FussVideo - Text 277: Ereignisbericht

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Ereignisbericht

Der Tag beginnt ganz unspektakulär. Aufstehen, am Computer sitzen, einkaufen, Frühstücken, wieder am Computer sitzen, den Tagebucheintrag vom Donnerstag machen, ein bißchen über die Welt- und Gegenwartsgeschichte philosophieren, sich über dies oder jenes aufregen. Ganz unspektakulär, wie schon erwähnt. Aber im Hinterkopf rumort immer noch der Plan. Ganz überzeugt bin ich davon aber nicht. Das bin ich selten, wenn ich eine Sache anfange.
Ich setze mich gegen ein Uhr am frühen Nachmittag in die Badewanne. Natürlich will man frisch gebadet in Stuttgart erscheinen. Zunächst sitze ich also da im warmen Wasser, das nur beim Einstieg immer heißer ist als man für erträglich hält, lese die neueste Ausgabe von "Auto, Motor und Sport", nasche saure Pommes (ein mäßig gesäuertes Gummibärchen-Derivat) und je weiter die Uhr fortschreitet, desto weniger Lust habe ich, die Badewanne zu verlassen. Ich weiß ja, was nun folgt und irgendwie erzeugt das bei mir unbehagen.
Dennoch hangele ich mich einfach von Stufe zu Stufe. Wie bei einer Sprossenleiter, die einem unerklimmbar erscheint und wo man unbeirrt, obwohl man daran zweifelt, wie automatisch eine Sprosse nach der anderen höher steigt. Anziehen, das Geld einstecken, die restlichen Quarktaschen als Marschverpflegung einpacken und zum Auto schlendern. Das Hauptunbehagen verursacht in diesem Moment das Auto. Mir hat es schon einmal ein Radlager zerbröselt. Das Auto war dann zwar noch fahrbar, aber nicht mehr besonders gut und sicher. Wenn das nun in Stuttgart passiert, dann gute Nacht. Abschleppwagen, Rückreise per Bahn. Dann geht das mächtig ins Geld. Das könnte ein verdammt teurer Ausflug werden.
Zunächst verliere ich die Orientierung. Ich will nicht über den Süden fahren, über Miltenberg, Buchen, etc. Ich versuche die Westroute. Auf die A67 und von dort über die A6 auf die A81. Doch die Hinfahrt wird zu einer Odyssee. Um Darmstadt zu umfahren, geht es zunächst nach Babenhausen, dann nach Dudenhofen und weil Traktoren den Weg nach Langen versperren lande ich schlußendlich doch in Darmstadt. Der Verkehr auf der Autobahn ist sehr dicht. Teilweise kommt es zu Stockungen. Erschwerend das der Tachometer wieder mal ausgefallen ist. Erst auf der Rückreise, schon in heimatlichen Gefilden, übernimmt er wieder seinen Job und zeigt die gefahrene Geschwindigkeit an.
An einem Parkplatz halte ich an und prüfe die Temperatur an den hinteren Radlagern. Wenn sie jetzt zu heiß gelaufen sind, dann endet hier die Reise. Ich drehen um und fahre zurück nach Aschaffenburg. Innerlich schwanke ich, welche der beiden Möglichkeiten ich den Vorzug geben will. Einerseits möchte ich natürlich die Sache endlich hinter mich bringen. Andererseits habe ich es doch bis hierher auch geschafft ohne Experimente dieser Art. Die Lager sind warm, beidseitig. Also keine übermäßige Erwärmung des angeschlagenen Radlagers. Die Fahrt geht weiter.
Die Sonne macht sich auf den Weg nach unten. Sie verschwindet hinter den Hügelketten und taucht die Landschaft in rötliches Licht. Mannheim, Heidelberg, Heilbronn. Unaufhörlich nähere ich mich meinem Ziel. Entsprechend nimmt die Spannung zu, die Gelassenheit läßt nach. Im Radio immer noch HR1, den ich selbst in Stuttgart nicht verlieren werde. "Der Tag" läuft, meine Lieblingsradiosendung. Ludwigsburg und dann Stuttgart-Zuffenhausen. Noch ein letzter Blick auf die Wegbeschreibung.
Von der Autobahn abfahren und dann immer nur geradeaus. Ein Gewerbegebiet. Nicht besonders schön, sieht man mal von den Neubauten der Porsche AG ab. Die Spannung und Nervosität steigt weiter. Langsam rolle ich durch die Grenzstraße. Verfahre mich zunächst. Grenzstraße 22, das Studio Arachne, ist ein schmaler Ziegelbau, der irgendwie an eine Werkstatthalle angepappt ist. Ende der Straße, kaum Parkplätze. Rückwärts fahre ich wieder raus, wende und stelle den Wagen auf den Großparkplatz für Kunden eines Blumengroßhandels. Es wird ihn schon keiner Abschleppen. Es sind noch viele Plätze frei.
Vorsichtig schleiche ich mich heran, wie ein Detektiv in einem zweitklassigen Kriminalroman. Als ich mir dem Auto vorgefahren bin, sah ich einen Mann und eine Frau, wie sie bei einem grünen Porsche-Boxster standen und sich unterhielten. Wenn die immer noch da stehen, mache ich die Fliege. Aber sie sind weg. Sowohl die beiden Personen, als auch der Porsche. Ich überlege kurz. Noch kann ich gehen. Noch bin ich nicht gefangen. Ich reiße mich am Riemen. Schließlich bin ich Extra dafür hier her gefahren. Habe viel Benzin und viel Zeit investiert. Wenn ich jetzt umdrehe, dann werde ich diesen Fluch nie los. Also schlendere ich auf diesen Backsteinbau zu. In einer Seitenstraße stehen ein paar Männer, unterhalten sich. Sie wissen bestimmt, welche Mieter ihr Wesen in dem Haus treiben. Was die sich jetzt wohl denken?
Ich stehe vor der Tür. Verschlossen, aber mit Klingelknöpfen an der Seite. Die letzte Chance, es sich anders zu überlegen. Ich drücke auf "Studio Arachne". Der Türsummer geht, ich stehe in einem schmalen Treppenhaus. Das Haus ist insgesamt nicht sehr breit. Ich weiß nicht, ob das Ambiente meinen Vorstellungen entspricht. Ich habe eigentlich keine Vorstellungen. Man kann sich nichts vorstellen, von dem man keine Ahnung hat, keinen blassen Schimmer. Ich war noch nie in so einem Etablissement. Das einzige was ich kenne, sind die klassischen Eros-Center in Frankfurt. Eher abtörnend und lustmindernd. Viele Gänge, viele Treppen. Davor Frauen, die sich wie Ware anbieten.
Vorsichtig steige ich die Treppe hoch. Frauenstimmen sind zu hören. "Ganz nach oben", ruft eine der Stimmen. Nun denn, dann eben ganz nach oben. Eine Frau mit langen, schwarzen Haaren, in ein weißes Lackkleid gekleidet, mit hohen weißen Lackstiefeln, begrüßt mich. Sie heißt Lady Danya. Ich nenne meinen Namen, verneine einen Termin und erwähne, das man Telefon gesagt hat, ich solle einfach vorbei kommen. Sie führt mich in eine enge Kammer. Alles schwarz, dunkel, mit der Ausstattung wie man sie von einem Dominastudio erwartet. Sie habe gerade erst einen Kunden gehabt, Klinik, da müsse sie erst aufräumen. Ob ich was zu trinken will? Gerne. Sie serviert ein Glas Cola. Ich kann mich in der Zwischenzeit mit ausliegenden Magazinen beschäftigen.
Wenn man keine Uhr hat verliert man in solchen Situationen das Zeitgefühl. Dann endlich ist genug aufgeräumt, sie hat Zeit für mich. Leider seien nur zwei Damen anwesend. Sie und Lady Carmen, die aber ihrerseits beschäftigt ist. Kein Problem. Hauptsache eine Frau, denke ich mir. Auch wenn sie nicht gerade meinem Schönheitsideal entspricht. Doch darauf kommt es hier ja nicht an. Ich überreiche ihr einen Brief, den ich geschrieben habe. Es fällt mir wesentlich leichter zu schreiben, als zu reden. Zumal über dieses Thema. Als Neuling sollte das nicht verwundern. Lady Darnya, die auf einer Art Thron platz genommen hat, liest ihn sich durch.
"Das ist ja ein richtiger Brief", meint sie erstaunt und rekapituliert den Inhalt: "Also devot, Trampling, Fußerotik, Barfuß und mit Highheels, verbale Erniedrigung, Aschenbecher, Spucknapf."
Ich nicke und bestätige noch einmal, das alles bislang nur Phantasien sind und meine Erfahrungen in diesem Bereich nicht der Rede wert. Sie fragt noch nach der Zeit, die ich gerne hier verbringen möchte. Woher soll ich das wissen? Ich sage, das ich Dreihundert investieren möchte. Gut, das sei eine Dreiviertelstunde, wobei man nicht auf die Uhr schaut. Damit ist das Geschäftliche geregelt. Denn letztlich, machen wir uns nichts vor, geht es immer um das Geschäft.
Details werden noch geklärt. Welches Schuhwerk, welches Outfit. Letzteres ist mir ehrlich gesagt relativ egal. Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Bei den Schuhen entscheide ich mich für klassische Stiefel. Ich werde in einen anderen Raum geführt. Viel größer, mit einem richtigen Bett und den üblichen Utensilien. Das Bett hat einen galvanisch verzinkten Metallkäfig mit integrierter Elektroseilwinde. Fällt mir eben auf, weil ich in einem Betrieb gelernt habe, der Seilwinden herstellt. Es ist schon merkwürdig, was einem so alles durch den Kopf geht. Mir fällt zum Beispiel auf, das die Verstärkungswinkel, mit denen die Rechteckrohre des Gestells verschraubt sind, lausig mit Elektroden geschweißt sind. Der Fachmann sieht das eben auf den ersten Blick. Insgesamt ist die Atmosphäre aber sehr entspannt.
Sie kommt wieder und drei blaue Scheinchen wechseln den Besitzer. Ich kann mich jetzt duschen, heißt es. Duschen? Das ist ja wirklich ein nobler Schuppen, denke ich mir und gehe in die kleine Naßzelle. Nachdem ich fertig bin, werde ich wieder in den Raum zurückgeführt. Da hier auf Diskretion größter Wert gelegt wird, darf man sich nicht frei im Gebäude bewegen. Verständlich, aber meinem Drang zur Neugier und dem Wunsch in jede Tür meine Nase zu stecken, besonders dort wo "Zutritt verboten" draufsteht, etwas zuwider. Eines Tages wird mir wahrscheinlich eine Briefbombe mal den Kopf wegblasen, weil ich einen Karton öffne, der nicht für mich bestimmt ist.
Dann endlich beginnt die Vorstellung. Den Anfang macht das übliche. Füße küssen, Schuhe ablecken. Leider hat sie ihre Stiefel nicht holen können, sondern mußte mit Riemchensandalen antreten. Ist auch sehr hübsch. Sie hat Schuhgröße 36, vermute ich. Genaue Größenangabe steht weder auf den Füßen, noch auf den Schuhen. Dann muß ich mich auf das Bett legen. Rücklings. Sie tritt mich zuerst ein bißchen. Dann stellt sie sich mit den Schuhen auf mich drauf. Zuerst die Oberschenkel. Das ist nun wirklich eher unangenehm. Ich stelle fest: Überall, wo größere Muskelmassen auf einem Knochen bewegt werden können, was ja an den Oberschenkeln der Fall ist, wird es teilweise sehr unangenehm. Dabei hält sie sich an dem Seilzug fest. Dennoch lastet genug Gewicht auf den Schenkeln, um zu wissen, wie sich das anfühlt. Sie steigt wieder herunter, stellt sich dann auf die Brust. Hier ist es viel erträglicher, auch wenn der richtige Kick ausbleibt. Vermutlich liegt es daran, daß man es nicht richtig sehen kann. Der optische Reiz scheint hier, zumindest in meinem Fall, viel ausgeprägter als der physische zu sein. Aber ich halte das durch und bin trotz allem noch weit von meiner Schmerzgrenze entfernt.
Dazu muß erwähnt werden, das ich sehr viele Schmerzen aushalten kann. Ich bin ein zäher Bursche und verstehe es perfekt die Zähne zusammen zu beißen. Aber das heißt deshalb nicht, das ich diesen Schmerz auch genieße. Sie merkt das, ich hatte das ja auch geschrieben und setzt sich auf meine Brust. Nun folgt der Teil mit dem Spucknapf und dem Aschenbecher. Beides in der Phantasie auch eindrucksvoller als in der Realität. Ihre Spucke ist überhaupt nicht eklig und schmeckt zunächst nach Pfefferminz, angenehm, anschließend nach kaltem Rauch, weniger angenehm. Die Zigarettenasche hingegen ist fast geschmacksneutral, erzeugt nur einen trockenen Gaumen.
Ich darf ihr die Schuhe ausziehen und mich um die nackten Füße kümmern. Es wird überraschen, aber ich bin überhaupt kein Fußfetischist. Nackte Frauenfüße lassen mich gelinde gesagt kalt. Entsprechend regt sich nur wenig im Lendenbereich. Ich darf mich wieder auf das Bett legen und bekomme nun eine Barfußtramplingeinlage. Sie unterscheidet sich ehrlich gesagt nur wenig von der beschuhten. Auf den Oberschenkeln eher unangenehm, aber keineswegs an den Grenzen, auf der Brust die Atmung erschwerend, aber aushaltbar. Als sie aber einmal vom Kopf bis zu den Beinen komplett über den Körper läuft, muß ich sagen, das dies schon eher meiner Vorstellung entspricht.
Hier muß ich etwas näher auf meine Vorstellung eingehen. Das reine Trampling, eine Frau steht auf einem Mann und steigt auf ihm herum, hat mich nie besonders fasziniert. Es ist mir
a) zu langweilig
b) nicht ganz mein Geschmack.
Aber später, als ich mich auf den Bauch legen darf und sie mit den High-Heels über meinen Rücken läuft, dann trifft das schon eher den Punkt. Das könnte man ruhig etwas mehr ausdehnen. Aber langsam läuft die Zeit davon. Nun versucht sie, das bisher etwas lethargische Teil in mehr Aufregung zu versetzen. Doch wenn jemand auf meinen Beinen sitzt, seine Füße in mein Gesicht hält, ist das für mich nicht unbedingt stimulierend. Erst nachdem sie mit ihrem Fuß meine Hoden ein wenig massiert, gelingt es und nach wenigen Minuten ist die Entspannung erreicht.
Im Grunde ging es mir auch überhaupt nicht darum. Es waren viele Motive, die mich nach Stuttgart führten. Sexuelle Erleichterung ist aber nicht darunter zu finden. Neugier, endlich mal was ausprobieren, was man immer nur im Kopf hat und auf Bildern sieht und in Texten liest. Erfahrungen machen, damit man überhaupt weiß, wer man ist und wo die eigenen Grenzen liegen. Und endlich Ruhe finden. Wissen ob etwas taugt oder nicht taugt. Gewißheit haben. Ich durfte wieder unter die Dusche und bekam sogar noch ein Getränk! Zwei an einem Abend. Da kann man nicht meckern. Wir unterhielten uns noch ein wenig, die Atmosphäre war zwanglos und richtig sympathisch.
Auch wenn der große Kick ausblieb, war der Ausflug ein voller Erfolg. Denn jetzt sieht man klarer. Ich habe eine bessere Vorstellung davon, was einen erwartet. Man muß immer erst probieren und versuchen seine passende Position zu finden. Ich habe schon öfters erlebt, das Dinge nicht so waren, wie sie schienen. Im positiven, wie im negativen Sinne. Ich würde das "Studio Arachne" auf jedenfall als positive Erfahrung bezeichnen. Denn sie brachte mich einen großen Schritt nach vorne.
Erst als ich wieder im Auto sitze und die Uhr sehe, wird mir klar, das sie die vereinbarten fünfundvierzig Minuten überschritten haben muß. Service am Kunden kann ich da nur sagen. Bei der Heimfahrt nehme ich dann den direkten Weg. Die A81 bis hoch nach Tauberbischofsheim. Der Kopf ist leer. Mehrere Geschichten gehen durcheinander und der Tachometer zeigt auf der Autobahn immer noch Null an. Hunger und Durst habe ich auch keine. Außerdem warten Zuhause ein paar belegte Brötchen. Habe ich für den Hinweg noch dreieinhalb Stunden gebraucht, geht es zurück mit fast zwei Stunden sehr schnell. Auch wenn man einrechnet, das in den Abendstunden deutlich weniger Verkehr herrscht, muß ich meine Ortskenntnisse doch ein wenig auffrischen. Nicht sehr schmeichelhaft für jemanden, der zu Recht von sich behauptet, sich im deutschen Autobahnnetz auch ohne Landkarte zurecht zu finden.

 

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