Neuland Stumme Zeugen Ruft der Wind herbei durch seinen Atem. Segel flattern, Möwen schrein` und die Sonn` blickt hinten drein, vorbei ist `s mit dem Warten. "``Land Ahoi!`` tönts` aus dem Mast, das Deck gestürmt von all`n G`sellen. Gestarren und Geplänkel, Ist`s die Freiheit, bringts das Glück, jetzt verlangen sie nach Taten. Anker gesenkt, die Boote herab, Vorfreude auf den Hafen. Der erste springt ins Ufernaß; die Meute folgt ihm, ohn` unterlaß auf unbekannte Straßen. Hier siedeln sie, hoffend und auch bangend. Auf ein neues Leben trinken sie; feiernd und tanzend, vergeudend ihren Atem. Lachend und Liebe machend, neben dem Feuer erklingt laut die Musik. Ausgelassen, enthemmte Personen, die Pärchen antörnend bei ihren Chörchen. Erschöpft zusammen eingeschlafen, verstreut auf viele Lager. Augenpaare aus dem Schattenreich, die Neuen taxierend voll Neugier, voll beharrlichem Abwarten. Das Morgengrauen nimmt 's namentlich, Die Sonne färbt sich rot. Das Gemetzel ist gar fürchterlich, die Siedler voller Not, Abends fast alle tot. Die Männer erschlagen, die Knaben verkauft. Frauen und Mädchen selektiert nach ihren Maßen: die alten hinweg, die jungen ins Bett. Gefahren mißachtet und den Teufel verhöhnt. Alles verloren und vorbei, keine Freiheit und kein Glück, das Schicksal läßt nicht spaßen. Ein kleines Häufchen träumt trotzdem noch von einem schönen Garten. Eines Tages gelingt die Flucht, sie können nicht länger warten. Ein zweiter Versuch in einer anderen Bucht. Die Knaben, inzwischen zu Männern gereift, paar'n sich mit ihren Madchen. Das neue Heim, es wächst und gedeiht, ohne Feinde und ohne Krieg. Ein neues Volk, stark und stolz. Die sich trauten, sie haben gewonnen. Alle Widrigkeiten gut überstanden, und doch noch ihr Glück gefunden. Ein Märchen aus 1001 Nacht. 25.4. bis 14.8.1996 Oliver GrünerNEULAND