Vorwort :

Vielen vielen Dank an alle, die mir in den vergangenen Wochen und
Monaten immer wieder nette eMails geschrieben haben. Meine
Sommerferien-Geschichte ist ja nun auch schon nicht mehr die
neueste aber anscheinend scheint sie doch auch immernoch Leser zu
finden. Ich war leider lange nicht mehr dazu gekommen etwas Neues
zu schreiben. Das möchte ich jetzt wieder gern ändern und
veröffentliche hiermit also jetzt eine ganz neue Geschichte.
"Unsere kleine Idee" fängt im ersten Teil noch sehr harmlos an.
Ich erstelle jetzt also erstmal die storytechnische Umgebung, auf
die ich dann in weiteren Teilen aufbauen werde. Zusätzlich möchte
ich dann aber auch langsam meine Sommerferien-Geschichte
fortsetzen... Wer Ideen oder Einfälle für "Unsere Kleine WG" oder
"Sommerferien" hat, soll sie mir bitte per Mail zuschicken. Ich
freue mich immer über Mails und für euch ist es sicherlich auch
schön, eigene Ideen umgesetzt zu sehen :-). In diesem Sinne, viel
Spaß mit meinen Geschichten!!!

Euer Berni :-)



Unsere Kleine WG. Teil 1 :


"Hey aufwachen!" Ich schreckte hoch und erkannte meinen Kumpel
Freddy. "Ähhh ja sorry, war wohl kurz eingepennt", antwortete ich
und versuchte, mir den Schlaf aus dem Kopf zu schütteln. "Hast
wohl wieder mal die Nacht durchgemacht, was?" Ich grinste und
griff in die Innentasche meiner Jacke. "Naja schon aber dafür hab
ich was für dich!" Ich reichte ihm eine MiniDVD. Der Datenträger
wechselte unauffällig den Besitzer. "Ist das WLAN beim
Studentenwohnheim immernoch offen, was?" "Und ob und die Leitung
war gestern Nacht fast frei... das geht mal ab wie Schmidt's
Katze, sag ich dir! Hab in eMule zwar immernoch nur ne LowID aber
es hat sich trotzdem fett gelohnt diesmal!" Ich konnte sehen, wie
sich Freddy's Gesicht aufhellte. "Wird ja auch mal Zeit, nachdem
du dir kürzlich meine ganze Sammlung rübergezogen hast!" Wir
lachten beide. Freddy, mein bester Kumpel, wusste erst seit
kurzem über meine Neigung Bescheid - und ich über seine, die
zufällig die selbe war. Er hatte vor ein paar Tagen seinen PDA
bei mir vergessen gehabt und ich, neugierig wie ich war, hatte
einen  Blick auf die SD-Karte im Slot geworfen. Die meisten
hätten wohl den Schock ihres Lebens erhalten aber ich war nur
überrascht. Sie war randvoll mit Porno-Videos. Das allein hätte
mich noch nicht überrascht, aber als ich schon beim ersten
Anklicken eine laut Intro angeblich sechsjährige beim Oralsex
beobachten könnte, viel mir die Kinnlade runter. Freddy ein Pädo?
Das glaube ich zunächst nicht, erst nach zwei Stunden und dreimal
abspritzen war ich sicher. Die SD-Karte war randvoll mit
Kinderpornos. Der Rest ging recht schnell. Ich war bei ihm
vorbeigefahren und alles mit ihm geklärt. Dass ich ebenfalls ein
Pädo war, sagte ich gleich zu Anfang. Ich wollte nicht, dass er
sich vor Schiss ertappt worden zu sein, noch vollpinkelte...
Seitdem sahen wir uns täglich. Sei es nun um Bilder oder Videos
auszutauschen, oder  auch um uns sonstwie über DIESES Thema zu
unterhalten. Ich hatte Freddy beim Zivildienst kennen gelernt und
wir wohnten leider auch ein ganzes Stück auseinander. Eigentlich
wäre ich später noch bei ihm vorbei gefahren aber dass uns der
Zufall schon so früh in der S-Bahn zueinandergeführt hatte, war
mir auch grade Recht gekommen. "Was treibst du denn so früh hier?
Ich dachte du hast noch zwei Wochen frei?", fragte Freddy. "Ja
eigentlich schon aber gestern hat mich mein Chef angerufen; is
wohl was Dringenderes, keine Ahnung. Jedenfalls muss ich heute
Vormittag da vorbeischaun. Deshalb hock ich hier rum. Und was
machst du in der Stadt?" "Weißt du doch.. ich such immernoch ne
Wohnung. Mein alter Vermieter mag nimmer warten und wird langsam
genervt... Scheiß Eigenbedarf! Aber find mal so miernichts
diernichts ne Wohnung, die bezahlbar is..", erwiederte Freddy
zerknirscht. Die S-Bahn fuhr jetzt langsam in den Citybahnhof
ein... "OK hier muss ich raus", sagte ich und schnappte mir meine
Tasche. "Alles klar... klappt das heute Abend noch mit dem
Kino?", fragte Freddy. "Ja logisch, aber ich meld mich vorher ehh
nochmal. Also bis dann!" In diesem Moment öffneten sich die Türen
und ich sprang heraus. Ich war wirklich neugierig, was ich schon
zwei Wochen vor meinem offiziellen Rückkehrtermin in meiner alten
Firma sollte...

Zwei Stunden später sollte ich es wissen - Ich war gekündigt! OK,
so schlimm wurde es nicht formuliert aber im Grunde genommen war
es genau das. Ich war dort als  Netzwerkadministrator angestellt
gewesen bis zu dem Tag, an dem der Schrieb von der
Musterungsstelle kam - oder wie auch immer die hies - dass ich
einzurücken hätte. Zum Glück war es mir noch gelungen,
nachträglich zu verweigern aber meine Hoffnungen, dem Bund oder
Zivi entgehen zu können, waren dahin gewesen. Natürlich bekommt
man in solch einem Fall hundert Zusicherungen vom Betrieb, dass
man auch ganz sicher nach geleistetem Zivildienst wieder dort
weitermachen können würde aber das war in meinem Fall wohl "wegen
unglücklichen Umständen" nicht mehr möglich. Meine Firma wollte
nach Polen gehen oder wie auch immer und deswegen gab es keinen
Bedarf mehr nach IT-Kräften. Mein einziger Trost war, dass sie
mich wegen meines Zivis und irgendwelcher Tarifverträge nicht
einfach rausschmeißen konnten. Daher hatten sie mir einen Vertrag
vorgelegt, wonach ich zwar sofort entlassen war, jedoch mit einer
ganz ordentlichen Abfindung und ich hatte nach kurzem Durchlesen
auch unterschrieben. Immerhin hatte ich ein ganzes Jahresgehalt
bekommen und man versprach mir auch noch, mir mein
Arbeitszeugniss nachzuschicken. Jetzt, als alles vorbei war, saß
ich da nun also und fuhr frustriert wieder nach Hause. Keine
Arbeit mehr und auch keinen Plan, was ich nun tun sollte. Das
Geld war für sich genommen kein wirkliches Problem. Meine Eltern
hatten mich immer unterstützt und ich war sicher, dass ich von
dieser Seite her kein Problem haben würde aber was sollte ich
jetzt mit mir anfangen?! Erstmal nach Hause und dann würde ich
weitersehen.

Als sich eine halbe Stunde später die Haustür hinter mir schloss,
war ich erstmal erleichtert. Ich schmiss meine Tasche zusammen
mit meiner Jacke auf die Couch und hockte mich daneben.
Puhh...erstmal würde ich meine Eltern anrufen müssen und ihnen
alles erzählen. Gesagt getan und zu meinem Glück wurde wohl doch
nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Ich hatte mir
das Gespräch mit meinem Vater schlimmer vorgestellt aber er war
garnicht mal so besorgt oder verärgert oder was auch immer ich
mir vorgestellt hatte, dass er sein würde. Er war eigentlich ganz
ruhig und meinte einfach nur, ich solle mir in Ruhe alle
Möglichkeiten durch den Kopf gehen lassen und am Besten mal ein
paar Tage darüber nachdenken. Ich wäre ja noch nicht zu alt, mit
25, etwas neues zu beginnen. Zuerst fühlte ich mich nicht
wirklich ernst genommen aber dann wich dieses Gefühl langsam
einer unbestimmten Erleichterung. Ich weiß nicht genau wieso,
aber irgendwie fühlte ich mich wieder wohler. Ich schaltete für
ein paar Minuten den Fernseher ein, ließ es dann aber wieder
sein. Nun war es schon fast zwei Uhr und ich hatte noch ein paar
Stunden Zeit bis ich Freddy heute Abend im Kino treffen würde.
Daher legte ich mich nochmal ein Wenig in's Bett. Dort konnte ich
meistens am Besten nachdenken und das Schlafzimmer war noch schön
dunkel. Ich hatte die Rolladen noch nicht hochgezogen und im
Moment war ich dankbar dafür. Einmal im warmen Bett angekommen,
ließ ich meinen Gedanken freien Lauf. Mir ging es hier doch
eigentlich ganz gut. Verdammt gut eigentlich. Meine Eltern hatten
mir als ich nach dem Abitur gleich eine Stelle angetreten hatte,
ihr Ferienhäuschen hier draußen praktisch geschenkt und ein Auto
hatte ich auch. Das Haus war außerhalb der Stadt gelegen und
damit schön ruhig. Meine Eltern hatten es lange Jahre für kleine
Kurzurlaube genutzt aber seitdem mein Vater im Ruhestand war,
waren sie kaum noch hergekommen. Sie flogen lieber in die Südsee
oder fuhren nach Sylt. Geld war in unserer Familie noch nie ein
Problem gewesen und daher war es auch kein Problem gewesen, dem
Sohn das kleine Zweithäuschen zu überlassen, wenn er schon
ausziehen wollte. Eignentlich was das einzige, was mich jetzt
nervte, dass ich keinen Job mehr hatte. Warum sollte das
eigentlich so schlimm sein, überlegte ich. Ich war sowieso nicht
so wirklich scharf drauf gewesen, gleich nach der Schule
anzufangen zu arbeiten. Mich hatte eigentlich nur die
Unabhängigkeit von zu Hause dazu bewegt aber das war ja nun
inzwischen überhaupt kein Thema mehr. Ich beschloss, es für heute
sein zu lassen, mir den Kopf zu zerbrechen...

Es war kurz nach acht Uhr als ich aus meinen Träumen gerissen
wurde. Das Telefon klingelte und ich als ich langsam wach wurde,
dass ich total verpennt hatte. Das wurde mir am Telefon auch
gleich von einem ziemlich genervten Freddy bestätigt. Die
8:30Uhr-Vorstellung konnten wir jedenfalls vergessen. Ich
entschuldigte mich kurz angebunden bei ihm und versprach, alles
zu erklären. Er meinte wir könnten ja immerhin noch um elf Uhr in
den Film gehen und ich machte mich auch sofort auf den Weg. Ich
fuhr mit dem Auto zum Bahnhof und sprang in den nächsten Zug.
Natürlich hätte ich auch das Auto nehmen können aber am Kino gab
es meistens sowieso keine Parkplätze; daher war das jetzt
einfacher. Ungeduldig hockte ich auf meinem Sitzplatz in der
ersten Klasse. Wiedereinmal war ich froh, die paar Euro mehr für
das erste-Klasse-Monatsticket gezahlt zu haben, denn die zweite
Klasse war wie immer um diese Uhrzeit brechend voll.

Als ich nach zweimaligem Umsteigen endlich am Kino ankam,
erwartete mich auch schon Freddy vor dem Eingang mit zwei Karten.
"Komm mit, wir hocken und da hinten noch ein Bisschen in die
Snackbar, ich ladt' dich ein", schlug ich vor. Freddy, der eine
Einladung sowieso nie ablehnte, hatte nichts dagegen, wirkte aber
auch nicht wirklich fröhlich. "Was ist denn mit dir los? Du
wirkst nicht besonders in Kinolaune?", wollte ich wissen. "Ach
nee net wirklich", gab Freddy gefrustet zurück, "das mit der
Wohnung hat mal wieder nicht geklappt. Ich war wohl nur ein
Interessent unter hundert und ach keine Ahnung... vergiss es
einfach!" Ich konnte ihn verstehen; er suchte nun schon seid bald
zwei Monaten nach einer neuen Wohnung und leider hatte er nicht
ganz meine Möglichkeiten in dieser Richtung. "Sag mal...", kam
ich langsam mit einer Idee heraus, "...was hältst du davon, wenn
wir, bis du was neues hast, 'ne WG oder sowas aufmachen?" Die
Idee war mir schon länger im Kopf herum gegeistert aber bis vor
ein paar Tagen wäre ich nicht ernsthaft auf den Gedanken
gekommen, da ich keine Lust gehabt hätte, selbst am heimischen PC
mit meinen Pornos vorsichtig sein zu müssen. Das war nun aber
kein ernsthaftes Problem mehr, da Freddy sich als ein genauso
schlimmer Pädo herausgestellt hatte wie ich. Langsam schaute
Freddy nun auf. "Meinst du das Ernst? Ich dachte, deine Hütte
wäre von deinen Eltern? Haben die da nix dagegen?!" "Nee wieso?
Die sind doch ehh fast nur noch im Urlaub und selbst wenn nicht,
glaube ich nicht, dass sie was dagegen sagen würden." "Ja okay
aber das kommt alles so schnell? Ich muss erst noch mein Zeug
aufräumen und dann alles zu dir bringen. Das dauert..." "Dein
Zeug? Dein Rechner und deine Klamotten passen bei mir hinten in
den Kofferraum. Alles andere ist doch ehh bei der Wohnung dabei
gewesen oder?" Freddy dachte einen Moment lang nach. "Du hast
Recht", gab er schließlich zu, "Die Möbel muss ich ehh da lassen.
Das is ja mal krass. Hatte ich garnicht mehr dran gedacht." Über
dieser Einsicht mussten wir beide lachen. "Ja okay, dann mach ich
das morgen mit meinem Vermieter klar und melde mich dann bei dir.
Vielleicht krieg ich dann noch nen Teil meiner Miete für den
Monat zurück wenn ich gleich ausziehe. Das wäre dem Alten doch
nur Recht!" Freddy freute sich sichtlich über diese Lösung. Ich
schaute kurz auf meine Uhr "Ach du Scheiße - Wir müssen los,
sonst verfallen die Karten noch"... Ich ließ schnell zehn Euro
unter meinem Glas liegen und rannte Freddy hinterher...

Es war kurz nach zwei Uhr als wir uns an diesem Abend schließlich
trennten. Freddy war wieder bester Laune gewesen und ich mit ihm.
Mein verlorener Job und der ganze Misst der vergangenen Monate,
mit Zivildienst und allem, war fast schon wieder vergessen und
sogar der Film war sein Geld Wert gewesen. Langsam ging ich in
Richtung Stadtbahn. Freddy's Wohnung war in der Gegenrichtung
gelegen und nicht so weit weg. Daher war er zu Fuß gegangen.
Allein und verlassen erreichte ich die Station. Nur ein paar
einsame Nachtschwärmer waren zu sehen, die auf der anderen
Straßenseite in der Nacht verschwanden. Mit leichtem Zweifel
schaute ich auf den Fahrtplan. Verdammt! Ich hätte doch das Auto
nehmen sollen, fiehl mir ein. So spät fuhr kaum noch etwas,
höchstens vom Citybahnhof aus aber das war auch nicht sicher. Es
war inzwischen März und Nachts war es immernoch saukalt. Ich
hatte keine Lust, in der Kälte herumzustehen und beschloss, mich
dorthin auf den Weg zu machen. Im Notfall würde ich mir von dort
aus wenigstens ein Nachttaxi rufen können, erkannte ich. Es
dauerte fast eine dreiviertel Stunde aber um etwa drei Uhr
erreichte ich den Bahnhof. Lange Rolltreppen führten zu den im
Untergrund gelegenen Bahngleisen. Ein kurzer Blick auf die
Anzeigetafeln bestätigte, was ich ohnehin schon wusste. Die
nächste Bahn fuhr um halb fünf! Ich war nicht wirklich müde,
hatte aber auch keine Lust fast zwei Stunden hier rumzuhängen.
Naja, was soll's, dachte ich. Es war ja nicht das erste Mal. Im
Handy hatte ich die Taxi-RUf-Nummer schon einprogrammiert.
Gesagt, getan. In einer viertel Stunde würde vor dem Haupteingang
ein Wagen sein. Ich atmete kurz durch und hockte mich auf eine
Bank. Da hörte ich es!

Oder besser ihn, denn irgendwo im unteren Bereich des Bahnhofs,
bei den Gleisen, brüllte jemand durch die Hallen. Es war
offensichtlich, dass dieser jemand betrunken war, soviel hörte
ich aus seiner lallenden Stimme. Wahrscheinlich irgendein
Obdachloser, dachte ich. Aber da war noch etwas anderes. Was ich
da gerade wirklich gehört hatte, wusste ich nicht mehr sicher
aber immerhin war meine Neugier geweckt worden und so schlich ich
leise die paar Stufen nach unten. Der Penner schien schon wieder
verschwunden zu sein oder er hatte sich irgendwo versteckt.
Jedenfalls konnte ich ihn nicht mehr sehen. DA WAR ES WIEDER!
Irgendwelche kleinen Schritte oder soetwas. Langsam ging ich die
Bahngleise ab und da sah ich es plötzlich. Es war ein kleines
Mädchen, die sich hinter einen Cola-Automaten geduckt hatte. Sie
war noch sehr jung, vielleicht acht oder neun Jahre alt und sah
wirklich erbärmlich aus. Braune, völlig verschmutzte Klamotten
und sie schaute mich mit weit aufgerissenen Augen an. In ihnen
war Angst und Panik zu erkennen. Sie hatte wohl gehofft, dass sie
hier niemand finden würde. Plötzlich bewegte sich unter ihrer
weiten Jacke etwas und ich sah, dass sie nicht völlig allein dort
kauerte. Ganz geduckt unter ihren zerfetzten Klamotten hatte sich
noch ein Kind versteckt. Noch bevor ich etwas zu den beiden sagen
könnte, war die größere der beiden auch schon losgelaufen und
rannte in Richtung des nächsten Ausganges. In ihrer Panik ließ
sie die Hand ihres Schützlings allerdings los und er stolperte.
Mit schnellen Schritten war ich nun zur Stelle und hob das Kind
vom Bahnsteig. Es war noch ein Mädchen, jedoch noch ein Bisschen
jünger. Die Kleine war vielleicht fünf oder so. Das Mädchen auf
meinem Arm find völlig verängstigt an zu weinen und ich versuchte
vergeblich sie zu beruhigen. Das hatte die andere wohl gehört,
jedenfalls rannte sie nicht mehr davon, sondern blieb ca. zwanzig
Meter von mir entfernt stehen. Ich sah es ihr an, dass sie am
liebsten weggerannt wäre, aber gleichzeitig hatte sie
offensichtlich auch wahnsinnige Angst um das Mädchen in meinem
Arm. Langsam ging ich auf sie zu. "Du brauchst keine Angst zu
haben", sprach ich sie an, "was macht ihr denn so spät noch
hier?". Sie antwortete nicht, sondern schaute nur vor Sorge auf
ihre kleine Gefährtin. Erst als sie vor mir stand, beruhigte sich
die kleine in meinem Arm auch langsam und ich ging in die Hocke,
sodass ich mit den beiden Kindern auf Augenhöhe war. "Na was
macht ihr hier?", wollte ich nocheinmal wissen. "Wir ... wir ..",
schluchzte die Große schließlich, "Wir sind wegge..gelaufen!"

Ich stutzte. Weggelaufen? Die beiden Kleinen? Ach Vdu Scheiße!
Ich erinnerte mich, das in fünf Minuten oben am Bahnhof mein Taxi
ankommen würde und schaltete schnell. "Wenn ihr wollt, könnt ihr
mit mir kommen. Dann müsst ihr euch nicht hier am Bahnhof
verstecken!", schlug ich ihnen vor. Die Große schaute mich mit
großen Augen an, sagte aber nichts. "Ich ich hab Hunger", fing
ihre kleine Freundin nun in meinem Arm an zu weinen und drückte
sich dabei an mich. Sie hatte sich also schon entschieden und nun
nickte auch die andere zaghaft. Ich stand auf ließ das Mädchen in
meinem Arm wieder zu Boden. Langsam schlichen mir die beiden
Kinder nun hinterher. Sie hatten immernoch ziemliche Angst aber
anscheinend war ihnen das jetzt alles lieber als weiterhin hier
unten auf dem Steinboden zu sitzen. Ich ging extra langsam,
sodass die Kinder mir folgen konnten. Erst wollte ich sie an die
Hand nehmen aber das wollten sie anscheinend nicht. Sie trauten
mir anscheinend noch nicht wirklich. Der Bahnhof war um diese
späte Uhrzeit zu meinem Glück völlig menschenleer. Als wir
endlich oben ankamen und in's Freie traten, stand das Taxi zum
Glück schon dort. Ich war erleichtert, das der Fahrer auch noch
nicht ausgestiegen war, denn sonst wäre dieses Bild doch ein
wenig komisch gekommen. Ein junger Mann und drei Meter dahinter
zwei ängstliche kleine Mädchen... das wäre schwierig zu erklären
gewesen. Aber zu meinem Glück saß der Fahrer recht gelangweilt
noch auf dem Fahrersitz. Es war ein jüngerer Mann ausländischer
Herkunft und als ich die Tür öffnete und ich nach den Mädchen auf
den Rücksitz kletterte, schaute er sich nicht einmal richtig um.
Ich nannte ihm die Adresse und schob ihm schnell einen Hunterter
nach vorne. Ich wusste, dass dies für eine derart kurze Strecke
sehr viel war aber ich dachte mir, dass es so unkomplizierter
werden würde - in mehrerer Hinsicht. Ich bekam Recht. Ohne ein
Gespräch anzufangen, fuhr er los und eine halbe Stunde später
waren wir am Ziel. "Einen schönen Tag noch", war das letzte, was
ich zu ihm sagen konnte, denn als wir alle drei ausgestiegen
waren, machte er sich wortlos auch schon wieder auf den Rückweg.

Da stand ich nun, mit zwei kleinen völlig verrissenen Kindern,
vor meinem Haus. Nachbarn hatte ich zum Glück unmittelbar keine.
Das Haus lag etwas abgelegen eingefasst in ein kleines Waldstück
am Stadtrand. Meine Eltern hatten es früher als Ferienhaus
genutzt und daher lag es auch dementsprechend in einer sehr
ruhigen Lage. Einen kurzen Moment dachte ich an mein Auto.
Eigentlich hätte das Taxi uns zum Bahnhof bringen sollen, aber
das hatte ich in dem ganzen Chaos völlig vergessen. Nun ging ich
zur Tür und schloss auf. "Na rein mit euch", forderte ich sie auf
und langsam und sichtlich scheu folgten die beiden. Nach ihnen
zog ich die Tür in's Schloss und verriegelte sie leise. Ich
begleitete sie in mein Wohnzimmer, wo ich sie auf die Couch
setzte. "Ich hol euch schnell etwas zu essen", sagte ich und ging
in die Küche. So ein alleinlebender Typ wie ich hat zum Glück
immer genug Fertiggerichte im Kühlschrank, dachte ich zufrieden.
Also wanderten schnell zwei Mal Spaghetti mit Tomatensoße in die
Mikrowelle. Neunzig Sekunden später trug ich die beiden
Platikteller zurück in's Wohnzimmer. Eigentlich stand zwei
Minuten auf der Packung aber ich wollte vermeiden, dass die
Nudeln zu heiß für meine beiden Besucher wurden. Gierig machten
sich die Mädchen über das Essen her. Natürlich blieb es dabei
auch nicht aus, dass sie sich und ihre ohnehin schon schmutzigen
Kleider über und über mit Soße bekleckerten. Aber das war nun
wirklich egal, fand ich.

Als die Kinder fertig waren, wurden sie fast schlagartig müde.
"Wollt ihr beiden Mäuse schlafen?", fragte ich vorsichtig. Die
Mädchen nickten mich müde an. Ich wollte die beiden nicht gleich
noch mehr verängstigen und ließ meine Idee fallen, die beiden
aufzufordern, sich auszuziehen. Morgen würde ich sie sowieso
erstmal baden müssen, so schmutzig wie sie waren. Ich freute mich
schon darauf und in meiner Jeans begann es für eine Sekunde schon
recht eng zu werden! Aber dafür war die nächsten Tage noch genug
Zeit, beruhigte ich mich. So zog ich den beiden Mädchen
ersteinmal die Schlafcouch auseinander."Ich bring euch noch eine
Decke", erklärte ich und ging schnell nach oben um die große
warme Fließdecke für meine beiden Freundinnen zu holen. Als ich
mit ihr zurückkam, waren meine beiden schon fast eingeschlafen.
Dicht zusammengekuschelt lagen sie nebeneinander und atmeten
ruhig und gleichmäßig. Ich ließ sie schlafen und deckte sie
vorsichtig zu. Freddy würde morgen vielleicht Augen machen... das
würde eine sehr interessante WG werden, dachte ich...

[Wird fortgesetzt :-)]


  

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