Berot auf der Montagsdemo
Von berot
Als die Mauer gerade noch so stand, wir hier aber schon mächtig
dran rüttelten, gab es jeden Montag auf dem Marktplatz eine Demo
um den Unmut der Leute rauszulassen. Es wurde von Mal zu Mal
voller. Bei der letzten Demo vor dem Mauerfall standen wir alle
dicht gedrängt. Ich stand direkt hinter zwei Mädels und diese
hinter einem hohen Blumenkübel. Ständig bekamen wir Schubser
von hinten. Ich hatte also vor mir die beiden hübschen und den
ollen Blumenkübel - was lag da näher als...
Ich sagte zu den Mädels, daß sie sich doch da drauf stellen können
um nicht ständig geschubst zu werden. Außerdem wäre dann mehr
Platz. Sie wollten nicht. Nach einer Viertelstunde nervendem Gedrängel
sahen sie mich an und fragten, ob sie da wirklich rauf dürften;
"Na klar doch, ich helfe euch hoch," sagte ich erfreut
über die plötzliche Sinneswandlung. Ich hielt mein Hände zum
Feuerwehrgriff und ließ sie dort hineintreten damit sie dann mit
dem anderen Fuß oben draufsteigen können.
Als sie oben waren, versuchten sie zunächst neben die Pflanzen
zu treten und wackelten auf der Betoneinfassung herum. Ich faßte
der einen ans Bein und bedeutete ihr, daß sie ruhig auf die
Blumen treten könnten, weil das sowieso nur altes Zeug sei. Es
war so ein komisches Ganzjahresgewächs - wie ein Minigebüsch
mit hellroten Früchten dran (etwa wie lauter Bonsai-Vogelbeerbäume).
Sie stiegen nun auf die Bäumchen, die mit knisterndem Geräusch
zerbrachen. Bei jeder Bewegung ihrer Füße knackte und knisterte
es unter ihren Schuhen. Sie hatten übrigens beide die gleichen
Schuhe an - stinknormale schwarze Mädchenslipper mit harten
flachen Sohlen. Ihre Kniekehlen waren in meiner Augenhöhe - ich
konnte also bestens beobachten. Die um mich herum stehenden Leute
waren viel zu sehr mit den Reden beschäftigt und emotional zu
aufgeladen um den zertretenen Pflanzen Aufmerksamkeit zu schenken.
Ich kam jedenfalls voll auf meine Kosten und sah zu, wie die
beiden Mädels die Beeren zu Brei traten und sich die Pflanzen
nach und nach den Mädchenfüßen geschlagen gaben. Sie wurden
auch immer gelassener und änderten öfter ihre Beinstellung, was
jedesmal ein Knirschen und Knacken zur Folge hatte.
Nach einer Stunde war vom Blumenkübel fast nur noch der Kübel
zu sehen. Ich legte meine Hände auf den Betonsockel in der
Hoffnung, einen Tritt abzubekommen. Leider wurde nichts daraus,
die zwei trampelten nur im Kübel herum.
Plötzlich drehten sie sich um und wollten wieder runter. Ich
machte wieder Feuerleiter und sie drängelten sich davon (mußten
bestimmt mal pinkeln). Mir blieben zwei schmutzige Hände, ein Ständer
und der Ausblick auf die Reste einer Blumenkübelbepflanzung.
Am nächsten Tag sah ich mir den Kübel noch mal bei Tageslicht
an - au Backe, das war ganze Arbeit. Da war wirklich alles hinüber.
Dabei sahen die beiden gar nicht so schwer aus - war jedenfalls
ein sehr überwältigender Anblick...
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