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SH-061_1 - Schwestern ....

 

Schwestern .... (sh-061_1)

(199k)

"Schwestern" ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, die Schwestern aller Art zum zentralen Thema haben: Zwillingsschwestern, gleichaltrige Schwestern, große und kleine Schwestern, liebe und böse Schwestern, Stiefschwestern. Jede Geschichte für sich (außer der letzten) ist zu dürftig und abgehackt, um als eigene Geschichte zu gelten, doch im Verbund ergeben sie ein schönes Bild.
- Kap. 1: "Helene und Johanna" handelt von zwei 11jährigen Mädchen, die überraschend ihre Eltern verlieren (M/f 1st preg)


A Internacional Author story from MrDouble's archive,
File: sh-061_1.txt from sh-060_1.zip



Helene und Johanna (pt)

"Helene und Johanna" handelt von zwei 11jährigen Mädchen, die ueberraschend ihre Eltern verlieren (M/f 1st preg)


Mein Name ist Peter Woyzak. Eigentlich Pjotr Woyzak, da ich polnischer Abstammung bin, aber ich lebe schon seit meiner Geburt in Deutschland und habe auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Deshalb nenne ich mich Peter.

Ich bin derzeit 36 Jahre alt und von Beruf Lehrer für Kinder von Aussiedlern aus Polen. Ich kümmere mich um die Kinder, die kaum oder gar nicht Deutsch reden können, und bringe ihnen die Sprache sowie den Stoff aller anderen Hauptfächer bei. Die Kinder sind etwa ein bis zwei Jahre bei mir und meinen fünf Kolleginnen und Kollegen, dann haben sie den Einstieg in unser Land geschafft und können in eine normale Schulklasse wechseln.

In welcher Stadt ich unterrichte, spielt hier keine Rolle. Ich habe lange überlegt, ob ich diese Geschichte überhaupt aufschreiben soll, mich jedoch letztendlich dafür entschieden, um anderen Menschen, die in die gleiche Situation kommen, so etwas wie einen Anhaltspunkt zu geben. Um die beteiligten Kinder nicht dem öffentlichen Gerede auszusetzen, sind alle Namen geändert.
Ich lebe in unmittelbarer Nähe des Wohnheims, wo die Aussiedler untergebracht sind, und kümmere mich um ihre Belange, wie zum Beispiel Behördengänge, Ausfüllen von Formularen und so weiter. Jedes Jahr besuche ich meine Verwandten in Polen und habe von daher sehr gute Kenntnisse über das Land und seine Gepflogenheiten, was mir im Umgang mit den Aussiedlern sehr hilft. Das Verhältnis zu ihnen ist aufgrund dessen überaus gut, teilweise sogar schon familiär. Ich sehe sie immer als gleichberechtigte Menschen an, die eben nur die Sprache des Landes, in dem sie leben, nicht beherrschen.

An dem Morgen, als diese Geschichte beginnt, stand ich wie an allen anderen Tagen auch an der Bushaltestelle und wartete auf den Bus zur Schule, als ich dort drei neue Gesichter sah. Es war der erste Tag nach den Osterferien, die ich wieder in Polen verbracht hatte, deswegen kannte ich die beiden Mädchen nicht. Sie waren ganz offensichtlich Zwillingsschwestern, um die 11 oder 12 Jahre alt, und redeten auf polnisch miteinander, vermischt mit ein paar Brocken Deutsch. Die Mädchen würden später einmal sehr große Schönheiten werden, das sah ich auf den ersten Blick. Sie waren knapp an der Grenze zu dünn, etwa 1,55 groß, hatten buschige, dunkelblonde Haare, die schon die Bezeichnung "Krauskopf" verdienten und ungebändigt und lockig über die Schultern fielen. Ihre Gesichter waren schmal und streng geschnitten, doch die graublauen Augen lachten voller Wärme. Sie waren identisch gekleidet, mit billigen roten Hosen, schwarzen T-Shirts und weißen Turnschuhen. Ihre Schulsachen trugen sie in einem Rucksack. Ich erkannte die Standardausrüstung der AWO wieder.

Der Mann, der direkt hinter ihnen stand, war mir ebenfalls unbekannt, doch auf Anhieb unsympathisch. Er stand für meinen Geschmack nämlich viel zu dicht bei den Mädchen; auch der Blick, mit dem er sie ansah, gefiel mir nicht besonders. Die Mädchen jedoch merkten überhaupt nicht, was in ihren Rücken passierte, und plauderten munter weiter über die Geschäfte, die sie in den letzten Tagen in der Stadt entdeckt hatten. Sie waren kurz nach Beginn der Osterferien nach Deutschland gekommen.
Ich unterhielt mich mit den mir bekannten Kindern, bis der Bus kam, hielt jedoch den Mann und die Mädchen im Auge. Als der Bus kam, stieg er dicht hinter ihnen ein und setzte sich auch auf die Bank hinter ihnen, die Arme auf die Lehne der Sitze gelegt, wo die Mädchen saßen. Ich setzte mich gegenüber hin, auf die andere Seite des Mittelganges.
Der Bus fuhr los, und der Ärger begann. Der Mann griff direkt, als der Bus sich in Bewegung gesetzt hatte, in die Haare der Mädchen und hielt sie fest. Die armen Dinger erschraken furchtbar und wußten überhaupt nicht, wie sie reagieren sollten. Sie blieben starr vor Schreck sitzen.
"Es reicht!" sagte ich ruhig zu dem Mann. Er schaute mich an, seine Augen glänzten fiebrig. Ein Triebtäter. Einer der armen Menschen, die ihre Triebe nicht unter Kontrolle haben und sie ohne Rücksicht auf Verluste ausleben, selbst wenn dafür ein anderer Mensch sterben mußte. Er schleuderte mir einen Schwall auf Polnisch entgegen. Ich antwortete gelassen in gleicher Sprache.
"Erstens ist meine Mutter keine Hure, zweitens ist mein Vater kein stinkender Ziegenbock, und drittens brauchen wohl eher Sie Hilfe. Lassen Sie die Mädchen los, und zwar sofort!"
Darauf antwortete er mit weiteren, noch wüsteren Beleidigungen. Also blieb nur noch eine Möglichkeit.
Ich stand auf und ging zum Busfahrer, dem ich kurz schilderte, was los war. Er nickte und griff zu seinem Funkgerät. Der Mann bekam das gar nicht mit, er war vollkommen in die Haare der Mädchen vertieft. Die Mädchen hingegen schauten mich flehend an; ich gab ihnen durch einen Blick zu verstehen, daß Hilfe unterwegs war. Sie nickten unmerklich.
Zwei Stationen weiter kamen zwei Polizisten in Zivil, die ich kannte, in den Bus. Ich deutete mit den Augen auf den Mann. Sie nickten und sahen, wie der Mann inzwischen je einen Arm um die Mädchen gelegt hatte und sie am Hals streichelte. Den Mädchen stand die Angst ins Gesicht geschrieben. Die Beamten fackelten nicht lange und nahmen den Mann gleich mit, trotz heftiger Gegenwehr, wie es später im Bericht heißen würde.
Nachdem nun wieder Ruhe im Bus war, konnte es weitergehen. Ich setzte mich auf die Bank vor den Mädchen und fragte, ob alles in Ordnung wäre. Sie nickten tapfer, doch ich sah, daß sie ganz schön an dem Erlebnis zu knabbern hatten. Ich redete noch ein paar Minuten mit ihnen, bis sie sich wieder beruhigt hatten, dann war auch schon die Haltestelle da, an der ich aussteigen mußte. Die Mädchen stiegen mit mir aus und schlugen wie ich die Richtung zur Schule ein, an der ich ein Klassenzimmer hatte. Offenbar hatten sie den Weg schon in den Ferien gelernt.
In der Schule trennten sich unsere Wege. Die Mädchen gingen zum Sekretariat, ich in das kleine Lehrerzimmer, das meine fünf Kolleginnen und Kollegen von der Schule bekommen hatten. Ich sah nach einem Blick auf die Papiere in meinem Fach, daß ich es mit 18 Kindern zu tun hatte, von denen ich kein einziges kannte. Aber das war mir schon vor den Ferien bekannt gewesen, denn in meiner alten Klasse waren alle so weit, daß sie nach den Ferien auf "normale" Lehrer verteilt werden konnten.
Um zehn nach acht war ich in meiner Klasse und entdeckte sofort die beiden Mädchen aus dem Bus, die mich überrascht und auch sehr erfreut ansahen. Ich lächelte ihnen kurz zu, dann begrüßte ich meine vielen neuen Kinder auf polnisch.
Die ersten zwanzig Minuten vergingen mit dem ganzen Papierkram, der bei neuen Kindern üblich war. Ausfüllen von Blättern, in denen abgefragt wurde, was sie bisher schon gelernt hatten, Ausfüllen von Formularen, in denen Name, Geburtsdatum, Geburtsort, derzeitige Adresse und so weiter eingetragen wurde, und dergleichen mehr. Aufgrund der Numerierung der Formulare konnte ich anschließend einen Sitzplan anfertigen, was ich nebenbei machte.
Der Unterricht war eigentlich kein solcher, nicht in dem Sinne, daß ich vorne stand und mein Wissen ausschüttete. Ich erzählte vielmehr. Ich erzählte von Polen und von Deutschland, von Gemeinsamkeiten und von Unterschieden, von den Möglichkeiten der Freizeitgestaltung hier, von wichtigen Geschäften, von Preisunterschieden. Die Kinder lauschten sehr aufmerksam und schrieben viel mit. Ich nannte ihnen Adressen von Geschäften, von denen ich wußte, daß die Inhaber oder Verkäufer polnisch sprachen, gab ihnen Telefonnummern von Instituten, die für sie wichtig sein könnten, und wechselte wieder zum Erzählen von Unterschieden in der deutschen und polnischen Kultur und Erziehung. Die Kinder mußten ein Gespür dafür bekommen, daß sie nun wirklich in einem anderen Land waren, und sie mußten lernen, daß bestimmte Worte und Redewendungen hier einen ganz anderen Sinn hatten als in Polen.
Die Pausen verbrachten wir im Klassenzimmer, auf Wunsch der Kinder. Die Kinder kannten sich untereinander kaum, und die anderen auf der Schule überhaupt nicht. So entstand eine sehr starke Bindung zwischen Schüler und Lehrer, die ich jedoch im Lauf der Monate immer weiter beschnitt, bis die Kinder so weit waren, daß sie sich unter den anderen Schülerinnen und Schülern bewegten und dort auch Freunde fanden. Es war ein ganz normaler Prozeß.
Da ich, wie schon gesagt, kein "normaler" Lehrer war, brauchte ich auch keine große Nachbereitung des Unterrichtes durchzuführen. Schulschluß für die Kinder war gleichbedeutend mit Schulschluß für mich. Mein Arbeitgeber war nicht das Kultusministerium, sondern die Stadt, bei der ich als Lehrer und Berater geführt wurde. Vormittags Unterricht, nachmittags Hilfestellung; das war mein Arbeitstag. Eine Arbeit, die mich vollkommen ausfüllte und bei der ich mit ganzem Herzen dabei war. Die Schule kooperierte insofern, daß sie uns sechs Lehrerinnen und Lehrern Klassen und Lehrerzimmer zur Verfügung stellte; immerhin waren pro Halbjahr weit über einhundert neue Kinder aus dem östlichen Europa neu hier. Polen, Rumänien, Ungarn, und Jugoslawien.
Um viertel vor eins war der Unterricht beendet. Die Kinder konnten sich nun schon auf Deutsch vorstellen. "Guten Tag, mein Name ist ..., und ich komme aus ..."; das hatten wir geübt. Jedes Kind mußte sich jedem anderen auf diese Art vorstellen, was unter vielem Lachen und mit vielen geröteten Gesichtern ablief, dann saß dieser Satz. Als ich die Kinder nach Hause schickte, herrschte eine fröhliche Stimmung.
Ich brachte meine Sachen in das Lehrerzimmer, verabschiedete mich von den anderen, und ging dann schnell zur Bushaltestelle, denn mein Bus kam um fünf vor eins. Die beiden Mädchen, die Johanna und Helene hießen, standen schon dort und unterhielten sich aufgeregt über die ganzen neuen Sachen, die sie heute erfahren hatten. Der Schock des Morgens war überwunden und vergessen.
Auf der Rückfahrt lernte ich, die beiden Mädchen zu unterscheiden. Johanna hatte unmerklich dünnere Augenbrauen als Helene, und Helene war die etwas ruhigere von beiden. Etwas. Beide Mädchen waren sehr aktiv und munter, doch der Anstoß zu einem Gespräch kam immer von Johanna. Helene konnte auch mal zwei Minuten still sitzen, Johanna gelang das nicht. Trotzdem waren die Mädchen nicht überdreht, sondern einfach nur quicklebendig und putzmunter. Und voller Energie.
Für die Kinder war ich im Moment die einzige Verbindung zu ihrem neuen Heimatland, und wie es üblich - und auch normal - war, bildeten sie schon im Bus einen großen Kreis um mich, fragten mich aus, erzählten etwas von sich, und redeten auch miteinander, bis wir an unsere Haltestelle kamen. Der Bus war so gut wie leer, als wir alle ausgestiegen waren. Die Kinder verabschiedeten sich fröhlich von mir und liefen heim. Ich tat das gleiche, nur etwas langsamer.
Vor dem Haus, in dem meine Wohnung war, warteten die Beamten von heute morgen, womit ich fast schon gerechnet hatte. Ich fuhr mit ihnen zur Wache und machte meine Aussage, dann brachten sie mich wieder heim. Der Mann, so erfuhr ich, war ein gesuchter Sittenstrolch, der zwar noch nie ein Mädchen vergewaltigt, aber schon sehr viele belästigt und sich ihnen als Exhibitionist präsentiert hatte, so daß er mit einer Verurteilung rechnen konnte. Nicht unbedingt eine Haftstrafe, aber immerhin war er nun polizeilich bekannt, und wenn alles gut ging, würde der Richter erkennen, wen er vor sich hatte, und eine Therapie anweisen.
Ich hoffte dies zumindest.
Um halb drei saß ich beim Mittagessen, um viertel nach drei war ich in meinem kleinen Büro im Wohnheim, dessen Wartezimmer schon gut besucht war. Ich wartete nicht bis zum offiziellen Beginn der Sprechzeit (sechzehn Uhr), sondern holte gleich die ersten zu mir. Es war der ganz normale Papierkram, bei dem die Menschen Hilfe brauchten: Anträge für Krankenkassen, für Sozialhilfe, Mietverträge für eigene Wohnungen, Kontoeröffnungen, Daueraufträge, und tausend anderer Anträge. Für mich war es nie Routine, denn ich hatte es immer mit Menschen zu tun. Mit Menschen, die einfach nicht wußten, was sie wie schreiben sollten, und für mich war es jedesmal aktive Hilfe an einem Menschen. Ich sah die Menschen nie als "Fall" an. Mir würde es ganz genau so gehen, wenn ich zum Beispiel nach Frankreich auswandern würde. Was wußte ich von der Bürokratie dort? Vom Bankwesen? Von den ganzen Fachausdrücken in Mietverträgen? Vom Vertragsrecht an sich? Nichts.
Um achtzehn Uhr war die Sprechzeit offiziell beendet, aber weder die Aussiedler noch ich hielten sich daran. Wir machten weiter, bis auch das letzte Blatt Papier ausgefüllt war, und selbst dann blieb ich noch etwas im Büro, bis ich sicher war, daß niemand mehr kam. Es waren oft Anträge und Formulare, bei denen es keine Rolle spielte, ob sie heute oder morgen ausgefüllt wurden, aber ab und zu kam es vor, daß die Aussiedler selbst versuchten, auf den Ämtern ihre Angelegenheiten zu klären, und das dauerte erstens sehr viel länger, und zweitens brachte es so gut wie nie den erhofften Erfolg. Dann kamen sie zu mir, in letzter Minute sozusagen.
Um halb sieben machte ich Schluß und besuchte noch eine Familie, die morgen ausziehen würde. Die Eltern hatten sich über einen Bankkredit ein kleines Lebensmittelgeschäft in der Innenstadt gekauft, mit angeschlossener Wohnung, und würden nun am nächsten Tag dort einziehen. Die drei Kinder, zwei Söhne im Alter von 17 und 18 Jahren und eine Tochter von 16 Jahren, waren aufgedreht bis in die Haarspitzen, genau wie die Eltern. Sie luden mich zum Essen ein, was ich gerne annahm. Wir plauderten bis fast zehn Uhr, während die fünf Menschen so nebenbei ihre wenigen Habseligkeiten einpackten, dann verabschiedeten wir uns herzlich voneinander. Ich nahm ihnen noch das Versprechen ab, daß sie sich unbedingt bei mir melden sollten, wenn sie Probleme bekamen, dann schlenderte ich langsam nach Hause.
Auf dem Weg über das Gelände hörte ich leises Weinen. Ich blieb stehen und lauschte, bis ich die Richtung hatte, aus der das Weinen kam, dann ging ich zwischen zwei Häusern hindurch und fand die beiden Mädchen von heute morgen. In der Dunkelheit konnte ich sie nicht sofort unterscheiden, doch beide saßen auf dem Boden, und eines der Mädchen weinte vor sich hin.
"Was hast du?" fragte ich besorgt, als ich mich zu ihnen hockte. Die Mädchen erschraken etwas, denn sie hatten mich nicht kommen hören, doch als sie mich erkannten, entspannten sie sich wieder.
"Eine Scherbe im Fuß", schluchzte das Mädchen.
"Das ist gerade passiert", sagte das andere. "Wir wollten barfuß durch das Gras gehen, und da ist Helene auf die Scherbe getreten."
"Das kriegen wir schon wieder hin", tröstete ich das Mädchen. "Ich trage dich nach Hause, wenn du möchtest, und dann kümmern wir uns um deinen Fuß."
Das Mädchen nickte dankbar. Ich nahm sie auf die Arme und trug sie nach Hause. Johanna ging vor und wies mir den Weg. Ihre Eltern erschraken sichtlich, als sie ihre Tochter auf meinen Armen sahen, doch als Johanna erklärte, was passiert war, lachten die Eltern erleichtert. Ich stellte mich ihnen kurz vor, nachdem ich Helene auf einen Stuhl gesetzt hatte, dann gingen wir zu dritt daran, ihren so schwer verletzten Fuß zu versorgen. Helene strahlte, als sich drei erwachsene Menschen um ihren kleinen Fuß kümmerten, in dessen Hacke eine winzige Scherbe von einer Bierflasche steckte. Winzig zwar, doch sie steckte tief im Fleisch. Eine kleine Pinzette war das Zaubermittel, dann fiel die Scherbe leise klirrend in einen Aschenbecher. Helene bekam noch ein großes Pflaster auf den Fuß, nachdem er ordentlich gewaschen worden war, dann trug ihr Vater sie zu ihrem Bett.
Das Zimmer war eingerichtet wie viele andere im Wohnheim. Es hatte sechs Betten, eine Kochecke, einen Tisch, einen großen Schrank, einige Regale, und ein paar Stühle. Drei der Betten waren hochkant gestellt, um etwas mehr Platz zu haben; der Raum war etwa 24 Quadratmeter groß. Ein Haus auf dem Gelände hatte 24 solche Zimmer, verteilt auf vier Etagen, jedes im Schnitt von sechs bis zehn Personen belegt. Hier war es offensichtlich so, daß die beiden Mädchen in einem Bett schliefen, wie auch die Schuhe vor dem Bett verrieten.
Wir stellten sicher, daß Helene gemütlich und ohne Schmerzen lag. Das Mädchen freute sich unsagbar über die ganze Aufmerksamkeit, die sie bekam, auch wenn der Grund ein etwas trauriger war, und obwohl sie im Bett lag, nahm sie aktiv an der Unterhaltung, die ich mit ihren Eltern und ihrer Schwester führte, teil.
Die Familie war tatsächlich vor knapp zwei Wochen nach Deutschland gekommen. Die Eltern sprachen recht gut Deutsch, die Kinder nur ein paar Brocken. Die Eltern wollten ein Restaurant eröffnen, mit osteuropäischer Küche, und hatten bisher erfolglos versucht, das Geld dafür zu bekommen. Daß es mich und meine beratende und helfende Funktion gab, hatten sie zwar schon erfahren, aber sie hatten geglaubt, es selbst schaffen zu können. Dummerweise scheiterten sie an dem für sie vollkommen unverständlichen Rechtsdeutsch. Wie auch einige Deutsche, die ich kannte. Ihr Stolz und ihre Energie ließen es jedoch nicht zu, andere Menschen um Hilfe zu bitten. Nun aber kannten wir uns, und somit war es für mich klar, ihnen zu helfen, auch wenn ich erst den Stolz der Menschen überwinden mußte. Da ich aber vom Naturell her weder überheblich noch besserwisserisch war, kamen wir schnell auf einen gemeinsamen Nenner. Wir quatschten bis etwa viertel vor elf, dann hatten wir die wichtigsten Fakten zusammen. Ich versprach ihnen, mich gleich am nächsten Tag um ihre Sache zu kümmern, dann verabschiedete ich mich. Die beiden Mädchen, besonders Helene, strahlten mich zum Abschied glücklich an.
Am nächsten Tag, in der Schule, redeten wir über Fußball. Ich nannte die polnischen Ausdrücke, dann die deutschen dafür. Ich hatte festgestellt, daß die Kinder leichter Deutsch lernten, wenn wir uns auf ein Gebiet beschränkten, und die neuen Wörter immer wieder im Zusammenhang verwendeten. Von den achtzehn Kindern in meiner Klasse waren elf Jungen und sieben Mädchen, doch selbst die Mädchen waren mit Feuereifer dabei. Wir gingen sogar so weit, daß wir die Tische an die Seite stellten und Abseits und Foul und Elfmeter spielten.
Nach der ersten großen Pause wechselten wir zum Essen. Nun kamen die ganzen Gemüsesorten, Obstsorten und Fleischsorten dran. Die Kinder schrieben wie wild mit.
In der letzten Stunde, nach der zweiten großen Pause, erzählten wir nur. Ich beschrieb ihnen die Wälder und Seen in der Gegend, den großen Freizeitpark, den wir - was ich ihnen noch nicht verriet - demnächst besuchen würden, die Sporthallen, wo die Kinder im Sommer Rollschuh und vom Herbst bis zum Frühling Schlittschuh laufen konnten. Doch all diese Sachen hatten einen großen Nachteil: sie kosteten Geld, und davon hatten diese Kinder bzw. ihre Eltern im Moment nicht besonders viel. Es gab natürlich Ausnahmen, doch die lebten nicht im Wohnheim.
Auf der Rückfahrt setzte sich Johanna direkt neben mich und hielt für ihre Schwester, die noch etwas humpelte, einen Sitz frei. Wir saßen in der Reihe, wo sich zwei Bänke direkt gegenüberstanden, so daß wir uns gut unterhalten konnten. Helene erzählte, daß sie etwas schlecht geschlafen hatte, weil ihr Fuß in der Nacht weh getan hatte. Nur zur Sicherheit ging ich mit ihr und ihrer Schwester, als wir am Wohnheim angekommen waren, zu dem Haus, in dem eine kleine Krankenstation untergebracht war, und ließ ihren Fuß untersuchen. Die Wunde hatte sich etwas entzündet. Helene bekam eine Tetanusspritze, die Wunde wurde gründlich saubergemacht, dann konnte sie gehen. Symbolisch gesprochen, denn sie konnte nur humpeln. Ich stützte sie bis zu ihrer Wohnung, wo ich mich von den Mädchen verabschiedete und anschließend nach Hause ging, um zu essen.
Um halb fünf kamen die Eltern der Mädchen zu mir, wie wir es gestern vereinbart hatten. Ich sagte ihnen, daß ich eine Bank gefunden hatte, die bereit war, das Restaurant zu finanzieren, sofern die nötigen Unterlagen vorlägen. Also die Bescheinigung, daß der Vater Koch war (war er), eine gesundheitliche Untersuchung (hatte er vor zwei Wochen anfertigen lassen), und eine Gewinnabschätzung, an die wir gleich gingen. Er hatte bereits eine sehr saubere und realistische Kalkulation entworfen, in der als einziger offener Posten der Kredit stand. Selbst die Räumlichkeiten hatte er sich schon ausgesucht: eine ehemalige Kneipe, die im Moment leer stand. Der Besitzer war bereit, ihm das Lokal zu vermieten.
Mit diesen Zahlen sollte es eigentlich glattgehen. Ich versprach ihm, mich am nächsten Abend bei ihm zu melden. Erfreut stand er und seine Frau auf und gingen, nachdem er sich herzlich bedankt hatte.
Nach Feierabend sah ich Johanna und Helene im Gras arbeiten. Sie pflügten mit einer Harke durch das Gras und sammelten vorsichtig die Glassplitter auf, die dort herumlagen. Ich schaute ihnen einen Moment lächelnd zu. Sie winkten fröhlich, als sie mich bemerkten, und kümmerten sich wieder um ihre Arbeit.
Am nächsten Morgen achtete ich während des Frühstücks auf die Wetternachrichten. Als für das Wochenende strahlender Sonnenschein und Temperaturen bis fast zwanzig Grad angekündigt wurden, faßte ich den Entschluß, am Samstag mit den Kindern aus meiner Klasse eine kleine Wanderung zu unternehmen. In der Schule bat ich die Kinder, das Einverständnis ihrer Eltern einzuholen, was am nächsten Tag auch ausnahmslos vorlag.
So trafen wir uns am Samstag morgen vor dem Wohnheim. Die Kinder hatten samt und sonders feste Kleidung an, mit der sie bestens gerüstet waren. Wir gingen etwa zwanzig Minuten lang über Bürgersteige, dann waren wir an einem großen Wald angelangt. Die Kinder hatten genügend Essen und Getränke dabei, so daß wir im Wald ein kleines Picknick machen konnten.
Bis zwölf Uhr wanderten wir über die breiten Wege immer tiefer in den Wald hinein und machten schließlich auf einer großen Wiese, auf der Bänke und Tische standen, Rast. Ich wartete, bis der größte Teil der Kinder saß, dann setzte auch ich mich hin. Sofort hatte ich Helene und Johanna an meinen Seiten sitzen. Die beiden Mädchen strahlten mich an, dann packten sie ihr Essen aus und vertilgten es hungrig. Mit ihren buschigen Haaren erinnerten sie mich kurz an Löwen, die sich auf ein Zebra stürzten.
Nach dem Essen räumten die Kinder ihre Abfälle weg, ohne daß ich sie dazu auffordern mußte, und stopften sie in die dafür gedachten Papierkörbe. Wir blieben noch etwas sitzen und unterhielten uns. Ich bemerkte, daß Johanna und Helene wie gebannt an meinen Lippen hingen, wenn ich etwas sagte, doch ich machte mir keine Gedanken deswegen. Wie ich schon sagte, entstand durch die Tatsache, daß ich sozusagen das Bindeglied zwischen ihrem alten und ihrem neuen Leben war, eine starke Bindung, doch die schwächte sich im Lauf der Monate immer weiter ab, bis die Kinder selbständig genug waren, um mit Menschen ihres Alters umzugehen. Das war bisher immer so gewesen, und so würde es auch in Zukunft sein. Ich zog nur den einzigen Vorteil daraus, daß ich die Kinder so besser im Griff hatte und sie auf das Leben in Deutschland vorbereiten konnte.
Um eins beendeten wir die Pause und marschierten weiter bis zu einem See mitten im Wald, auf dem sich sehr viele Schwäne tummelten. Begeistert, doch sehr leise, setzten die Kinder sich an das Ufer und schauten den Tieren gebannt zu. Wieder saß Helene an meiner rechten und Johanna an meiner linken Seite. Während wir auf das Wasser blickten, spürte ich plötzlich einen leichten Druck in meiner rechten Hand. Ich sah genauer hin und fand Helenes kleine Hand in meiner. Helene selbst schien gar nicht zu wissen, was sie tat, denn ihre Augen waren voller Faszination auf einen Schwan gerichtet, der gerade imponierend mit seinen Flügeln schlug, um einen anderen Schwan aus seiner Nähe zu vertreiben.
Noch während ich überlegte, ob ich meine Hand von ihrer lösen sollte, geschah das gleiche an meiner linken Seite. Johanna hatte ebenfalls ihre Hand in meine geschoben. Ich lächelte still. Ich wußte aus den Formularen, daß die Mädchen gerade mal elf Jahre alt waren, deshalb konnte wohl weder von ihrer noch von meiner Seite aus irgend eine böse Absicht unterstellt werden.
Ich ließ es gut sein.
Nach einer halben Stunde wurden die ersten Kinder unruhig, deswegen brachen wir auf und schlenderten gemütlich zurück, auf einem anderen Weg als dem, auf dem wir gekommen waren.
Um halb vier legten wir noch eine kleine Pause ein, während derer die letzten Getränke vernichtet wurden, und um halb sechs waren wir wieder am Wohnheim. Viele Kinder rannten sofort und aufgeregt nach Hause, um die vielen Neuigkeiten des Tages mit ihren Eltern und Geschwistern zu teilen, die anderen, darunter auch Johanna und Helene, bedankten sich für den schönen Tag, erst dann rannten sie heim. Lächelnd ging ich nach Hause.
Auch am Sonntag arbeitete ich. Da ich alleine lebte, war es für mich kein Problem, zwei oder drei Stunden für die Aussiedler ansprechbar zu sein. Meine letzte Partnerin war eigentlich symptomatisch für alle anderen; es sprach sie anfangs sehr an, daß ich mich so aufopfernd um die Menschen aus Polen kümmerte, ein halbes Jahr später fingen die Beschwerden an, daß ich abends immer erst so spät nach Hause kam, ein weiteres halbes Jahr später war ich wieder Single. Ich fand diese Einstellung in gewisser Weise inkonsequent. Aber da ich mit meinem Leben klar kam und es in jeder Minute genoß, konnte das Problem wohl kaum bei mir liegen. Immerhin machte ich von Anfang an klar, daß ich etwas ungewöhnliche Arbeitszeiten hatte, und daß man bei Menschen, die Hilfe brauchten, um in einem neuen Land Fuß zu fassen, weniger von Arbeit als von einer sozialen Tätigkeit reden mußte. Aber wie gesagt: ich kam damit klar, meine Partnerinnen nicht, also lag es ihnen, das entweder zu akzeptieren oder es sein zu lassen. Ich sah nicht ein, eine andere Arbeit zu wählen, nur damit ich pünktlich zu Hause war.
Auf dem Weg zu meinem Büro auf dem Gelände des Wohnheims sah ich Helene und Johanna, die noch immer fleißig die schmalen Wiesen hinter den Häusern beharkten. Beide Mädchen waren so vertieft, daß sie mich erst entdeckten, als ich hinter ihnen stand. Helene hatte einen kleinen Eimer von der Sorte, mit denen man im Sandkasten spielt, neben sich, in den die Scherben kamen; er war schon zur Hälfte gefüllt. Ich lobte die Mädchen, was ein glückliches Leuchten auf ihre Gesichter zauberte, wickelte ein Tempotuch um Helenes rechten Zeigefinger, in den sie sich leicht geschnitten hatte, und redete noch ein paar Minuten mit ihnen, dann ging ich in mein Büro, wo ich die nächsten drei Stunden verbrachte. Es kamen nur ein paar Leute, doch mit wichtigen Papieren, die am Montag bei den entsprechenden Ämtern eingereicht werden mußten.
Nach dem Mittagessen räumte ich meine Wohnung auf, dann ging ich spazieren. Ich war gerade aus der Tür heraus, als mir die beiden Mädchen entgegenliefen. Sie fragten, was ich vorhatte, und als sie hörten, daß ich etwas laufen wollte, wollten sie mitkommen. Ich schickte sie eben nach Hause, um dort Bescheid zu sagen, und wartete, bis sie atemlos zurückgerannt kamen, dann gingen wir gemeinsam in Richtung Stadtmitte.
Helene hatte statt des Taschentuches nun ein richtiges Pflaster am Finger, aber dafür waren die Wiesen jetzt auch von Scherben befreit, wie sie stolz verkündete. Ihre Freude war so groß und echt, daß ich sie einfach kurz in den Arm nehmen mußte. Glücklich umarmte auch sie mich herzhaft, dann gingen wir gemütlich weiter. Natürlich Hand in Hand, denn beide Mädchen hielten mich fest im Griff.
Ich zeigte ihnen vor Ort einige der Geschäfte, die wir im Unterricht angesprochen hatten. Die Mädchen waren sehr aufmerksam und merkten sich alles, was sie gezeigt bekamen. Munter und fröhlich klapperten wir die wichtigsten Straßen ab, bevor wir uns wieder auf den Heimweg machten.
Zurück im Wohnheim brachte ich die Mädchen nach Hause, doch ihre Eltern waren nicht da. Ein Bewohner teilte uns mit, daß sie in die Stadt gefahren seien, um mit dem Vermieter des Restaurants zu reden. Sie würden bald zurückkommen.
Ich überlegte kurz, die Mädchen sich selbst zu überlassen, entschied mich aber sofort dagegen. Wir gingen zu dem kleinen Spielplatz auf dem Gelände, der wie üblich überfüllt war, und setzten uns dort auf eine kleine Mauer, von der aus wir den anderen Kindern beim Spielen zusahen und auf die Rückkehr der Eltern warteten.
Als sie eine Stunde später noch immer nicht eingetroffen waren, bat ich die Mädchen, hier auf mich zu warten. Sie nickten ahnungslos. Ich ging in mein Büro, und ein paar Anrufe später war für zwei Menschen eine Welt zusammengebrochen. Die Eltern der Mädchen hatten einen sehr schweren Unfall gehabt. Offenbar hatten sie den Mietvertrag für ihr neues Restaurant abholen wollen, und vor lauter Aufregung darüber, schon in Kürze ihr eigenes Lokal eröffnen zu können, nicht auf den Verkehr geachtet, als sie zur Bushaltestelle gingen. Eine Straßenbahn hatte sie erfaßt. Die Eltern waren sofort ins Krankenhaus gebracht worden, aber es sah gar nicht gut aus.
Betroffen legte ich den Hörer zurück. Mein erster Gedanke galt den Mädchen. Sollte ich es ihnen sagen?
Ja.
Ich ging hinaus, nachdem ich genügend Mut gesammelt hatte, und bereitete sie langsam und vorsichtig auf die schlimme Nachricht vor. Als die Mädchen verstanden hatten, was ich ihnen sagen wollte, hatten sie die größte Mühe, nicht an Ort und Stelle in Tränen auszubrechen. Wir fuhren mit dem nächsten Bus in die Stadt und von dort aus weiter zum Krankenhaus. Als wir dort eintrafen, war es bereits zu spät. Trotz aller Anstrengungen hatten Johannas und Helenes Eltern nicht gerettet werden können.

* * *

Während dieser schweren Zeit stand es für mich außer Frage, mich um die Mädchen zu kümmern. Sie hatten ja niemanden sonst. Nach der für die Kinder grausamen Prozedur der Beerdigung ihrer Eltern kam die Frage ihres zukünftigen Verbleibes auf. Ein Heim wäre an und für sich das beste für die Kinder gewesen, doch etwas in mir wehrte sich dagegen. Nach einigen Gesprächen mit Bekannten im Jugendamt durften die Kinder bei mir wohnen. Natürlich stellte ich vorher sicher, daß sie dies auch wollten. Beide Mädchen zogen mich dem Waisenhaus vor.
Daß die Mädchen völlig neben sich waren, muß ich wohl nicht extra erwähnen. Das Verhältnis zu ihren Eltern war ein hervorragendes gewesen, und entsprechend groß war nun ihr Verlust. Es gab viele Tage, an denen die Kinder apathisch neben mir auf dem Sofa saßen, und noch viel mehr Nächte, in denen sie hemmungslos weinten. Ich konnte nichts anderes tun, als da zu sein, und obwohl wir im Grunde Fremde füreinander waren, kamen die Mädchen häufig tief in der Nacht in mein Bett gekrabbelt, die Gesichter naß vor Tränen. Nach und nach bürgerte es sich ein, daß sie abends gleich in mein Bett gingen anstatt in ihres, um zumindest etwas weniger zu weinen. Denn gegenseitig konnten sie sich nicht trösten, das mußte von außen kommen, und wenn ich abends ins Bett ging, kuschelten die Mädchen sich selbst im Schlaf eng an mich und schliefen so wenigstens durch, ohne mehrmals durch Alpträume geweckt zu werden.
Es war eine für alle Seiten sehr schlimme Zeit, doch auch der tiefste Schmerz ist irgendwann aufgebraucht. Bis zum Herbst hatten die Kinder den Verlust ihrer Eltern einigermaßen überwunden, auch wenn sie immer wieder viel und intensiv von ihnen erzählten, und ganz allmählich kehrte die Normalität zurück in das Leben der Mädchen. Ihre Deutschkenntnisse wuchsen von Tag zu Tag, und obwohl sie durch den Tod ihrer Eltern einen ziemlichen Rückschlag im Lernen hinnehmen mußten, waren sie nach Weihnachten so weit, meine Klasse verlassen zu können. Mit der Schule war abgesprochen, daß alle Kinder aus unseren Klassen nicht ihrem Alter entsprechend eingestuft wurden, sondern ein Jahr zurück, um wirklich sicherzugehen, daß sie den Anschluß fanden. Sie hörten nun bekannten Stoff in einer noch nicht so bekannten Sprache, aber damit konnten sie besser umgehen als mit unbekanntem Stoff in einer noch nicht so bekannten Sprache.
Obwohl die Mädchen nun in einer "normalen" Klasse waren, sahen wir uns in jeder Pause. Die beiden Kinder verbrachten jede freie Minute in meiner Nähe und sorgten somit anfangs für viele Gerüchte, doch da ich erstens inzwischen ihr Adoptivvater war und zweitens die wahre Geschichte der Mädchen sehr schnell die Runde machte, wurde jedes Gerücht gleich im Keim erstickt. Johanna und Helene kümmerte dies jedoch nicht. Sie brauchten einfach die Nähe zu einem Menschen, zu dem sie Vertrauen hatten.
Ein Jahr nach dem Tod der Eltern, am 12. Geburtstag der Mädchen, war das Leben fast wieder normal. Die Mädchen konnten wieder lachen und fröhlich sein, wenn auch nicht in dem Maße wie früher, aber die große Trauer war überwunden. Nur ganz selten kehrte die Depression zurück, doch die Phasen, in denen es den Mädchen gut ging, wurden immer länger und intensiver.
Was sich jedoch nicht änderte, war das Bedürfnis nach Nähe. Noch immer schliefen die Mädchen in meinem Bett. Wir hatten versucht, sie wieder in ihrem gemeinsamen Zimmer schlafen zu lassen, doch sofort begannen die Alpträume wieder, schlimmer und grausamer als vorher. Sie hörten auch nicht auf, so daß wir schließlich ganz darauf verzichteten und die Kinder ihr nächtliches Lager bei mir aufschlugen. Von der ersten Nacht an schliefen sie tief und fest durch.
In der Woche war das Leben streng reglementiert; anders hätten wir es anfangs nicht auf die Reihe bekommen. Nach dem Aufstehen gingen die Mädchen ins Bad und machten sich fertig, während ich Frühstück vorbereitete. Wenn die Mädchen fertig waren, ging ich ins Bad, und sie deckten den Tisch und schmierten sich ihre Schulbrote. Wir frühstückten gemeinsam, dann fuhren wir gemeinsam in die Schule, wo wir uns trennten. Hatten die Mädchen eher Schule aus als ich, warteten sie auf mich, und umgekehrt. Wir fuhren nach Hause und machten uns das Mittagessen, anschließend gingen die Mädchen an ihre Hausaufgaben und ich in mein Büro im Wohnheim. Wenn die Mädchen mit ihren Aufgaben fertig waren, kamen sie mich besuchen und blieben entweder still dort sitzen, oder sie spielten mit anderen Kindern auf dem Spielplatz. Je mehr Zeit verging, um so häufiger kam das zweite vor. Sobald ich Feierabend gemacht hatte, gingen wir heim und aßen zu Abend, dann verbrachten wir den Rest des Tages entweder mit Spaziergängen oder blieben zu Hause und spielten oder redeten.
Am Wochenende ließen wir alle Regeln fallen und schliefen aus. Die Mädchen hatten eine sehr große Anhänglichkeit entwickelt. Sie spürten sogar im Schlaf, wenn ich aufstand, um auf die Toilette zu gehen, und sofort schliefen sie viel unruhiger. War ich wieder bei ihnen, war alles in Ordnung, und sie schliefen fest und tief weiter.
Im Verlaufe diesen zweiten Jahres verwandelte sich die Anhänglichkeit in ein fast schon übermäßiges Schmusebedürfnis. In welchem Zimmer ich auch war, und was immer ich auch tat, immer klebten beide Mädchen an mir und wollten schmusen. In den Sommerferien, die wir in Polen verbrachten, wurden sie so anhänglich, daß es mir fast schon zuviel wurde, doch das Glück in ihren Augen, wenn ich sie im Arm hatte, war mir wichtiger als das unwohle Gefühl, was ich dabei empfand.
Meine Verwandten kümmerten sich rührend um meine neuen Töchter. Wir unternahmen sehr viel gemeinsam, bummelten durch die Städte in der näheren Umgebung, machten lange Wanderungen mit Picknick unterwegs, und hingen praktisch jede Minute des Tages zusammen.
Helene war noch eine Spur anhänglicher als Johanna, sofern das überhaupt möglich war. Sie konnte es kaum ertragen, länger als fünf Minuten von mir getrennt zu sein. Die Schule war zum Glück eine Ausnahme, aber ansonsten war Helene immer in meiner direkten Nähe, umarmte mich, klebte an mir, und ließ auch nicht los, wenn ich ein paar Schritte ging. Immer, wenn ich etwas dazu sagen wollte, traf mich ein Blick aus ihren graublauen Augen, dem ich nicht widerstehen konnte. Es endete meistens so, daß ich sie auf den Arm nahm und trug. Dann lachten ihre Augen, als hätte sie gerade eine Wette gewonnen.
Mit Beginn der Herbstferien - die Mädchen waren nun 12 1/2 Jahre alt - bemerkte ich zum ersten Mal, daß sie anfingen, sich in junge Damen zu verwandeln. Ihre Körper entwickelten sich. Johanna und Helene zeigten sich jeden Morgen ganz stolz ihre Oberkörper, ohne auf meine gelinde Verwirrung zu reagieren. Als der Punkt kam, wo ich fühlen mußte, welcher Busen der größere / festere / rundere / schönere war, hätte ich alles noch stoppen können, doch ich ließ die Chance ungenutzt verstreichen. Sorgfältig und konzentriert, wie es sich für einen Prüfer gehörte, tastete ich ihre winzigen Brüste ab und verkündete schließlich, daß sie beide den ersten Platz gemacht hätten. Es stände unentschieden. Mit bloßen Oberkörpern warfen die Mädchen sich auf mich und kuschelten und schmusten und küßten. Diese Prozedur wiederholte sich nun jeden Morgen. Anfangs war ich mir sicher, daß sie einfach nur hören wollten, daß sie beide gleich weit entwickelt - und natürlich gleich hübsch - waren, aber später war ich mir dessen nicht mehr ganz so sicher, denn sowohl Helene wie auch Johanna murrten laut und deutlich, wenn ich meine Prüfung mit Hinweis auf die Uhrzeit beendete.
Einige Wochen später, etwa Mitte November, änderte sich die Zeit dieser Prüfung. Die Mädchen standen morgens schnell auf, ohne sich ihre Brüste zu zeigen, und verlegten dies statt dessen auf den Abend. Nun hatte ich keine Entschuldigung mehr für eine kurze Prüfung, und die beiden Racker wußten dies auch. Es begann immer damit, daß sie sich gegen neun Uhr fertig für das Bett machten, dann mußte ich mit ihnen kommen. Sie setzten sich hin und zogen sich die Oberteile aus, dann schauten sie mich auffordernd an. Ich setzte mich zwischen sie, legte meine Arme um sie und "fühlte". Dauerte es weniger als fünfzehn Minuten, wurden die beiden Mädchen ernstlich verstimmt, doch je länger es dauerte, um so schwieriger wurde es für mich, meine Haltung zu bewahren.
Zwischen Weihnachten und Silvester - genauer kann ich das heute nicht mehr bestimmen - kam der nächste Schritt. Sobald ich entschieden hatte, daß beide Busen gleich fest und schön waren, zogen die Mädchen mich bis auf die Unterhose aus und zwangen mich regelrecht, mich zu ihnen zu legen. Sie ließen ihre Oberteile aus und kuschelten sich an mich, dann durfte ich ihre bloßen Rücken streicheln.
Ein paar Minuten lang zumindest, dann drehte Helene sich auf die andere Seite und legte meine Hand auf ihre kleine Brust. Johanna folgte nur wenige Sekunden später. Und wehe, ich hielt meine Hand still! So lieb, nett und brav die beiden Mädchen auch sein konnten, wenn ich nicht ihre kleinen Brüste streichelte, wurden sie knurrig.
Ich streichelte sie beide, bis sie eingeschlafen waren. Aber aufstehen durfte ich nicht, das spürten die kleinen Biester selbst im tiefsten Schlaf. Das einzige, was ich machen durfte, war sie festzuhalten, bis sie morgens erwachten und sich und mich herzlich begrüßten. Dann konnte der Tag beginnen.
Natürlich machte ich mir Gedanken über ihr Verhalten. Nicht so sehr, woher es kam, sondern mehr, wohin es führte. Ich war mir zu jener Zeit sicher, alles im Griff zu haben, doch heute muß ich sagen, ich hatte es nicht. Johanna und Helene hatten es im Griff. Sie hatten mich im Griff.
Silvester blieben die Mädchen natürlich bis Mitternacht auf. Als die Uhr auf Mitternacht sprang, wünschten wir uns ein frohes neues Jahr und tranken einen winzigen Schluck Sekt, dann ging es hinaus auf den Balkon, von wo aus viele Raketen in den Himmel gejagt wurden. Dieses Jahr konnten sie Silvester richtig genießen; die Trauer war verschwunden.
Gegen eins oder so wurde es uns zu kalt, außerdem hatten wir keine Knaller mehr. Aufgedreht unterhielten sich die Mädchen noch eine Weile mit mir, dann ging es ins Bett. Helene und Johanna schauten sich an, als würden sie stumm etwas besprechen, dann zogen sie sich vollständig aus und schlüpften unter die Bettdecke. Auf meine vorsichtige Frage, was das denn nun darstellen sollte, grinsten sie nur und zogen mich ins Bett. Entgegen meinen Befürchtungen lagen sie jedoch ganz still, nachdem sie sich an mich gekuschelt hatten, und schliefen auch kurz danach ein. Ich streichelte beide gleichzeitig, wie sie es gewohnt waren, bis auch ich einschlief.
Am Morgen wollten sie nach dem Aufwachen nicht aufstehen. Ich mußte sie streicheln, so weit meine Hände reichten. Das war in ihrem Fall immerhin vom Kopf bis zu den Oberschenkeln. Wenn ich es wagte, ihre Rückseiten auszulassen, fauchten die Mädchen mich an, also streichelte ich sie auch am Po. Und schon war wieder Frieden.
Dieses Spiel machten sie den gesamten Januar hindurch. Pünktlich zum ersten Februar kam eine Regeländerung, eingeführt von Helene. Als wir abends ins Bett gingen, wartete sie, bis Johanna und ich lagen, dann kam sie an meine Seite, griff sich meine Hand, legte sie sehr weit unten auf ihren Bauch und blieb still. Unmerklich schob sie meine Hand dann im Laufe der nächsten Minuten weiter nach unten, bis ich unter meinen Fingern ein paar weiche Haare spürte. Instinktiv zuckte ich zurück und riß meine Hand fort. Helene beschwerte sich mit keiner Silbe; sie nahm sich nur wortlos meine Hand und legte sie sich genau auf die Stelle, die ich vermeiden wollte. Ich drehte meinen Kopf zu ihr, um sie zu fragen, was um alles in der Welt sie sich dabei dachte, doch als ich den Mund aufmachte, zuckte ihr Kopf vor, und ihre Lippen drückten sich auf die meinigen.
Es war dieser Moment, der alles unwiderruflich veränderte. Ich hatte zwei splitternackte, fast 13jährige Mädchen im Arm, eine davon hatte meine Hand auf ihr Geschlechtsteil gepreßt und küßte mich mit offenen Mund. Diese Kombination führte dazu, daß ich - ganz ungewollt! - mit den Fingern über Helenes Scheide rieb. Es war ein Reflex.
Doch auch Helene hatte Reflexe. Als ich meine Finger über ihre empfindlichste Stelle rieb, seufzte sie laut in meinen Mund. Dieses Seufzen löste in mir den Reflex aus, sie kräftiger zu reiben, was wiederum in einem noch tieferen Seufzen ihrerseits resultierte, und irgendwann kam der Punkt, da Helene ihren vermutlich allerersten Orgasmus erlebte. Was er auch tatsächlich war, wie sie mir später mit leuchtenden Augen verriet.
Nach dieser Vorführung war Johanna natürlich neugierig wie eine neugeborene Katze. Sie bombardierte ihre Schwester mit Fragen, doch Helene hatte anderes zu tun als Fragen zu beantworten. Sie schnappte atemlos nach Luft. Selbst Johanna merkte, daß dies ein sehr ungünstiger Zeitpunkt war, und entschied, es dann eben ohne nähere Informationen selbst zu probieren.
Noch während Helene sich erholte, führte Johanna meine Hand in ihren Schritt und sah mich auffordernd an. Warum ich in diesem Moment nicht vor Lachen geplatzt bin, weiß ich nicht. Noch heute sehe ich ihre graublauen Augen vor mir, die voller Erwartung schimmerten, und ihre gespannte Miene, die sich schon wenig später in eine lustvolle Miene verwandelte. Mittlerweile war Helene wieder auf dem Damm und sah neugierig zu, wie ich nun ihre Schwester versorgte, die wenige Minuten später dann auch Bescheid wußte, warum Helene so atemlos war.

Nach diesem Geschehen wollte ich die Mädchen gründlich zusammenstauchen, doch Helene nahm mir völlig den Wind aus den Segeln, indem sie meinte, daß ich jetzt an der Reihe wäre. Sie zog an einer Seite, Johanna an der anderen, dann war meine Unterhose weg. Völlig ungehemmt schauten sie die Mädchen an, was sie offenbar so brennend interessierte, bis die vorsichtige Frage kam, ob Männer auch einen Orgasmus bekommen können. Ich bejahte seufzend.
Natürlich wollten die Mädchen gleich wissen, wie, und schweren Herzens erklärte ich es ihnen. Mit Feuereifer stürzten sie sich auf das Objekt ihrer Neugier und behandelten es so, wie ich gesagt hatte, mit dem Erfolg, daß sie ein paar Minuten später staunend auf das Resultat blickten, das langsam von meinem Bauch herunter floß.
Von diesem Abend an waren die beiden Mädchen kaum mehr zu bändigen. Direkt nach dem Abendessen zerrten sie mich ins Schlafzimmer, wo wir uns gegenseitig auszogen, dann ging es ab ins Bett. Nach einigen Tagen hatten die Mädchen herausgefunden, daß diejenige, die nicht gerade mit meiner Hand beschäftigt war, auch etwas tun konnte, nämlich ihre Schwester streicheln.
Diese Erkenntnis verlangte nach einer neuen Anordnung unserer Körper. Ich erklärte ihnen die verschiedenen Möglichkeiten, zum Ziel zu kommen, und eine davon wurde gleich ausprobiert und zum zukünftigen Standard erklärt. Ich lag auf dem Bett, eine der Schwestern saß auf mir, mit ihrem Unterleib direkt vor meinem Gesicht, während die andere hinter ihr saß und von hinten ihre Brüste liebkoste.
Das gefiel den beiden Rabauken ungemein.
Dann, im März, kam ihr 13. Geburtstag, den wir mit einem ausgedehnten Essen in einem Restaurant feierten. Und nach dem Essen...
Helene und Johanna waren beide sehr zielstrebige junge Mädchen. Was sie sich in den Kopf gesetzt hatten, führten sie auch zu Ende. An diesem Abend hatten sie sich wohl in den Kopf gesetzt, mehr von dem Geheimnis zwischen Mann und Frau zu erfahren, denn anstatt sich auf meine Brust zu setzen, nahm Helene auf meinen Oberschenkeln Platz, von Johanna sehr aufmerksam beobachtet, und begann, mein Geschlechtsteil an ihrem zu reiben, bis es urplötzlich ein kleines Stück in sie ging. Helene überlegte ein paar Sekunden, ob es ihr gefiel, was sie da spürte, dann legte sie los. Daß sie entjungfert wurde, bekam sie, wenn überhaupt, nur ganz am Rande mit; ihr Eifer, mich vollständig in sie zu bekommen, war viel größer als ein kleines Piksen irgendwo in ihrem Körper.
Nachdem ihre Anstrengungen von Erfolg gekrönt waren und sie flach auf mir saß, schaute sie mich mit leuchtenden Augen an. Nach diesem Blick konnte ich auch nicht mehr Nein sagen.
Langsam begann Helene, ihr Becken zu heben und zu senken, und nach einer Weile übernahmen ihre Instinkte die Kontrolle. Johanna saß ganz still neben uns und schaute konzentriert zu, was ihre Schwester da machte.
Helene arbeitete in aller Ruhe auf mir, jedes kleinste Gefühl auskostend. Etwas beschämt muß ich sagen, daß auch ich es genoß, was aber wohl hauptsächlich an dem körperlichen Unterschied zwischen Helene und mir lag. Es war jedenfalls ein dermaßen intensiver Reiz, daß ich keinen Moment über die möglichen Folgen nachdachte, die sich aus dieser Situation ergeben mochten.
Wie dem auch sei. Helene hob und senkte ihr Becken in einem sehr ruhigen, angenehmen Tempo. Nachdem sie sich daran gewöhnt hatte, hob sie ihren Kopf und schaute mich an. Auch diesen Blick werde ich bis an mein Lebensende nicht vergessen. Ihre Augen strahlten vor Glück und Freude. Ich rollte uns herum, und als ich über ihr lag, übernahm ich die Arbeit. Helene gab sich mir ganz hin, ohne jeden Vorbehalt, und es muß dieser Abend gewesen sein, da ich merkte, daß mehr zwischen meinen Adoptivtöchtern und mir war als nur tiefe Sympathie. Aber dies war nicht der rechte Zeitpunkt, um darüber nachzudenken.
Helene bekam einen äußerst starken Orgasmus, während ich noch weit davon entfernt war. Ihre Schwester schaute etwas neidisch drein, aber das legte sich sofort, als sie mir zuflüsterte, daß sie das morgen mit mir machen wollte. Oder morgen früh. Je nachdem. Trotz der angespannten Situation in meinem Gefühlsleben mußte ich lachen und küßte sie zärtlich, dann kümmerte ich mich wieder um Helene, die schwitzend und schnaufend unter mir lag, den zweiten Höhepunkt jeden Moment erwartend.
Irgendwann konnte ich mich nicht mehr zurückhalten, und ab dem Moment wurde Helene richtig laut. Sie ging mit, wie ich es von vielen älteren Frauen nicht erlebt hatte, und es war ihr ganz deutlich anzusehen, daß sie in keinster Weise schauspielerte. Sie empfand das wirklich, was sie voller Lust in die Welt hinaus schrie. Ihr Verhalten, gepaart mit ihrem Alter, brachte meine Nerven zum Kochen, und Sekunden später gab ich ihr alles, was ich zu geben hatte.
Zu Tode erschöpft, aber glücklich bis in die Haarspitzen fiel Helene auf mich. Wir flüsterten uns liebe Sachen ins Ohr, bis sie eingeschlafen war. Ich hielt sie auf mir, Johanna kuschelte sich an uns beide, und so schliefen wir ein.
Am nächsten Morgen war dann Johanna an der Reihe. Sie hatte noch nicht ganz die Augen auf, da saß sie auch schon auf mir und führte mich ein. Helene wurde ebenfalls wach und schaute lächelnd zu, wie Johanna sich auf und ab bewegte, bis sie mich ganz in sich hatte. Dann drehten wir uns herum, so daß ich auf ihr lag, und das Spiel begann von vorne.
Bis zu diesem Zeitpunkt war ich immer der Meinung gewesen, daß zwei Menschen nicht vollkommen identisch reagieren können. So war es aber bei Helene und Johanna. Wenn ich die Augen schloß, hörte und spürte ich keinen Unterschied zwischen den beiden Mädchen. Ihr Empfinden, ihre Reaktionen, ihre Bewegungen, all das war identisch mit ihrer Schwester. Auch das laute, lustvolle Schreien, als sie ihren Höhepunkt bekam, hätte das von Helene sein können.
Und so ging es weiter. Helene abends, Johanna morgens. Wochen und monatelang, bis beide Mädchen eines Tages ganz stolz verkündeten, daß sie ihre Periode nicht bekommen hätten.
Plan "B" trat in Kraft.
Wir brachen sämtliche Brücken in Deutschland ab und zogen nach Polen, wo Helene und Johanna jeweils ein süßes Mädchen zur Welt brachten. Wer der Vater war, verrieten weder sie noch ich.
Dies alles geschah vor über fünf Jahren. Helene und Johanna sind heute, da ich diesen Bericht schreibe, gerade achtzehn geworden, und unsere Töchter Maria und Olga werden demnächst sechs. Wo wir leben, werde ich nicht sagen, denn wir wollen das Glück, das wir gefunden haben, nicht aufs Spiel setzen. Es mag darüber gestritten werden, ob das, was wir getan hatten, falsch oder richtig war; für uns steht jedenfalls felsenfest, daß wir glücklich sind.
Und nur das zählt für uns.


E N D E

 

 

 

 

 

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