FussVideo - Text 252: Berot auf der Montagsdemo

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Berot auf der Montagsdemo
Von berot

Als die Mauer gerade noch so stand, wir hier aber schon mächtig dran rüttelten, gab es jeden Montag auf dem Marktplatz eine Demo um den Unmut der Leute rauszulassen. Es wurde von Mal zu Mal voller. Bei der letzten Demo vor dem Mauerfall standen wir alle dicht gedrängt. Ich stand direkt hinter zwei Mädels und diese hinter einem hohen Blumenkübel. Ständig bekamen wir Schubser von hinten. Ich hatte also vor mir die beiden hübschen und den ollen Blumenkübel - was lag da näher als...
Ich sagte zu den Mädels, daß sie sich doch da drauf stellen können um nicht ständig geschubst zu werden. Außerdem wäre dann mehr Platz. Sie wollten nicht. Nach einer Viertelstunde nervendem Gedrängel sahen sie mich an und fragten, ob sie da wirklich rauf dürften; "Na klar doch, ich helfe euch hoch," sagte ich erfreut über die plötzliche Sinneswandlung. Ich hielt mein Hände zum Feuerwehrgriff und ließ sie dort hineintreten damit sie dann mit dem anderen Fuß oben draufsteigen können.
Als sie oben waren, versuchten sie zunächst neben die Pflanzen zu treten und wackelten auf der Betoneinfassung herum. Ich faßte der einen ans Bein und bedeutete ihr, daß sie ruhig auf die Blumen treten könnten, weil das sowieso nur altes Zeug sei. Es war so ein komisches Ganzjahresgewächs - wie ein Minigebüsch mit hellroten Früchten dran (etwa wie lauter Bonsai-Vogelbeerbäume).
Sie stiegen nun auf die Bäumchen, die mit knisterndem Geräusch zerbrachen. Bei jeder Bewegung ihrer Füße knackte und knisterte es unter ihren Schuhen. Sie hatten übrigens beide die gleichen Schuhe an - stinknormale schwarze Mädchenslipper mit harten flachen Sohlen. Ihre Kniekehlen waren in meiner Augenhöhe - ich konnte also bestens beobachten. Die um mich herum stehenden Leute waren viel zu sehr mit den Reden beschäftigt und emotional zu aufgeladen um den zertretenen Pflanzen Aufmerksamkeit zu schenken. Ich kam jedenfalls voll auf meine Kosten und sah zu, wie die beiden Mädels die Beeren zu Brei traten und sich die Pflanzen nach und nach den Mädchenfüßen geschlagen gaben. Sie wurden auch immer gelassener und änderten öfter ihre Beinstellung, was jedesmal ein Knirschen und Knacken zur Folge hatte.
Nach einer Stunde war vom Blumenkübel fast nur noch der Kübel zu sehen. Ich legte meine Hände auf den Betonsockel in der Hoffnung, einen Tritt abzubekommen. Leider wurde nichts daraus, die zwei trampelten nur im Kübel herum.
Plötzlich drehten sie sich um und wollten wieder runter. Ich machte wieder Feuerleiter und sie drängelten sich davon (mußten bestimmt mal pinkeln). Mir blieben zwei schmutzige Hände, ein Ständer und der Ausblick auf die Reste einer Blumenkübelbepflanzung.
Am nächsten Tag sah ich mir den Kübel noch mal bei Tageslicht an - au Backe, das war ganze Arbeit. Da war wirklich alles hinüber. Dabei sahen die beiden gar nicht so schwer aus - war jedenfalls ein sehr überwältigender Anblick...

 

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