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FussVideo - Text 065: Eine schöne Begegnung

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Eine schöne Begegnung

Es war schon spät. Gerade war ich aus dem Kino gekommen und hatte festgestellt, daß ich noch eine ganze Weile warten mußte bis der Bus kommen würde. Da ich
ziemlich verrückt nach Schuhen bin ging ich über die Straße in Richtung des kleinen Schuhgeschäftes. Vor dem Schaufenster mit den Damenschuhen blieb ich
stehen.
Es ging auf den Herbst zu, deshalb standen im Schaufenster noch einge Pumps und vor allem Stiefel. Während ich schaute hörte ich das wohltuende Geräusch
hoher Absätze. Langsam und gleichmäßig kam es näher und näher. Als das Geräusch etwa auf meiner Höhe war und ich überlegte, ob ich einen Blick riskieren
sollte, wurde es plötzlich ungleichmäßig. Ich fuhr herum und konnte die Frau gerade noch auffangen, sonst wäre sie gestürzt.
Sie war etwa so groß wie ich, hatte langes, leicht gewelltes dunkles Haar und trug einen langen Mantel. Sie sagte "Oh vielen Dank"; ich sah sie an und
bemerke die Ursache für ihren Beinahesturz: Einer ihrer Schnürsenkel war offen und sie war darüber gestolpert.
"Keine Ursache, einer ihrer Schnürsenkel ist offen. Erlauben sie?" Daraufhin nutzte ich die Gelegenheit und kniete mich vor ihr hin. Ich begann den
verhedderten Schnürsenkel zu entwirren. Sie trug dunkle Stiefel mit einer aufwendigen Schnürung und hohen spitzen Absätzen. Die Absätze und die Spitzen
waren mit blankem Metall überzogen. Durch die Schaufensterbeleuchtung konnte ich erkennen, daß diese Schuhe noch recht neu waren. Sie hatten kaum Falten und
Knicke. Langsam begann ich den Schnüsenkel um die metallenen Häckchen zu legen. Die Stiefel hatten nur im unteren Teil Löcher für die Schnürung, oben wurden
die Schnürsenkel um kleine Häckchen gelegt.
Die Frau schien nicht in Eile zu sein, nein es schien als ob es ihr auch gefiehl, daß ich ihr die Schuhe zuband. Ich zog den Schnürsenkel stramm und fragte:
"Ist es gut so, oder ist es zu stramm?"
Sie antwortete: "Nein, so ist es gut." Sie schaute zu mir herunter und ich zu ihr hinauf. Als ich die Schleife fertig gebunden hatte glitten meine Finger
noch einmal kurz über das kalte Metall der Stiefelspitze. Plötzlich sagte sie: "Die gefallen Dir wohl? Ich wohne gleich dort um die Ecke. Darf ich mich mit
einem Kaffee revanchieren?"
Ich zögerte kurz, konnte aber nicht wiederstehen: "Oh, ja danke gern..." Wir gingen das kurze Stück nebeneinander und ich hörte wieder den Klang ihrer
Absätze auf der Straße. Diesmal aber immer ganz nah bei mir...

 

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