FussVideo - Text 246: Berot und die Teppichabteilung

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Berot und die Teppichabteilung
Von berot

Als die olle Mauer endlich weg war, waren hier auch ziemlich viele Arbeitsplätze weg. Notgedrungen - Frau und Kinder hatten Hunger - heuerte ich im gerade neu eröffneten Baumarkt an. Man hatte ein Plätzchen in der Teppichabteilung für mich. Das war damals fürchterliche Knochenarbeit, weil erst mal jeder einen Teppich haben wollte. Wir haben von morgens 6 Uhr bis abends 21 Uhr ohne Pause durchgemacht und während der Öffnungszeit immer ein freundliches Gesicht aufgesetzt (grrrrrr!). Da war noch nix mit Teppichliften und elektrischen Teppichscheren - per Hand wurden die Rollen hoch und runter gewuchtet und auf Knien mit 'nem popeligen Billigmesser geschnitten.
Und da sind wir auch schon auf'm Punkt: Auf den Knien! Und wer kauft in der Teppichabteilung ein? Fast nur Frauen - Gott sei Dank. Es gab sehr viel schnuckeliges zu bewundern. Einmal, kurz vor Ladenschluß kam noch eine sommersprossige Mittvierzigerin angedackelt und wollte unbedingt noch Auslegware haben. Es war eigentlich schon Schluß und meine Kollegen waren schon beim Umziehen. "Na gut, aber dann fix. Sie müssen aber mit anfassen, bin hier jetzt alleine." trötete ich - schon in freudiger Erwartung heraus. Sie hatte nämlich herrliche Holzsandaletten mit dünnen roten Riemchen und Pfennigabsatz in denen ganz süße Füßchen mit auffallend leuchtrot lackierten Nägeln steckten - und so ein albernes Goldkettchen an der einen Fessel...
Nun denn, als sie endlich etwas passendes gefunden hatte, klärte ich sie über die Qualität dieses Billigproduktes auf. "Sehen sie mal, wie dünn die untere Schicht ist. Wenn sie da mit ihren Absätzen drüberlaufen, sind sofort Löcher drin." - "Was, das glaube ich nicht," sagte sie. Ich sagte ihr, daß wir das ja gleich mal testen können - rollte etwas davon ab und legte es auf den Boden.
"So, nun treten sie bitte hier am Rand mal kräftig mit dem Absatz drauf." Sie trat schön kräftig auf den Teppich und drehte dabei etwas ihren Absatz. Ich hob den Rand hoch und siehe da - die Schaumschicht war an dieser Stelle abgegangen und klebte nun am Betonboden. "Na das ist ja ein Scheißzeug!" rief sie erbost und wollte schon gehen.
"Halt halt, wir haben ja auch noch was vernünftiges da," sagte ich schnell, weil ich ja noch was vorhatte mit ihren Füßen. Ich rollte ihr einen Teppich mit harter Unterseite ab und ließ sie wieder drauf treten. "Sehen sie, jetzt ist noch alles ganz. Kommen sie, trampeln sie noch mal richtig feste drauf rum und twisten sie mal mit dem Absatz." Au Backe, sie nahm mich beim Wort und stellte sich mit ihrem ganzen Gewicht auf den rechten Absatz. Sie schob sich mit dem linken Fuß ab und vollführte eine ganze Drehung. Ich war mir jetzt echt nicht mehr sicher, ob mein angepriesener Teppich das ausgehalten hat - er hat. Erleichtert sah ich zu ihr rauf. Sie grinste schelmisch und meinte: "Na, isser noch ganz?"
Sie war von der Ganzheit des Teppichs überrascht und wollte davon tatsächlich was haben. Also gut - drei Meter abgerollt, abgemessen, Schiene angelegt und Messer angesetzt. "So, jetzt müßten sie mir bitte mal helfen damit die Schiene nicht verrutscht. Stellen sie sich mal hier vorne drauf." Ich dirigierte ihre fantastischen Geh-Aggregate auf die Schiene. "Nee, sie stehen schief und jetzt ist das auch noch verrutscht, warten sie mal, ich mache das mal genau..."
Jetzt kam's sie nahm den Fuß noch mal von der Schiene. Ich griff die Schiene und legte sie wieder genau an die Markierung. Dabei ließ ich meinen kleinen Finger drunter verschwinden. Sie konnte das nicht sehen, weil von den übrigen Fingern verdeckt. "So, nun treten sie mal genau hier drauf," sagte ich und spürte auch schon die sagenhaften Schmerzen. Die Metallschiene quetschte meinen Finger tief in den Teppich. Sie balancierte auf der Schiene und hielt das andere Bein etwas hoch. Ich hatte also die volle Ladung auf dem Finger.
Mit dem Messer schnitt ich ein Stückchen in den Teppich rein und konnte nicht weiter, weil der Finger ja eingeklemmt war. "So, prima und nun ein Stück nach vorn." Das Spielchen wiederholte sich jetzt noch zigmal. Fünfzig-Zentimeterstückchen verteilt auf vier Meter Länge - rechnet selber. Hinterher war mein Finger taub - logisch. Das war's aber Wert - der herrliche Anblick dieses perfekten Füßchens wie es in den Sandalen mit dem schmalen Absatz das Gleichgewicht suchte. Und natürlich die Nähe dazu - vielleicht zwanzig bis dreißig Zentimeter vor meinen Augen balancierte das hübscheste, was ich auf dem ganzen Baumarkt gesehen hatte vor meiner Nase rum. Ich hätte ja sooo gerne mal meine Zunge an den Fuß gesetzt - ich mußte mich ziemlich zusammenreißen.
Ich rollte ihr das gute Stück zusammen und half ihr noch, es auf dem "Wartburg" zu verstauen. Ich hatte noch gehofft, daß ein kleines Tierchen ihren Weg kreuzen würde - war aber nix. Man kann ja nicht alles haben...

 

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