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�Gleich sind wir durch“, sagte das blonde M�dchen. Sie sah verzweifelt aus. �Aber es wird nicht besser! Dahinter kommt der Hauptweg zum Schloss. Er ist mit spitzen, scharfkantigen Steinen geschottert. Das tut schrecklich weh an den blo�en F��en. Erst wenn der Wald zu Ende ist, kommt ein weicher Sandweg, der durch die Wiesen zum Schloss f�hrt.“ Der Untergrund wurde allm�hlich weniger morastig. Die in Ketten gehenden Kinder sanken nur noch bis zu den Kn�cheln ein. Vor ihnen floss ein flacher klarer Bach quer �ber den Weg. �Der Sumpf ist zu Ende“, sprach das blonde M�dchen und schritt in den Bach. Christian und Saskia folgten ihr. Das saubere Wasser wusch ihre dreckigen F��e rein und sp�lte den Schlamm aus den Wunden. Dann kamen sie endlich auf festen Boden. Wie das blonde M�dchen gesagt hatte, war der Weg mit grobem, scharfkantigem Schotter belegt. Die Kinder hatten ihre liebe M�he, mit blo�en F��en dar�ber zu laufen. �Wenn ich mir jetzt die F��e an scharfen Steinen zerschneide, kann ich wirklich nicht mehr“, st�hnte Saskia. Sie torkelte weiter, so gut sie konnte. Immer wieder stie� sie kleine Schreie aus, wenn sie auf einen besonders spitzen Stein trat. Eine Ewigkeit schien der b�sartige Weg anzudauern. Er nahm und nahm und nahm kein Ende. Saskia musste wieder weinen. Dann endete der Wald und der Weg wurde zu einem breiten Sandweg. Die Kinder seufzten erleichtert, als sie den wunderbar weichen Untergrund unter ihren geschundenen Sohlen sp�rten. Sie nahmen ihre letzten Kr�fte zusammen und schleppten sich mit ihrer Last zum Schloss. �Ladet das Holz hinten vor dem K�cheneingang ab!“ befahl der Soldat. Er trieb die angeketteten Kinder ums Schloss herum zum Hintereingang. Dort gab es �berdachte Holzlager. So m�de die Kinder waren, sie mussten zuerst das Holz, dass sie hergetragen hatten, sauber aufstapeln. �Ich habe Hunger“, sagte Christian. �Kriegen wir hier denn nichts zu essen? Und wann nehmen die uns die Ketten ab?“ Das blonde M�dchen lachte. Es war ein verzweifelter Laut. �Essen? Wenn wir keine Mucken machen, erhalten wir nachher eine d�nne Haferschleimsuppe und vielleicht ein bisschen vertrocknetes Brot und die Ketten wirst du von heute an f�r immer tragen. Die nimmt man dir erst ab, wenn du tot bist.“ �Nein!“ wisperte Saskia entgeistert. �Das halte ich nicht aus! Meine Fu�gelenke sind ganz wund von den schweren Eisen! Ich bin sogar blutig! Und die Handgelenke tun mir auch unheimlich weh!“ �Das interessiert niemanden“, sagte das blonde M�dchen traurig. �Mir ging es am Anfang auch so. Man gew�hnt sich allm�hlich an den st�ndigen Schmerz. Ich bin schon zwei Jahre als Arbeitskind auf Schloss Reep. Die Ketten wurden mir am ersten Tag angelegt und seitdem muss ich sie tragen.“ �Das ist unmenschlich!“ sagte Christian ungl�ubig. �Unternimmt denn keiner was dagegen?“ �Was sollen wir armen wehrlosen Kinder denn schon dagegen unternehmen?“ fragte das Blondchen. Tr�nen traten ihr in die Augen. �Wenn ich mich wenigstens ein einziges Mal satt essen d�rfte! Nur ein einziges Mal! Ich habe immer Hunger!“ Sie weinte bitterlich. Christian �berlief es eiskalt. Was, wenn ihnen das gleiche Schicksal bevorstand? Was, wenn die kleinen Blumenelfen ihr Wort nicht hielten, oder nichts gegen die Hexenmagie ausrichten konnten, welche die Schl�sser zu ihrem Hand- und Fu�fesseln geschlossen hielt? Eine Frau mit stechenden Augen kam aus dem Hintereingang. Sie zeigte auf Saskia und das blonde M�dchen: �Du und du! Ihr tragt Feuerholz in die K�che! Der Bub soll euch helfen! Dalli-dalli!“ Christian, Saskia und das blonde M�dchen packten Feuerholz und schleppten es in die Schlossk�che. Ihre schweren Fu�ketten klirrten und polterten laut auf dem Steinfu�boden. �Huh! Ist der Boden kalt!“ sagte Saskia. Das blonde M�dchen l�chelte schmerzlich: �Was meinst du, wie kalt es nachts wird! Wir schlafen drau�en in den Kinderk�figen. Wir werden alle angekettet. Als ob wir mit den schweren Fu�eisen und den eisernen Handfesseln abhauen k�nnten! Nachts wird es eisig kalt drau�en vorm Schloss und manchmal kommen wilde Tiere aus dem Wald bis nahe ans Schloss. Sie schleichen knurrend und geifernd vor den Kinderk�figen auf und ab. Wenn das passiert, vergehe ich vor Angst. Ich f�rchte, dass eines Tages so ein Tier es schafft, das K�figgitter zu durchbrechen und zu uns reinkommt. Angekettet wie wir sind, k�nnen wir uns nicht wehren.“ �Wie hei�t du eigentlich?“ wollte Saskia wissen. �Ich hei�e Regina.“ �Wir sind Saskia und Christian.“ Pl�tzlich schn�ffelte das Blondchen: �Oh riecht das gut!“ Christian schn�ffelte auch: �Hmmm! Frisches Brot!“ ��mmes!“ sagte das blonde M�dchen. �Eine Spezialit�t der K�chin Anitram. Es sind dunkle viereckige Brotlaibe, gebacken aus dreiviertel Roggenmehl und einem Viertel Weizenmehl und es sind noch mehr feine K�rner mit gebacken.“ Ihre H�nde krampften sich vor Hunger zusammen. �Was g�be ich darum, nur eine einzige Scheibe essen zu d�rfen!“ Sie reckte die zusammen geketteten H�nde hoch: �Nur eine Scheibe!“ Die drei Kinder luden das Holz in eine gro�e Kiste neben dem riesigen Herd. An der Wand stand ein K�fig. Pl�tzlich flatterte es. Erschrocken traten die Kinder zur�ck. �Uhuu!“ machte es im K�fig. Christian trat n�her. In dem K�fig sa� eine dicke braune Eule und schaute ihn aus gro�en Augen traurig an. �Eine Schleiereule“, rief er. �Hrmpf! Sumpfohreule, wenn ich bitten darf“, sprach die Eule. Saskia kam angehumpelt: �Eine sprechende Eule. So eine sah ich noch nie. Du kannst wirklich sprechen?“ �Nat�rlich“, antwortete die Eule. �Du kannst es doch auch! Uhuu!“ Wieder blickte sie traurig. �Warum heulst du so?“ fragte Christian mitleidig. �Wegen der K�chin Anitram“, erkl�rte die blonde Regina. �Aus dem Hirn der Eule macht sie ihre ekelhaften Zaubersalben und sie liebt Eulenbraten.“ �Wie gemein!“ rief Saskia. �Die arme Eule!“ �Sie wird sie bei lebendigem Leib rupfen“, sagte Regina. �Dann drischt sie ihr den Sch�del ein und holt das Gehirn raus. Dann gibt’s Eulenbraten.“ �Uhuu!“ machte die gefangene Sumpfohreule ungl�cklich. �Ich will nicht gefressen werden! Und schon gar nicht will ich gebraten werden! Uhuu!“ �Wir k�nnen dir nicht helfen arme Eule“, sprach die blonde Regina. �Wir sind selber Gefangene. Sieh doch!“ Sie hielt ihre aneinander geketteten H�nde hoch. �Anitram hat die Schl�sser unserer eisernen Fesseln verflucht. Sie ist n�mlich eine Hexe. Niemand kann gegen sie ankommen. H�chstens die Hakenm�nner, aber die sind wohl kaum auf der Seite armer gefangener Kinder.“ �Aber zwei Kinder klein werden die Macht von Hakylos dem Spinnend�mon brechen“, sprach die Sumpfohreule. �So steht es geschrieben.“ �Wie wollen Kinder gegen solch eine Kreatur siegen?“ fragte Christian zweifelnd. Die dicke Eule grinste: �Er wird sich selber besiegen im Moment seines gr��ten Sieges, hei�t es. Die Kinder m�ssen in seine Hand fallen und dadurch wird seine Macht gebrochen.“ Sie glotzte mit gro�en runden Augen durchs Gitter ihres K�figs: �K�nnt ihr mich nicht befreien liebe Kinder? Ich habe keine Lust, enthirnt und gebraten zu werden.“ Saskia fasste durch die Gitterst�be und kraulte den dicken Vogel. �Wenn ich k�nnte, ich w�rde dir helfen“, sagte sie leise. �Uhuuu!“ wimmerte die Eule. �Danke f�r deine Freundlichkeit Menschenm�dchen.“ Sie r�ckte ganz nahe ans Gitter: �Gleich kommt die fiese Anitram. Holt euch schnell ein paar �mmes-Laibe! Ich sorge daf�r, dass sie es nicht merkt! Das Brot liegt dort hinten auf den Regalen zum Abk�hlen. Rasch Kinder! Greift zu!“ �Oh Gott! Ich trau mich nicht“, wisperte die blonde Regina erschrocken. Ihre Augen waren geweitet vor Angst. �Du hast doch Hunger oder nicht?“ zischte Christian. �Los komm!“ Die drei Kinder humpelten so schnell es ihre zusammen geketteten F��e zulie�en zu den Regalen. Jedes von ihnen stopfte sich drei Brotlaibe unter seine Lumpen. �Was macht ihr da?“ gellte eine schrille Stimme durch die K�che. �Was habt ihr dort hinten verloren? Finger weg vom Brot! Das ist nicht f�r euch!“ Die Kinder fuhren herum. In der T�r stand Anitram die K�chin. Die Augen der Hexe verengten sich: �Habt ihr etwa Brot gestohlen?“ Sie machte einen Schritt auf die drei total ver�ngstigten Kinder zu. In diesem Moment begann die Sumpfohreule in ihrem K�fig ein Mordsspektakel zu veranstalten. Sie zappelte und flatterte und sie schrie so laut, dass einem die Ohren davon wehtaten. �Iiiiieeeck! Iiiiieck! Iiieeeeeck!“ Die K�chin lief zum K�fig. �Wirst du wohl AUF DER STELLE mit diesem schrillen Gekreische aufh�ren, du d�mlicher Vogel!“ br�llte sie und schlug mit der flachen Hand auf den Deckel des K�figs. Die Eule schrie und tobte noch mehr. �Ruhe du Mistvogel! Ruhe!“ Schnell verzogen sich Saskia, Christian und Regina nach drau�en. �Weg mit dem Zeugs, bevor es einer merkt!“ rief Christian. Er begann seine Brotlaibe zu zerrei�en und reichte die St�cke an die anderen Arbeitskinder weiter. Wie hungrige Tauben wuselten sie um die die drei erfolgreichen Brotdiebe herum. Es war nicht viel Brot, aber jedes Kind wurde einigerma�en satt. Als die Hexe Anitram aus dem Hinterausgang heraus geschossen kam, glotzten die Kinder L�cher in die Luft. Niemand konnte ihnen etwas beweisen. Anitram kochte vor Wut. Sie ahnte, dass man sie vergackeiert hatte, aber sie hatte keinen Beweis. W�tend dampfte sie davon.
48. Teil) (f�r Ramonika)
Angekettet
So schnell wollte Anitram nicht aufgeben. �Was steht ihr herum wie �lg�tzen?“ keifte sie und stemmte die F�uste in die H�ften. �Arbeitet! Los! Das Holz aufschichten. Aber vorher klein hacken. Ein bisschen pl�tzlich, sonst gibt es kein Abendessen.“ Letzteres war ausnahmsweise einmal eine leere Drohung, die bei den Kindern nicht zog, aber sie hatten nat�rlich viel zu viel Angst vor der K�chin und den Soldaten des Junker van Reep. Schnell machten sie sich an die Arbeit. Es war sehr m�hsam, in schwere Eisenketten gelegt zu arbeiten. Als Saskia Feuerholz in die K�che schleppte, sah sie Anitram vor dem K�fig stehen. �Na fettes Eulchen“, sagte die K�chin grinsend. �Bald geht es dir an den Kragen. Hihi!“ Wie gemein!, dachte Sassi emp�rt. Die macht der armen Eule auch noch absichtlich Angst! Was f�r eine eklige Frau! Sie sah zu, dass sie schnell wieder rauskam. Beim Holzhacken wurde Reginas Gesicht ganz leer. Ihre blauen Augen schauten in die Ferne, aber die sahen nichts. �Regina was hast du?“ fragte Christian das M�dchen. �Nichts“, erwiderte Regina leise. �Was soll ich schon haben? Heimweh! Sehnsucht! Wie gerne w�rde ich einmal wieder frei und unbeschwert �ber eine Wiese laufen ohne diese entsetzlichen Ketten.“ Sie schaute Christian an. �Aber ich werde die Ketten tragen, bis ich sterbe.“ Eine Tr�ne rann ihr die Wange hinab. Sie sah erbarmungsw�rdig aus. Christian f�hlte sich furchtbar schlecht. Gerne h�tte er Regina von den beiden Blumenelfen und ihrem Versprechen erz�hlt, aber was, wenn Ramonika ihnen nicht helfen konnte? Es w�re zu grausam gewesen, dem blonden M�dchen umsonst Hoffnungen zu machen. Aber er nahm sich vor, das Schloss nicht ohne die anderen Kinder zu verlassen. Als sie gerade beim Holzaufschichten waren, n�herte sich Pferdegetrappel. Es war Junker van Reep mit seinem Gefolge. Hocherhobenen Hauptes ritt er an den Arbeitskindern vorbei. Solchen Abschaum w�rdigte er keines Blickes. Doch pl�tzlich z�gelte er sein Pferd. Eine ungute Stille breitete sich aus. Christian schaute auf. Der Junker sa� hoch zu Ross genau vor ihm und Saskia. Er zeigte mit dem ausgestreckten Finger. �Diese beiden Kinder! Die wie Zwillinge beieinander stehen! F�hrt sie her!“ Einige Soldaten sa�en ab und schleppten Saskia und Christian zu dem Adligen. Der Junker musterte die beiden Kinder mit kalten Augen. �Die Klamotten runter!“ bellte er. �Ich will ihre Schultern sehen!“ Die Soldaten rissen Chris und Sassi die Fetzen, die sie am Leib trugen von den Schultern herunter. Der Junker trieb sein riesiges Pferd n�her und starrte die Schultern der Kinder an. Seine Augen weiteten sich. �Beim Gro�en Waldgeist! Beide tragen das gleiche Mal auf der linken Schulter! Sie sind es!“ Er richtete sich auf. �Bewacht mir diese zwei besonders gut!“ befahl er. �Ich mache die Wachen pers�nlich f�r sie verantwortlich. Wenn sie entkommen, seid ihr reif f�r den Kerker!“ �Wie sollen die denn entkommen?“ witzelte der Hauptmann der Soldaten. �Sie tragen f�nfzehn Kilo Eisen an H�nden und F��en.“ �Mache er keine Scherze“, zischte Junker van Reep. �Bewache er mir die Kinder gut.“ Er zeigte auf einen Soldaten: �Du!“ Der Soldat trat vor: �Ja Hoheit?“ �Du reitest zum �stlichen Waldrand und berichtest den Hakenm�nnern, dass wir die Kinder haben, die Hakylos sucht.“ Der Soldat sah aus, als w�rde er sich gleich vor Angst in die Hosen brunzen. �Herr! Bitte nicht! Schickt mich nicht allein und schutzlos zu den Hakenm�nnern!“ heulte er und begann zu flennen. �Du erb�rmliche Memme!“ fluchte der Junker. �Drei Mann sollen dich begleiten! Tragt eine rote Fahne mit euch, dann geschieht euch nichts! Hakylos wird euch mit Gold �berh�ufen f�r die gute Nachricht, die ihr ihm �berbringt! Reitet auf der Stelle los!“ Junker van Reep bestimmte drei weitere Soldaten, die den ersten begleiten sollten. �Sagt den Hakenm�nnern, die beiden Kinder tragen das gleiche Mal auf der linken Schulter. Sie werden Bescheid wissen.“ �Ja Hoheit“, greinten die Soldaten �ngstlich. Sie schlotterten vor Angst. Als die Arbeitskinder sp�ter mit einem Sch�sselchen Haferschleimsuppe auf dem Boden zusammen hockten, dachte Christian laut �ber das Geschehene nach. �Was meint der Junker mit dem Mal?“ �Er meint das Muttermal auf deiner Schulter“, sagte Saskia und l�ffelte hastig ihre Suppe. �Ich habe genau das gleiche. Ist schon seltsam, findest du nicht?“ Sie wirkte bedr�ckt. �Er hat nach den Hakenm�nnern schicken lassen. Das sieht nicht gut aus. Christian, ich habe Angst.“ �Ich auch“, gab der Junge zu. �Und wie!“ Kaum hatten sie gegessen, kamen einige Wachsoldaten und trieben die Arbeitskinder zusammen. �Ab in die K�fige!“ br�llten sie und schlugen mit Lederriemen auf die Kinder ein, die nicht schnell genug liefen. Unter Kettengeklirre humpelten die kleinen Gefangenen in die K�fige. Christian und Saskia wurden mit Regina und einigen anderen Kindern in einen K�fig aus Eisenstangen gedr�ngt. Die Soldaten warfen sie roh auf die Knie und dr�ckten sie gegen das hintere Gitter, das sich nahe der Au�enmauer des Schlosses befand. Ohne R�cksicht rissen sie die zusammengeketteten H�nde der Kinder hoch und h�ngten sie in H�he des Kinns an gro�e �sen am Gel�nder. Mit groben Vorh�ngeschl�ssern sicherten sie die Fessel. Dann verlie�en sie den K�fig und warfen die T�r knallend hinter sich zu. Sie sperrten die T�r ab und trollten sich. �Soll das hei�en, dass wir kniend schlafen m�ssen?“ fragte Christian. �D�rfen wir uns nicht mal hinlegen und gegen die n�chtliche K�lte aneinander kuscheln?“ �Nein“, antwortete Regina. �Wir werden immer ans Gitter geh�ngt. Ich bin es schon gar nicht mehr anders gewohnt.“ �So kann man doch nicht schlafen“, jammerte Saskia. Tr�nen schossen ihr in die Augen �Das tut weh! Das halte ich nicht aus bis morgen fr�h!“ �Du wirst es aushalten“, sprach Regina traurig, �weil dir keine andere Wahl bleibt. Von heute an wirst du immer so schlafen Saskia.“ �Oh nein!“ weinte Saskia und lehnte den Kopf ans Gitter. �Bitte nicht!“
49. Teil) (f�r Ramonika)
Die Flucht
Die Nacht senkte sich auf Schloss Reep herab. Oben auf dem Rundgang z�ndeten die Wachen Fackeln an. Unten vor den Schlossmauern war es dunkel in den Kinderk�figen. Der Fackelschein drang fast nicht bis zum Boden vor. �Wir ist kalt“, sagte Saskia weinend. Sie bibberte. �Das Eisen ist so furchtbar kalt.“ �Es wird noch viel k�lter“, sagte Regina, die neben ihr am Gitter hing. �Noch viel k�lter!“ Sie weinte nicht. Sie hatte keine Tr�nen mehr. Oben tappte ein Wachsoldat entlang. Seine Waffen klirrten leise und das Leder seiner R�stung knarrte laut in der n�chtlichen Dunkelheit. �Chris?“ fl�sterte Saskia. �Ja Sassi?“ �Wann kommen die Hakenm�nner?“ �Ich wei� es nicht. Wenn sie h�ren, dass die Kinder, die sie haben wollen, hier beim Schloss sind, werden sie sich gewiss beeilen.“ �Wo bleiben die Elfen?“ fragte Saskia sch�chtern. �Was tun wir, wenn sie nicht kommen? Wenn sie keinen Zauber mitbringen?“ �Ich wei� nicht Sassi“, antwortete Christian niedergeschlagen. Er richtete sich ein wenig auf, um den Zug von seinen Armen zu nehmen. Die Handeisen rieben schmerzhaft an seinen Gelenken. Ihm war kalt. �Du musst einfach dran glauben, dass sie kommen und uns helfen.“ �J … ja“, fiepte Saskia. In ihrer Stimme schwangen Tr�nen mit. �Mir t … tun die Fesseln so weh, Christian! Ich wei� nicht, wie ich mich hinknien soll. Vor allem an den Fu�gelenken habe ich Schmerzen. Ich wage gar nicht dran zu denken, dass es schief gehen k�nnte. Dann m�sste ich die schrecklichen Eisen f�r immer tragen.“ Sie schniefte leise vor sich hin. Pl�tzlich summte etwas vor Saskias Gesicht in der Luft. Ein winziges Laternchen erstrahlte. �Weine nicht, Menschenm�dchen“, rief ein feines Stimmchen. �Wir sind da.“ Es waren Ramonika und ihr Bruder. �Wir haben einen Zauber, mit dem wir den Fluch der Hexe Anitram knacken k�nnen“, verk�ndete der Bub stolz. �Vom Oberelf pers�nlich. Wir befreien euch!“ Ringsum begann es zu klirren und zu klappern, als die �brigen Kinder sich in ihren Ketten aufrichteten und zu Saskia und Christian hinschauten. �Nehmt uns mit, bitte!“ flehten sie inst�ndig. �Bitte lasst auch uns frei. Bitte!“ �Nicht so laut!“ zischte Christian verzweifelt. �Macht nicht so einen Radau!“ Schon liefen oben auf dem Rundgang die Wachen zusammen. �Was ist da unten los?“ br�llte einer der Soldaten. �Hier sind Ratten!“ rief Christian geistesgegenw�rtig. �Ganz dicke fette! Die laufen uns �ber die nackten F��e! Kommt sofort runter und helft uns!“ Lautes Lachen dr�hnte zu ihnen herab. �Helft euch selber. Wer k�mmert sich schon um Arbeitskinder! Gute Nacht und viel Spa� mit den kleinen R�ttchen! Hahahaaa!“ �Jetzt denken die, wir machen Ger�usche wegen der Ratten“, fl�sterte Christian. �Dann merken sie nicht, wenn wir abhauen.“ Er schaute Ramonika ernst an: �Bitte befrei auch die anderen Kinder liebe Elfe. Ohne sie k�nnte ich nicht von hier weggehen.“ Die Blumenelfe schaute ihn lange schweigend an. Sie schien nachzudenken. �Ist gut“, sprach sie schlie�lich. �Wir machen es.“ Zusammen mit ihrem kleinen Bruder machte sie sich daran, die Schl�sser an den eisernen Hand und Fu�fesseln der Kinder zu �ffnen. Es dauerte immer eine Zeitlang, bis die magischen Formeln wirkten, die sie dazu herunter beten mussten. Christian und Saskia sa�en wie auf gl�henden Kohlen. Sie wussten, dass jeden Moment die vier Soldaten mit den Hakenm�nnern aus dem Wald kommen konnten. Doch sie wollten ihre Schicksalsgef�hrten nicht allein lassen. Und welch ein Anblick war es, im d�steren orangefarbenen Schein der Fackeln Reginas Augen aufleuchten zu sehen, als die Blumenelfen ihr nach zwei Jahren des Leidens die Eisenangeln abnahmen. �Danke“, sagte das M�dchen weinend. �Danke! Vielen Dank, dass ich mich befreit.“ Die Eisen hatten Spuren auf ihren Hand- und Fu�gelenken hinterlassen; Narben und Absch�rfungen. Als sie mit ihren Rettern zu den n�chsten angeketteten Kindern lief, konnte sie gar nicht mehr richtig gehen, weil sie seit zwei Jahren dran gew�hnt war, nur kleine Schritte zu machen und sie immer die schwere Kette zwischen ihren F��en hatte mitschleifen m�ssen. Es dauerte eine kleine Ewigkeit, bis alle Kinder frei waren. �Die Eule auch noch!“ verlangte Saskia. �Wir k�nnen das arme Tierchen nicht im K�fig lassen. Also wurde auch noch die dicke Eule befreit. Leise schlichen sie nach drau�en. Ramonika und ihr Bruder sa�en auf einem Pilz im Gras. Saskia kniete vor ihnen nieder: �Was ist mit euch?“ �Sie sind vollkommen entkr�ftet“, sprach die Sumpfohreule. �Das lange Zaubern hat sie kaputt gemacht. Die k�nnen keinen Meter mehr fliegen. Sie m�ssen sich erst erholen.“ �Das tut mir leid“, fl�sterte Saskia erschrocken. �Das haben wir doch nicht gewusst.“ Sie streichelte die zwei Elfen vorsichtig mit dem Zeigefinger. �Warum habt ihr nichts gesagt?“ �Ist gegen die Elfenehre“, verk�ndete die Eule. �Die sterben lieber, als solches zuzugeben. ACHTUNG! ARSCHLOCH-ALARM!!!“ Sie flatterte hastig auf. �Soldaten!“ Aus einer Seitent�r kamen zwei Soldaten. �Die Arbeitskinder fliehen!“ schrieen sie. Direkt hinter ihnen kam der Junker van Reep im Nachthemd mit Nachtm�tze auf dem Kopf: �Dachte ich es mir doch! Wie gut, dass ich Befehl gab, nachzusehen!“ pl�rrte er. �Fangt sie ein! Los! Schnell!“ Aufschreiend stoben die Kinder nach allen Richtungen davon. Aber mit Stieben war nicht viel. Weil sie so lange Ketten getragen hatten, konnten sie nicht schnell rennen. Schon grabschten die zwei Soldaten nach Jungen und M�dchen. �Hilfe!“ schrieen die Kinder verzweifelt. �Hilfe. Helft uns!“ Da raste die Eule wie ein angreifender Jabo auf die Soldaten los. Sie trugen wohl schwere R�stungen, aber es gab durchaus Stellen am K�rper, die nicht so gut gesch�tzt waren. �Iiieh!“ Sie hat mir in den Piephahn gezwickt!“ kreischte ein Soldat und fummelte unter seinem Brustharnisch herum. �Mein Piephaaahn!“ �Mein Helm!“ br�llte der andere w�tend. �Gib sofort meinen Helm her, du Sauvogel, du!“ Die Eule lie� den Helm ins Gras fallen und hockte sich hinein. F�r einen Moment wurden ihre Augen ganz dick. Dann flatterte sie davon. Der Soldat st�rmte heran und hob den Helm auf. Im Rennen setzte er ihn sich auf. �Aua!“ heulte sein Kamerad. �Sie hat mir schon wieder in den Piephahn gehackt Auuu!“ �M�nner zu mir!“ befahl Junker van Reep und grabschte sich Saskia. �Ha! Hab dich! Helft mir, den Jungen zu fangen! Die anderen Kinder sind unwichtig!“ �Mein Piephahn!“ heulte der eine Soldat. �Aua, mein Piephahn! Auuuu!“ �Ich hab Eulenkacke in den Augen!“ schrie der andere und fuchtelte mit den Armen wie ein Blinder. �Du bleibst da!“ fauchte der Junker und hielt Saskia fest. Seine H�nde waren wie Schraubst�cke. �Hilfe! Chris!“ schrie Saskia entsetzt. Da war die Eule heran. �Oh welch h�bsches Nachthemdlein“, fl�tete sie und landete im R�cken des Junker. Sie verkrallte sich im Stoff und lie� ihren K�rper nach unten fallen. �Und hack! Und HACK!“ Sie hackte dem Junker herzhaft in die nackigen Arschbacken. Aufkreischend lie� der auf solch perfide Art Angegriffene seine Beute fahren. Sofort rannte Saskia mit Christian davon. �Haha!“ schrie die Eule triumphierend und umkreiste den Junker in sicherer Entfernung. �Wenn dich ein Indianer nach deinem Namen fragt, so antworte ihm: Mein Name ist �DREI ARSCHL�CHER“! Jiiihah!“ Sie schoss davon und verschwamm mit der Nacht. Saskia hielt mitten im Lauf inne: �Die Elfen!“ Schon rannte sie zur�ck, Christian hinterher. Die zwei Elfchen sa�en noch immer m�de auf ihrem Pilz. Sassi und Chris schnappten sich je eins und dann gaben sie Fersengeld. Das Schloss verwandelte sich derweil in ein Wespennest. Aus allen L�chern quollen bis an die Z�hne bewaffnete Soldaten heraus. �Fangt sie ein!“ schrie Junker van Reep. �Fangt die zwei besonderen Kinder! Ich zahle dem, der sie f�ngt einen ganzen Beutel voller Gold!“ Pl�tzlich kam die K�chin aus dem Schloss. �Meine Eule! Meine sch�ne dicke Eule ist weg! Diese Diebe! Fangt sie! Fangt sie alle!“ Die Kinder liefen in die Dunkelheit hinaus. �Wir sollten uns in kleine Gruppen aufteilen“, rief ein Junge. �So haben wir bessere Chancen.“ Sofort teilte sich die gro�e Gruppe Kinder. Regina hielt Saskia und Christian fest. �Ich verlasse euch nun“, sagte sie und rang nach Atem. Sie war Rennen nicht mehr gewohnt. �Ich w�nsche euch alles Gl�ck der Erde. Ich bin euch so dankbar, dass ihr mich befreit habt, das kann ich euch gar nicht sagen. Nehmt euch vor den Hakenm�nnern in Acht! Sie suchen euch. Schon lange treiben sie sich nachts beim Schloss herum und manchmal kamen auch Abgesandte von ihnen heimlich w�hrend der Dunkelheit zu Junker van Reep. Ich wei� nicht, was die Hakenleute von euch wollen, aber seid auf der Hut. Nochmals vielen Dank.“ Damit rannte das blonde M�dchen davon. Eine Weile h�rten sie noch das Patschen ihrer nackten F��e auf dem Boden, dann waren Christian, Saskia und die beiden Elfen allein. Die Eule kreiste �ber ihnen und hielt Wache. �Wo sollen wir hin?“ fragte Saskia �ngstlich. �Wir gehen in den Wald“, bestimmte Christian. Saskias Augen wurden riesengro�: �In den WALD? Aber dort sind Ungeheuer und die Hakenm�nner!“ �Sie werden �berall nach uns suchen“, sagte Christian. �Blo� nicht im verfluchten Wald. Wir haben ja die Elfenschellen.“ �Oh nein“, jammerte Saskia. �Nicht schon wieder Eisen an H�nden und F��en!“
50. Teil) (f�r Ramonika)
Im verfluchten Wald
Christian und Saskia rannten zum Waldrand. Bei den ersten B�umen hielten sie an. �Wir k�nnen die beiden Blumenelfen nicht mit rein nehmen“, keuchte Christian. �Sie sind ja nicht durch die magischen Elfenhandschellen gesch�tzt.“ �Aber wir k�nnen sie auch nicht einfach hier auf der Wiese lassen“, rief Saskia entsetzt. �Die Armen! Sie sind so ersch�pft. Sie k�nnen doch nicht fliegen.“ �Ich mach das schon“, rief die Sumpfohreule von oben. Sie legte einen eleganten Sturzflug hin und landete auf dem Boden. �Sie k�nnen auf mir reiten. Die zwei Minis sp�r ich gar nicht.“ Die Eule grinste zufrieden. �Das ist das Mindeste, was ich zum Dank tun kann. Ich werde auf immer in eurer Schuld stehen.“ Die Kinder setzten die beiden Elfchen auf den R�cken der Eule und der Nachtvogel hob ab und flog davon. �Auf Wiedersehen“, rief es noch einmal, dann verschluckte die Dunkelheit die Eule. �Komm Sassi“, sagte Christian und zog Saskia an der Hand hinter sich her. �Wir m�ssen in den Wald. Dort hinten kommen schon die berittenen Soldaten des Junker van Reep.“ �Ich hab so Angst vor diesem Wald“, sagte Saskia. Sie schaute sich unbehaglich um. �Du hast doch geh�rt, dass dort Ungeheuer hausen.“ �Nur ein St�ckchen Sassi“, tr�stete Christian seine Freundin und zog sie ins dichte Unterholz. Hundert Meter vom Waldrand weg fanden sei eine moosige Mulde unter einem umgest�rzten Baumriesen. Dort legten sie sich zum Schlafen nieder. �Schon wieder in Ketten“, jammerte Saskia und hielt Christian die H�nde hin. �Mir tut noch alles weh!“ Mit �u�erster Vorsicht legte Chris ihr die Handschellen an. Dann lie� er ein zweites Paar um Saskias Fu�gelenke schnappen. Das M�dchen verschwand. Nachdem Christian sich selber auch Elfenhandschellen angelegt hatte, kuschelte er sich neben Saskia in die weiche Mulde. �Schlaf gut, Sassi. Morgen sieht alles schon viel besser aus.“ �Ich glaube nicht, Chris“, fl�sterte Saskia. �Hast du nicht geh�rt, dass man uns sucht? Es ist wegen unseres Muttermals. Was hat das zu bedeuten?“ �Ich wei� nicht“, wisperte Christian. �Vielleicht finden wir es raus.“ Aneinandergekuschelt schliefen sie ein.
Es war warm und wir pennten doch tats�chlich ein. Es war das unglaublichste Gef�hl der Welt, wach zu werden und an H�nden und F��en metallene Handschellen zu tragen. Zuerst dachte ich doch glatt, ich sei echt in Kettingen. Sassi lag nebe mir zusammengerollt. Wenn sie sich bewegte, klirrten ihre Handschellen leise. Ich sperrte meine Handschellen auf, erhob mich und reckte und streckte mich. Saskia kniete am Boden. Sie sah zum Sterben lieb aus, wie sie da kniete mit den Handschellen an Hand- und Fu�gelenken. Sie schaute wieder so traurig. �Was ist mit dir Sassi?“ fragte ich. �Ich muss dauernd an Barbara denken“, sagte sie leise. �Wir waren gemein zu ihr. Sie hatte so Angst.“ Ich kniete neben Saskia und legte einen Arm um sie: �Wir waren nicht halb so gemein wie B�rbel es war.“ �Aber sie hatte Angst“, beharrte Saskia. �Die hat sie sich selber gemacht“, hielt ich dagegen. Sie lehnte sich an mich, dr�ckte mir die zusammen gefesselten H�nde gegen die Brust. Die Handschellen klirrten leise. Sie schaute mich sehr ernst an: �Trotzdem war es nicht sch�n, was wir gemacht haben. Ich habe ein so schlechtes Gewissen. Ich m�chte mich bei B�rbel entschuldigen.“ Bei jedem anderen w�re ich vor Entr�stung an die Decke gegangen. Aber nicht bei Sassi! �Dann laufen wir mal los. Sicher ist sie noch auf dem Campingplatz.“ �Ja?“ Augenblicklich kehrte das L�cheln in Saskias Gesicht zur�ck. �Ja“, sagte ich. �Da musst du aber meine F��e losmachen, damit ich schneller gehen kann.“ Sie lie� sich nach hinten fallen und streckte mir ihre nackten F��e entgegen. Ich nahm das Schl�sselchen und schloss ihre Fu�fesseln auf. �Die Handfesseln nicht?“ Sie sch�ttelte den Kopf: �Nein, die behalte ich an, bis zum Campingplatz.“
51. Teil) (f�r Ramonika)
Abendliche Erz�hlrunde
Wir sind dann zum Campingplatz gelaufen, ein bisschen schneller als sonst und beinahe h�tten wir vergessen, dass Saskia immer noch Handschellen trug. Ich sperrte sie auf und verstaute sie im Rucksack. Dann zog ich Sassi an der Hand hinter die Wohnwagenreihe. �Erst mal sondieren“, sagte ich. Mir w�re es recht gewesen, wenn Rhabarbera weg gewesen w�re. Sie war aber noch da und hockte tr�bsinnig bei Onkel Tr��t, der ihr gerade ins Gewissen redete. �Du hast Mist gebaut, B�rbel“, sagte er. �Meio! Einfach so angerannt zu kommen und das Gebl�ke mit den Verknallten!“ Tr��t schaute Barbara sehr ernst an. �Ich wei�, dass dir dein K�rper nicht gef�llt B�rbel“, sagte er. �Du sch�mst dich, weil du dick bist. Ich glaub ja, dass sich das ausw�chst. Deine Mutter war fr�her auch ein Pummel und mit sechzehn hat sie sich gestreckt und schau sie heute an! Die Kerle verrenken sich immer noch den Hals nach ihr. Aber du f�hlst dich unwohl mit dem Schwabbel auf den Rippen, stimmts?“ Barbara nickte stumm, den Kopf gesenkt. �Wenn nun einer k�me, sich neben dich stellte und laut br�llte: Och ist DIE fett! Seht euch mal die dicke Nudel an! Wie w�rdest du dich f�hlen?“ Noch nie habe ich Onkel Tr��t so weich und vorsichtig mit einem Menschen reden h�ren! �Der Kreischer w�rde das alles wahnsinnig witzig finden“, fuhr Tr��t vor. �Aber DU w�rdest vor Scham im Boden versinken. Und es t�te dir schrecklich weh. Es w�rde dich verletzen.“ �J … ja“, schniefte B�rbel. �Chris ist tierisch sauer. Sogar Sassi hat einen Rochus auf dich, und die ist doch eine ganz Liebe und Sanfte. Vielleicht denkst du n�chstes Mal daran, wenn dein Mund mal wieder schneller als dein Gehirn sein will, ja?“ �J … ja“, schniefte Barbara. Onkel Tr��t strubbelte ihr durchs Haar: �Trags mit Fassung B�rbel. L�ffel die Suppe aus, die du dir eingebrockt hast und dann vertragt euch einfach wieder. Am besten funktioniert das mit Ehrlichkeit.“ B�rbel hockte lautlos weinend am Campingtisch. Saskia lie� meine Hand los und ging zu Barbara. �Hallo B�rbel. Ich m�chte mich entschuldigen f�r das, was wir gemacht haben.“ Barbara starrte sie aus weit aufgerissenen Augen an: �DU entschuldigst dich bei MIR?“ Sie war fassungslos. Jetzt liefen noch mehr Tr�nen. �ICH bin doch die Gemeine gewesen!“ �Wir waren auch gemein“, sagte Sassi und legte eine Hand auf Barbaras Arm. �Es tut uns leid.“ �I…ich wollte witzig sein“, schniefte B�rbel. �Es schien so lustig zu sein. Ich habe nicht daran gedacht, dass ich euch damit blamiere oder euch wehtue.“ �Komm, vertragen wir uns wieder“, sprach Saskia sanft. Und so vertrugen wir uns wieder. Ich war nicht so ganz froh damit, aber wenn Rhabarbera in Zukunft ihr gro�es Mundwerk im Zaum halten w�rde, konnte es mit ihr vielleicht ertr�glich werden. B�rbel und ihre Eltern blieben noch zum Essen. Es gab Fisch vom Grill. Echt lecker. Als Sassi und ich vom Duschen zur�ckkamen, waren B�rbel und ihre Leute weg. Ich holte unsere Decke und breitete sie im Gras aus. Die Handschellen legte ich auch parat. Saskia kam aus ihrem Wohnwagen. Sie trug ein dunkelrotes Sommerkleidchen mit winzigen wei�en Bl�ten drauf. Ich glaube, man sagt Callico dazu. Und sie hatte ihr rotes H�kelk�ppchen mit dem schmalen gr�nen Rand auf dem Kopf. Sie setzte sich neben mich und dr�ckte mir was in die Hand: �Da Chris. Ich habe es fertig gemacht.“ Es war das gr�ne K�ppchen f�r mich. Ich setzte es gleich auf. �Danke Sassi.“ Ich freute mich tierisch und sie l�chelte mich mal wieder so total lieb an. Ich hielt ein Paar Handschellen hoch und schaute Saskia fragend an. Sie nickte und streckte mir die H�nde hin. In aller Ruhe legte ich ihr die Handschellen an. Dann legte sie mir ihre nackten F��e auf die Beine und ich legte ein weiteres Handschellenpaar um ihre zarten Kn�chel. Anschlie�end �versorgte“ Saskia mich auf die gleiche Weise. �Ach du lieber Gott!“ rief meine Mutter. �Die spielen ja immer noch mit den bekloppten Dingern rum.“ �Sei doch froh“, meinte Onkel Tr��t. �Dann hat sich die Ausgabe wenigstens gelohnt.“ Die Wilde Hilde und die Scharfe Anne kamen mit ihren �riesigen Kampfhunden“ vorbei. �Die Chain-Gang ist wieder da“, sagte Anne und zwinkerte uns zu. �Na ihr Turtelt�ubchen.“ �Ja sie sind echt niedlich“, befand Tr��t. �Zwei kleine Seelen in Ketten vereint. Rotk�ppchen und Gr�nk�ppchen.“ �Und du bist Glatzk�ppchen“, sagte die Scharfe Anne. Alle lachten und Mops kam angek�tert und leckte Sassi und mich ab, als w�ren wir aus Erdbeereis. Onkel Tr��t fuhr sich mit der Hand �ber die blank polierte Billardkugel: �Ich trage mein Haar heute offen.“ Anne wedelte mit der Hand: �Puh! Sag mal Tr��t, wie viel Liter Rasierwasser k�belst du an dich?“ �Der Mief kommt von dem da!“ entr�stete sich Tr��t und zeigte auf meinen Vater, der nicht weit von ihm im Campingstuhl sa�. �Unser Rasierwasserjunkie. Hrch…hrch..hrch.“ Saskia r�ckte ein St�ckchen an mich ran und kuschelte sich an. Mit dem nackten linken Fu� kitzelte sie bei mir an den Kn�cheln herum, genau �ber und unter den Handschellen. Es war ein unglaublich angenehmes Gef�hl. �Wenigstens ist er schlauer geworden!“ lachte Tr��t. �Alkoholix klatscht sich die Br�he nur noch ins Gesicht. �rrr-h�rrr-h�rrr!“ �Wohin den sonst?“ fragte ich. �Er rasiert sich ja keine Glatze wie du.“ Onkel Tr��t begann mit dem Kopf vor und zur�ck zu wackeln: �Und OB der sich ne Glatze rasiert hat! Aber nicht da oben! �rrr-h�rr-h�rr!“ Sein Kopf w�rde gleich abbrechen. Gleichzeitig versuchte er seine Oberschenkel mit den H�nden zu Brei zu schlagen. Ich fasste nach Sassis gefesselten H�nden und streichelte mit den Fingern ihre Handgelenke. Sch�n zart und sanft. �Damals warst du noch nicht auf der Welt“, erz�hlte Onkel Tr��t. �Du warst nicht mal in Produktion. Hrch…hrch…hrch…“ Saskias Vater schien die Anekdote auch zu kennen. Er hieckte schon mal leise los. Hieck…hieck…hieck… �Damals hatten deine frisch verheirateten Eltern ihren ersten Wohnwagen hier auf dem Platz. In irgendeinem Magazin fand deine herzallerliebste Mama einen Artikel �ber Intimrasur. Sie redete so lange auf deinen Daddy ein, bis der ihr versprach sich mal f�r sie den Vogel zu rasieren. Hrch…hrch…hrch…hier aufm Campingplatz…im Wohnwagen. �rrr-h�rrr-h�rrr!“ Ich sah Onkel Tr��ts Kopf im Geiste schon auf dem Boden rumrollen. Er musste gleich abbrechen. Seine Oberschenkel waren auch schon ziemlich platt geklopft. �Das mit dem Rasieren klappte sogar. Ich meine: alle wichtigen Teile blieben dran und es floss kein Blut. Aber …h�rrr-h�rrr-h�rrr…danach tat dein Papi, was er nach dem Rasieren immer tat: er klatsche sich einen halben Liter Rasierwasser auf die rasierte Stelle. Nur dass die Haut da unten am Vogel VIEL empfindlicher ist als oben an den Wangen! �rrr-h�rrr-h�rrr!“ Jetzt gickerten auch unsere M�tter und der Weinschlauch lief vor lauter Hiecken rot an. Onkel Tr��t platzte fast vor Lachen. �Von dem Geschrei deines Vaters lief der ganze Campingplatz zusammen! Er hat gekreischt wie ein Adler! �rrr-h�rrr-h�rr! Er konnte gar nicht mehr mit Schreien aufh�ren!“ Nun gab es kein Halten mehr. Tr��t, Alkoholix, der Weinschlauch, Misses Bailey und Lik�rika lachten, was das Zeug hielt. Auch die Scharfe Anne und die Wilde Hilde glucksten und truthahnten mit. �Aber das BESTE war“, bl�kte Tr��t, �dass die Leute danach euren Wohnwagen wochenlang mit Werbeartikeln zuklebten, die sie aus Zeitschriften ausschnitten! �Die neue milde Wilkinson-Soft. Rasiercreme f�r den sensitiven Mann“! Oder �Gilette SENSITIVE. Das neue After-Shave f�r den gef�hlvollen Mann!“ �rr-h�rrr-h�rrr!“ Alle gackerten, hieckten und br�llten durcheinander. Sogar mein Vater lachte mit. Ich liebte solche abendlichen Erz�hlrunden. Ich h�tte es ewig mit Sassi auf der Decke auf gehalten. Ich schaute zu, wie sie mit ihrer gro�en Zehe an meinen Kn�cheln herum streichelte. Ab und zu l�chelte ich ihr zu und sie l�chelte zur�ck. Aber es wurde Zeit, pennen zu gehen und wir gingen ohne Murren. �Heute keine Handschellen“, bat Sassi fl�sternd und dr�ngte sich im zusammengezippten Schlafsack an mich. �Ich will wieder wie im Schlafzimmer vom Bauernhof. Bitte Chris.“ Ich konnte ihr die Bitte nicht abschlagen und fummelte die Katzenhalsb�nder aus dem Rucksack. Mit einem Paar ging ich im Schlafsack auf Tauchstation und tastete im Dunkeln nach ihren nackten F��en. Es war ganz sch�n schwierig, die Verschl�sse der Katzenhalsb�nder zu zu kriegen, wenn man nichts sah, aber endlich hatte ich Saskias F��e zusammengeschnallt und tauchte wieder auf. �Und jetzt die H�nde“, bat Saskia. �Aber diesmal hinten zusammen schnallen.“ Sie drehte sich um und hielt die Arme hinterm R�cken zusammen. Ich schnallte ihre H�nde an den Handgelenken mit den d�nnen Lederriemchen zusammen. Sassi drehte sich um, so dass sie mit dem Gesicht zu mir lag. �Du musst mich im Arm halten, Chrissie“, fl�sterte sie. �Ich bin doch jetzt v�llig hilflos. Mit auf den R�cken geschnallten H�nden kann ich nichts tun.“ Sie schmiegte sich an mich und ich hielt sie fest. �Ohne dich bin ich verloren, Chrissie.“ Mein Herz machte einen kleinen Hopser vor Gl�ck. �Ich ohne dich auch, Sassi.“ So aneinandergekuschelt schliefen wir ein.
52. Teil) (f�r Ramonika)
Auf der Insel
Am n�chsten Tag konnten Sassi und ich wieder in Ruhe spielen. Gleich nach dem Fr�hst�ck verpfiffen wir uns. Weil unsere Eltern schon komisch guckten, wieso wir nie im See schwimmen gingen, holten wir uns mein Schlauchboot und ruderten in Badeklamotten mit Essen und Limo bewaffnet den See entlang in den Wald rein. Weiter hinten ging niemand schwimmen, weil es keinen Badestrand gab. Hier lag mitten im See �meine“ Insel. Einer von der Seeverwaltung hatte mir erlaubt, dort rumzustreifen. Es standen �berall Schilder: �Entenbrutinsel. Betreten verboten!“ Aber die Enten br�teten vorne auf der kleineren Insel beim Badestrand. Hier hinten auf der Rieseninsel mit einem Durchmesser von f�nfzig Meter gab es nur B�ume, B�sche und Gras. Der Mann von der Verwaltung hatte mich eines Tages dabei erwischt, wie ich auf der Insel rumstreifte. Ich zeigte Sassi alles. �Das ist der versteckte Eingang in die Minibucht. Dort sieht niemand unser Boot.“ Wir ruderten in das Versteck, stiegen aus und zogen das Boot aufs Land. �Das hat mir Herr Kerner gezeigt.“ Ich nahm Sassi an der Hand und zeigte ihr mein kleines privates Reich. Mitten in der Insel gab es eine tiefe, sandige Kuhle, eine Lichtung von B�umen und B�schen umgeben. �Das ist ja wirklich richtig geheim“, rief Saskia freudig �berrascht. Sie schaute mich lange an. �Und MIR zeigst du es!“ �Ja Sassi. Dir“, sagte ich. �Und nur dir! Ich muss dir aber noch was zeigen. Es ist sehr wichtig.“ Ich f�hrte sie zu einem kleinen flachen Strand. Er sah aus wie geschaffen f�r Verliebte, um allein am Ufer zu liegen. Mehrere Schilder standen an Land und einige drau�en im flachen Wasser. Auf allen stand das Gleiche: �ACHTUNG! TREIBSAND! LEBENSGEFAHR! BETRETEN VERBOTEN!“ Saskia schauderte. �Treibsand? Es sieht so normal aus.“ Ich holte einen dicken Steinbrocken herbei: �Herr Kerner hat mir erkl�rt, dass unter dem Strand unterirdische Quellen liegen. Der See wird nicht nur vom Waldbach gespeist. Das hochdr�ckende Wasser macht den Sand zur tr�gerischen Todesfalle. Deswegen will die Seeverwaltung hier niemanden haben. Pass auf.“ Ich warf den Stein auf den Strand. Mit einem schmatzigen Ger�usch prallte er auf die Oberfl�che und war sofort zur H�lfte eingesunken. Nach wenigen Sekunden war er unterm Sand verschwunden. �Uff!“ rief Saskia und klammerte sich an meine Hand. �Chris, das ist gruselig. Wenn die Schilder nicht w�ren!“ Ich legte einen Arm um sie. �Wir bleiben hiervon weg, Sassi. Ich habs Herrn Kerner versprochen. Ich habe es dir gezeigt und ab jetzt ist diese Stelle tabu. Von mir aus ist es ein Sumpf mit schrecklichen Krokodilen drin oder sonst was.“ Jedenfalls tabu!“ �Hier will ich auch nicht mehr hin“, sagte Saskia. Man sah ihr an, dass sie sich unbehaglich f�hlte. Hand in Hand liefen wir zur Lichtung im Innern der Insel zur�ck. Ich schaute zu, wie Saskia das Neuland eroberte. Sie lief neugierig �berall herum und schaute sich alles genau an. Es machte Spa�, ihr dabei zuzusehen. Sie stieg auf einen oberschenkeldicken umgefallenen Baumstamm und balancierte darauf. Das konnte sie unheimlich gut. Es kam wohl von ihrem Ballett-Training. Ich beobachtete wie sie ihre blo�en F��e hintereinander stellte und die Arme ausbreitete. �Ich bin ein Vogel auf einem Ast“, rief sie und schloss die Augen. Das Sonnenlicht malte goldene Kringel auf ihre Gestalt. Mit geschlossenen Augen balancierte sie den Stamm entlang. Es war ein ziemlich d�nner Birkenstamm, aber Saskia fand mit traumwandlerischer Sicherheit ihren Weg. Ihre nackten F��e tasteten den Stamm vor ihr ab. Wie elegant sie sich bewegte! Am Ende des Stamms machte sie die Augen auf und sprang herunter. �Das war toll Sassi“, lobte ich sie. Sie wurde sofort rot. �So toll war es auch wieder nicht“, nuschelte sie und lief zum Rand der Lichtung und tat, als m�sse sie den Boden unter den B�umen ganz genau untersuchen. Sie wollte mich ablenken. Ich merkte das. Und ich hatte sie irre gerne daf�r, dass sie so sch�chtern war. Am liebsten w�re ich zu ihr gelaufen und h�tte sie ganz fest geknuddelt. Aber ich hatte pl�tzlich einen dicken Klops im Hals und meine F��e waren am Boden festgewachsen. Sassi fand einen rundlichen Steinblock. Mit einiger M�he rollte sie ihn unter einen waagrechten Ast. Sie stieg auf den Block und reckte die Arme in die H�he: �Passt!“ Ich wusste gleich, was sie meinte. Hinter dem Ast stieg der Rand der Kuhle steil an. Wenn ich hinter Sassi trat, kam ich bequem an den Ast dran, sie dagegen erreichte ihn nicht ganz, so weit unten wie sie stand. Saskia hopste von dem Steinblock herunter. �Machst du, Chris?“ fragte sie mich und hielt den Kopf schr�g. �Mit Schnur. Die Handschellen tun weh. Die sind zu hart.“ Ich holte ein l�ngeres Seil aus unserem Rucksack. Saskia streckte mir ihre H�nde entgegen und �berkreuzte sie vor ihrem Bauch. Ich umwickelte ihre Gelenke dreimal mit dem Seil, verknotete es einmal und zog es zwischen ihren H�nden durch. Noch mal rundherum und noch mal. Wieder verknoten. �Das reicht“, befand ich und verknotete noch mal alles. Es stand noch mindestens drei Meter Seil �ber. Ich zog Saskia hinter mir her zum Rand der Lichtung. Dort schmiss ich das Seilende �ber den waagrechten Ast. �Du musst gut festhalten“, sagte Sassi. �Ohne seitlich ausgestreckte Arme kann ich nicht so gut balancieren.“ �Ich halte dich“, versprach ich und zog am Seil. Saskia stieg auf den Steinblock. Ich hielt das Seilende immer unter Spannung, damit sie nicht umkippen konnte. Sie kippelte ein wenig, bis ihre nackten F��e Halt auf dem Steinklotz fanden. Dann stand sie still und reckte die Arme noch h�her. �Jetzt mach mich fest. Und dann fessel mir noch die F��e zusammen bitte.“ Ich zog das Seilende stramm und legte es zweimal um den Stamm des Baumes, bevor ich es verknotete. Anschlie�end holte ich ein k�rzeres Seil und kniete vor dem Steinblock nieder, auf dem Saskia stand. Mit dem Strick umschlang ich ihre Kn�chel dreimal. Dann zog ich das Seil zweimal zwischen ihren blo�en F��en hindurch. Ich zog alles sehr fest zusammen und verknotete es hinten einmal. Noch zwei mal um Saskias Fu�gelenke rum und dann verknotete ich es hinter ihren Kn�cheln doppelt. Nun waren auch Sassis F��e zusammen gefesselt. Ich stand auf und schaute mir meine s��e Gefangene an. Saskia stand blo�f��ig auf dem Steinblock, die F��e zusammengebunden und die zusammengebundenen H�nde weit �ber ihren Kopf hochgestreckt. Sie trug nur einen moosgr�nen Bikini. Ich konnte sehen, dass ihr Bauch ein bisschen nach innen eingefallen war und ihre Rippen vorstanden, weil ihr schmaler K�rper so stark �berstreckt war. �Ich lass dich ein bisschen so stehen“, sprach ich leise und l�chelte ihr zu. Sie l�chelte zur�ck. �Ja Chris. Und dann rollst du den Stein weg, gell?“
53. Teil) (f�r Ramonika)
In Graf Schnurs Apfelgarten . Nach einer Weile ging ich zu Saskia: �Ich nehme jetzt den Stein weg, Sassi. Sag aber, wenn du nicht mehr kannst, ja?“ Sie nickte eifrig: �Ja Chris.“ Von Aufh�ren oder nicht mehr k�nnen stand nichts in ihren Augen. Sie l�chelte mich an, voller Neugier diese bislang unbekannte Fesselung zu erproben. Ich l�chelte zur�ck und ging in die Knie. Ich hielt ihre zusammengebundenen F��e fest und hob sie leicht an. Dann rollte ich den Stein weg und lie� Saskia frei an ihren H�nden h�ngen. Das Seil knarrte leise und Sassi wurde noch mehr gestreckt. Ich holte mir zwei Paar Handschellen und tappte zu einem der B�ume in der N�he. Zuerst legte ich mir Handschellen an die Fu�gelenke. Dann kniete ich mich hin, mit dem Bauch gegen den Baumstamm und umfasste ihn. Ich kam vorne grade so drum herum. Mit einigen Verrenkungen legte ich mir die Handschellen mit dem �Schl�ssel am Schn�rchen“ an. Klick-Klick-Krick-Krick! Nun war auch ich �hilflos angekettet“. Um Saskia zu sehen, musste ich ein bisschen um den dicken Baumstamm herum schauen. Die Rinde kratzte an meinem Bauch und an meiner Brust. Ich versuchte mir vorzustellen, dass ich mich nicht selbst befreien konnte. Saskia hing ganz still an ihrem Ast. �Tut es weh?“ fragte ich. Sie sch�ttelte den Kopf, was nicht leicht war, da ihre nach oben gereckten Arme rechts und links am Kopf anlagen. �Es tut nicht weh. Es zieht nur sehr stark in den Armen und Schultern.“ Sie streckte den Kopf nach hinten und lie� ihr Haar nach unten h�ngen. �Aber wenn ich lange genug so gefesselt bleibe, tut es bestimmt weh“, sprach sie leise. �Irgendwann kann ich es nicht mehr aushalten.“ Ich warf einen Blick auf ihre nackten, zusammen gebundenen F��e. Sie schwebten rund zwanzig Zentimeter �ber dem Boden. Sie konnte die Zehen noch so sehr nach unten strecken, sie hatte keine Chance, sich am Boden abzust�tzen. Ich musste ein wenig lachen. Sie schaute mich fragend an: �Was ist Chris?“ �Du h�ngst an einem Apfelbaum Sassi. Keine Ahnung, wie ausgerechnet ein Apfelbaum auf diese Insel geraten konnte.“ Alles andere rundherum waren Waldb�ume. �Vielleicht hat ihn ein Kind angepflanzt“, vermutete Saskia. �Oder der Zufall wollte, dass wir ihn dieses Jahr entdecken. Im Sp�tsommer k�nnen wir hinaufklettern und �pfel essen.“ Im Sp�tsommer! Ich dr�ckte mich fest gegen meinen Baum, umarmte ihn gewisserma�en. Im Sp�tsommer! Sassi! Sassi und ich! Zusammen! Ich musste daran denken, wie schrecklich ich mich gef�hlt hatte, als Winters fortgezogen waren. Und nun lag ich in Handschellen auf Knien und betrachtete meine kleine Freundin Saskia, die an den H�nden aufgeh�ngt am Ast eines Apfelbaumes hing. Das h�tte ich mir nicht tr�umen lassen, als ich damals in ihr Zimmer getrampelt kam und ihr Glaspferd kaputt machte. Saskia l�chelte mir zu. Ich sah die Furcht in ihren Augen…
…wie lange w�rde sie das aushalten? Christian hatte schon Probleme, ruhig zu knien, so sehr taten ihm die schweren Eisenb�nder weh, mit denen er gewaltsam an den Stamm des alten Apfelbaumes gekettet war. Der Stamm war so dick, dass die H�scher von Graf Schnur seine Arme mit roher Gewalt nach vorne hatten ziehen m�ssen. Christian war so fest gegen den Stamm gepresst, dass er kaum Luft bekam. Als w�re das nicht genug, hatten ihm Graf Schnurs Leute auch noch Fu�angeln angelegt. Als h�tte er auch nur im Geringsten eine Chance zur Flucht! Au�erdem w�re er nie im Leben ohne Saskia geflohen! Graf Schnurs Diener Schnurbert hatte den Soldaten die Anweisung erteilt, die neuen Fu�angeln zu benutzen. Sie waren verstellbar. Man konnte die breiten Eisenb�nder sehr eng einstellen. Die Eisen dr�ckten stark auf Christians Kn�chel. Aber das war Schnurbert nicht genug. Mithilfe von kleinen Stellschrauben drehte er nun die Hand und Fu�fesseln des Jungen immer enger zusammen, bis der vor Schmerzen fast aufschrie. �Das wird deine Zunge l�sen, du Dieb“, giftete der Diener. Er schaute zu Saskia hin�ber, die an den H�nden an einem Apfelbaum aufgeh�ngt war. Die Unmenschen des Grafen hatten ihr ein gro�es schweres Eisengewicht an die F��e geh�ngt, so dass sie unnat�rlich stark gestreckt war. Sie rang keuchend nach Atem und st�hnte gotterb�rmlich, weil es so wehtat. Graf Schnur stapfte unter den Apfelb�umen herum. �N�n? M�chtet �hr n�cht �ndlich gest�hen? W�r hat �ich ges�gt, dass die �pfel in meiner Pl�nt�ge viel fr�her reifen als drau�en bei den Bau�rn? N�mand k�nnt den geh�imen Z�uber, m�t d�m �ch d�s mache! R�det �ndlich, �hr m�ssrat�n�n K�nder!“ Der Graf stakte w�tend umher. Er lie� sich nicht gerne seine �pfel wegfressen, schon gar nicht von daher gelaufenen Bettelkindern in Lumpen. Allerdings war seinem Diener Schnurbert aufgefallen, dass der Junge und das M�dchen beide das gleiche Muttermal auf der Schulter trugen und der K�nig von Kettingen hatte befohlen, ihm solche Kinder sofort zu melden. Es hie�, der Spinnend�mon Hakylos sei hinter den Kindern her. Genaueres wusste niemand. Das der K�nig zuf�llig in einem nahen Dorf Rast im Gasthof machte, bevor er seine Reise durch sein Reich fortsetzte, hatte der Graf nach ihm schicken lassen. �L�s! R�det!“ blaffte der Graf die wehrlos festgebundenen Kinder an. �W�s w�st �hr �b�r eure Muttermale?“ �Wir wissen �berhaupt nichts“, jammerte Saskia. �Bitte! Nehmt das schreckliche Gewicht an meinen F��en ab, bitte! Ich kann bald nicht mehr, und ich habe so Durst. Bitte ein wenig Wasser!“ �D�s k�nnte d�r so p�ssen“, grollte Graf Schnur. ��rst s�gst du m�r die Wahrh�it! Und �ch w�ll w�ssen, wie �hr in meine geheime Pl�nt�ge reingek�mmen s�id!“ �Wir sind direkt aus dem Wald hineingestolpert“, rief Christian verzweifelt. Die Schmerzen in seinen Gelenken waren schlicht unertr�glich. Die Eisen waren schrecklich fest zugedreht. Er gab sich gr��te M�he nicht einfach loszuheulen. Sollte sich der Graf seine Apfelplantage doch an den Hut stecken (oder wie Onkel Tr��t sagen w�rde: in ein gewisses K�rperteil weiter hinten…)! Pferdegetrappel n�herte sich. Schnurbert kam an gerannt: �Herr Graf! Herr Graf! Der K�nig kommt! Seine Hoheit King Karl von Kettingen!“ Der Reitertross hielt vor dem Grafen. Der Edelmann verbeugte sich tief vor seinem K�nig: ��ch gr��e �ich durchlaucht�gste H�heit. Wie beliebt �s �ich zu g�hen w�rter King Karl?“ Der K�nig wedelte mit der Hand: �Wos reds denn wieda so gschwolln Graf? Sanns doch ned imma so f�rmlich, gell?“ King Karl betrachtete die beiden Kinder. Sein Blick ruhte wohlgef�llig auf dem in Eisen liegenden Christian. �A schauts! Den Buam habts aber schee in Eisn glegt.“ Er begutachtete die am Apfelbaum h�ngende Saskia: �Aba des Dirndl des h�tts doch auch so einkleidn k�nn! A elende Schnur! No jo, so seids Ihr halt werter Graf. I denk, i sitz amoi ab. Dominik komm ha! Gschwind du Schnapss�ffa du elendiglicha.“ Dominik der Reiterbursche kam heran gewieselt und half King Karl vom Gaul. Der K�nig schaute sich in der Runde um: �Scheen Goartn habts da Graf. S hat doch wohl kona Elefantn hier?“ Graf Schnur verbeugte sich tief. �Nein King Karl. �s ist v�llig �nge�hrlich f�r �ich Majest�t.“ Es war im ganzen K�nigreich Kettingen bekannt, dass King Karl eine Vorliebe f�r eiserne Fesseln hatte und er war v�llig furchtlos. Er hatte mit eigenen H�nden einen Drachen in Ketten gelegt und ins Verlies geworfen. Aber eines f�rchtete er wie sonst nichts auf der Welt: Elefanten! Der K�nig hatte in seinem ganzen Leben noch nie einen Elefanten gesehen, doch hatte man ihm gesagt, der Elefant sei das Tier mit den gr��ten Z�hnen der Welt. Und weil K�nig Karl in jungen Jahren einmal b�se von einem gro�en Hund in den Arsch gebissen worden war, was ihm gar schlimmerhaftige Schmerzen arschbackigerseits bescherte, so lebte er in der best�ndigen Angst, ein Elefant k�nnte auftauchen und seine riesigen Z�hne in seinen hochdurchlauchtigsten Podex graben. Wo immer er sa� und stand hielt der K�nig nach Elefanten Ausschau, doch bislang hatte das Reich Kettingen kein solches Tier gesehen, so dass niemand wusste, wie denn ein Elefant wirklich aussah. Was die best�ndige Angst des K�nigs eher noch verst�rkte. King Karl reichte Graf Schnur huldvoll die behandschuhte Hand. Sein Blick fiel auf seinen Reiterburschen. �Dominik! Du verfluachta Saubua! Heerst auf der Stelle auf, den Dimpel zu saufn! Des Zeigs ist zum Abreibn von die G�ul! Zum Des-in-fi-zieren du damischer Hirsch! Des sauft ma doch ned! Trink a gscheits Bier du Dummschlunz!“ �Ja wenn’s mir aber so schmeckt Herr K�nig bittesch�n“, erwiderte der Dominik mit einem seligen Grinsen im Gesicht und h�ngte sich die Dimpelflasche gleich wieder an den Hals. �Unds desinfiziert innerlich. Das h�lt gesund Majest�t.“ King Karl nahm die beiden Gefangenen in Augenschein. W�hrend der gesamten Unterhaltung hatten Saskia und Christian H�llenqualen gelitten. Saskia hing schon so lange am Apfelbaum, dass sie vor Schmerzen anfing zu weinen. �Bist sicher Graf, dass des die zwoa Kinder san, die wo der elende Dreckhund von einm Spinnend�mon ham wui?“ fragte King Karl. �Jawohl Maj�st�t“, erwiderte Graf Schnur untert�nigst. �S� tragen alle b�ide d�s Mutterm�l auf d�r Schult�r. S�ht doch n�r!“
54. Teil) (f�r Ramonika)
Im Apfelgarten
Graf Schnur pr�sentierte die Muttermale auf den Schultern der beiden gefesselten Kinder. �Da s�hen S� n�r Maj�st�t.“ King Karl war entz�ckt. �Sakra! Des sann d Zeichn. S wird an scheen Haufn Gold vom Spinnendreckbua gebn. Der muss zoin und zwar ned z knapp! Wann i nur wisst, wos des z bdeutn hat! Wieso jagt der dene zwoa Kinder so nach? S muss was z bedeuten ham.“ Er schubste der an den H�nden aufgeh�ngten Saskia feste in den R�cken: �Wuist ma des ned sogn Dirndl?“ Saskia schrie vor Schmerz auf. Das gro�e Eisengewicht unter ihren F��en hatte sie so schlimm gestreckt, dass ihr die kleinste Ber�hrung wehtat. �Ich wei� doch nichts, Herr K�nig“, keuchte sie unter Qualen. �Ich wei� wirklich nichts. Ich bin nur ein einfaches Bettelkind. Bitte lassen Sie mich frei. Ich halte es nicht mehr aus. Meine Arme tun so weh!“ King Karl ging zu Christian hin�ber, der mit dem Bauch gegen den Baumstamm gekettet war. �Und du Bua? Bist breit z redn? Dann lass i di aussi.“ �Ich wei� genauso wenig wie Saskia“, presste Christian unter Schmerzen hervor. �Herr Graf“, sprach der K�nig. �Schn�rb�rt!“ rief Graf Schnur. Sein widerlicher Kinderqu�lerdiener kam freudig angewieselt. �Zu Diensten, Herr Graf!“ Graf Schnur machte mit der Hand eine drehende Bewegung. �Sehr wohl Herr Graf.“ Schnurbert grinste geh�ssig. Er b�ckte sich und drehte die Stellschrauben an Christians Handfesseln weiter zu. Der Junge schrie vor Schmerz. �Aufh�ren! Aufh�ren! Bitte! Ich wei� doch nichts.“ Tr�nen schossen ihm in die Augen. �Na des sann vei zwoa Stursch�deln!“ entr�stete sich King Karl. �Lassts die amoi l�ngr h�ngn und knien. Die wern scho mit uns redn. Der gr�fliche Diener soll des Eisngstell an die Fia� vom Buam noch a St�ckl fester zudrehn.“ �Mit dem allergr��ten Vergn�gen Majest�t.“ Schnurbert drehte Christians Fussfesseln enger, bis der Junge aufschrie. King Karl schaute auf seine goldene Taschenuhr. �In a poar Minutn sanns soweit. Dann redns scho von allan. Und wann ma alles wissen, nehm i die Kinder mit und steck sie in mei Verlies. In Eisn glegt wie sich des gheerd!“ Vielleicht h�tte der eis(en)kalte Monarch Recht behalten. Christian litt H�llenqualen. Die Eisenfesseln pressten seine Hand und Fu�gelenke grausam zusammen. Er h�tte nur zu gerne geredet, h�tte er gewusst, was er denn sagen sollte. Aber er hatte keine Ahnung, was die Muttermale auf seiner und Saskias Schulter zu bedeuten hatten. Ebenso ging es Saskia. Sie hing weinend am Apfelbaum. Die Fesseln schnitten grausam in ihre Handgelenke und das schwere Eisengewicht unter ihren F��en streckte sie so furchtbar, dass ihr der ganze Leib schmerzte. Oh wie gerne h�tte sie alles, alles, alles gesagt! Aber auch sie wusste nicht, um was es ging. Sie konnte nur weinen und um Gnade betteln. Ein g�tiges Schicksal schien Mitleid mit den beiden gequ�lten Kindern zu haben, denn just in diesem Moment, als sowohl Saskia als auch Christian kurz davor standen, laut loszuheulen, kam ein gar seltsames Wesen herbei gelaufen. Eine Kreatur, wie man sie noch nie zuvor gesehen hatte, trottete in den geheimen Apfelgarten von Graf Schnur. Das unheimliche Tier trug ein langes, gar zottiges Fell. B�se gelb-schwarze Augen musterten misstrauisch die Umgebung. Und es trug lange gebogene H�rner auf dem Kopfe. Wahrhaft ein gef�hrlich aussehendes Wesen. King Karl zuckte beim Anblick der Kreatur erschrocken zusammen: �Jo mei! Wos iss denn des f�r a Viech? So aans hab i noch nie gsehn.“ ��ch w�i� n�cht Maj�st�t“, stotterte Graf Schnur, der das fremdartige Tier nicht kannte. Christian erkannte die �Bestie“. Sie und ihresgleichen lebten in der Heide, wo sie die Erikab�sche abweideten und Gras fra�en. Es war eine Heidschnucke, eine ziemlich gro�e. Auch Saskia erkannte das Tier. �Wos is des denn nun?“ quakte King Karl misstrauisch. Saskia ergriff die sich bietende Chance. �Oh mein Gott! Ein ELEFANT!“ schrie sie mit sich �berschlagender Stimme. �Wos? An Ele…“ Mit King Karl ging eine erstaunliche Wandlung vor. Der eher beh�bige Monarch von Kettingen machte vor Schreck einen Luftsprung, welcher ihn in weniger als einer Sekunde auf einen breiten Ast eines Apfelbaumes brachte. Er stie� mit dem hochwohlgeborenen Kopfe gegen einen Ast weiter oben, worauf seine goldene Krone in jenem Aste stecken blieb und der Monarch ein gar d�mmliches Gesicht aufzusetzen beliebte. Die Soldaten des K�nigs rannten schreiend vor Angst von dannen, ebenso Graf Schnur. Nur sein Diener Schnurbert war vor Schrecken ganz und gar erstarrt. Er konnte sich nicht von der Stelle r�hren. Stattdessen zog er es vor, sich die Hosen vollzupieseln. �Um Himmls Wuilln! An ELEFANT! M�nner! Herbei! Rettets mi!“ kreischte King Karl, au�er sich vor Angst. Doch seine tapferen Mannen hatten das Weite gesucht und allem Anschein nach auch gefunden. Verzweifelt schaute sich der Monarch um: �Ein Beutl Gold f�r den, der wo mia s Lebn rettn duat! Vasprochn! So helfts doch!“ Der �Elefant“ kam n�her und schaute neugierig zu dem angstschlotternden K�nig hoch. Anscheinend fand das Ungeheuer etwas Interessantes am linken Schuh des K�nigs, denn es richtete sich auf die Hinterbeine auf und versuchte, danach zu schnappen. King Karl br�llte wie am Spie�. �H�lfe! So helfts mir doch! Bei meiner Seel! I wui ned sterbn!“ �Kein Mann kann gegen den schrecklichen Elefanten angehen“, rief Christian, einer inneren Eingebung folgend. �Nur unschuldige Kinder k�nnen sich ihm gefahrlos n�hern. Der Elefant sieht in ihnen keine Feinde. Erwachsene aber wird er erbarmungslos auffressen.“ �Oh du liaba Himmi!“ schrie King Karl. �Helfts ma doch, Kinder. I wui euch freilossn!“ Er nahm Schnurbert aufs Korn: �Du da! Diener!“ Schnurbert stand wie erstarrt. King Karl riss einen dicken Apfel ab und warf ihn Schnurbert an den Kopf: �Aufwochn du Bl�dmensch!“ Doch der Schnurbert r�hrte sich nicht vom Fleck, weil er war noch nicht mit Hosenvollpieseln fertig. Stattdessen kam der Reiterbursche Dominik herbei. �Wasn hierlos?“ fragte er mit schwerer Zunge. Er hatte eine Dimpelflasche dabei. �Pass auf Dominik! A Elefant!“ �Ach du Schiete!“ murmelte der Dominik. �Moch auf d Stelln die zwoa Kinder los!“ greinte King Karl. �Der Diener vom Grafen hot die Schl�ssln.“ �Na wenn’s sein muss Majest�t“, brummte der Dominik. Er holte die Schl�ssel aus der Tasche des stocksteif da stehenden Schurbert. �Die da?“ �Jo welche denn sonst Bua!“ rief der K�nig verzweifelt. Wieder schnappte das entsetzliche Untier nach seinen F��en. �Beim heilign Sankt Johann! Mach hie Dominik! Mein Lebn iss in h�chstr Gfahr! I wui dia auch an Lebn lang jedn Tog a Flascherl Dimpel zoin!“ Das machte dem Dominik Beine. Hurtig schloss er Christians Hand- und Fu�angeln auf. Dann wetzte er zu Saskia, nahm ihr zuerst das Gewicht ab und knotete sie dann frei. Die zwei Kinder sa�en weinend am Boden und rieben sich die schmerzenden Gelenke. Das Monster mit den H�rnern schnappte erneut nach dem Monarchen. �Bittschee Kinder, k�nnts ned endlich des grauenhafte Viech wegnehma?“ jammerte der K�nig. �Da habts an Beutl voller Gold.“ Er warf den Bettelkindern einen Beutel voller Goldm�nzen zu. �Bitte liaba Bua und liabes Dirndl!“ Der K�nig fing an zu heulen. �Schaffts doch bittschee die firchterliche Bestie hinweg. I fleh euch an. Bittee!“ Christian und Saskia zwinkerten sich zu. Sie nahmen den Beutel und dann packten sie die Heidschnucke rechts und links bei den H�rnern. �Schon gut lieber Elefant“, sprach Saskia sanft. �Wir gehen jetzt fein spazieren, gell?“ Von der Kinderstimme beruhigt lie� sich die Heidschnucke willig fortf�hren. �Schaffts die Bestie zruck in den Wald bittschee!“ kreischte King Karl hinter ihnen her. �Jo mei! Hob i a Angschd!“ �Wir werden das Untier weit fortf�hren Majest�t“, versprach Christian. Er und Saskia mussten sich mit aller Gewalt ein Lachen verbei�en. �Dank euch schee liabe Kinder“, greinte der Monarch hinter ihnen her, w�hrend Saskia und Christian unbehelligt von dannen zogen, den schrecklichen �Elefanten“ an den H�rnern f�hrend.
55. Teil) (f�r Ramonika)
Insel-Indianer
Wir gingen dann erst mal schwimmen, weil Saskia die Arme vom langen H�ngen wehtaten. Danach legten wir uns in die Sonne, bis wir trocken gebraten waren. Aber schon bald stand Sassi auf und untersuchte die B�ume rund um die Kuhle. Eine dicke Eiche hatte es ihr angetan. �Hier m�chte ich an den Marterpfahl gefesselt werden“, verk�ndete sie. �Da passen deine Arme nicht drum herum“, hielt ich dagegen. �Das ist ja das Sch�ne“, fand sie. �Wir haben genug Schnur.“ Nun denn. Ich holte Seil, und Saskia stellte sich mit dem R�cken gegen den Stamm. Sie reckte ihre Arme nach hinten, wobei sie kaum um den halben Stamm herum kam. Ich umwickelte ihre Handgelenke mit je einer k�rzeren Schnur. Nach f�nf Windungen machte ich einen Doppelknoten. Dann zog ich die Enden der kurzen Stricke hinter dem Baumstamm zusammen, um sie miteinander zu verbinden. �Zieh ruhig fest“, bat Saskia. �Damit ich auch sp�re, dass ich festgebunden bin.“ Ich zog also richtig feste zu, bevor ich die Stricke hinter dem dicken Stamm verknotete. Dann kniete ich vor Saskia und fesselte ihre nackten F��e aneinander. Mit den �berstehenden Seilenden reichte ich gerade so um den Stamm rum und band sie hinten zusammen. Das war Sassi aber noch nicht genug. Ich musste weitere Seile anschleppen und sie unten beginnend fest gegen den Baumstamm fesseln. Sie wollte die Stricke so stramm, dass sie sich nicht mehr r�hren konnte. Ich legte die Seile um ihre Unterschenkel unterm Knie, dann um die Oberschenkel, dann um die H�ften, dann �ber die H�ften wie einen G�rtel und noch drei Windungen oben rum, immer weiter hochsteigend, bis das Seil ihre schmalen Schultern gegen den Baum presste. Ein letzter Knoten und Saskia war bombenfest an den Baum gefesselt. Sie lachte mich an: �Das ist ein tolles Gef�hl. Ich kann mich �berhaupt nicht r�hren. Schade, dass du nicht auch so angebunden sein kannst. Dann w�ren wir gemeinsam gefesselt.“ Ich hatte eine Idee. Mit zwei Stricken suchte ich mir einen d�nneren Baumstamm neben Saskia aus. Ich hockte mich in den Sand und fesselte meine blo�en F��e aneinander. Drei Windungen um beide Fu�gelenke herum, einmal zwischen den F��en durchziehen, noch zweimal um die Kn�chel rum und gut festbinden. Fertig war eine Fu�fesselung, aus der ich mich unm�glich von allein befreien konnte. Ohne Hilfe meiner H�nde w�rde ich die F��e da nicht rauskriegen. Ich stand auf und h�pfte zu meinem Baum. Mit dem R�cken lehnte ich mich an und verknotete das andere St�ck Seil zu einem kleinen Ring. Ich streckte die Arme nach hinten und schl�pfte mit den H�nden in den Seilring. Dann verdrehte ich die rechte Hand, so dass der Seilring zu einer Acht wurde und sich dabei sehr fest zusammenzog. Zwar konnte ich von allein wieder heraus schl�pfen, aber die Illusion war fast perfekt. Ich l�chelte Saskia zu. Wir waren nebeneinander an zwei B�ume gefesselt. Sie l�chelte zur�ck. Eine Weile stand sie still. Dann begann sie sich zu winden in dem Versuch, ihren Fesseln zu entkommen. Sie strengte sich m�chtig an, sie zog und zerrte und sie zappelte so weit die engen Fesseln das zulie�en. Nat�rlich kam sie nicht aus ihren Stricken raus, aber die k�mpfte mit Elan weiter. Es sah sch�n aus, wie sie sich M�he gab, ihre Fesseln loszuwerden. Sie geriet ins Schwitzen. �Puh! Ich komme nicht raus!“ st�hnte sie und h�rte auf. Ich tat auch so, als wollte ich mich befreien. Wenigstens mit den F��en konnte ich genauso wild rummachen. Ich dachte, dass ich vielleicht mit einem Fu� aus der Fesselung herausschl�pfen k�nnte, doch so sehr ich mich auch anstrengte, ich schaffte es nicht. �Wir sind verloren“, sprach ich und tat ganz niedergeschlagen. �Wenn die Indianer zur�ckkommen, werden sie uns martern. Dann ist es aus.“ Ich schaute zu Saskia hin�ber. Wie lieb sie aussah, so hilflos an den Baum gebunden! �Es sei denn, du singst uns frei.“ Sie schaute mich an. �Weil, wenn du singst, l�sen sich die Knoten von selber“, sprach ich todernst. Ich schaute Saskia bittend an: �Sing Sassi. Bitte sing.“ Und bevor mich der Mut verlassen konnte, hauchte ich noch schnell ein �Ich hab dich lieb Sassi“ zu ihr hin�ber. Sie wurde knallrot und schaute zu Boden. �Ist das wahr?“ fragte sie leise. Ich nickte heftig: �Ja Sassi. Ich hab dich echt lieb.“ Sie schaute mich so ernst und liebevoll an, dass mir richtig schwummerig wurde. �Ich dich auch Chrissie!“ Dann hob sie den Kopf und begann mit ihrer glockenhellen Stimme zu singen: �Under der linden an der heide da unser zweier bette was da muget ihr finden schone beide gebrochen bluomen unde gras vor dem wald in einem tal tandaradei schone sanc die nahtegal“ Es war eins von den Liedern von Onkel Tr��ts Mittelalter-CD und wie Saskia es sang, war es so sch�n, dass es mir fast die Kehle zuschn�rte. Schade, dass keiner sie auf einer Fl�te dazu begleitete. Aber auch so war es sehr anr�hrend. Ich kriegte von oben bis unten eine G�nsehaut. Die sang das ganze Lied. Danach standen wir eine Weile still an unseren B�umen und lauschten dem Pl�tschern der Wellen an den Strand unserer Insel und dem sanften Rauschen des Windes in den Baumkronen �ber uns. Gerne w�re ich noch l�nger gefangen gewesen, aber der �Zauber“ wirkte und ich musste meine Handfesseln l�sen. Mit dem Aufknoten meiner Fu�fesselung lie� ich mir Zeit. Immer wieder schaute ich zu Saskia hin�ber, wie sie im Bikini an den Baum gebunden stand, von den festen Stricken an den Stamm gepresst, den Blick in weite Fernen gerichtet, unserer hiesigen Welt v�llig entr�ckt. Am liebsten h�tte ich sie so stehen lassen!
56. Teil) (f�r Ramonika)
Saskia wird gemartert
Mir kam eine wunderbare Idee. ICH hatte es geschafft, mich zu befreien, aber just als ich meine Stricke los war, kamen die verdammten Roth�ute zur�ck. Ich konnte nur Hals �ber Kopf fliehen. �Ich rette dich Saskia!“ rief ich. �Ich muss nur mein Gewehr holen.“ �Ich hab so Angst, Chris!“ rief Sassi verzweifelt. �Sie werden mir schreckliches antun! Man wird meine Schreie �ber die ganze Pr�rie h�ren! Rette mich! Bitte!“ Schreie �ber die ganze Pr�rie? Ja ich wollte sie schon ein bisschen �martern“. Laute Schreie w�rden aber m�glicherweise unerw�nschten Besuch herbei locken. Drum w�hlte einer der Indianer, ein fetter Koloss mit dem Namen �Drei B�uche“ in unserem Rucksack. Neben Futter, Gluck-Gluck und Seilen befand sich dort mein Pfadfinderhalstuch und ein Taschentuch von Saskia. Sie schaute mich mit gro�en Augen an, als ich damit auf sie zukam. �Wirst du mir wehtun?“ fragte sie �ngstlich. Ich sch�ttelte den Kopf: �Nein Sassi. Nur ein bisschen piesacken. Es tut nicht weh, aber Kitzeln bring dich zum Lachen und du k�nntest zu laut quietschen.“ Ihre Augen weiteten sich vor Schreck: �Kitzeln? So wie B�rbele?“ Sie schluckte hart. �Das halte ich nicht aus.“ �Doch du h�ltst es aus“, sagte ich leise. �Mund auf!“ Sie �ffnete brav den Mund und ich stopfte ihr das zusammen gekn�llte Taschentuch hinein. Dann legte ich das Dreieckstuch zusammen, umwickelte ihren Kopf und band es vorne �ber ihrem leicht ge�ffneten Mund zusammen. Ihre Augen wurden gleich noch gr��er. �Schrei mal!“ verlangte ich. �Mmpf!“ machte Saskia. �Richtig laut!“ bat ich. �Mmmmmh!“ Mehr als ein St�hnen und Fiepen brachte sie nicht heraus. Perfekt! Nun konnten die gemeinen Indianer ihre Gefangene nach Lust und Laune martern! Es waren echte Schurken: Drei-B�uche, Wanst-wie-ein-Bisonbulle und Rasende-Wampe. Wanst-wie-ein-Bisonbulle war zu faul zum Stehen. Er legte sich Saskia zu F��en – im wahrsten Sinne des Wortes. Er zupfte einen Grashalm aus und begann in aller Seelenruhe, in ihren Zehenzwischenr�umen herum zu stochern. Saskia quiekte laut auf und versuchte, ihre blo�en F��e vor dem Grashalm in Sicherheit zu bringen, aber sie war derma�en fest an den Baum gefesselt, dass sie absolut nichts tun konnte. Sie konnte nur ein bisschen mit den Zehen wackeln oder die Zehen im Sand verkrallen. Sie warf den Kopf hin und her, und sie fiepte gotterb�rmlich, doch Wanst-wie-ein-Bisonbulle kannte keine Gnade. �Mmmh! Mmmh! Gmminng!“ machte Sassi und zerrte an ihren Fesseln. Da ich selber auch kitzelig war, konnte ich mir gut vorstellen, was sie f�hlte. Es tat nicht weh, aber es tat auch nicht gut. Es war schlicht zum Aus-der-Haut-fahren! Abwechselnd kitzelte ich beide F��e und lie� meine s��e Gefangene ordentlich quieken und mmpfen. Sie kriegte vom unterdr�ckten Lachen einen roten Kopf, �hnlich wie B�rbele am Tag zuvor. Das brachte mich auf eine Idee. Wanst-wie-ein-Bisonbulle war von der Marter derma�en �beranstrengt, dass ihm der schwere Grashalm aus der Hand fiel und er beinahe in Ohnmacht fiel. Daf�r �bernahm nun Drei-B�uche die weitere Folter der kleinen wei�en Squaw. Ich stand auf und schaute Saskia an. Sie war immer noch rot im Gesicht und ganz verschwitzt vom Zappeln und sich Winden. Sie fiepte �ngstlich und sch�ttelte den Kopf. �Drei-B�uche wird dich nun martern“, sprach ich und schaute m�glichst b�se drein. �Nn-nn!“ schrie Sassi in ihren Knebel. Sie schaute mich flehend an. �Mmmpf! Gmmf! Gnnn!“ Ich fasste mit den Fingern nach ihren Rippen. Sie quiekte ganz laut und sch�ttelte den Kopf. �Gmm! Gmm! Nn-nn!!! Mmmmmpf!“ Ein bisschen tat sie mir leid, aber sie hatte es ja so gewollt, oder? Ich begann sie zu kitzeln. Saskia b�umte sich in ihren Fesseln auf. Obwohl sie bombenfest an den Baum gebunden war, wand sie sich wie ein Aal. Sie zuckte und ruckte. Sie versuchte sich zu drehen, um meinen kitzelnden Fingern zu entkommen. Die ganze Zeit schrie und quietschte sie laut in ihren Knebel. �Mmmh! Mmh! Mmmmmmh!“ Sie wand sich aus Leibeskr�ften. Schwei� rann ihr aus dem Stirnpony. �Mmmpf! Gmmm! Gnnimmm!“ Ich h�rte erst auf, als sie dunkelrot im Gesicht war. Schnell nahm ich ihr den Knebel ab, damit sie mir nicht erstickte. �Nichtmehrnichtmehrnichtmehr!“ flehte sie keuchend. �Nicht mehr kitzeln Chris! Bitte!“ �Ist gut. Deine Marter ist vorbei. Ich habe die Roth�ute abgeknallt“, sagte ich gutm�tig. Ich l�chelte sie an. �Du wolltest ja.“ �Gott! War das furchtbar“, st�hnte sie. �Es ist entsetzlich, gekitzelt zu werden, wenn man sich nicht r�hren kann. Ich dachte, die Stricke w�rden mich zerrei�en. Uff! Jetzt bin ich aber platt!“ Ich griff nach ihr. Augenblicklich schrie sie auf: �Nein! Nicht mehr kitzeln Chris!“ �Ich kitzel doch nicht“, beruhigte ich sie. �Ich mache nur deine Fesseln los. Du hast so gezappelt, du schn�rst dir sonst noch das Blut ab.“ Ich begann sie loszubinden. Als ich unten bei ihren F��en war, zuckte sie zusammen. �Nicht kitzeln“, quietschte sie. �Du hast es versprochen!“ Ich gebe zu, ein bisschen reizte es mich, sie grad extra zu kitzeln. Grashalme waren genug da. Aber sie h�tte den ganzen See zusammen geschrieen. Ich band sie los. �Oh!“ machte Sassi und lie� sich gegen mich fallen. Wollte ich nicht umkippen, musste ich wohl oder �bel die Arme um sie legen. Was mir nat�rlich sehr gut gefiel. Sie lehnte sich an mich. �Manno! War das ein Durchgang!“ �Schlimm?“ fragte ich. �Ja“, antwortete sie. �Aber irgendwo hat es mir auch gefallen. Kitzeln ist eine geniale Folter. Aber heute nicht mehr!!!“ Ich musste lachen. �Lach nicht, sonst wirst du ausgepeitscht!“ sagte sie und schaute m�glichst grimmig. �Die Piraten kennen keine Gnade mit Kerlen, die sie ausgelacht haben!“ Die Idee war gar nicht mal so �bel, fand ich. Im Rucksack steckte Saskias d�nner Lederg�rtel. Damit sollte es gehen.
57. Teil) (f�r Ramonika)
Ausgepeitscht
Probeweise lehnte ich mich mit dem Bauch gegen Sassis dicke Eiche. �Das m�sste klappen.“ �Ist gut“, sagte Saskia. Sie wickelte vier Windungen Schnur um mein linkes Handgelenk und machte einen Knoten. Das gleiche tat sie dann an meiner rechten Hand. �Jetzt musst du dich mit dem Bauch gegen den Baumstamm dr�cken, Chrissie.“ Ich tat wie sie sagte. Ich stellte mich auf die Zehen und streckte die Arme um den Baum herum, schaffte es aber nicht, ihn ganz zu umarmen. Saskia trat hinter den Stamm. Sie nahm die Seilenden und zog die hinterm Stamm ordentlich zusammen. Sie machte einen Knoten und zog zu. Nun war ich sehr fest gegen den Baumstamm gepresst. Ich musste den Kopf zur Seite drehen. Die raue Rinde kratze an meinem Brustkorb. Ich lie� mich in die Fesselung sinken, bis ich auf meinen Fu�sohlen stand. Dadurch wurde der Zug auf meine Arme noch verst�rkt, was mir sehr gut gefiel. Saskia k�mmerte sich derweil um meine F��e. Sie hatte sich eine neue Fesselung ausgedacht: Sie legte ein Seil unten um dem Baumstamm herum – ungef�hr in H�he meiner Kn�chel – und machte es fest. An diesem Seilring befestigte sie meine F��e. Sie nahm sich erst den rechten vor. Sie wand ein Seil einmal um mein Fu�gelenk, f�hrte es hinter dem Seilring am Stamm durch und wand es wieder um meinen Kn�chel. Das tat sie f�nf oder sechs Mal, bis der Fu� fest verschn�rt war. Meinen linken Fu� band sie auf die gleiche Art an. Ich linste an meinem K�rper runter. Wenn ich den Kopf weit nach hinten drehte, konnte ich den linken Fu� erkennen. Ein ordentlicher Batzen Seil war ums Gelenk gewickelt und fest zugezogen worden. Ich war ziemlich feste angebunden, was mir aber gut gefiel. Es verst�rkte das Gef�hl des Ausgeliefertseins. Als Saskia den schmalen G�rtel aus dem Rucksack nestelte, bekam ich gewaltiges Herzklopfen. Ein bisschen f�rchtete ich mich, aber ich wollte das unbedingt mal ausprobieren. Ich WOLLTE, dass es ein kleines bisschen wehtat. Mit belegter Stimme teilte ich dies Saskia mit. �Ich probier dann mal“, sagte sie. �Aber nicht zu feste.“ Sie holte aus. Ohne es zu wollen, versteifte ich mich. Der G�rtel platschte m�de auf meinen R�cken. �Fester Sassi! Das habe ich �berhaupt nicht gesp�rt. Es hat eher gekitzelt.“ �Ja ich wei� doch Chris“, sagte sie sanft. �Ich kann aber nicht gleich volle Pulle hauen. Ich muss mich eingew�hnen. Sonst hau ich zu hart zu und verletze dich.“ Sie schlug mich ein paar Mal. Anfangs war nur ein sachtes Klatschen zu h�ren und es patschte leicht auf meinen R�cken. Ich trieb Sassi vorsichtig an. Sie schlug fester. Jetzt knallte der Lederriemen richtig auf meinen R�cken. Jedes Mal, wenn er traf, zuckte ich zusammen. Es f�hlte sich an wie ein Biss. �Au!“ schrie ich leise. �Wars zu feste?“ fragte Saskia besorgt. Sie kam zu mir und schaute mich aus gro�en Augen an. �Tut mir leid, Chris.“ �Nicht schlimm“, sagte ich. �Ich war mehr erschrocken, als dass es wehtat. Es ist meistens dann, wenn der Riemen um meinen Brustkorb rumsaust. Dann knallt die Spitze besonders hart gegen die Rippen. Mach ruhig weiter. Ich kann noch ein bisschen aushalten.“ Sie schaute mich an: �Wirklich?“ �Ja Sassi“, sagte ich und l�chelte sie an. Sie trat wieder hinter mich und �peitschte“ mich weiter aus. Nun hatte sie es drauf. Meistens lenkte sie die �Peitsche“ so, dass die Spitze mehr auf den R�cken klatschte statt sich um den Brustkorb zu wickeln. Das war auszuhalten. Ich trieb Saskia vorsichtig an. Und versank ein bisschen in meiner Phantasie. War ich auf einem Piratenschiff? Eher nicht. Die strenge Schule von Mister Brockenkotz gefiel mir besser. Man hatte mich bei irgendeiner Schandtat erwischt und nun wurde ich vor aller Augen �ffentlich ausgepeitscht. Ich wand mich zuckend unter dem klatschenden Riemen. Ich schrie (nat�rlich nur in Gedanken, aber das machte SPASS!). Ich zog an den Fesseln. Bei jedem neuen Schlag nahm ich mir vor, nicht laut zu schreien, aber Mr. Brockenkot war ein erfahrener Zuchtmeister und er schlug so hart zu, dass ich jedes Mal heftig zusammen zuckte und ich schreien MUSSTE. Ich sah vor meinem inneren Auge Sassi bei den anderen Kindern stehen, mit gro�en �ngstlich geweiteten Augen und ich betete, dass Mr. Brockenkotz mich nur auspeitschen w�rde. Denn wenn der brutale Mensch mich gezwungen h�tte, zu verraten, dass Saskia mit mir zusammen die Kartoffeln geklaut hatte, unter der Peitsche h�tte ich es gestanden. Aber Brockenkotz wollte nur schlagen. �Woah! Du kriegst ja Striemen!“ rief es von hinten und die Schl�ge h�rten auf. Ich lie� mich in die Fesseln sinken. Es tat gut, die angespannte Haltung lockern zu k�nnen. Im Verlauf der Auspeitschung hatte ich mich in den Fesseln verkrampft. Da wo mich die �Peitsche“ getroffen hatte, brannte der R�cken. Die Haut schien auf eine komische Art zu �brummen“. Ich sp�rte Sassis Hand federleicht �ber meinen R�cken streicheln. �Ich h�re jetzt lieber auf, Chris“, sagte sie. �Mehr trau ich mich nicht. Du hast wirklich Striemen gekriegt.“ �Gr�n und blau?“ fragte ich neugierig. �Nein, blo� ein bisschen rot. Die meisten gehen schon weg, aber ich h�re trotzdem auf.“ Allm�hlich breitete sich das Brennen �ber meinen ganzen R�cken aus und wurde zu einem �brummenden“ Gl�hen. Es war unheimlich warm. �Ist gut“, sagte ich. �Aber lass mich noch ein bisschen am Baum stehen, ja?“ Ich erz�hlte von meiner Phantasie. �Ja Chris. Ich geh mal nach unserem Boot gucken, ob das noch da ist.“ Sie lief weg. Ich h�rte das leise Tapsen ihrer nackten F��e auf dem Sand, dann war ich allein. Gen�sslich hing ich am Baumstamm. Die Handfesseln schnitten tief ein. Das wurde allm�hlich echt unangenehm. Auch die feste Fesselung an meinen Fu�gelenken tat mir weh, aber ich liebte das. Ich lehnte mein Gesicht an die rissige Borke des Stammes und ruhte mich aus, hilflos gefesselt im Wald. Ein herrliches Gef�hl, nicht loskommen zu k�nnen. Ich mochte dieses Ausgeliefertsein. Mit einem Mal war ich so was von gl�cklich, dass ich Sassis Glaspferd kaputt getrampelt hatte. Ich hatte eine liebe Freundin gefunden, die ich mehr als alles andere auf der Welt mochte und wir hatten unsere coolen Spiele. Nie h�tte ich mir tr�umen lassen, all diese Vorstellungen einmal in der Wirklichkeit zu erleben!
58. Teil) (f�r Ramonika)
Saskias Wunsch
Es dauerte eine Weile, bis Sassi zur�ck kam und zum Schluss begann ich, ungeduldig zu werden. Die Handfesseln zogen doch ziemlich streng an meinen Armen und dr�ckten mir den Brustkorb ab. Es war eine Sache, sich was vorzustellen und eine andere, es zu �erleiden“. �bertreiben wollte ich es ja nicht. Aber Sassi! Die wollte! Als sie mich losband guckte sie die ganze Zeit so komisch. Ich kann es nicht beschreiben. Sie hatte so einen Blick drauf, der mir durch und durch ging. Ich wusste sofort, dass sie innerlich an was knabberte. Ich reckte und streckte mich wohlig und rieb meine Hand- und Fu�gelenke, an denen die Stricke atemberaubende Spuren hinterlassen hatten. Auch Saskia bewunderte die Abdr�cke von den Seilen. Sie sagte aber nichts. �Du hast doch was Sassi“, begann ich vorsichtig. Sie guckte mich an; ein bisschen erschrocken, als h�tte ich sie bei was B�sem erwischt. �Sag doch!“ ermunterte ich sie. Da wurde sie rot und sch�ttelte den Kopf. Ich setzte mich auf den Boden, um bequemer an meinem Kn�cheln reiben zu k�nnen. Saskia trat hinter mich. Ich sp�rte ihre Fingerspitzen �ber meinen R�cken streicheln. �Da sind immer noch ein paar Striemen“, sagte sie. �Tut es weh?“ �Nein“, antwortete ich. �Es gl�ht und brummt.“ �Es brummt?“ Sie setzte sich neben mich und lehnte sich an mich: �Erz�hl mal!“ Also verklickerte ich ihr haargenau, wie sich die �Peitschenschl�ge“ angef�hlt hatten, von sanftem m�dem Klatschen bis zum scharfen Biss, wenn der Riemen sehr hart auftraf und man beinahe einen leisen Schrei losgelassen h�tte. Vom Gef�hl, wenn sich die G�rtelspitze um den Brustkorb legte und der Schlag dann besonders zog. �Da bleibt einem ein bisschen die Luft weg“, versuchte ich es zu beschreiben. Saskia schaute mich mit gro�en Augen an: �Tut es SO weh?“ Ich �berlegte. �Eigentlich nicht. Es ist mehr der Schreck. Man wei� ja nicht genau, wann der n�chste Schlag kommt. So weh, dass ich schreien oder heulen musste, tat es nicht. Das h�tte ich dir schon gesagt. Aber es war irgendwie aufregend. Es war so … so ECHT!“ �Man wei� nie genau, wann der n�chste Schlag kommt“, sprach sie leise und schaute mich wieder so seltsam an. Ich wurde nicht schlau aus ihr. �Was ist mit dir, Sassi?“ fragte ich. �Du hast doch was.“ Sie krabbelte auf meine ausgestreckten Beine, kniete sich �ber sie und legte mir ihre kleinen H�nde auf die Brust: �Schw�rst du, dass du nichts verr�tst?“ Sie schaute mich forschend an. �Ich schw�re“, antwortete ich. �Wir halten doch immer zusammen, Sassi.“ Sie wurde wieder rot. �Ich … ich …“ Sie rang nach Worten. �Ich will auch mal gepeitscht werden.“ Ich l�chelte sie an: �Ist das alles? Ist doch kein Problem. Klar, mach ich Sassi.“ Sie dr�ckte mir ihre H�nde fest auf die Brust und sah mich dr�ngend an: �Wehe du sagst jemand was!“ �Ich doch nicht“, entgegnete ich verbl�fft. �Wieso sagst du so was? Die ganze Zeit habe ich doch auch nichts gesagt.“ Sie senkte den Blick und wurde noch mehr rot. �Ich will wie bei Tante Tanja!“ Sie schluckte. Ich merkte, dass sie all ihren Mut zusammen kratzen musste und lie� ihr Zeit. Mit gesenktem Blick erz�hlte Saskia: �Ich war an Ostern dort f�r drei Tage. Irgendwann wurde ich unausstehlich. Es hat nur geregnet und ich war den ganzen Tag eingesperrt. Da bin ich eben frech geworden.“ Sie redete jetzt hastig, holte kaum Luft. �Ich habs �bertrieben und Tante Tanja hat mich gehauen. Mit dem G�rtel. Auf den Po und den R�cken. Nicht viel. Nur vier oder f�nfmal. Ich habe nat�rlich gebr�llt.“ Saskia machte eine Pause. Sie war feuerrot im Gesicht. Ich fasste ganz zart nach ihren kleinen H�nden, die noch immer gegen meine Brust dr�ckten. Pl�tzlich wurde mir klar, was sie wollte. �Und Sassi?“ fragte ich leise. �Mir kannst du es ruhig sagen. Ich erz�hle es niemandem.“ �Es hat mir gefallen“, fl�sterte sie hastig und dann vergrub sie ihr Gesicht in meiner Halsbeuge. Es war sehr hei�, ihr Gesicht. Sie atmete heftig. �Ich war w�tend“, fl�sterte sie. �Und emp�rt. Kinder hauen ist verboten. Was bildete die sich eigentlich ein, mich zu vertrimmen? Und ich hab gepl�rrt. So weh hat es nicht getan, ich habe mehr aus Wut gebr�llt.“ Ihr Gesicht lastete schwer auf meiner Schulter und ihre kleinen H�nde versuchten, sich an meiner Brust festzukrallen. Sie holte tief Luft. Dann richtete sie sich auf und sie blickte mir freim�tig in die Augen. Sie war noch immer knallrot. �Du kannst jetzt sagen, ich bin verr�ckt, aber hinterher hat es mir gefallen und ich muss seitdem immer wieder dran denken.“ Ihr Blick wurde trotzig: �So, jetzt habe ich es gesagt und du kannst allen sagen, dass ich bekloppt bin!“ Unter ihrem Trotz entdeckte ich eine Verletzlichkeit, die mir fast Tr�nen in die Augen trieb. �Du bist nicht bekloppt Sassi“, fl�sterte ich und streichelte ihre H�nde. �Ich habs ja auch ausprobieren wollen. Wenn du willst, dann haue ich dich ein bisschen.“ �Ich will aber ein bisschen fester“, sagte sie. �So fest, dass ich anfange zu heulen. Wenigstens ein bisschen. Ich will das ausprobieren. Ich denke immer daran, wie Tante Tanja mich vertrimmt hat.“ Ich musste schlucken. Was, wenn ich sie verletzte? In B�chern war davon die Rede, dass bei Auspeitschungen die Haut aufplatzte. Vor meinem geistigen Auge sah ich Saskia mit blutigem R�cken. Eine entsetzliche Vorstellung! Es in der Phantasie spielen war okay, aber in echt? �Wenn du mir den Mund zubindest, h�rt mich keiner schreien“, sagte sie hastig. Mir wurde ganz anders. Das konnte ich nicht! Saskia sah es mir an. �Nur ein bisschen Chrissie!“ bettelte sie. �Nicht wirklich brutal! Nicht so, dass ich gr�n und blau werde. Das will ich ja gar nicht. Davor habe ich Angst. Aber ein bisschen fester als bei dir.“ Sie schaute mich bittend an. �Du musst langsam anfangen, bis rote Striemen zu sehen sind. Wenn sie sofort wieder verschwinden, ist es zu sachte. Wenn man sie l�nger sieht, ist es richtig. Dann ist es so wie bei dir.“ Sie holte tief Luft. �Und dann schl�gst du f�nf oder sechsmal fester! Richtig feste! Dass es auf meinem R�cken knallt! Und nicht in gleichm��igem Takt. So wei� ich nie, wann der n�chste Schlag kommt.“ Sie fiel mir um den Hals. �Bitte Chrissie! Nur dieses eine Mal! Bitte!“ Mir schlug das Herz bis zum Hals. Eilig ging ich mein Erlebnis an der Eiche in Gedanken durch. Ja die festeren Schl�ge hatte ich schon deutlich gesp�rt. Ein wenig h�rter, �berlegte ich, und ich h�tte wom�glich kurz aufgeschrieen oder mir h�tte es eine Tr�ne ins Auge getrieben. Wenn ich es schaffte, genau ein klitzekleines bisschen fester zu hauen, nur ein winziges bisschen… �Du machst es, gell?“ fl�sterte mir Saskia ins Ohr. �Ja“, antwortete ich. �Und die Augen musst du mir auch zubinden“, verlangte sie und dr�ckte sich fest an mich. �Damit ich nicht sehe, wann der n�chste Schlag kommt.“ �Okay Sassi“, fl�sterte ich. Meine Kehle war staubtrocken. Saskia sprang auf: �Bind mich an, bevor mich der Mut verl�sst!“ Ich erhob mich steif. �Nicht an den Baum“, sagte sie. Sie deutete an den Rand der Kuhle: �An den Ast dort. Die H�nde �ber den Kopf gestreckt und an den Ast gebunden.“ Sie lief hin. �Und die F��e zusammen gefesselt!“ Ich holte Seile. Es ist nicht so schlimm, wie du bef�rchtest, sagte ich mir in Gedanken immer wieder. Es kann nichts passieren, wenn du scharf aufpasst. Das Schlimmste, was es geben kann, sind ein oder zwei blaue Striemen. Du musst eben ganz genau aufpassen! Nicht zu feste! Nicht zu feste!!! Saskia stellte sich unter den Ast und reckte die Arme hoch. Sie schaute mich lieb an: �Bind mich fest, Chrissie. Bitte.“ Sie packte den armdicken Ast. Die H�nde hielt sie in Schulterbreite voneinander. �Okay!“ Ich wurde ruhiger. Es konnte nichts passieren, wenn ich gut aufpasste. Ich legte mehrere Seilwindungen um ihre rechte Hand, dann um den waagrechten Ast. Ich lie� mir Zeit, achtete darauf, dass sie Fesselung straff genug war, um Saskia auch dann zu halten, wenn sie wie wild an den Stricken zerrte. Gleichzeitig sollte ihr Handgelenk ein wenig Bewegungsspielraum haben. Ich umwickelte ihr Handgelenk und den Ast in Achterwindungen. Ja so ging das! Und zuknoten. Fertig. Nun die andere Hand. Dann kniete ich vor ihr und fesselte ihre blo�en F��e zusammen. Ich stand auf. Jetzt musste ich Sassi noch knebeln und ihr die Augen verbinden. �Ich kann nicht mehr los“, sagte sie leise und hatte wieder diesen seltsamen Blick drauf. �Jetzt ist es zu sp�t. Es passiert! Ob ich will oder nicht!“ Ich h�tte ihr sagen k�nnen, dass das nicht stimmte. Ein Wort und ich h�tte sie losgebunden. Doch ich sp�rte, dass sie es so wollte. Darum nickte ich nur stumm und ging zum Rucksack, um weitere Utensilien zu holen. Die ganze Zeit �ber schlug mir das Herz bis zum Hals.
59. Teil) (f�r Ramonika)
Saskia bekommt die Peitsche zu kosten
�Halt!“ rief Sassi pl�tzlich. Aha! Sie hatte es sich anders �berlegt. Ich atmete innerlich auf. �Du musst mein Bikinioberteil ausziehen. Sonst ist mein R�cken ja nicht frei.“ Mist! Und ich hatte schon gedacht … Ergeben fummelte ich den Knoten hinter ihrem Hals auf. Danach konnte ich ihr das Teil nach unten ziehen und es �ber ihre F��e abstreifen. Sassi trug nun nur noch ihre Bikinihose. Sie schaute mich aus riesigen blanken Augen an: �Ich vertraue dir, Chrissie!“ Ich bekam einen Klo� in den Hals. Ich nahm Saskias Taschentuch und das Pfadfinderhalstuch. �Willst du wirklich?“ fragte ich sie. Als Antwort �ffnete sie stumm den Mund. Ich stopfte ihr das zusammengekn�llte Taschentuch hinein und fixierte es mit dem Dreieckstuch. Sie schaute mir die ganze Zeit �ber tief in die Augen. Neugier stand darin und ein bisschen Angst. �Wie bind ich dir denn jetzt die Augen zu?“ murmelte ich. �Ein weiteres Dreieckstuch habe ich keins. Hmmm … vielleicht lasse ich dich so, wie du bist.“ �Mmmh!“ machte Saskia energisch. �Schon gut“, sagte ich und fischte ein kleines Handtuch aus unserem Rucksack. Das legte ich dreimal zusammen, schlang es um ihren Kopf und legte au�en einen Strick drum, den ich hinter Sassis Kopf verknotete. Es war soweit. Saskia war hilflos gefesselt, stumm und blind. Ich holte den G�rtel und trat hinter sie, betrachtete einen Moment ihre schmale aufgerichtete Gestalt. An was sie wohl in diesem Augenblick dachte? Hatte sie Angst? Wollte sie, dass es nicht geschah? Oder konnte sie es kaum erwarten? Wollte sie Saskia Winter aus dem Hier und Jetzt sein oder die Saskia, die mit ihrem Freund das K�nigreich Kettingen durchstreifte? Sollte ich ihr mit einer Phantasie helfen? Ich umkreiste Saskia, reckte den Kopf in die H�he und wurde… …Mister Brockenkotz! �So Kinder, seht sie euch an“, rief ich. �Das ist Saskia Winter! Ein durch und durch verdorbenes M�dchen! Man hat sie erwischt! Zuerst beim verbotenen Tanzen und dann fand man in ihren Taschen mehrere Silberl�ffel, gestohlen von der Tafel des Baron von Seil! Seht sie euch an! So sieht eine Diebin aus!“ Saskia legte den Kopf schief. Dann erkannte ich trotz ihres Knebels, dass sie l�chelte. Es gefiel ihr. �Seht nun Z�glinge, was mit einem ungezogenen, diebischen M�dchen geschieht!“ donnerte Mr. Brockenkotz. �Seht genau zu! Damit ihr nie auf die Idee kommt, �hnliche Verbrechen zu begehen! Saskia Winter wird die Peitsche bekommen! Sie hat es herausgefordert! Sie wusste, welche Strafe auf ihre Freveltaten stand. Trotzdem hat sie es getan. Nun wird sie f�r ihre S�nden b��en!“ Ich trat hinter Sassi und holte aus. Vorsichtig, sehr vorsichtig lie� ich den schmalen Lederg�rtel auf ihren R�cken klatschen. Nur zu gut erinnerte ich mich an den kr�ftigen Biss der �Peitsche“. Nicht gleich so wild! Ich schlug drei oder viermal locker. Saskia gab ein Ger�usch von sich. Es klang, als sagte sie: �Fester! Mach schon!“ Ich schlug h�rter. Nun war beim Auftreffen auf Sassis Haut ein deutliches Klatschen zu h�ren. Sie zuckte zusammen. Ich nahm Ma� und schlug noch mal. Fester diesmal. Der G�rtel gab im Flug ein zischendes Ger�usch von sich. Der Schlag war schlecht gezielt. Das G�rtelende schlang sich ein St�ck um Saskias Brustkorb herum und schlug mit einem leisen Knall auf. Sie zuckte zusammen und gab einen leisen Schrei von sich. Auf ihrem R�cken blieb eine rosige Strieme zur�ck, die rasch verblasste. Jetzt fand ich zu einem Rhythmus. Ich schlug mal schneller, mal langsamer. Nach zwei oder drei festeren Schl�gen, lie� ich meistens einen lockeren folgen. So konnte Saskia nie wissen, wie der n�chste Hieb ausfallen w�rde. Jedes Mal zuckte sie zusammen. Manchmal b�umte sie sich richtig auf, und sie gab einen leisen Laut von sich. Es klang aber eher nach Schreck als nach Schmerz. Mein Herz klopfte wie wild. Ich hatte Angst, eine solche Angst. Wenn ich es nur nicht �bertrieb! Ich peitschte Saskia weiter aus, wechselte die Stellung und schlug mal h�her mal tiefer. Sassis schmaler R�cken �berzog sich mit roten Striemen, die nicht sofort verblassten. Es war soweit. Zu sagen traute ich mich nichts. Sie hatte es so gewollt. Ich holte weiter aus und gab dem G�rtel ordentlich Drive. Das Klatschen beim Aufprall war viel lauter als vorher. Es klang wie ein Pistolenschuss. Sassi b�umte sich auf und sie schrie in ihren Knebel. Es war ein kurzer Aufschrei. Ihr K�rper versteifte sich. Du willst es so!, dachte ich und schlug noch mal. Sie schrie wieder auf, lauter diesmal und wilder. Ich raffte allen Mut zusammen und schlug los. Vier oder f�nfmal hintereinander, nie im gleichen Rhythmus und immer verdammt fest. Jeder neue Schlag schien mir noch h�rter, noch grausamer zu sein. Saskia schrie jedes Mal laut in ihren Knebel. Sie stand die ganze Zeit verkrampft auf den Zehen aufgerichtet und bei jedem Schlag, der ihren schmalen K�rper ersch�tterte, b�umte sie sich in ihren Fesseln auf. Ich h�rte auf! Sah, wie sie sich versteifte in Erwartung des n�chsten furchtbaren Schlages. H�rte ihren hastigen Atem. Sie hing in ihren Fesseln, aufgerichtet, wehrlos, hilflos. Es dauerte eine kleine Ewigkeit, bis sie kapierte, dass keine neuen Schl�ge mehr kommen w�rden, und sie sich entspannte. Sie sackte regelrecht in den Seilen zusammen. Einen schrecklichen Augenblick lang dachte ich daran, den G�rtel noch einmal auf ihren R�cken knallen zu lassen. Aber das konnte ich unm�glich tun. Meine H�nde zitterten und ich war kurz davor, zu weinen. Ich sah die Striemen auf Saskias R�cken. Einige verblassten bereits, andere waren noch leuchtend rot. �Sassi!“ fl�sterte ich und griff nach dem Seil, das ihre Augenbinde festhielt. Bei meiner Ber�hrung zuckte sie zusammen und gab einen erschrockenen Ton von sich. Ich f�hlte mich, als h�tte man mir ins Gesicht geschlagen. Schnell knotete ich ihre Augenbinde auf und nahm ihr den Knebel ab. �Sassi! Alles in Ordnung mit dir?“ fragte ich voller Sorge, als ich die Tr�nen in ihren Augen sah. �Das hat wehgetan!“ schniefte sie. Ihre Augen waren riesengro�. Mir wurde sterbenselend. Ich hatte sie zu fest geschlagen! �Bitte schlagen Sie mich nicht mehr, Mister Brockenkotz!“ flehte sie. �Bitte nicht mehr! Ich bereue so sehr, was ich getan habe! Ich verspreche, ich will in Zukunft ein ordentlicher und braver Z�gling sein!“ Das brach den Bann. Ich atmete dreimal tief durch. Danach ging es mir besser. Mit vorgereckten Bart stolzierte Mr. Brockenkotz um die schluchzende Saskia Winter herum. Das M�dchen hing v�llig zerschlagen in den Fesseln. Es war nur noch ein heulendes H�ufchen Elend, bereit alle Forderungen zu erf�llen, die man ihm stellen w�rde. �Das geschieht mit ungezogenen M�dchen!“ belferte der gemeine Schulleiter. �Seht sie euch an, die r�udige Diebin! Seht wie sie flennt! Sie hat ihre verdiente Strafe erhalten! Bis zum Abendessen bleibt sie gefesselt hier in der Vorhalle h�ngen, damit jeder Z�gling sich anschauen kann, was mit ungehorsamen Kindern passiert.“ Brockenkotz stolzierte erhobenen Hauptes davon. Saskia Winter blieb hilflos gefesselt zur�ck. Ihr R�cken war mit blauschwarzen Striemen bedeckt. Beim Gebrauch der Nilpferdpeitsche hatte sich der brutale Schulleiter nicht zur�ck gehalten. �Am Schluss war es echt zu b�sartig!“ sagte Sassi zu mir. Sie hing in ihren Handfesseln, als handle es sich um eine bequeme H�ngematte. Ihre Augen strahlten eine tr�ge Zufriedenheit aus. �Ich will das nie wieder.“ Sie runzelte die Stirn. �Jedenfalls so schnell nicht mehr. Nachdem mich Tante Tanja gedengelt hatte, f�hlte ich mich genauso.“ Ich untersuchte ihren R�cken. Ein paar rote Striemen waren noch da. Sie w�rden aber bald verschwinden. Vorsichtig streichelte ich mit den Fingern �ber Sassis R�cken. Sie hielt and�chtig still. Und da passierte es. In meinem Mund explodierte einen Stange Dynamit. �AU! SCHEISSE!“ St�hnend hielt ich mir die Backe. �Was ist, Chris?“ fragte Saskia besorgt. �Oh es geht wieder los! Wie vor vier Wochen! Der Zahn!“ Ich begann Sassi freizuknoten. Dabei legte das Hammerwerk in meinem Oberkiefer los. �Oh! Verflucht! Der Zahnarzt hat gesagt, es w�re verheilt!“ Wir sammelten unsere Sachen ein. Saskia zog sich rasch ihr Bikinioberteil an. �Was hast du denn, Chrissie? Du bist ganz bleich.“ �Da ist irgendeine Entz�ndung an einem Backenzahn“, nuschelte ich. �Die war angeblich weg. Aber jetzt tut es schlagartig wieder weh. Ich habe es heute Morgen schon gesp�rt, mir aber nichts dabei gedacht. Mist! Ausgerechnet in den Ferien!“ Aber Lamentieren half nichts. Wir sahen zu, dass wir auf dem schnellsten Weg zum Campingplatz kamen. Meine Mamusch fragte nicht lange. Sie packte mich ins Auto und raste mit mir zu Doktor Presslufthammer. Der schaute hinter seinen Brillengl�sern hervor wie ein erschrockener Uhu, murmelte was von R�ckfall und lud eine riesige Spritze auf. Alles was danach passierte nahm ich nur durch einen wabernden Nebel wahr. Zur�ck auf dem Campingplatz wollte ich nur in die Klappe und pennen.
60. Teil) (f�r Ramonika)
Die ausgesprochen seltsame Art erwachsener Leute, auf einem Campingplatz ihren Mittagsschlaf zu halten
Ich lag eine Stunde lang flach. Als ich aufwachte, war alles Zahnweh wie weggeblasen. Schon wollte ich Gott und allen Heiligen daf�r auf Knien danken, da fand ich den Zettel: �Hallo Chris. Wir sind einkaufen. Saskia begleitet uns. Die Winters halten ein Mittagsschl�fchen. Bitte st�re sie nicht. Mutti.“ So ein Kack! Klauten die mir einfach meine Sassi weg! Zum Einkaufen! Pfui Spinne! Das war doch eine Strafe! Obwohl … Saskia war ein M�dchen und M�dchen waren ein bisschen wie Frauen und Frauen waren tierisch geil aufs Einkaufen. Die drehten bei der Vorstellung, f�nf Stunden lang hunderttausend verschiedene Schuhe anzuprobieren, voll durch. Aber ich war allein! Gemein das! M�rrisch ging ich nach drau�en. �Christian!“ rief es leise. Ich guckte mich um, sah aber keinen. �Chris!“ rief es erneut. �Hier! Im Wohnwagen!“ Es war Saskias Vater. Er lugte mit einem Auge aus einem Spalt des Wohnwagenfensters. �Komm mal schnell Christian!“ Ich lief hin. Das Fenster war dunkelbraun, so dass man von au�en normal nicht rein sehen konnte. Man musste das Gesicht schon ganz nah ran an die Plexiglasscheibe halten. Drinnen lagen der Weinschlauch und Misses Baileys auf der zum Bett umgebauten hinteren Sitzecke. �Ihr seid ja nackig!“ rief ich verdutzt. �Pssst! Nicht so laut!“ wisperte der Weinschlauch. �Und ihr habt unsere Handschellen an!“ rief ich. Jetzt war ich aber baff. �Was macht ihr denn mit unseren Handschellen?“ �Nicht so lauuut Chris!“ fl�sterte der Weinschlauch dr�ngend. �Wir haben blo� ein bisschen gespielt. Sonst nichts.“ �Aha, aber mit Sassi und mir maulen, wenn wir damit spielen“, rief ich. Ich dachte nicht im Traum dran, leise zu sprechen. Warum auch? Die Mittagsruhe war l�ngst rum. Weiter hinten m�hte sogar einer den Rasen. �Schrei doch nicht so“, fiepte Saskias Vater. Er klang echt verzweifelt. �Du musst uns helfen Christian. Wir haben den Schl�ssel vergessen. Der Ersatzschl�ssel h�ngt bei euch im Wohnwagen. Bitte hol ihn, ja?“ �Aber es ist doch ein Schl�ssel an eins der Handschellenpaare gebunden“, krakeelte ich. Die Sache erschien mir immer seltsamer. �Wir haben aber zwei Paar erwischt, an denen leider keiner dranh�ngt“, sagte der Weinschlauch. �Bitte hol den Schl�ssel.“ �Na wegen mir“, brummte ich. �Aber mit UNS meckern!“ Das hatte ich noch loswerden m�ssen. Ich holte das Schl�sselchen und gab es Herrn Winter. Neugierig schaute ich ins Fenster. Er war mit seiner Frau mit einem Handschellenpaar an den H�nden und mit dem anderen an den F��en zusammen gekettet. Misses Baileys hatte eine feuerrote Birne. �Warum seid ihr denn nackig?“ fragte ich neugierig. �Weil … weil … es war so hei� im Wohnwagen“, antwortete der Weinschlauch hastig und schloss die Handschellen auf. �Gib mir den Schl�ssel. Ich h�nge ihn zur�ck“, verlangte ich. �Ja gut. Da hast du ihn. Und br�ll doch nicht so laut rum.“ �Die Mittagsruhe ist l�ngst rum“, entgegnete ich und brachte den Schl�ssel zur�ck. Angestrengt nachdenkend lief ich von dannen. Das war ja ein Ding! Mit uns Kindern maulen, wir seien kindisch! Aber dann selber mit den Handschellen spielen! Mit UNSEREN Handschellen! Ha! Und dann auch noch so doof sein und den Schl�ssel vergessen! Doppel-Ha! Was, wenn ich nicht aufgewacht w�re? Was mir am meisten zu denken gab war die Tatsache, dass die beiden total nackig gewesen waren. So warm war es nun auch wieder nicht! Badehose und Bikini h�tten sie doch anbehalten k�nnen. Aber ich hatte deutlich dem Weinschlauch seinen dicken Piephahn gesehen und das Wollgeb�sch von Misses Baileys. Ich war so ins Nachdenken versunken, dass ich in jemanden hineinrannte. �Nanu?“ fragte eine Stimme. �Sind dir beim Husten die Augen in den Dickdarm gefallen?“ Es war Onkel Tr��t. Er stand neben einer Bank am Seeufer und schaute den Enten zu. Ich dachte nach. Onkel Tr��t konnte ich vertrauen. Er w�rde mir sicher sagen, was da eben los gewesen war. �Kann ich dich was fragen, Onkel Tr��t?“ Tr��ts Augen wurden ernst: �Klar Christian. Ist was passiert?“ Er wirkte besorgt. �Nichts Schlimmes“, sagte ich schnell. �Aber ich kapiere es einfach nicht. Mit uns maulen und dann selber machen und auch noch saudoof sein. Und ich kapier nicht, warum die nackig waren.“ Onkel Tr��t bugsierte mich neben sich auf die Bank: �Schie� los Kamerad!“ Ich begann zu erz�hlen. Tr��t bekam dicke Kugelaugen. Sein Gesicht verzerrte sich zu einer Grimasse wie bei einem, der gleich laut niesen musste. Er gab ein seltsam schnarchendes Ger�usch von sich. Als ich weitererz�hlte, begann er komische W�rgelaute auszusto�en. Er klang wie ein schlechtgelaunter Traktor, der nicht anspringen will. Wie ich erz�hlte, dass ich laut gefragt hatte, warum die nackig seien, drehte der Traktormotor immer schneller. Schlie�lich gab Onkel Tr��t ein langes heulendes Quietschen von sich und dann lachte er laut los. ������rrr-h�rrr-h�rrrr-h�rrrrr!“ b�rte er. Er wackelte wie bl�de mit dem Kopf vor und zur�ck und versuchte seine Oberschenkel zu Brei zu pr�geln. Sein Gesicht lief lila an. Er konnte �berhaupt nicht mehr mit Lachen aufh�ren. ��rrr-h�rrrr-h�rrrr-h�rrrr!!!“ Ich kapierte seine Heiterkeit nicht so ganz. Als er mein bl�des Gesicht sah, lachte er noch lauter! Ich bekam Angst, dass sein Kopf abbrechen w�rde. Wenn nicht, w�rde er vor Lachen ersticken. Er war schon dunkelviolett im Gesicht. �Das iss geiiil!“ heulte er zwischen etlichen �rr-h�rrr-h�rrrs und verpr�gelte seine armen Oberschenkel. �Oh Mann iss das geeiiiilll! So ne Schei�e, dass ich das nicht sehen durfte! �rrr-h�rrr-h�rrr! Das Gesicht vom Weinschlauch h�tte ich zu gerne gesehen! Knallrot und die Bumspumpe voll hochgefahren! �rrr-h�rrr-h�rrr!“ Er wickelte die Arme um mich, gab mir einen Kuss auf die Backe und zerquetschte mich ein bisschen. �Christian, du bist schon ne Nummer!“ �Aber warum waren die beiden nackig?“ bohrte ich. �Herr Winter hat gesagt, es sei so hei� im Wohnwagen.“ Tr��t lachte gleich wieder los und wurde wieder lila. �Oh Mann!“ r�chelte er zwischen zwei Lachsalven. �Es war nicht hei� im Wohnwagen, aber es ging hei� her im Wohnwagen! �rr-h�rr-h�rrr!“ Nur langsam beruhigte er sich. �So ein Kack, das ich das nicht sehen durfte!“ sagte er und machte ein beleidigtes Gesicht. �DAS w�re eine wundervolle Geschichte f�r heute Abend gewesen.“ Er schaute mich freundlich an. �Du kapierst das noch nicht so, Kamerad. Dazu m�ssen dir erst mal Haare unter den Armen wachsen.“ Er stie� mir freundschaftlich in die Rippen. �Bewahr dein Wissen f�r dich. Und dann eines sch�nen Tages wenn du siebzehn oder achtzehn bist, l�sst du die Bombe abends am Grill platzen.“ Er schaute flehentlich zum Himmel auf: �Oh himmlischer Vater! Bitte lass mich das noch erleben!“ Er fing schon wieder an zu lachen. Er konnte �berhaupt nicht mehr aufh�ren. Danach versuchte er mir zu erkl�ren, dass die Winters �hei�e Sexspielchen“ gemacht h�tten. Ich wusste ungef�hr was Sex war. Ich hatte schon Hunden und Meerschweinchen und Hamstern dabei zugesehen und wusste, dass erwachsene Menschen so was auch taten. Dabei entstanden manchmal Kinder. Aber was zum Teufel wollte man dabei mit Handschellen? Sowieso war es eine arg schr�ge Vorstellung, dass meine Eltern manchmal ihre Stritzer ineinander steckten. Ich versuchte mir vorzustellen, dass Sassi und ich das auch taten. Eine ungeheuerliche Vorstellung! B��h! Onkel Tr��t nahm mir das Versprechen ab, nicht vor meinem sechzehnten Geburtstag �ber das Erlebte zu sprechen, nicht einmal mit Saskia und ich versprach es ihm. So besonders war es nun auch wieder nicht gewesen! Ich verstand immer noch nicht, warum er sich dar�ber kaputtlachte. Vielleicht musste ich warten, bis mir Haare unter den Armen wuchsen, auch wenn ich nicht schnallte, was kr�uselige Haare mit Verstehen zu tun hatten. Ich zog davon und als ich bei unserem Wohnwagen ankam, waren meine Eltern gerade mit Saskia zur�ckgekommen und die Winters sa�en vorm Wohnwagen, als sei nichts gewesen. Sassi war barfuss und trug ein neues blauwei�es Dirndlkleid, in dem sie absolut supers�� aussah. �Hallo Chrissie!“ rief sie. �Wie geht es deinem Zahn?“ �Der ist wieder in Ordnung“, antwortete ich. Sie freute sich. �Das ist gut. Dann k�nnen wir ja wieder spielen.“ Sie drehte sich vor mir im Kreis: �Gefall ich dir?“ �Mm! Sieht sch�n aus das Kleid.“ �Das ist ein Kleid, wie es 1850 Mode war“, berichtete Saskia. �Damals trugen alle kleinen M�dchen solche blau gef�rbten Dirndlkleider. Das ist handgemacht mit echtem Indigo! Ich habe es vor ein paar Tagen im Kleidergesch�ft auf einer Internetseite gesehen. Sie hei�t www.sommerdirndl.com und dort steht, das sind Kleider f�r fesche M�deln von vier bis zehn und dass man das Sommerdirndl wegen dem zeitlosen romantischen Eindruck barfuss tragen soll.“ Sie umarmte mich. �Jetzt bin ich ein armes holl�ndisches Fischerm�dchen von 1872! Oder ein Bauernm�dchen von damals. Oder ein armes Kind in der Stadt. Ist das nicht toll? Deine Mutter hats mir geschenkt. Sie ist so lieb.“ Sie wandte sich an ihre Eltern: �Grillen wir schon, oder ist noch Zeit?“ �Es ist noch lange Zeit“, antwortete ihre Mutter. �Ihr k�nnt ruhig losziehen, ihr zwei Amseln.“ Das lie�en wir uns nicht zweimal sagen. Wir schnappten den Rucksack und sausten los. Vorher vergewisserte ich mich, ob die Handschellen wieder drin waren. Sie waren. Und als der Weinschlauch mich nachsehen sah, wurde er knallrot.
61. Teil) (f�r Ramonika)
Verraten und verkauft!
Wir sausten los. Ich hatte den Rucksack dabei. Sassi hopste voraus und drehte sich immer wieder im Kreis, dass sich der Rock ihres Dirndls in ein blauwei�es UFO verwandelte. Es sah sch�n aus, wie sie sich freute. �Du bist sch�n in deinem neuen Kleid“, sagte ich. Sie blieb stehen, legte den Kopf schief und schaute mich an: �Ja?“ Ich nickte: �Ja Saskia. Du siehst wirklich aus wie ein armes Fischerm�dchen von 1870 mit deinen blo�en F��en, dem blauen Dirndl, deinen schulterlangen braunen Haaren und deinen sch�nen hellbraunen Augen. Du gef�llst mir sehr.“ Manno! Hatte mich DAS Mut gekostet! Ihre Augen wurden ganz weich. Sie blieb stehen, bis ich bei ihr war. Mit hochgezogenen Armen lehnte sie sich gegen mich und schaute mich an: �Ehrlich?“ Sie kreuzte die H�nde hinter meinem Genick. �Ja Sassi“, sagte ich. Meine Stimme war rau vor Verlegenheit. Ich musste dran denken, wie traurig sie mich fr�her angeschaut hatte, als sie Angst davor hatte, wegzuziehen. Sie schaute mir ewig lange in die Augen. Richtig �ngstlich sah sie aus. �Meinst du das wirklich ehrlich?“ fiepte sie. �Ja Saskia.“ Sie holte tief Luft: �Wirst du immer mein Freund sein Chrissie?“ �Ja Saskia“, sagte ich ruhig und umarmte sie ganz fest. Sie lie� die Arme sinken, lehnte sich an mich und gab ein leises Seufzen von sich. Es war so unwirklich! Ich wusste nicht, was pl�tzlich mit ihr los war. Ich hielt sie einfach fest. �Morgen fahren wir nach Hause“, sagte sie leise, den Kopf an meine Schulter gelehnt. �Ja ich wei�“, antwortete ich. �Dann sehen wir uns oft nur am Wochenende, aber Mutti hat gesagt, in Zukunft w�rden wir euch �fter besuchen und ihr uns.“ �Ich habe jetzt schon Angst davor“, sagte Saskia. �Ich muss immer dran denken, wie wir weggezogen waren. Ich war so allein! Ich habe immer nur geweint, Chrissie! Bitte geh nie von mir weg! Bitte!“ Ich kriegte einen Klo� in den Hals. �Ich geh nicht weg, Sassi! Nie!“ sagte ich mit heiserer Stimme. Sie hielt sich ewig lange an mir fest. Ich hielt sie umarmt und dr�ckte mein Gesicht in ihr weiches Haar. Ich habe keine Ahnung, wie lange wir so auf dem Waldweg standen, alles um uns herum vergessend. Es war wie in einem Traum und wie aus einem Traum erwachten wir auch. Sassi schaute mich an und l�chelte sch�chtern. Ich l�chelte zur�ck. �Ich habe dich so gerne Chrissie“, sagte Saskia leise. �So lieb hatte ich noch nie einen Menschen! Nicht mal meine Mama und meinen Papa.“ �Hab dich auch lieb!“ Mehr brachte ich nicht heraus. Wir fassten uns an den H�nden und gingen schweigend weiter. Es war, als h�tten wir einen geheimen Vertrag geschlossen. Alles h�tte so sch�n sein k�nnen. Alles, einfach alles h�tten wir zusammen durchgestanden! Doch es kam ganz schlimm! Mister Brockenkotz und seine Frau kamen in das Zimmer gerannt, in dem die Z�glinge f�r eine Manufaktur Kleider n�hen mussten. �Saskia Winter!“ br�llte Mr. Brockenkotz. �Und Christian List!“ gellte der Komodowaran. Mit kaltem Reptilblick schaute sich Misses Brockenkotz um. �Hier!“ meldeten sich die beiden Kinder �ngstlich. Der Gesichtsausdruck des Schulleiters und seiner Frau lie�en sie nichts Gutes ahnen. �H�nde vorhalten!“ bellte Mr. Brockenkotz. Christian und Saskia streckten die H�nde vor. Mr und Mrs Brockenkotz lie�en Handschellen um ihre Handgelenke schnappen, an deren Verbindungsring eine Zugkette befestigt war. Mit den Ketten zogen sie die erschrockenen Kinder hinter sich her. �Was ist denn?“ rief Saskia voller Furcht. �Was haben wir denn getan? Bitte tun sie mir nichts! Ich bin doch gerade erst ausgepeitscht worden!“ �Mund halten!“ blaffte der Komodowaran. Christian schaute die hagere Frau mit den kalten Reptilaugen an. Seiner Meinung nach war die Frau von Mister Brockenkotz noch gemeiner und b�sartiger als ihr Mann. Die beiden zerrten die Kinder unsanft in die Vorhalle der Schule. Saskia schrie vor Schrecken. Auch Christian erstarrte. In der Halle standen ein Dutzend Hakenm�nner! Ihre rotgl�henden Augen musterten die Kinder. �Ssirnd siii dass?“ knarrte einer der Hakenm�nner. Frau Brockenkotz zerrte Saskia zu ihm und zeigte ihm die entbl��te Schulter des M�dchens: �Da ist das Muttermal, dass ihr sucht!“ Ihr Mann tat das Gleiche mit Christian. �Jaarr! Dars sssint sssie!“ schnarrte der Anf�hrer der Hakenm�nner. Er lachte das schreckliche Lachen, das seiner Art eigen war. Saskia und Christian str�ubten sich die Haare vor Angst. �Ssssch���nnn!“ gurgelte er. Er holte einen gro�en Lederbeutel aus seinem Gewand und reichte ihn Mister Brockenkotz: �Hiiirr! Euerrr Lhhohhhnn! Sssswei Pfunnt Gollld f�rrr jedesss Kinnnndt!“ Brockenkotz nahm das Gold. �Darmittt issst unsssserrrr Gessssch�ffft gemachtttt!“ knarrte der Anf�hrer der d�monischen Leute. �Diiee Kinndddter sssindd unnnssserrrr!“ Er gab seinen Leuten einen Wink. Zwei Hakenm�nner traten vor und packten die F�hrketten von Saskias und Christians Handschellen. �Nein!“ schrie Saskia und brach in Tr�nen aus. Sie stemmte sich mit blo�en F��en gegen den Zug an der F�hrkette. �Nicht! Sie k�nnen uns doch nicht an die Hakenleute ausliefern! Mister Brockenkotz! Misses Brockenkotz! Bitte nicht!“ Sie begann laut zu weinen. �Sie wissen doch, was die mit uns machen werden“, rief Christian verzweifelt. �Die ermorden uns! Bitte liefern sie uns nicht aus!“ Mr. Brockenkotz drehte versch�mt den Kopf zur Seite. Selbst dem Komodowaran stand die Scham ins Gesicht geschrieben. �Gehnnnn wirrr!“ gurgelte der Anf�hrer der Hakenm�nner und schritt zum Schultor. Seine Leute folgten ihnen und zogen die angeketteten Kinder erbarmungslos hinter sich her. �Bitte helfen sie uns!“ schrieen die Kinder. Sie waren au�er sich vor Angst. �Helft uns doch!“ Doch die Hakenm�nner zogen sie zur Schule hinaus in die aufkommende Dunkelheit. Drau�en standen ihre gr�ulichen Reittiere und ein Wagen. Es war ein niedriger K�fig auf R�dern, mit zwei Gorns bespannt. In diesen K�fig sperrten die Hakenm�nner die beiden Kinder. Obwohl sich Christian und Saskia aus Leibeskr�ften wehrten, steckten sie die Kinder hinein. Nicht genug damit! Sie ketteten die beiden auch noch an. Sie dr�ckten Saskia und Christian einander gegen�bersitzend mit den R�cken gegen die Gitterst�be. Sie rissen die H�nde der Kinder hoch und legten ihnen von oben herab baumelnde Handeisen an. Auch die F��e der beiden Kinder wurden in schwere eiserne Fu�angeln gelegt. Als w�re das noch nicht genug, presste der gemeine Anf�hrer der Hakenleute die nackten Fu�sohlen der Kinder gegeneinander und wickelte ein St�ck Draht um die gro�en Zehen von Saskia und Christian, so dass ihre F��e fest miteinander verbunden waren. Danach gab er Befehl aufzusitzen und los zu reiten. Mit einem Ruck setzte sich der Wagen mit dem Eisenk�fig in Bewegung. �Zum unterirdischen Schlosssss unnnssseresss Herrrrrn!“ befahl der Anf�hrer. Saskia und Christian sahen sich aus tr�nennassen Augen an. Sie wurden zu Hakylos in die Unterwelt gebracht! Es war aus! Von dort war noch nie jemand lebend zur�ckgekommen! Sie wussten, dass sie einen schrecklichen Tod sterben w�rden. Die beiden Kinder weinten bitterlich.
62. Teil) (f�r Ramonika)
In der Unterwelt
Die Gorns zogen den K�figwagen in gleich bleibendem Trott. Saskia und Christian wurde der Weg ewig lang. Die schweren Eisen, die ihre H�nde �ber den Kopf nach oben zogen, begannen von dem Geschaukel weh zu tun. Auch die Fu�eisen waren schmerzhaft fest geschlossen und ihre zusammen gebundenen Zehen taten weh, weil der Eisendraht tief in die Haut einschnitt. Trotzdem klapperten sie vor Angst mit den Z�hnen bei dem Gedanken an das Ende der Fahrt. �Wir werden sterben Christian“, sagte Saskia. �Ja“, entgegnete Christian. Er sp�rte Saskias nackte Fu�sohlen an seinen eigenen; eine tr�stliche Ber�hrung trotz der schmerzhaften Drahtfesselung ihrer gro�en Zehen. Er hatte Angst, aber gleichzeitig schaute er seine Freundin still und gefasst an. Sein Herz war angef�llt mit Liebe f�r Saskia. So furchtbar ihr Schicksal auch war, sie w�rden es gemeinsam teilen. Sie w�rden zusammen sterben. Die Hakenm�nner trieben ihre Gorns in den wilden Urwald. Nach mehr als einer Stunde �ffnete sich vor ihnen ein riesiges Loch im Boden. Eine schr�ge Rampe aus Kopfsteinpflaster f�hrte in den Bauch der Erde hinab. Die eisenbereiften R�der des K�figwagens klapperten laut auf dem Weg in den Abgrund. Es wurde finster. Nur hier und da beleuchtete eine Fackel am Wegesrand die abw�rts reitende Kolonne. Schlie�lich hielt der Wagen vor einem riesigen unterirdischen Bau. Es war das Schloss von Hakylos dem Spinnend�monen, erbaut aus gigantischen schwarzen Granitquadern. �Geh unnnd mellde demm Herrrrn, waasss wirrr mitgebrrrraacht habbben“, schnarrte der Anf�hrer der Hakenm�nner einen Untergebenen an. Der lief ins Schloss. Die anderen Hakenm�nner �ffneten den K�fig und machten Saskia und Christian los. Dabei gingen sie nicht gerade zimperlich vor. Kaum befreit, wurden die beiden Kinder schon wieder in Eisen gelegt. Ihre H�nde und F��e landeten in riesigen Eisenangeln, die mit kurzen schweren Ketten verbunden waren. So schwer waren die eisernen Fesseln, dass Christian und Saskia kaum gehen konnten. Die Hakenm�nner trieben sie erbarmungslos vorw�rts. Auf dem Weg ins Schloss weinten die Kinder ohne Unterlass. Man trieb sie durch lange hohe G�nge, deren unheimliche D�sternis von Fackeln in Wandhaltern kaum vertrieben wurde. Endlich landeten sie in einer gro�en d�steren Halle, die ganz aus schwarzem Granit bestand. Man schleppte die Kinder zu zwei eisernen S�ulen vor einem riesigen Kamin. In dem Kamin loderte ein gro�es Feuer. Die Hakenm�nner stie�en Saskia und Christian zu den beiden Eisens�ulen und nahmen ihnen ihre eisernen Fesseln ab. Doch die Kinder blieben nicht lange frei. Man f�hrte sie zu den S�ulen und dr�ckte sie mit dem R�cken dagegen. Sie reichten ihnen bis zu den Schultern. Die Hakenm�nner bogen die Arme der Kinder nach hinten und schlossen ihre H�nde hinter den S�ulen mit gro�en, schweren Handschellen zusammen. F�r die F��e der beiden Kinder gab es unten an den S�ulen passende Fu�angeln, die fest mit den Metalls�ulen verschwei�t waren. Mit roher Gewalt dr�ckten die Hakenm�nner die nackten F��e Christians und Saskias in die offenen Fu�fesseln und schlossen die Eisenb�nder und sicherten sie mit Vorh�ngeschl�ssern. Als w�re das noch nicht genug nahmen sie lange schwere Ketten und wickelten sie ungemein stramm um die aufrecht stehenden Kinder und pressten ihre schmalen K�rper damit fest gegen die Eisens�ulen. Christian und Saskia konnten sich nicht mehr r�hren und sie bekamen kaum noch Luft, so sehr schn�rten die Ketten sie ein. Kaum einen Meter voneinander entfernt standen sie mit dem Gesicht zum Kamin angekettet. Trotz seiner Angst betrachtete Christian den riesigen Kamin. Er war ganz aus schwarzem Stein gehauen und mit D�monenfratzen verziert. Rechts und links gab es riesige Halterungen f�r Bratspie�e. Die Halterungen standen weit vor und sie hatten scharfe Spitzen, die in den Raum hinein ragten. Von rechts n�herte sich eine gro�e schwarze Gestalt. Die Hakenm�nner fielen alle auf die Knie. Ihr Herr kam! Beim Anblick von Hakylos gefror den angeketteten Kindern das Blut in den Adern. Er sah aus wie ein riesiger Hakenmann, aber seine Augen waren nicht rot sondern sie waren gelbgr�n. Wie gro�e b�sartige Laternen leuchteten sie aus dem kantigen Gesicht des D�monen mit dem Adlerschnabel. Der Spinnenherr umkreiste Saskia und Christian. Er begutachtete die Schultern der Kinder. �Sie sind es!“ br�llte er. �Die beiden unbekannten K�nigskinder, deren Tod mir die Macht �ber die gesamte Erde in die H�nde legen wird!“ Er stellte sich vor Christian und Saskia mit dem R�cken zum Kamin und zog ein Schwert aus einer R�ckenscheide. Es war ein gigantischer Bih�nder. Der scharf geschliffene Stahl schimmerte im Licht der vielen Fackeln im Raum. Noch immer knieten die Hakenm�nner am Boden. �Dies ist das Schwert der Finsternis“, erkl�rte Hakylos den beiden weinenden Kindern. �Damit schlage ich eure K�pfe ab. Ich werfe sie in das Feuer im Kamin und damit wird der Zauber in Gang gesetzt, der mir die gesamte Erde untertan machen wird. Euer Blut wird euch um die F��e flie�en. Die Dunkelheit wird in die Welt ziehen und sie in wenigen Wochen vollst�ndig bedecken. Ewige Finsternis wird �ber alle L�nder kommen und ich bin nicht l�nger in die Unterwelt verbannt. Ich werde hinausgehen mit all meinen treuen Dienern und die Herrschaft �ber die Menschen antreten.“ Der D�mon lachte grausam. �Was heult ihr eure erb�rmlichen Tr�nen?“ fragte er und l�chelte b�sartig dazu. �Eure Tr�nen k�nnen euch nicht helfen. Ihr werdet nun sterben, Kinder!“ Das wars, dachte Christian verbittert. Von wegen, Hakylos wird umkommen, sobald er die beiden Kinder t�tet! Ha! Was f�r eine dumme, kindische Legende! Wir werden sterben! Alle beide! Er schaute zu Saskia hin�ber. �Ich liebe dich Saskia!“ rief er ihr zu. �Ich liebe dich Christian!“ rief das M�dchen unter Tr�nen. �Ich werde dich immer lieben!“ Hakylos lachte br�llend auf. �Eure Liebe ist hiermit zu Ende Kinder! Jetzt werdet ihr sterben!“ Er trat einen Schritt nach hinten auf den Kamin zu und holte mit dem riesigen Bih�nder aus. Die beiden Kinder schlossen die Augen in Erwartung des Unaussprechlichen.
63. Teil) (f�r Ramonika)
Das Ende
Die hilflos angeketteten Kinder erwarteten das Niedersausen des gro�en Schwertes, dass ihnen die K�pfe abschlagen w�rde. Doch es blieb still. Sie �ffneten die Augen. Hakylos stand still vorm Kamin, die H�nde mit der st�hlernen Waffe zum Schlag erhoben. Er war erstarrt. Aus seiner Kehle kam ein erstaunter Laut. Absoluter Unglaube stand in den Augen des D�mons. Er versuchte zu sprechen, aber es kam nur ein leises Gurgeln dabei heraus. Seine Arme knickten ein. Mit lautem Scheppern fiel das gro�e Schwert zu Boden. Hakylos riss den Mund zu einem stummen Schrei auf. Ein fingerdicker Strahl schwarzroten Blutes spritzte aus seiner Kehle. Wieder versuchte der Herr der Hakenm�nner zu schreien, doch es wurde nur ein j�mmerliches Quieken daraus. Die Beine gaben unter ihm nach und er sackte zusammen. Einen Moment lang schien er bewegungslos in der Luft zu h�ngen. Dann war hinter seinem R�cken ein ratschendes Ger�usch zu vernehmen. Es klang irgendwie nass und schmatzend. Hakylos fiel nach vorne. Er schlug mit dem Gesicht auf dem Boden auf. In seinem R�cken klaffte eine riesige Wunde, aus der sch�umendes schwarzrotes Blut spritzte. Christian starrte ungl�ubig auf die Verletzung. Dann begriff er: als Hakylos beim Ausholen mit dem schweren Bih�nder nach hinten geschwungen war, hatte er seinen Oberk�rper mit dem eigenen Schwung in eine der spitzen vorstehenden Halterungen des Kamins getrieben. Die eiserne Spitze war tief in seine Lunge eingedrungen und hatte das Monster durchbohrt. Ein schauriges Gurgeln kam aus der Kehle des am Boden liegenden D�monen. Er richtete sich auf. Seine Krallenhand streckte sich nach den Kindern aus. �Ihr!“ r�chelte er, w�hrend das Blut in B�chen aus seinem Mund str�mte. �Ihr…! Ihr PACK! T�te euch! Ich … t�t…verfl…fluchte Legende! Ich t���te euch!“ Er richtete sich weiter auf und wollte Saskia packen. Das M�dchen schrie wie am Spie�. Hakylos brach erneut zusammen. Diesmal blieb er still liegen. Ein See aus schwarzem Blut breitete sich um den K�rper am Boden aus. Der Spinnend�mon war tot! Als die Hakenm�nner sahen, dass ihr Herr tot war, brachen sie in lautes Geschrei aus. Sie heulten und schrieen wie W�lfe. Sie zuckten und ihre K�rper verrenkten sich. Dann fielen sie der Reihe nach aufs Gesicht. Ihre K�rper platzten auf. Fauliger Gestank machte sich breit. Aus dem faulenden Fleisch krochen riesige Spinnen mit fetten haarigen Beinen. Quiekend krochen sie zum dem toten Hakylos und leckten von dem Blut des D�monen. Alle Spinnen kamen herbei und labten sich am Lebenssaft ihres d�monischen Herren. Pl�tzlich surrte eine dicke Eule vor Saskia und Christian entlang. �Uhuu! Ich bins Kinder. Ich habe die Elfenprinzessin Ramonika dabei.“ Die Eule landete vor den F��en der angeketteten Kinder. Die winzige Blumenelfe stieg von ihrem R�cken und flog hinter die Kinder. Mit ihren Zauberkr�ften �ffnete sie die Schl�sser der eisernen Fesseln an H�nden und F��en von Saskia und Christian. Die dicke Sumpfohreule half ihr dabei, die Ketten herunter zu rei�en. Endlich waren die zwei Kinder frei. �Kommt schnell!“ rief die Eule dr�ngend. �Sobald die Spinnen das Blut ihres Herrn getrunken haben, wird das darin enthaltene Gift sie t�ten, und das unterirdische Schloss wird einst�rzen. Mit Ramonika auf dem R�cken flog die Eule voraus. Christian und Saskia stolperten auf blo�en F��en hinterher. Die Unterwelt begann zu grollen und zu donnern. Krachend st�rzten H�hlenteile ein. Die Kinder rannten um ihr Leben, w�hrend hinter ihnen alles zusammen fiel. Endlich kamen sie drau�en an. �Wir m�ssen aus dem Wald raus!“ schrie Christian alarmiert. �Hier gibt es Ungeheuer!“ Die kleine Blumenelfe flatterte vor ihren Gesichtern auf und ab. �Seid ganz au�er Sorge liebe Menschenkinder“, rief sie. �Der Urwald war mit d�monischem Leben erf�llt, weil Hakylos seine Unterwelt unter den Wurzeln der B�ume hatte. Mit dem Tod des Spinnend�mons werden auch die oberirdischen D�monenkreaturen sterben. Euch droht keine Gefahr.“ Und so zogen Saskia und Christian im Triumphzug in die n�chste Stadt ein und alle Leute feierten die beiden Kinder, die das Land vom Fluch des Spinnend�mons befreit hatten. Auch Regina und die anderen Arbeitskinder, die befreit worden waren, fanden sich zum Fest ein. Regina erz�hlte Saskia, dass die Kinder im Wald ein verlassenes Haus gefunden hatten, in dem sie alle zusammen wohnten. Alle waren vor Freude aus dem H�uschen, weil Chris und Sassi die Welt vom drohenden Fluch des Hakylos befreit hatten. Christian und Saskia war all das Feiern egal. Sie hielten sich umarmt und sie waren gl�cklich, noch immer beieinander zu sein. Zufrieden mit dem guten Ende unseres Phantasiespiels zogen Sassi und ich heimw�rts zum Campingplatz. Weils so sch�n war, hatten wir unsere H�nde vorm Bauch mit je einem Paar Handschellen zusammen gebunden. �Das war klasse“, rief Sassi begeistert. �So eine sch�ne Phantasie hatte ich allein noch nie. Du hast so tolle Ideen, Chrissie!“ Mir wurde ganz warm ums Herz, wenn sie sich so freute. Es war einfach sch�n, Sassi gl�cklich zu sehen. Sie hopste ein St�ck voraus und drehte sich auf blo�en F��en im Kreis. Ihr Dirndl flog. �Ich kann dir auch so was n�hen“, meinte sie. Ich schaute skeptisch: �Du willst mich in M�dchenkleider stecken?“ Bei aller Liebe, da machte ich nicht mit! Saskia lachte lauthals. �Doch nicht in ein Kleid, Chris! Deine Mutti hat mir versprochen, Schnittmuster zu besorgen und danach n�he ich dir Leinenhosen und ein Hemdchen im alten Stil. Dann passen wir zueinander. Nun, das klang richtig gut. Zufrieden folgte ich ihr zum Campingplatz. Am Waldrand zogen wir die Handschellen aus Wir gingen noch schnell schwimmen und dann duschen, w�hrend Alkoholix und der Weinschlauch den Grill anschmissen und Misses Baileys und Lik�rika Fressi-Fressi vorbereiteten. Onkel Tr��t traf auch bald ein. Er hatte eine ganze T�te superleckerer grober Bauernbratw�rste dabei, die ich so sehr liebte. Und seine Fl�te. Ich holte unsere Decke und breitete sie auf der Wiese aus. Sassi und ich zogen unsere K�ppchen an und dann hockten wir uns auf die Decke. Nat�rlich durften die Handschellen nicht fehlen. Ich fesselte Sassi die H�nde und F��e und legte mir dann selber Handschellen an. Angekettet hockten wir auf der Decke, eng aneinander gekuschelt. Onkel Tr��t holte seine Kamera. �Ein Bild von der Chain-Gang“, meinte er grinsend und knipste uns. Wir grinsten d�mmlich ins Objektiv.
64. Teil) (f�r Ramonika)
Am letzten Abend
Wir hockten gem�tlich auf unserer Decke und kuschelten uns aneinander. Auf dem Grill brutzelte Fressi-Fressi. Weil noch massig Zeit war, holte ich meine Mundharmonika raus und lie� sie sch�n traurig jammern. Ich spielte einige bekannte Lieder, dann das Intro zu Sassis Lied. Sie sang auch gleich dazu:
Siehst du den Tanz der kleinen Feen? Sommer wird ewig sein. Dort wo die Heideblumen stehn, fand ich die Liebe mein. Wir wandern, wir singen, ich sp�r s��en Schmerz. In deinen blauen Augen, dort gl�ht mein kleines Herz.
Ich m�chte immer bei dir sein, w�nsch dass das Gl�ck uns leite. In weiter Ferne und daheim, immer an deiner Seite. Die Blumen sie bl�hen, ganz fr�h schon im M�rz. Wo sie erbl�hen, tanze ich. Dort gl�ht mein kleines Herz.
Onkel Tr��t grinste selbstzufrieden. ��tscht!“ sagte er und zeigte einen kleinen Kassettenrekorder vor, der hinter seinem Stuhl versteckt gewesen war. �Ich habs aufgenommen. �tsch! Da ist das Mikro.“ Er zeigte auf ein kleines schwarzes Ding, das oben an die Stuhllehne geclipst war. �Und alles in 1 A- Tonqualit�t!“ Er spulte das Band zur�ck und lie� es auf Winters gro�em Radio-CD-Rekorder laufen. �Davon will ich eine Kopie!“ verlangte meine Mutter. �Das wird eine sch�ne Erinnerung.“ �Ich auch!“ forderte Saskias Mutter. �Kein Problem Leute“, sprach Tr��t. �Ich jage zuhause alles durch den Computer und verbessere den Ton noch ein bisschen. Dann kriegt ihr CDs. Das Coverfoto mit den Kindern in Ketten habe ich ja schon geschossen.“ Er machte uns ein Zwickauge. �Aber ein Liedchen muss noch mit auf die CD“, verlangte er und holte seine Fl�te. �Saskia?“ �Okay“, sagte Saskia. Onkel Tr��t startete den kleinen Rekorder und begann auf seiner kleinen Fl�te zu spielen. Saskia sang den mittelalterlichen Text dazu:
Under der linden an der heide da unser zweier bette was da muget ir vinden schone beide gebrochen bluomen unde gras vor dem wald in einem tal tanderadei schone sanc die nahtegal
Ich kam gegangen zuo der ouwe do was min friedel komen e da wart ich enpfangen here frouwe daz ich bin saelic iemer me kust er mich wol tusentstund tanderadei seht wie rot mir ist der mund
Do het er gmachet also riche von bluomen eine bettestat des wirt noch glachet innecliche kumt iemen an daz selbe pfat bi den rosen er wol mac tanderadei merken wa mirs houbet lac
Daz er bi mir laege wessez iemen nu enwelle got so schamt ich mich wes er mit mir pfaege niemer niemem bevinde daz wann er und ich und ein kleines vogellin tanderadei daz mac wol getriuwe sin
Als er fertig war, verbeugte sich Onkel Tr��t: �Danke sehr, liebreizende kleine S�ngersmaid f�r die sch�ne Aufnahme.“ �Das Lied ist ja ganz sch�n“, meinte mein Dad. �Aber ich habe kaum die H�lfte verstanden.“ �Es wird in Hochmittelalterlichem Deutsch gesungen“, erkl�rte Tr��t. �Geschrieben hat den Song Walther von der Vogelweide, und der lebte von 1170 bis1230. Damals sprach man ein anderes Deutsch als heute. Es ist ein Liebeslied f�r weibliche Singstimme. Und es ist nicht mal sicher, ob die Melodie stimmt. Die stammt n�mlich von dem franz�sischen �En mai“. Die Originalnoten sind verschollen. Doch die Verse passen auf das franz�sische Lied.“ �Was du alles wei�t“, meinte mein Vater kopfsch�ttelnd. �Das einzige was ich wei� ist, dass unser Futter gleich verbrannt ist“, rief der Weinschlauch. �Fertigmachen zum Essenfassen!“ Ich sperrte Saskia und mich los und wir r�ckten in die Freilandkantine ein, um uns fressenderweise an der Schlacht am hei�en Buffet zu beteiligen. Kaum hatten wir uns mit all den gegrillten K�stlichkeiten voll gestopft, hockten Sassi und ich uns wieder auf unsere Decke. Es machte mir einen Heidenspa�, Saskia die Handschellen anzulegen. Wie meistens streckte sie mir zuerst die H�nde hin und ich lie� die Dinger um ihre Gelenke schnappen. Das Ratschen und Klickern war einfach ein supercooles Ger�usch. Danach wandte ich mich Sassis nackten F��en zu und legte das zweite Paar Handschellen um ihre Kn�chel. Bei mir selber fing ich immer mit den F��en an. Dort landeten die Handschellen, an denen der Schl�ssel baumelte. So konnte ich an den H�nden ein Paar OHNE Rettungsschl�ssel tragen, was den Eindruck des hilflos Gefesseltseins verst�rkte. Onkel Tr��t legte eine CD in Winters �Campingplatz-Hifi-Anlage“ und drehte ein bisschen auf. �The Percy Faith Orchestra“ spielte das Lied �A Summer Place“, einen wundersch�nen Instrumentaltitel, in den ich total vernarrt war. Solange das Lied lief, schaute ich Saskia unverwandt an. Es war f�r mich DAS Liebeslied schlechthin. Wenn ich das h�rte, konnte ich mir m�helos vorstellen, f�r immer mit Sassi in einem Land des ewigen Sommers zu leben. Mein Herz schlug schneller, als Saskia mir lieb zul�chelte. Im Augenwinkel sah ich, wie meine Mutter Misses Baileys anstie� und die zwei ger�hrt zu uns r�berschauten. Meine Mutsch machte eine Bewegung am Handgelenk. Das sollte wohl hei�en: Die habe die Dinger ja schon wieder an! F�r einen Moment war ich in gro�er Sorge, dass man mir und Saskia die Handschellen verbieten k�nnte. Aber dann fiel mir ein, bei was ich Misses Baileys und den Weinschlauch erwischt hatte und ich war mir pl�tzlich ganz sicher, dass Saskias Eltern bestimmt nichts gegen unsere harmlosen Spielereien hatten. Nach Percy Faith kamen die Champs mit �Tequila“ und bei jeder Runde soff die �Alkoholiker-Quadriga“ an ihrem Wein, Bier, Lik�r und sonst was und sie br�llten laut: �Tequila!“ Erwachsene! Schlimmer als kleine Kinder! So lie� es sich aushalten. �Erz�hl doch mal einer eine Anekdote aus seinem Leben!“ verlangte die Scharfe Anne, die gerade mit der Wilden Hilde vorbeikam und sich frech dazusetzte, um den S�ufern das Bier wegzugluckern. Onkel Tr��t zeigte auf Saskias Vater: �Der Weinschlauch ist heute an der Reihe. Erz�hl doch mal vom teuersten Klohpapier der Welt lieber Hartmut.“ Misses Baileys wurde hellh�rig: �Wie bitte? Davon wei� ich ja gar nichts!“ �Frauen wissen eben nicht immer alles �ber ihre M�nner“, l�sterte Onkel Tr��t. Mein Vater grinste breit. Er schien die Geschichte zu kennen. Saskias Vater begann zu erz�hlen: �Das ist schon eine Weile her. Ihr wisst sicher noch, wie ich mir das teure Mountainbike gekauft habe und am Wochenende immer damit in die W�lder gefahren bin. Nun, eines sch�nen Sonntagmorgens ging es mir nicht so doll.“ Er schaute sein holdes Eheweib an. �Das war, als wir Samstagabends bei den Jungheinrichs waren. Wei�t du noch? Es gab Eisbein mit Sauerkraut und Speckso�e und ich habe vier Riesenportionen Sauerkraut gemampft.“ Der Weinschlauch begann leise zu hiecken. Auch Onkel Tr��t machte seine bekannten Traktor-springt-nicht-an-Ger�usche. Mein Vater soff seine Bierflasche in einem Zug leer und grinste dabei wie ein Honigkuchenpferd. �Ich bin also unterwegs im sch�nen Walde und es hat massig Spazierg�nger, weil es ein wundervoller Fr�hlingssonntagmorgen war. Da bekam ich absolut unsonnt�gliche Gef�hle im Ged�rme. Richtige Presswehen waren das! Ich �berschlug im Geiste, wie schnell ich nach Hause rasen k�nnte, um auf den Lokus zu kommen. Mein Dickdarm teilte mir gnadenlos mit, dass er keine Lust versp�rte, bis zuhause zu warten. Ich musste! Und zwar auf der Stelle! Ich stieg ab und schob mein Rad durchs verfilzte Unterholz in eine Fichtenschonung rein, damit ich nur ja weit weg vom n�chsten Waldweg war. Beim Schliefen durchs Unterholz fing ich mir mindestens zwei Dutzend Zecken ein, doch das war mir egal. Ich hockte mich mitten in den Wald und das Sauerkraut kam mit Hochgeschwindigkeit zur hinteren Pforte raus. Es h�rte gar nicht mehr auf. Ich musste zweimal vorr�cken. Auf den Haufen w�re ein Elefant neidisch geworden, sag ich euch!“ Misses Baileys und Lik�rika klammerten sich schon mal aneinander und sie truthahnten ein bisschen: �Ruddu-ruddu-ruddu.“ Ihre K�pfe wurden rot vom Lachen. �Ja und wie ich endlich fertig bin und so richtig erleichtert, f�llt mir ein: ich hab kein Kackpapier mit!“ berichtete der Weinschlauch. �Au weia!“ Seine Frau lachte laut los. �Jetzt wei� ich, warum du seitdem immer eine Ladung Klohpapier dabei hast.“ �Tja eben“, sagte Herr Winter. �Ich musste mich nat�rlich abwischen und so musste die nagelneue Topografische Landkarte dran glauben. 7 Euro 20 f�r einmal Arschwischen. Ganz sch�n kostspielig. Und unangenehm wars auch noch. Das Papier topografischer Landkarten ist ziemlich hart!“ Reihum br�llte alles vor Lachen. �Aber das war noch nicht alles“, sagte Saskias Vater, als alle fertig gelacht hatten. �Noch nicht?“ fragte meine Mum. �Hast du NOCHMAL gemusst?“ �Nein“, erwiderte der Weinschlauch und nahm einen gro�en Schluck aus seinem Rotweinglas. �Aber pl�tzlich h�rte ich eine Stimme direkt aus dem Himmel: �Mensch du alte Sau!“ Ich bin vielleicht erschrocken. Das kann ich euch sagen. Eine zweite Stimme brummte: �Was ist denn?“ Darauf die erste Stimme: �Hier einfach einen abzukoffern! Du Skunk! Hast du heute Morgen im Leichenhaus gefr�hst�ckt? Du musst doch innerlich total verwest sein!“ �Aber ich hab nicht gefurzt“, sagte die zweite Stimme verdutzt. �Ach komm du Methanbomber!“ maulte Stimme Nummer eins. Ich schaute vorsichtig nach oben und was sehe ich? Da war ich extra ganz tief in die Schonung reingekrochen und hatte mich zum Abkacken ausgerechnet genau unter einen Hochsitz gehockt!“ Jetzt gab es kein Halten mehr. Alles lachte und schrie durcheinander. �AAAA-AAA-AA-A-A-A-AAAAA!“ b�rte mein Vater. “Hieck-hieck-hiiieck”, machte der Weinschlauch. ��rrr-h�rrr-h�rrr!“ br�llte Onkel Tr��t und er pr�gelte seine Oberschenkel zu Brei und wackelte mit dem Kopf vor und zur�ck. Meine Mutter und die von Saskia lagen sich in den Armen und sie heulten wie Seehunde: �Hjouk! Hjouuuuk! Hjouuk!“ Die Wilde Hilde wieherte wie eine Stute und die Scharfe Anne auch. �Mann! Das war mir vielleicht peinlich“, rief der Weinschlauch lachend. �Ich bin dann sehr, sehr vorsichtig davon geschlichen, w�hrend oben auf dem Hochsitz Stimme 1 mit Stimme 2 schimpfte und ihn einen Skunk, einen stinkenden Pavian und einen Methangasboiler nannte.“ Wir lachten uns alle kaputt. Sp�ter wurde es dann Zeit f�r mich und Sassi. Ohne Murren zogen wir uns die Fu�schellen aus. Die Handschellen an den Handgelenken lie�en wir an, als wir in unser Zelt krochen. Ich sah aber, wie meine Mutter Misses Baileys anstubste. Kaum lagen Sassi und ich zusammen im Schlafsack, wurde der Zelteingang ge�ffnet. Es waren unsere M�tter. �Ihr werdet die bl�den Dinger doch nicht im Schlaf tragen oder?“ fragte meine Mutti. �N�“, sagte ich. �Zeigt mal her!“ verlangte sie. �Wir haben sie nicht an“, brummte ich und kuschelte mich an Saskia. �Vorzeigen! H�nde hoch!“ rief Mamschi befehlend. �Manno! Sind wir hier in einem Westernfilm?“ maulte ich. �Eure H�nde!“ beharrte mein Muttertier. Sassi und ich schauten uns an. Dann nahmen wir ergeben die H�nde aus dem Schlafsack. An unseren Handgelenken befand sich nichts au�er zarter Haut. �Seid ihr jetzt zufrieden!“ brummte ich m�glichst schlechtgelaunt. Unten im Schlafsack spielten Saskia und ich mit unseren nackten F��en aneinander rum. Wir trugen dort Handschellen und die Ketten waren �berkreuz gelegt, so dass unsre F��e zusammen gefesselt waren. �Na dann gute Nacht ihr zwei Turtelt�ubchen“, sagte meine Mutter und verschloss das Zelt. Von drau�en drang der Schein des Grillfeuers herein. Ich schaute Sassi in die Augen und l�chelte: �Die haben wir sch�n drangekriegt, was?“ Sie gab umarmte mich und gab mir einen Kuss. Dann holte sie ein Paar �Handschellen“ aus Katzenhalsb�ndern hervor und hielt sie mir hin: �Leg mir die noch an Chrissie. Bitte. Schnall meine Handgelenke auf dem R�cken zusammen und dann halt mich im Arm, w�hrend wir einschlafen.“ �Geht klar“, fl�sterte ich. Mit einigen Verrenkungen schaffte ich es, ihr die H�nde auf den R�cken zu fesseln. Sie lag still in meinem Armen. Ihr Atem kitzelte mich am Hals. �Mir tut immer noch der R�cken weh“, wisperte Sassi. �Das mach ich nicht mehr. Das mit dem G�rtel war zu feste.“ �Es tut mir leid Sassi“, sagte ich zerknirscht. �Es muss dir nicht leidtun, Chrissie. Ich wollte es ja. Ich wollte unbedingt wissen, wie es sich anf�hlt. Aber ich mag das nicht mehr. Es war zu feste.“ Eine Weile lagen wir still. �Morgen fahren wir nach Hause“, fl�sterte Saskia. �Wir sehen uns ja bald wieder“, beruhigte ich sie. �Sp�testens am n�chsten Wochenende. Vielleicht geh ich meiner Mamschi auch schon vorher so auf die N�sse, dass wir mitten in der Woche zu euch auf Besuch fahren. Ich kann das. Ich bin der K�nig der Quengler.“ �Ja?“ fragte sie leise und schmiegte sich noch enger an mich. �Ja“, antwortete ich ebenso leise und dann pennten wir ein.
65. Teil) (f�r Ramonika)
Der Kuchen-Junkie
Am n�chsten Tag war dann Schluss. Es war schon ein komisches Gef�hl, als ich morgens aufwachte. Sassi pennte noch. Sie lag immer noch in meinem Armen. Eine Weile betrachtete ich ihr Gesicht. Im Schlaf war es ganz weich und sanft. Schwer zu beschreiben. Sch�n fand ich es. Ich zappelte sehr vorsichtig mit den F��en. Unsere �berkreuz angezogenen Handschellen fesselten uns dort unten immer noch zusammen. Heute Abend w�rde ich zuhause zum ersten Mal seit vielen Tagen allein zu Bett gehen. Ich hatte mich so dran gew�hnt, Sassis warmen K�rper nahe bei mir zu sp�ren. Sie erwachte mit einem leisen Seufzen. Als sie sah, dass ich sie anschaute, wurde sie rot und l�chelte mich an. Ich umarmte sie noch fester und dr�ckte sie an mich. Erst dann begann ich, uns zu befreien. Wieder hatten die st�hlernen Handschellen Abdr�cke an unseren Fu�gelenken hinterlassen. Als ich mit Saskia zum Waschh�uschen lief, glaubte ich noch immer, die schweren Metalldinger an den Kn�cheln zu sp�ren. Nach dem Fr�hst�ck kamen die Erwachsenen auf die Idee, einen �Abschiedsspaziergang“ rund um den See zu machen. Darauf hatten weder Saskia noch ich Lust. Es war langweilig, in der Herde einen Waldweg entlang zu rennen, vor allem, wenn die Alten alle naslang stehen blieben, um mit entgegenkommenden Bekannten endlos zu quasseln. Nix da! Wir blieben lieber auf dem Campingplatz. Eine Weile spielten wir M�hle. Zu meiner Verbl�ffung zog Sassi mich von f�nf Spielen viermal ab. Dann musste ich auf den Lokus. Als ich zur�ckkam, kam Saskia von dem kleinen Gesch�ft her zur�ckmarschiert, in dem die Camper ihre Fressalien kauften. Sie balancierte ein Papierpaket vor sich. �Was ist das?“ fragte ich neugierig. �Nix f�r dich!“ entgegnete Fr�ulein Winter schnippisch und grinste. Ich bl�hte die N�stern: �K�sekuchen!!!“ Mein Magen begann zu knurren wie ein L�we – ach was! – wie ein hungriger Smilodon! �Ich hab Hunger“, fiepte ich und probierte meinen allerbesten Hundeblick. �Der ist f�r sp�ter, du Fresser!“ bestimmte Saskia. Ich begann vor Entsetzen zu quieken wie ein Meerschweinchen. �So lange kann ich aber nicht warten! Sassi!!! Bitteeeee!!! Nur ein St�ck!!! Sonst sterbe ich!“ Sie lief zu ihrem Wohnwagen und sperrte den Kuchen in den K�hlschrank. Ich schluckte hart. Das war nicht zum Aushalten! Ich konnte nicht weiterleben, wenn ich nicht AUF DER STELLE ein St�ck von dem K�sekuchen bekam! Ich war schon halbtot vor lauter Sterben. Ich bequiekte und befiepte Saskia aufs liebste, doch sie blieb hart. �Du kriegst davon“, sagte sie schlie�lich. �Aber nur, wenn ich dich f�ttern darf.“ �Okay, von mir aus“, stimmte ich sofort zu. Ich h�tte auch zugestimmt, wenn sie von mir verlangt h�tte, dass ich einem wilden Grizzlyb�ren den Kopf rasieren sollte. Es ist schon hart, wenn man k�sekuchens�chtig ist! Brav sperrte ich den Schnabel auf. �So doch nicht!“ kr�hte Saskia lachend. �Auf den Stuhl setzen!“ Ich setzte mich auf den Campingstuhl. Sassi holte unseren Rucksack. Ach DAHER wehte der Wind! �Beeil dich aber mit Anbinden“, flehte ich, �sonst bin ich verhungert, bis du fertig bist.“ Ich musste die Arme auf die Stuhllehnen legen und Saskia wickelte auf jeder Seite Schnur um Arm und Armlehne. Vom Handgelenk bis hinten zum Ellbogen. Sie achtete darauf, dass ich mich nur ja nicht mehr r�hren konnte und machte feste Knoten. Weil ihr das nicht reichte, legte sie ein l�ngeres Seil um meinen Oberk�rper und verschn�rte ihn sehr fest mit der R�ckenlehne. Mein Magen machte inzwischen Ger�usche, die einer hungrigen Urzeitechse gut zu Gesicht gestanden h�tten. Nicht mehr lange, und mir w�rde der Sabber die Backen runter laufen. Doch Saskia kannte keine Gnade. Aus irgendeinem Grund war sie der Meinung, dass ich diesmal wirklich super-mega-feste angebunden werden musste. Ich konnte betteln wie ich wollte, sie fesselte in aller Ruhe meine F��e an die Stuhlbeine. Weil ich soweit hinten gegen die Lehne gepresst war, erreichten meine F��e den Boden nicht. Sie hingen gefesselt in der Luft. Das wunderte mich nicht, aber als Saskia mit einem seltsamen L�cheln raus ging, wurde ich stutzig. Sie kam mit einem Grashalm zur�ck. Ich schluckte. Weia! Blo� nicht! �Jetzt kommt meine Rache f�r letztes Mal, als ich im Wald von den �Indianern“ gefoltert wurde“, sagte Saskia leise. Ich wurde ganz zittrig. Ich war saukitzelig an den F��en. �Das ist noch nicht alles“, fuhr Sassi fort. �Deine Folter wird schlimmer sein!“ Ich machte Glotzaugen: �Schlimmer?!“ Saskia nickte. �Du wirst nicht geknebelt. Aber du darfst nicht lachen und schon gar nicht schreien. Gibst du auch nur einen Ton von dir, gibt’s keinen K�sekuchen!“ Mir rutschte das Herz in die Hose. Das w�rde ich nicht schaffen. Unm�glich! �Sassi, das geht nicht“, quiekte ich. �Ich MUSS lachen, wenn du mich kitzelst. Und ich werde STERBEN, wenn ich keinen K�sekuchen kriege.“ �Pech f�r dich!“ meinte sie und l�chelte wie ein ganz f�rchterlich braves M�dchen. Sie lie� sich auf die Knie sinken und strich mit den Fingerkuppen �ber meine Fu�r�cken, als suche sie die passende Stelle. Dann fing sie an, mit dem Halm zwischen meinen Zehen rumzustochern. Ich ging augenblicklich hoch wie eine Rakete. Im letzten Moment biss ich die Z�hne aufeinander, um keinen Laut von mir zu geben. Ich spannte mich in meinem Fesseln an wie bl�de und zerrte und zappelte wie ein Fisch auf dem Trockenen. Ich zuckte mit den F��en, konnte aber dem entsetzlichen Grashalm nicht entkommen. Saskia wussten ganz genau, wo sie kitzeln musste. Ich keuchte und st�hnte. Ich wand mich aus Leibeskr�ften. Ich zog Grimassen. Ich fing an zu schwitzen. �Nein! Sassi nein!“ zischte ich, im Versuch, nicht zu laut zu werden. �Aufh�ren Sassi! Ich platze! Sassiiiii!!!“ Aber sie kitzelte in aller Seelenruhe weiter. Ich riss an meinen Fesseln und wand mich wie ein Aal. Ich hatte das Gef�hl, jeden Moment aus meiner Haut herausfahren zu m�ssen. Der Campingstuhl knarrte wie ein Segelschiff bei Starkwind. Ich merkte, wie ich langsam aber sicher wahnsinnig wurde. Ich wei� nicht, wie lange Saskia das machte, aber als sie endlich aufh�rte, war ich verschwitzt und keuchte wie ein Rennpferd. Aber ich hatte nicht gebr�llt! Irgendwie war ich schon ein bisschen stolz auf mich. Saskia stand auf: �Du hast die Folterpr�fung erfolgreich bestanden Christian List.“ Sie schaute mich fragend an: �War da auch keine List im Spiel?“ Ich sch�ttelte den Kopf. �Hinter-List vielleicht? Oder gar Arg-List?“ Wieder sch�ttelte ich den Kopf. �Du grinst n�mlich so listig!“ �Ich grinse nicht, das ist eine Hungergrimasse“, r�chelte ich. �Sassi, wenn ich nicht SOFORT ein St�ck K�sekuchen kriege, STERBE ich!“ Da endlich zeigte sie Mitgef�hl mit der leidenden Kreatur und holte den im K�hlschrank internierten Traum des B�ckerhandwerks hervor. Aber nicht, dass sie sich damit beeilte! Sie holte in aller Ruhe ein gro�es Messer aus der Schublade. Unterwegs blieb sie stehen und kratzte sich mit dem nackten linken Fu� hinter der rechten Wade. Dann vorne. Ich wurde in meinen Fesseln halb wahnsinnig. Danach schnitt sie in aller Ruhe den halben K�sekuchen in St�cke. Und als sie endlich, ENDLICH ein St�ck hochhob, um es mir in den Gierschlund zu stopfen, riss einer die T�r auf und sie zuckte erschrocken zusammen. Mist! F�r einen Moment waren wir beide erstarrt. Der K�sekuchen schwebte keine f�nf Zentimeter vor meinem sperrangelweit aufgerissenen Mund. �Was?“ machte es drau�en. �Ja was ist denn das?“ Eine Sekunde lang war es totenstill. Dann schrie eine Stute, die gerade vom Metzger abgestochen wurde. Es war die Scharfe Anne. Sie wieherte lauter als ein Trompetenorchester. �Ja die hat ihren kleinen Freund aber im Griff, Sylvia!“ schrie sie und lachte Tr�nen. �Guck mal, wie der den Schnabel aufsperrt! Wie ein junger Kanarienvogel, der gef�ttert werden will!“ Drau�en vor der T�r stand die ganze verdammte Bande und lachte sich einen Ast. Jetzt war es mir egal. Ich musste fressen! Ich bog den Hals vor und grub die Z�hne in den K�sekuchen. Ich erwischte das halbe St�ck, riss es ab und w�rgte es hastig hinunter. Worauf die Heiterkeit vorm Wohnwagen ihren H�hepunkt erreichte. Alles schrie und kreischte durcheinander: �Hieck-hieck! AAA-AA-A-A-AAAA! �rr-h�rrr-h�rrr! Ruddu-ruddu! Hjouck! Hjouuuk! Wieher-wieher! Prust!“ Als sie sich weit genug beruhigt hatten, rannten alle davon, um Fotoapparate oder E-Cams zu holen und ich wurde in Fesseln geknipst, wie ich Sassi aus der Hand fra�. Mir egal! Hauptsache, ich kriege vier St�ck K�sekuchen ab! Mjamm!
Danach hockten wir drau�en – Sassi und ich ausnahmsweise mal ohne Handschellen- und quakten rum. Saskia kuschelte sich auf unserer Decke an mich. Ich dr�ckte sie und innen drin wurde mir ganz flau. Jetzt w�rden wir gleich heimfahren. Sie griff nach meiner Hand. �Warum bleiben wir nicht noch l�nger?“ quengelte ich. �Es sind doch noch Ferien!“ �Aber nicht f�r mich, junger Mann“, sprach mein Vater. �Ich muss morgen wieder zur Arbeit.“ �Da muss ich doch nicht mit!“ konterte ich schlagfertig. Ich sp�rte, wie Saskia meine Hand dr�ckte; ganz fest. �Ich kann doch hier bleiben.“ �Allein? Kommt nicht in Frage!“ bestimmte mein Daddy. �Onkel Tr��t ist ja da“, gab ich zur�ck. �Und Sassi kann auf mich aufpassen.“ Augenblicklich lachten sie wieder los. Ich blickte Sassi an. Jetzt oder nie! �Und �berhaupt! So weit ist das doch nicht von daheim weg! Du und der Winterich k�nnt ja abends mit dem Auto von der Arbeit kommen. Die M�tter bleiben hier. Sie k�nnen sich am See ins Gras legen oder im Dorf einkaufen gehen. Und abends ist der Grill schon gerichtet. Ihr macht schnell ein sch�nes k�hlendes Schwimmchen, dann duscht ihr und dann gibt’s Fressi-Fressi.“ �Klingt gar nicht mal so �bel“, sagte der Weinschlauch. �Aber ich muss in die Wohnung zur�ck Schatz. Wer wei�, wie viel Staub sich im Urlaub angesammelt hat“, hielt seine Frau dagegen. �Und die W�sche muss ja mal in der Maschine gewaschen werden. So von Hand, das wird ja nicht wirklich sauber.“ Weiber! �Dann fahrt doch“, mischte sich Onkel Tr��t ein. �Fahrt alle zusammen nach Hause. Dann k�nnen die putzs�chtigen Weibsen morgen die Wohnungen auf den Kopf stellen, zehn Ladungen voll W�sche waschen und des Abends mit ihren G�ttergatten und einem Schrankkoffer neuer frischer Kleider zur�ckkehren. Einen Abend werde ich schon mit den zwei Jungf�chsen fertig. �Ja, ja! Bitte, bitte!“ bettelten Saskia und ich im Duett. Dabei machten wir Gesichter, als h�tten wir soeben erfahren, dass wir bei lebendigem Leibe an eine Horde L�wen verf�ttert werden sollten. Es war mein Dad, der den Ausschlag gab: �Hartmut wei�t du was? Das klingt nicht schlecht. Ich sag dir aber was: Unter der Woche lassen wir unsere G�tter-Gattinnen mal hier und wir zwei haben dann Herrenabend. Dann k�nnen wir mit den Mountainbikes losschwirren und danach gem�tlich vorm Fernseher rumh�ngen und uns ein Fu�ballspiel anschauen.“ Eine Weile ging es noch hin und her, dann war es beschlossene Sache: Wir durften noch eine Woche bleiben! Sassi stie� einen lauten Seufzer aus und fiel mir um den Hals. �Mensch Chrissie! Ich bin ja sooo froh!“ hauchte sie mir ins Ohr. �Ich auch Sassi“, fl�sterte ich gl�cklich zur�ck.
ENDE
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