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Good trip, bad trip

von Minuit (© 1998)

Es war ein Fest, wie Lea schon fast zu viele erlebt hatte. Die dunklen unterirdischen Räume eines Studios waren gedrängt voll mit Menschen, die der stramme Dresscode zu einfallsloser schwarzer Leder und Lack-Maskerade verurteilt hatte, Zigarettenrauch trübte die Luft, schwelend düstere gothic rock-Musik grammelte aus einer zu kleinen Anlage - nichts, was sie nicht schon dutzende Male gesehen und erlebt hätte: Knieweich umherschlurfende Sklaven, die sie dann mit demselben unverschämten Blick taxierten wie die Männer an der Bushaltestelle, als Domina verkleidete Barbiepuppen, ein paar Lederschwule, die hinter ihren Bierflaschen Zuflucht suchten und ein halbdutzend Freunde, die sie immer gerne sah. Eigentlich eine ganze Menge Freunde. Aber nicht genug um Lea zum Bleiben zu bewegen. Es war weit nach Mitternacht und da war noch etwas: Das Zeug, von dem Arnie sie hatte kosten lassen, schien weniger harmlos zu sein, als er behauptet hatte. Manchmal war ihr zumute, als wollten Orchideen in ihrem Gehirn wachsen ... und warfen die Tanzenden wirklich so groteske Schatten - Silhouetten wie die von chinesischen Götzen - auf die mit rotem Taft bespannten Wände?
Sie wollte sich eben zum Gehen wenden, als sie das Ding in dem mit schwarzen Vorhängen halb verschlossenen Nebenraum sah. Mit einem scharfen Atemzug verhielt sie den Schritt und blinzelte um sich zu vergewissern, dass sie in all dem rot-grauen Dunst richtig gesehen hatte. Aber es war wirklich noch da.

Es hing reglos an vier silbernen Ketten im Inneren eines Käfigs, der so knapp bemessen war, daß es gerade noch qualvoll hineinpasste. Seine schwarze, blasenartige Masse mit der glänzenden Oberfläche sah aus, als sei sie nicht in diesen Käfig hineingepresst worden, sondern darin entstanden und gewachsen und allmählich zu groß für ihr Behältnis geworden. Stellenweise hinterließen die Gitterstäbe ihre Abdrücke in seinen elastischen äußersten Schichten. Der Kopf, der durch eine kragenähnliche öffnung in der Decke des Käfigs herausragte - und von ihr unbeweglich fest gehalten wurde -, hatte die Ausmaße und das Aussehen einer Taucherkugel, einer von der alten Art aus Kupfer mit den glotzenden Augengläsern, nur dass diese Gläser hier blind waren. Ein dünner Atemschlauch in dem massiven Helm stellte die einzige Verbindung des lebendig im Gummi Begrabenen zur Außenwelt dar. Der Körper darunter war formlos - ein überdimensionierter schwarzer Ball, ein aufgepumpter Ballon, ursprünglich rund, den der Käfig viereckig gepresst hatte.

Lea wusste aus Erfahrung, dass sich innerhalb dieses Balls noch verschiedene Schichten strammer, beengender Kleidungsstücke befanden, die einander überlappten, die einzelnen Gliedmaßen fixierten und so zu einem Zustand fast völliger Unbeweglichkeit und Fühllosigkeit führten. Wer immer das Wesen war, Mann oder Frau, das in dem diabolischen Gummiball steckte, es war so gnadenlos von der Welt abgeschnitten, als befände es sich in einer Taucherkugel in den schwarzen Tiefen des Ozeans. Es existierte zur Zeit in einem eigenen Universum, in dem die zahllosen Gummihüllen sein Schutz, sein Gefängnis und seine Windeln waren - dem Universum seines eigenen Körpers, der ihm zugleich entfremdet und qualvoll bewusst gemacht wurde. Denn einerseits waren alle Glieder durch die Korsettagen voneinander getrennt und jedes Gefühls beraubt, andererseits zwangen Dunkelheit und Unbeweglichkeit dazu die kleinsten Regungen des Leibes mit verzehnfachter Intensität wahrzunehmen. Lea wusste, daß das Wesen im Augenblick eine Blase wie ein Goldfischglas hatte und verzweifelt gegen das krampfhafte Drängen eines Polochs ankämpfte, das gnadenlos danach verlangte ganze Wagenladungen voll Kot auszupressen - und das in eine Hose, die wie auf der Haut aufgemalt saß! Und ebenso zweifellos war es aufs höchste erregt, aber es hatte nicht die geringste Möglichkeit sich selbst zu stimulieren oder von anderen stimuliert zu werden. Es war allein, selbst der Zugang zu sich selbst war ihm abgeschnitten. Die Welt dieses Wesens war Drang und Enge, war Hitze, Finsternis, Krampf und Druck. Gepeinigt von quälenden Bedürfnissen und grausamen Unmöglichkeiten steckte es in einem fest verschraubten Druckkochtopf aus schwarzem Gummi, in dem es in seinem eigenen Schweiß und im Sud unerfüllter Begierden langsam in den Wahnsinn gesotten wurde. Vermutlich hatte der Kerkermeister, der es in diese Lage gebracht hatte, es unter all seinen Zwangsjacken auch noch hinten und vorne mit Stöpseln verschlossen, so dass jedes seiner ständig gereizten Gelüste unweigerlich an einem Ganzkörper-Keuschheitsgürtel aus Gummi, Plastik und Stahl scheitern mußte.
Es war ein grausames Spiel, das Lea oft genug mit Vergnügen gespielt hatte. Sie hatte es genossen, wenn ihre Sklavin, in eine stramme Zwangsjacke geschnallt, mit puterrotem Kopf und aufgeblasenen Backen dasaß und sich verzweifelt zu beherrschen versuchte, während alles in ihr danach ächzte sich zu erleichtern, wenn ihr der Saft an den krampfhaft zusammengepressten Oberschenkeln heruntertroff, Lea aber keinerlei Anstalten machte ihr aus der Verlegenheit zu helfen - ja sie oft noch zusätzlich quälte, indem sie ihr Verlangen mit Worten anheizte oder ihr mit den Fingerrücken federleicht über das von Schweiß und Saft durchtränkte Schamhaar strich und dabei einen Augenblick lang den hart geschwollenen Kitzler berührte, aber nicht lange genug um der keuchenden und zuckenden Sklavin die winselnd erbettelte Entspannung zu gewähren.

Sie konnte das Mädchen - oder auch, wenn es ihr gefiel, einen männlichen Sklaven - in einen Zustand hineinsteigern, in dem diese Opfer, an den Pflock gekettet und die Hände auf den Rücken gefesselt, nur noch breitbeinig dastanden, mit speichelndem Mund und tränenden Augen, auf einer Ebene der Lust gefangen, die ihnen kaum noch Hoffnung ließ jemals wieder befriedigt zu werden. Es waren dann nicht nur ihre Geschlechtsteile, die erregt waren - obwohl sie stets einen prachtvollen Anblick an harten, rot glänzenden Pimmeln und feisten nassen Muscheln boten - es war ihr ganzer Körper, der keuchte und glühte, der in einem Nessushemd unerträglicher Lust gefoltert wurde. Und wenn das heiß ersehnte Ereignis dann eintrat, wenn Lea sich herabließ, ihnen die Fesseln abnahm und ihnen sehr von oben herab erlaubte sich zu entspannen - wie sie dann von Kopf bis Fuß in immer neuen Krämpfen und Schaudern der Wollust erbebten, bis sie völlig erschöpft in sich zusammensanken! Die männlichen Sklaven konnten freilich von Glück reden, wenn sie sich am Ende einer Session selbst befriedigen durften, aber verdienten Mägden gewährte sie gelegentlich die Gnade, dass sie ihnen mit der gummibehandschuhten Hand ins Höschen griff und sie mit kunstvollem Fingerspiel masturbierte.

Lea rieb mit einer unwillkürlichen Bewegung die Oberschenkel aneinander, als ihr bei der Erinnerung warm im Schritt wurde - ein jähes Gefühl, als hätte sie sich in die Hose gepisst. Sie merkte, daß das Ding sie faszinierte, das da im roten Halbdunkel in seiner unmenschlichen Hilflosigkeit am Pranger stand, aber zugleich sah es sehr seltsam aus, fast beängstigend ... obwohl, was sollte beängstigend an etwas sein, das so vielfach gebunden war? Sie mußte an die groteske Fesselung des Dr. Hannibal in "Das Schweigen der Lämmer" denken, diese Ganzkörper-Zwangsjacke mit Maulsperre, die doch seiner kannibalischen Bösartigkeit nichts anhaben konnte. So schien es ihr jetzt, dass der schwarze Ballon sie in einer nicht ganz erklärlichen Weise bedrohte - oder lud er sie ein sich auf ein gefährliches Abenteuer einzulassen?
Oder war das, was sie da spürte, nur die heimtückische Wirkung der Tabletten, die laut Arnie einen ganz harmlosen, lustigen kleinen Kick verursachten? Ihr Kopf schwamm ein wenig, nicht unangenehm, gerade so viel, als hätte sie etwas Sekt getrunken, und die Bilder, die ihre Augen aufnahmen, waren trotz der schwarz-roten Düsternis des Studiokellers erstaunlich leuchtend und intensiv. Irgendjemand mußte sie wohl aufgefordert haben das Ding aus seinem Gummikerker zu befreien, denn ungefragt hätte sie natürlich niemals etwas dergleichen getan. Sie hatte auch den Eindruck, dass schwarz gekleidete Leute herumstanden und ihr zusahen, wie sie Riemen und Schnallen löste, aber dann traten diese Leute immer mehr in den Hintergrund und der Partykeller schien sich in düstere Gewölbe zu verwandeln, von denen sich in endloser Flucht eines in das andere öffnete.
Mein Gott, dachte Lea, ich bin auf einem Trip - bin nicht mehr klar im Kopf - ich muss aufpassen, dass ich hier keinen Unfug anstelle. Aber ihre Hände schienen ganz normal zu funktionieren und ihr Blick war klar, als sie aufmerksam den verschlungenen Wegen folgte, mit denen der Kerkermeister sein Opfer in diese Gummi-Gruft gesperrt hatte - eine Schnalle da, ein Knoten dort, eine lederne Schelle hier. Der Unbekannte mußte ein Meister seines Faches gewesen sein, so teuflisch raffiniert waren die Fesseln angelegt. Lea mußte ein Rätsel der Sphinx nach dem anderen lösen, bis es ihr endlich gelang eine einigermaßen menschliche Form aus dem Popanz herauszuschälen - Eine einigermaßen menschliche Form.

Sie war immer neugieriger geworden, je mehr Schichten sie abtrug. Das Ding erinnerte nun an die SM-Variante der russischen Docken, von denen immer eine eine noch kleinere enthält. Es verlor an Größe, seine unmenschlichen Rundungen erschlafften, als die Luft zischend aus dem aufgepumpten Anzug entwich. Für Lea bestand der Genuss an dieser Phase des Spiels vor allem darin ein so verpacktes Wesen aus seiner grotesken Unmenschlichkeit in die Menschlichkeit zurückzuspielen, das Fleisch unter dem dicken Panzer aus Verpackungsmaterial wiederzufinden, ihm seine wahre Gestalt wiederzugeben. Sie war neugierig, ob es eine Frau oder ein Mann war, als ein androgyner Körper in einem hautengen Gummianzug und ein von einer Maske völlig bedecktes Gesicht unter dem Ballon und dem Plexiglas-Helm auftauchten. Langsam löste sie die Maske ab ...

Oh Arnie, dachte sie, du Irrer, was hast du mit mir gemacht? Hast du mich so vergiftet, dass ich Halluzinationen habe? Was war das hier? Denn nun quoll es ihr entgegen, quoll aus dem Taucheranzug heraus, als hätte man ihn wie einen Sack mit Fleischstücken vollgestopft, die jetzt alle herausfielen. Mit einem erstickten Aufschrei sprang Lea zurück. Was sich im Halbdunkel vor ihr bewegte, ähnelte einem in menschliche Kleider gezwängten Kraken - immer neue fleischige Arme wanden sich aus dem Gummianzug los, schlängelten über den Boden, bis mit einer gewaltigen Kraftanstrengung der sackähnliche Körper nachfolgte. Und doch war es gleich darauf wieder kein Tier, sondern ein obszönes Gemengsel Dutzender menschlicher Gliedmaßen, die auf unbeschreiblich groteske Weise miteinander verwachsen waren. Hände, die aus Hüften wuchsen, tasteten nach Lea, Füße, die aus Bäuchen entsprangen, kopflose Rümpfe ohne Arme und Beine ... sie sah, das alle diese Glieder von Verwesung gezeichnet waren, blau und rot marmoriert, mit braunen Flecken daran ... Und der Geruch, den das Monstrum verströmte, dieser süßlich-faule Geruch seines schwellenden Fleisches - sie fühlte sich an den Geruch von fetten Pilzen erinnert, von Biermaische, von den verrottenden Blumen, die man auf Friedhöfen in eine Grube wirft und an Villons Worte von "all dem Schmodder, den die Lust zurücklässt in den Spitzen und den Spalten." Tod hauchte ihr aus jeder Pore dieser Ungeheuerlichkeit entgegen und doch war es lebendig, von einem starken und lüsternen Willen erfüllt, der sich jetzt konzentriert auf sie richtete, wie sich der Wille einer fleischfressenden Pflanze auf das Insekt richtet, das ahnungslos in ihren Kelch kriecht.
Sie hatte nie zuvor etwas so Abscheu Erregendes gesehen wie dieses faulende Fleischgeschlinge, das in dumpfer Triebhaftigkeit nach ihr tappte. Blass vor Widerwillen fuhr sie zurück um einer der Hände auszuweichen, aber schon griff eine andere nach ihr. Obwohl es keine Augen hatte, sah es sie, nahm sie wahr, es krümmte sich dahin und dorthin, als sie die Stellung wechselte, und streckte von neuem seine Fangarme aus - Fangarme, aus denen menschliche Hände herauswuchsen - Was das verrottende Gehirn dieses Monstrums beherrschte, war Lust, ungeschminkte, ungefilterte Lust. In seiner chaotischen Leiblichkeit sprossten da und dort Genitalien, gähnten von Haaren umsäumte rote öffnungen - mit Zähnen bestückte Öffnungen -, reckten sich dornenbesetzte Schwänze, riesig und hässlich, die eiserne Pickelhauben über der Eichel trugen. Es war gefangen gewesen, jetzt war es frei - und es raste vor Lust..

Das Entsetzen eines Albtraums packte Lea und sie versuchte kopflos das Ding in seine Zwangsjacke zurückzustopfen. Wo waren die Schnallen, die Riemen, die Gummihüllen? Es war unmenschlich gewesen, als es so eingeschnürt und verpackt gewesen war, aber nun war es noch um vieles unmenschlicher. Es durfte nicht existieren, durfte nicht sein. Aber wie war es jemals gelungen, diese pulsierende Masse Verwesung in einen Gummianzug zu zwängen? Es war, als wollte man Pudding in eine Flasche abfüllen. Lea, die zusehends in Panik geriet, sprang hin und her, packte da eine Hand oder einen Fuß - und ließ sofort wieder mit einem erstickten Aufschrei los, so glibberig kalt war das Zeug. Hatten nicht die alten Hexenrichter gesagt, das Geschlecht des Teufels sei mit Stacheln besetzt und so kalt wie Eis?
Da ragte plötzlich eine Hand aus all dem Geschlinge, bläulich verfärbt zwar, aber irgendetwas daran war menschlicher als der Rest. Es war eine Frauenhand, klein und schmal, mit zarten Fingern. Einem jähen Entschluss folgend packte Lea zu, zog an dieser Hand ... zog einen Arm aus dem brodelnden Haufen und einen halben Oberkörper, dem ein Kopf folgte - und als würde dem Monstrum damit seine Substanz entzogen, schrumpfte und welkte es, fiel klebrig schmelzend in sich zusammen und vertrocknete zu grauen Spuren von Unrat.

Lea wusste jetzt ganz genau, dass Arnie ihr etrwas gegeben hatte, was sie besser nicht gekostet hätte. Sie war auf dem Trip. Sie stand da, einer Frau gegenüber, die ganz offenkundig tot war, aber sie anlächelte ... mit kalten bläulichen Lippen anlächelte ... und hinter ihr war der Raum voll von toten Frauen. Sie war alle sehr prächtig gekleidet, aber in einer bizarren und zeitlosen Art, als hätten sie sich aus einem Theaterfundus eingekleidet - es sah aus, als hätte jede nach dem ersten besten gegriffen, das ihr unter die Finger kam, doch wirkte diese theaterhafte Vielfalt nicht unangenehm, sondern vielmehr pittoresk wie ein Maskenball. Die Frau, die vor ihr stand, trug um den Hals ein viktorianisches Trauergeschmeide aus Knochen und schwarzem Jett, das sich glänzend von ihrem bleichen Hals abhob. Lea machte eine Bemerkung darüber, dass sie so reizvoll bekleidet waren und die Toten hatten ihre Freude daran, sie lächelten mit blauen Lippen und nickten ihr mit steifen Nacken zu, während sie geziert dahinschritten ....
Die Frau reichte Lea die Hand und Lea ergriff sie, ließ sich mitten unter die Gesellschaft führen, die einen langsamen Schreittanz begonnen hatten. Sie sah ganz deutlich, dass sie es mit einem danse macabre zu tun hatte, einer Versammlung von Leichen - ihre Gesichter waren verfärbt, ihre Züge starr, ihre Bewegungen hölzern. Von all den Leibern wehte es ihr kühl entgegen, die lächelnden Lippen waren steif, aber die Augen in den umschatteten Höhlen leuchteten wie Glühwürmchen. Und doch war nichts Unheimliches an dieser Gesellschaft. Sie fühlte sich wohl in ihrer Mitte.
Eine Frau trat dicht an sie heran und bot ihr an sie zu küssen - und obwohl ihr vor dem Leichenfleisch schauderte, tat sie es und küsste sie auf den Mund. Sie fühlte die steifen Lippen, fühlte das unbewegliche Fleisch der Wange und dachte, dass sie davor zurückgeschaudert wäre die Zunge in ihren Mund zu schieben, doch der Kuss auf die Lippen hatte sie seltsam berührt. Sie zögerte nicht mehr, als die Tote ihr anbot ihre nackten Brüste zu berühren - sie umfasste eine Brust und fühlte und drückte sie. Auch die Brust war sehr kalt und von bläulicher Farbe, aber ganz weich. Lea war jetzt sehr erregt und genoss es, als auch die übrigen Tanzenden an sie anstreiften und sie berührten - scheinbar beiläufig, aber voll sinnlicher Verheißung berührten. Die dumpfe Luft im Raum schien schwer von unausgesprochenen Angeboten zu sein, jeder Schritt, jede Drehung, ja der Tanz selbst war ein Angebot und sie fühlte sich hineingezogen und in Bewegung gehalten von dieser Menge der tanzenden Toten.

Zuletzt mußte sie sich wohl zum Gehen gewandt haben, denn sie sagte ihnen, sie würde bald wieder zu ihnen kommen. Sie blickte ihre schönen Kleider und lächelnden Gesichter an und sagte zu ihnen:

"Ich sehe, ich habe Sie vollkommen falsch eingeschätzt. Ich werde mich freuen bald wiederzukommen."

Sie nickten und lächelten ihr zu, als sie ging, hinaus aus dem dumpfen Gewölbe, in dem eine unerträglich düstere Musik hallte, die Stufen hinauf zu einer Tür, durch die herrlich frische Nachtluft hereindrang ... oder besser gesagt schon die Luft des frühen Morgens, denn das Schwarz der Nacht begann an den Rändern zu bleichen. Ihr Kopf wurde ein wenig klarer, gerade klar genug, schätzte sie, um rasch ein Taxi zu finden und zuhause ins Bett zu kriechen.
Nie wieder nehme ich etwas, das Arnie mir anbietet, dachte sie, während sie etwas mühselig zur Türe hinaus stolperte.

Ende


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