stellte ihre Fuß auf meine Brust. Dann nippte sie am Glas. Ich nickte, weil meine Kehle ausgetrocknet war. Sie grinste und das Grinsen sah alles andere als gut aus. Es war ein breites, teuflisches Grinsen. Was hatte sie sich nun ausgedacht?
Renate zog ihren Fuß von meiner Brust zurück und ging in die Hocke. Dann sagte sie, den Kopf leicht zur Seite geneigt, leise säuselnd: "Mach deinen Mund auf." Ich öffnete ihn und starrte sie dabei an. Langsam konnte ich mir denken was kam, doch ich täuschte mich. Anstatt das Glas über meinen Mund zu führen und es zu kippen, nahm sie einen Schluck aus dem Glas, beugte sich über mich, als wollte sie mich küssen und etwa zehn Zentimeter über dem Mund kam ein Schwall des roten gekelterten Traubensaftes zwischen ihren Lippen hervor und floß in meinem Rachen.
"Schluck!" Ich war perplex. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich fühlte mich mit einem Schlag tief gedemütigt, aber zugleich sauwohl. In diesem Augenblick, viel stärker als vorhin in der Rolle ihres Fußabtreters, war mir klar, das diese Rolle meine Rolle ist. Etwas, das ich seit Jahren gesucht hatte ohne es zu wissen und deshalb auch nie fand. Ganz langsam ließ ich den Rotwein die Speiseröhre hinuntergleiten.
Renate stand auf und lachte. "Steh auf," befahl sie. Während ich mich, schon ein wenig Gliedersteif, aufrappelte, verließ sie das Zimmer und kam mit meiner Jacke im Arm zurück. "Du fährst jetzt nach Hause. Und wenn du dort angekommen bist und dort weitermachen willst, wo wir heute hier aufhören, dann rufst du mich an. Wenn du mich nicht anrufst, dann bleibt das heute eine einmalige Sache und wir werden nie wieder darüber reden. Einverstanden?" Mit diesen Worten drückte sie mir meine Jacke in die Hand. Ich nickte. Renate drückte mir noch einen Kuß auf die Wange und führte mich nach draußen.
Ich fuhr zwar nur langsam nach Hause, um mir alles noch mal durch den Kopf gehen zu lassen, aber der Griff zum Telefonhörer war dafür bedeutend schneller...

 

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