Freitag der Dreizehnte
Von Lady
A.
Es begann damit, daß er in der Dusche ausrutschte und sich
schmerzhaft die Rippen prellte. An sich wäre dieses Vorkommnis
nicht so tragisch gewesen, wenn er nicht am Abend ein Date mit
einer Trample-Lady gehabt hätte. Nun war guter Rat teuer.
Absagen? Er hatte sich doch so sehr auf diese Session gefreut.
Nein, das kam also nicht in Frage. Schließlich war er ein Mann
und keine Memme! Noch ahnte er nicht, was auf ihn zukommen würde.
Also beschloß er, den Termin wahrzunehmen und heroisch die Zähne
zusammen zu beißen.
Bis zum Abend verschlimmerten sich die Schmerzen noch etwas. Jede
seitliche Bewegung, jedes Lachen und jedes Räuspern verursachten
ein Stechen. In Gedanken zuckte er mit den Schultern - sie war
eine erfahrene Frau und würde schon auf ihn acht geben.
Als er klingelte, war ihm dennoch ein wenig mulmig und seine Knie
fühlten sich unnatürlich weich an. Er straffte sich und wartete
ergeben vor der Tür auf sein Schicksal. Diese schwang plötzlich
lautlos auf, er konnte jedoch niemanden dahinter erkennen. Zögernd
trat er ein und hörte eine sehr weibliche Stimme: "Tür
schließen!" Er gehorchte sofort, und sein Herz klopfte bis
zum Hals. Es versprach ein spannender Abend zu werden. Er räusperte
sich: "Guten Abend, Lady..."
"Habe ich dir erlaubt zu sprechen?" herrschte die
Stimme aus der Dunkelheit ihn an. Eine Gänsehaut kroch langsam
über seinen Rücken in den Nacken, so daß sich unwillkürlich
die Haare aufstellten. Er verharrte lautlos in einem Flur, der
mit einer spärlichen Lampe erleuchtet war und nur Ahnungen über
die weiteren Räumlichkeiten zuließen.
Plötzlich ein Ruck, er verlor das Gleichgewicht und landete auf
dem Boden. "Au, Sch...!" entrang sich seiner Kehle, und
er preßte seine Hand auf seine schmerzende Rippe. Verdammt, an
so eine Begrüßung hatte er natürlich nicht gedacht. Er keuchte
noch immer, als die Stimme sagte: "Nun, spielen wir heute
mal Weichei?" Dann folgte ein glockenhelles Lachen, dem er
jeglichen Sadismus verzieh. Was für eine Stimme!
Seine Hand tastete den Boden ab - kalter Estrich, glatt. Wo war
der weiche Teppich, der ihm unter den Füßen fortgezogen worden
war? Noch in seine Gedanken versunken nahm er einen leichten
Schatten wahr. Die Stimme befahl ihm: "Augen schließen!"
Er gehorchte und spürte plötzlich eine zarte Hand an seinen
Wangen, die ihm mit gekonntem Griff eine Augenbinde anlegte, zärtlich
mit seinen Lippen spielte und unvermutet einen Knebel zwischen
seine Zähne schob. Er versuchte noch etwas zu sagen, hatte
jedoch keine Chance. Das Ding saß. Verdammt, er hatte die Chance
verpaßt, sie auf seine kaputte Rippe hinzuweisen. Dann hörte er
ein leichtes Klirren und spürte kalten Stahl um seine
Handgelenke. Die Handschellen schlossen sich mit einem
unerbittlichen Klicken und der kleine Schlüssel dazu klirrte
irgendwo in der Dunkelheit.
Er bemerkte, wie das Licht heller wurde, aber nicht der kleinste
Schlitz in der Augenbinde gab ihm die Möglichkeit, etwas zu
erkennen. Absolut professionell, schoß es ihm durch den Kopf,
als er auch schon einen Ansatz auf seinem rechten Oberschenkel fühlte.
Er gab noch einmal ein paar unverständliche Laute durch den
Knebel von sich, die Reaktion der Lady war jedoch gleich Null.
Was hatte er sich da nur eingebrockt! Trotzdem - irgendwie war er
gespannt und voller freudiger Erregung. Schon sehr lange hatte er
weder Damenfüße noch Heels auf seinem Körper gespürt, und nun
gierte er förmlich danach, sich fast in Grund und Boden stampfen
zu lassen. Während dieser Überlegungen vergaß er seinen
schmerzenden Brustkorb und gab sich ganz seinen Phantasien hin.
Er hatte viele davon in seinem Telefonat mit der Lady
preisgegeben und wartete nun auf die Umsetzung.
Ein zweiter Damenfuß plazierte sich auf seinem anderen
Oberschenkel, und langsam wanderten die Schuhe in Richtung Oberkörper.
Schweiß trat auf seine Stirn, denn jeder Schritt war bedächtig
gewählt und bereitete ihm Vergnügen und Schmerz. In seinem
Bauch verweilten die Absätze besonders gründlich und lange.
Spielerisch drehten sie sich um die eigene Achse, bohrten sich
durch sein T-Shirt zwischen die Eingeweide und stachen
erbarmungslos in seinen Magen, so daß die Magensäure langsam in
seinen Rachen kroch.
Im Hintergrund leise meditative Musik, die immer lauter wurde und
immer schneller. Entsprechend verhielten sich die Damenfüße auf
seinem Körper - immer rasanter wurden die Schritte, immer
heftiger das Stampfen, immer vehementer die Drehungen. Plötzlich
ein stechender Schmerz! Sie hatte seine verletzte Rippe am Rande
erwischt, es mußte ja so kommen, es war unvermeidlich... Seine
Unverständlichkeiten durch den Knebel wurden lauter, aber auch
die Musik drehte gerade hoch, so daß er kaum zu hören war. Es
war doch wie verhext am heutigen Tag. Und trotzdem, er empfand in
immer noch als Glückstag.
Die Heels tanzten nun auf seinem Brustbein, quetschten seine
Brustwarzen und kehrten immer wieder zu Magen, Eingeweiden, dem
Hals und der Rippe zurück. Seine Beine zuckten bereits in die Höhe
und er spürte, daß er am Ende seiner Belastbarkeit ankam, als
die Lady ihren Tanz verlangsamte und dann leichtfüßig von ihm
abstieg.
Sie streifte einen Schuh von den Füßen - er hörte das Plopp
des fallenden Schuhes - und dann spürte er ihre warmen weichen Füße
auf seinem Körper. Sie massierten seinen schmerzenden Stellen,
streichelten die geschundenen Brustwarzen, liebkosten seinen Hals
und seine Wangen, so daß er den göttlichen Duft einatmen konnte.
Darüber vergaß er seine angeknacksten Knochen und verzieh ihr
alles.
Die liebliche Stimme sagte: "Hast du Probleme mit den
Rippen? Ansonsten bist du ja recht belastbar..." Wegen des
Knebels konnte er nicht antworten, daher nickte er nur leicht mit
dem Kopf. "Augen schließen!" befahl sie nun und
nestelte geschickt an dem Knoten der Augenbinde, zog den Knebel
mit einem leichten Ruck aus dem Mund und öffnete die
Handschellen mit dem kleinen klirrenden Schlüssel. Dann hörte
er Absätze, die sich entfernten. Schnell wollte er noch einen
Blick erhaschen, aber um ihn war es stockdunkel.
Zitternd richtete er sich auf, die Lämpchen im Flur erglommen
und die Tür in die Normalität schwang lautlos auf...
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