All D-Day!
Von Willi
München. Es ist Montag morgen. Aldi hat seit 15 Minuten geöffnet
und bietet wieder einmal zu unglaublichen Preisen begehrenswerte
Waren an. Wie begehrenswert die Waren tatsächlich gewesen sind,
daß durfte ich scghon wenige Sekunden nachdem ich den Laden
betrat feststellen. So wie es aussah, war ich nicht der einzige,
der sich an diesem grauen Montagmorgen hierher zu Aldi begab.
Unmengen von Menschen drängelten sich rund um die Warenkörbe.
Beim näheren Hinschauen sah ich, daß es sich fast ausschließlich
um Frauen handelte, die sich dort um die Waren scharrten. Mich
erinnerte dieses Bild an die Invasion 1944. Der Codename der
Invasion soll seiner Zeit "D-Day!" gewesen sein. Heute
morgen war also "All D-Day".
Immer näher kam ich an den Korb, um denen sich diese hyänenhaften
Weiber versammelt hatten. Mit Erschrecken durfte ich feststellen,
daß sich das Objekt meines Begehrens genau in dem Korb befand,
um denen sich die meisten Hyänen versammelt hatten. Ich richtete
mich auf, machte mich groß und nahm Kurs auf die Meute. Wie ein
Keil schob ich mich lautlos aber bestimmt durch dieses Meer von
hysterischen Laibern. Ja... so ähnlich muß es seinerzeit bei
der Invasion gewesen sein. Drängeln, schubsen, stöhnen; Leiber
die unerbittlich und punktgenau auf ein gesetztes Ziel
ansteuerten - gnadenlos und ohne Rücksicht auf Verluste.
Endlich stand ich am Rand des Korbes. Mein Blick fuhr fieberhaft
über den Tisch. Unzählige Hände verwirrten meinen Blick. Ich
konnte mich nicht konzentrieren! Ohne zu zögern griff ich in die
Waren und angelte eins der Objekte an Land. Mühevoll versuchte
ich die Beschreibung auf dem Karton zu studieren; versuchte
herauszufinden ob es sich um meine Größe handelte oder nicht.
Überall um mich herum drängelte und schubste es auf meinen Körper
ein, doch ich stand wie der Fels in der Brandung.
Plötzlich bahnte sich ein Signal in mein Hirn. Ein böses, rotes,
beißendes Signal, welches auf einmal hell wie eine Glocke in
mein Bewußtsein eindrang. "Schmerz!" schrie es in
meinem Kopf. "Oh Schmerz!!!" Ich wurde verwundet!
Jemand hat mich im Verlauf dieser Invasion verwundet. Nur schwer
konnte ich erkunden wo ich getroffen wurde, denn es stürmten so
viele fremde Reize auf mich ein. "Fuß!" schrie es in
meinem Hirn. "Rechter Fuß!" Mein Blick versuchte sich
einen Weg zu meinem rechten Fuß zu bahnen. Tatsächlich! Ich war
verletzt. Wie ein Pfeil steckte der Absatz eines Stöckelschuhs
in meinem Fußrücken. Zischend sog ich Luft in meine Lungen...
"Ooops!" sagte eine Frau zu meiner Rechten lapidar. Sie
mußte doch merken, daß ihr linker Stöckelabsatz sich gerade
durch meinen Schuh bohrte und in begriff war meinen Fußrücken
zu durchspießen!? Doch sie machte keine Anstalten etwas an ihrer
Tat zu ändern. Unfähig zu reagieren starrte ich auf den Absatz
dieser Frau. Es war ein weißer Stöckelschuh aus glänzendem
Leder. Er hatte einem ca. 13 Zentimeter langen Absatz. Oben war
er etwa kleinfingerdick, und nach unten verjüngte er sich zu
einem stilettähnlichen Mordinsturment. Eigentlich bin ich ja der
Meinung, daß solche Schuhe waffenscheinpflichtig sein müßten.
Doch als ich sah, wie sich das Leder meiner eigenen Schuhe mühelos
von diesem mörderischen Absatz durchtrennen ließ, und ich einen
süßen bösen Schmerz von einer mit unbekannten Frau empfangen
durfte, war ich doch froh, daß solche Schuhe frei verkäuflich
sind.
Die Frau beugte sich vor, und entlastete meine wunde Stelle am Fuß.
Ihr pfeilartiger Absatz zog sich gaaanz langsam aus meiner Wunde
und ich hatte die Möglichkeit in Sicherheit zu bringen. Doch ich
wollte nicht! Heldenhaft wollte ich mich dieser Frau stellen.
Dann verlagerte diese Sadistin ihr Gewicht wieder auf ihren
Absatz. Erneut bahnte sich ihr Absatz einen Weg durch das Loch in
meinem Schuh. Wieder bohrte sich ihr Stiletto mühelos in meinen
Fuß. Erneut durfte ich von dieser Frau süße Schmerzen der Pain
empfangen... Bewegungslos stand ich da, versuchte mir nichts
anmerken zu lassen und tat als ob ich die Aufschriften des
Kartons genauestens prüfte. Doch am liebsten hätte ich vor
Schmerzen und vor Geilheit laut aufgeschrien. Sie muß doch
merken, daß sie auf dem Fuß eines Mitmenschen steht, dachte ich,
als mir die fremde Frau plötzlich ihren Karton entgegenhielt.
Ich sah auf den Karton, blickte in ihr Gesicht.
Sie war schätzungsweise Anfang dreißig. Schwarze hochgesteckte
Haare, eurasische Gesichtszüge, funkelnde schwarze Auge,
schneeweiße Zähne und ein umwerfendes Lächeln. "Was
denkst Du?" sagte diese asiatische Sadistin und wedelte mit
dem Karton vor meiner Nase herum. Gleichzeitig spürte ich, wie
sie ganz langsam ihren Absatz in meiner Wunde hin und her drehte.
Sie blickte mir tief in die Augen. Ihre Augen glühten wie das
Feuer der Hölle. Obwohl sie ein wenig kleiner war als ich, so
kam sie mir wie eine Riesin vor. Ihr roter Mund war zu einem
grausamen Lächeln verzogen, ihr Absatz drehte sich weiter in
meine Fuß.
"Was ich denke?" fragte ich und versuchte mir nicht
anmerken zu lassen, welche süßen Schmerzen sie mir zufügte.
"Ja!" sagte sie diabolisch lächelnd und legte ihren
Kopf ein wenig schiwf.
"Ich denke... Einmalig!"
"Das denke ich auch," sagte diese Schönheit und lächelte
mich weiterhin an.
"So etwas gibt es nicht alles Tage..." sagte ich und
versuchte ebenfalls zu lächeln, was mir jedoch immer schwerer
fiel. Diese kleine Eurasiatin bohrte nämlich mit ihrem spitzen
Absatz immer weiter einen Weg durch meinen Fußrücken.
"Nein," sagte sie, "so etwas..." sie drückte
plötzlich ihren Absatz tiefer in meinen Fuß, "gibt es
wirklich nicht oft. Da muß man schnell und entschlossen sein -
sonst hat man seine Chance vertan." Ihre Augen blitzen mich
an. Trotz meiner Geilheit nahm der Schmerz langsam überhand. Ich
spürte wie mir langsam schwindelig wurde. Der Boden schien zu
schwanken. "Ist Dir nicht gut?" fragte die Schönheit
und lächelte mich an. Ich schüttelte den Kopf, dann wurde ich
von hinten etwas umsanft angerempelt, verlor etwas das
Gleichgewicht und wurde von meiner hübschen Peinigerin
aufgefangen. Sie löste ihren Absatz langsam aus meinem Fleisch
und ich meinte dabei das Funkeln tausender Sterne in ihren Augen
gesehen zu haben - es kann natürlich auch sein, daß ich selbst
Sterne vor Schmerzen sah.
Während ich humpelte zog sie mich aus der Schlacht des All-D-Day.
Ich wurde verwundet und von meinem Aggressor in sicheres Gebiet
gezerrt. Sie zerrte mich zu einem Pfeiler, gegen den ich mich
anlehnte. Nach Beherrschung ringend sah ich in ihr lächelndes
Gesicht. Wer sagte doch gleich "Im Land der ewig lächelnden
Menschen"? Er schien recht zu haben, denn die kleine Asiatin
vor mir schien immer nur zu lächeln. Vielleicht hatte sie ja
auch gar nicht mitbekommen, daß sie mich verletzt hatte...
"Lange hast Du es ja nicht gerade ausgehalten," hörte
ich sie sagen. "Wenn Du mehr Ausdauer hast..." sie warf
den kleinen Karton über die Köpfe der anderen Hyänen zurück
in den Korb. "Ich bin hier jeden Montagmorgen. Immer zu
gleichen Zeit..." Dann lächelte sie mich noch einmal an,
streichelte mir über die Wange und ging zum Ausgang. Ich stand
derweil noch ein wenig am Pfeiler, sammelte mich und schaute ihr
hinterher. Elegant und mit leicht schwingendem Gang verschwand
sie schließlich aus meinem Blickfeld.
Ich humpelte zu Kasse und bezahlte die Ware. Dann nahm ich mir
noch ein Prospekt für die Angebote des kommenden Montag. Beim Überfliegen
der Angebote konnte ich nichts entdecken, was mir gefallen könnte,
doch ich nahm mir vor am nächsten Montag erneut in die Schlacht
zu ziehen...
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